LITERATEN-EMIGRANTEN

 
Die Autoren Lion Feuchtwanger - Thomas Mann - Carl Zuckmayer - Berlin 1931
 
LITERATEN-EMIGRANTEN
 
Was war'n das für seltsame Leute,
Zuckmayer, Mann und Konsorten,
honorige Zeitgenossen fürwahr,
versiert im Umgang mit Worten.
 
Es konnte nicht deutsch empfinden,
diese Gattung von Literaten,
sie fühlten als Kosmopoliten sich,
sie waren von anderen Arten.
 
Sie fühlten sich haushoch darüber,
weit über des Volkes Nöten.
Wer dem Volk nicht herzeigen ist,
der mag's auch verlästern und töten.
 
Wie war die Kunst dieser Geister ?
Die Distanz, Süffisanz, Ironien !
Mit dünkelhaft-anmaßendem Spott
haben sie Deutschland bespien.
 
„Wo ich bin, da ist Deutschland“,
röhrte des Platzhirsches Rufen.
Thomas Mann, Du eitler Geck,
scharrtest zu laut mit den Hufen.
 
Und Carl Zuckmayer-Oberlehrer,
so unverschämt, wie vermessen.
Er hat den Deutschen Noten erteilt,
für des US-Feindes Interessen.
 
Wie kam‘s zu ihrer Verblendung,
zur Verblödung der Geistesgrößen,
die den Nazi-Terror beklagten
doch den von Stalin verdösten ?
 
Als feine Geistes-Geschmäckler,
so traten sie auf, die Betörten,
die lauthals NS-Art verschmähten,
doch Gulags Schreie nie hörten !
 
Den Yankees wollten sie dienen
und die Bolschwiken bewundern.
Gleicht jener der A-Bombenbauer lobt,
ethisch nicht flachen Flundern ?!
 
Was macht die Leute janusköpfig,
macht ihr Tun und Lassen so schal,
lässt sie Teufelspakte schließen,
in blindwütiger Doppel-Moral ?
 
Thomas Mann
 
Vielleicht liegt es an Deutschlands geografischer Mittellage, in die die unterschiedlichsten Einflüsse zusammengespült werden und zusätzlich am unwirtlichen Wetter, das die klimabedingt schwächeren Charaktere unwirsch werden lässt, so dass diese Gesellschaft viele gebrochene Personen und Persönlichkeiten der schreibenden Zunft hervorgebracht hat. Denken wir nur an den kaschubischen Literaturnobelpreisträger Günther Grass (1927-2005), dem Ladeschützen der „SS-Panzerdivision Frundsberg“, welcher nach dem Krieg seine Waffen-SS-Zugehörigkeit hartnäckig verschwieg, sich in der Beschreibung von Ferkeleien gefiel und als linksextremer SPD-Enthusiast, eine ätzende Anklageinstitution gegen das untergegangene NS-Regime wurde, um schließlich gegen Israels Atomwaffenarsenale zu polemisieren. Oder sein Freund der fanatische Straßenschläger-Kommunist und Antidemokrat Herbert Frahm alias Willy Brandt (1913-1992) der sogar bis zum demokratischen Vorbild als SPD-Bundeskanzler avancierte.  In Katastrophenzeiten, wie zwischen den beiden Weltkriegen, gediehen noch bedeutend schrillere Typen, wie der Literaturnobelpreisträger (1929)  Paul Thomas Mann (1875-1955) und der Kleist-Preisträger (1925) Carl Zuckmayer (1886-1977). Diese Couleur Literaten kamen aus begüterten, tüchtigen Unternehmerfamilien die ihren Sprösslingen den Bohème-Lebensstil intellektueller Randgruppen einer abgehobenen Subkultur ermöglichten. Dem einfachen arbeitenden Volk fühlten sich diese „feineren Herren“ weit überlegen, so dass der gesellschaftsstabilisierende deutschvölkische Volksverbrüderungsgedanke des NS bei ihnen keinen Widerhall fand, aber die extreme russische Propaganda der bolschewistischen „Proletarischen Weltrevolution“ aber doch. Man „ging mit der Zeit“, es galt als schick, linksextrem zu sein. Von den Massenverbrechen der Bolschewiken hatte man gehört, aber gar so schlimm wird es wohl doch nicht sein, denn „proletarische Weltverbrüderung der Arbeiter und Bauern“ klingt doch so schön nach einer Zukunftsmelodei vom „Gelobten Land“. Diese „deutschen“ Literaten fühlen sich nie dem deutschen Volk angehörig und schrieben dementsprechend distanziert herablassend, ironisch bis verächtlich und hinabwürdigend. Schon die vor der Jahrhundertwende publizierte Novelle „Der kleine Herr Friedemann“ von Thomas Mann, zeigt seine süßlich-schwülstigen Neigung zum Morbiden, zum Kranken und zum unproduktiven Mitempfinden für die Schlechtweggekommenen. Ebenso sein wenig später erschienener Roman „Buddenbrooks: Verfall einer Familie“, wo er detailreich ausgewalzt den Untergang eines Geschlechts schildert. Dass derartige depressiv machende Untergangsliteratur, nach dem Untergang des hoffnungsfrohes deutschen Kaiserreichs, von denen nicht gern gesehen und gefördert wissen wollten, die darauf bedacht waren, die deutsche Niedergeschlagenheit zu überwinden, nämlich den NS-Aktivisten, versteht sich von selbst. In seiner Novelle „Tonio Kröger“ mokiert sich Mann, der aus einer brasilianischen Mutter herrührt, über den germanischen Rassetypus und führt später in „Lebensabriß“ „Neue Rundschau“,1930, dazu aus: Die Begriffe ,Rasse‘ und ,Typus‘ spielen auf Nietzsches ,Blonde Bestie‘ an, bei dem sie für ,die Antriebe zum Leben‘ und für ,alles, was noch stark und glücklich war‘ stehen. Die ‚Blonde Bestie‘ spukt auch in meiner Jugenddichtung, aber sie ist ihres bestialischen Charakters so ziemlich entkleidet, und übriggeblieben ist nichts als die Blondheit zusammen mit der Geistlosigkeit.“ Er fühlt sich den Deutschen nicht zugehörig. Blond stellt er zu geistlos, womit sein antideutscher Rassismus ungeschminkt hervortritt. Mann blieb seinen seelischen Zersetzungsgesängen treu, er hat den Roman „Tod in Venedig“ (1911) im „Lebensabriss“ selbst „Tragödie einer Entwürdigung“ genannt. „Der Zauberberg“ (1924) spielt bezeichnenderweise in einem Hochgebirgs-Sanatorium, wo sich Krankheit, Liebe, Tod und Politik durcheinandermischen. „Der Zauberberg“ wird als eine Parodie auf den klassischen deutschen Bildungsroman verstanden, in den die Jugend gelockt wird und von wo „keiner wieder zurückgekehrt ist“. Das abstoßende Negative, Überdruss-Verursachende, ohne Erlösungsperspektive, ist wieder Grundelement Mann‘scher Ergüsse. Es heißt dazu richtig: „Der Erzähler wahrt eine skeptisch-ironische Distanz zu den Figuren typischer Konstellationen“. Im Roman „Joseph und seine Brüder“ (1933-43) schwelgt Mann in der Ausschmückung der Biblischen Geschichte, was seiner geistigen Nähe zum Judentum bemerkenswerten Ausdruck verlieh. Die Texte zu „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ (1954) rühren her aus Zeiten vor Weltkrieg II. und zeugen von den sehr saloppen Moralbegriffen, die ein amüsant beschriebener Dieb zur Nachahmung geradezu empfiehlt. Thomas Mann fieberte mit den kommunistischen „Weltrevolutionären“, die überall wo sie sich zur Macht putschten Blutbäder hervorriefen. Der feine Mann hoffte auf den Sieg der „Volksfront“ in Ungarn, Frankreich, Spanien und so war verständlich, dass er die fressgierige rote Spinne im Netz der „Komintern“, auch Brüderchen Stalin schätzte, dessen Verfassungsrichtlinien von 1936 er in einem Brief an Herman Wolf (30.07.1936), kurz und bündig die Note „akzeptabel“ gab. Der spiritistische sensible Hörer der Zwischentöne war der ganz gemeinen Sowjetpropaganda auf den Leim gegangen. Dass Mann mit solchen Positionen und mittels eines solchen Gesamtwerkes die Kollision mit dem NS-Staat heraufbeschwor, war vorgezeichnet. Er erklärte 1933 seinen Austritt aus der „Sektion Dichtkunst bei der Preußischen Akademie der Künste“ und begann eine Emigrationsreise die ihn schließlich die USA brachte.
 
Sofort begann Mann im Ausland seine Hetzaktivitäten gegen Deutschland, verbunden mit seiner narzisstischen Selbstüberhebung. Bei seiner Ankunft in New York am 21.02.1938 verstieg sich vor Reportern das Romanschreiberlein zur megalomanischen Äußerung: Where I am, there is Germany” (Wo ich bin, da ist Deutschland), was seinen seelisch-geistigen Realitätsverlust vollauf dokumentierte. Er wurde sofort Mitglied in mehreren Ausschüssen, die jüdische und christliche Emigranten unterstützten. 1940 begann er seine Radiosendung „Deutsche Hörer !“, die die „BBC“ von London ausstrahlte, welche Desinformation und Entnervung der Deutschen bezweckte, nach den Regeln der psychologischen Kriegsführung. Er vertrat die Wahnsinnsthese von der Kollektivschuld der Deutschen. Da hätten sehr, sehr viele andere Völker eine nicht weniger hohe Schuldenlast mitzuschleppen ! Die Bombardierung deutscher Städte - mit hunderttausenden gezielt verbrannter und erschlagener Mütter und Kinder - während des Zweiten Weltkrieges, kommentierte er mit den Worten: „Alles muss bezahlt werden.“ Dieser Mann war derart eingesponnen in seinen Dünkel, dass er für jede realistische Schau unbeeinflussbar blieb. Während er Gift und Galle gegen den Erretter vom Kommunismus, Adolf Hitler, spie, fand er Joseph Stalin so ganz nach seinem Geschmack; perverser geht‘s nicht ! Den verdienten Tritt in den Hintern erhielt er von seinem hochgelobten Brötchengeber USA recht überraschend. Im Juni 1951 wurde er öffentlich im Repräsentantenhaus des US-Kongresses gescholten als „one of the world’s foremost apologists for Stalin and company” (einer der weltweit bedeutendsten Verteidiger von Stalin und Genossen). Er musste Rechenschaft vor dem „Komitee für antiamerikanische Umtriebe“ ablegen. Die linke Mann-Sippschaft wurde in die „wiederholte Emigration“ nach der Schweiz genötigt. Der für die historischen Ereignisse seines Jahrhunderts bis zuletzt blinde und taube Thomas Mann hat nie begriffen, dass er sich der Macht verkauft hatte, die den Untergang Deutschlands geplant und konkret in die Wege geleitet hatte, die von Anbeginn den atomaren Zivilisten-Massenmord als Mittel des totalen Krieges anwendete, durch Flächenbombardements gegen die deutschen Städte und den Bau der A-Bombe, seit August 1939, als noch kein Mensch in Deutschland - weder Führung noch Volk - die Möglichkeit eines Krieges mit den fernen USA auch nur in Erwägung zog. Der schreibende Narr, der naive Thomas Mann, hatte sich mit dem wahren diabolischen Welteroberer eingelassen, hatte seine Seele verkauft, hat sein Volk verraten. Kopfschütteln und Ekel wird zurecht empfunden, wenn ein Deutscher seiner gedenkt.
 
Carl Zuckmayer
 
Auch Carl Zuckmayer (1896-1977) war früh davon überzeugt, etwas Besseres zu ein. Sein Vater hatte ein bedeutendes Unternehmen zur Herstellung von Weinflaschenkapseln aufgebaut. In Weltkrieg I. tat Zuckmayer untadelig seine Soldatenpflicht, wurde ausgezeichnet mit den „Eisernen Kreuzen“ beider Klassen und erhielt die „Hessische Tapferkeitsmedaille“. Sein Nachkriegsdrama „Kreuzweg“ wurde ein Reinfall und wie viele andere Deutsche begann die Suche nach seinem Weg im Niedergangschaos der Weimar Republik. Er heiratete, ließ sich scheiden, hatte Affären, versuchte sich als Bänkelsänger in Kneipen und Drogendealer. Im damals schon links und schmuddelig werdenden Berlin ist er verdorben worden. „Der fröhliche Weinberg“ war der Titel Carls derb-idyllischen Lustspiels das erstmals i.J. 1925 in Berlin aufgeführt wurde. Die saufende, krakeelende, streitende Kleinbürgerlichkeit der Rheinländer war das Ziel dieser frühen Zuckmayer’schen Karikatur. Sie kam bei den aufgespießten Rheinländern schlecht an, es gab sogar Proteste gegen das Stück. Seine unangepasste Skurrilität wird auch ersichtlich aus dem Namen den er seiner ersten Tochter aus seiner zweiten Ehe gab, die 1926 geboren wurde: Maria-Winnetou. Der Tendenz das „tumbe Völkchen“ vorzuführen, es aus der Stellungnahme des distanzierten Oberlehrers schlecht zu benoten, blieb Zuckmayer bis zum Lebensende treu. Ein Impuls den er mit vielen dieser damaligen Literaten der „Weimarer Republik“ teilte. Sie schrieben nicht für das Volk, um ihm aufzuhelfen, sondern über das „törichte und hohlköpfige“ Volk, um sich darüber zu amüsieren. Die eingefleischte Arroganz verließ den Autor sein Lebtag nicht. Unter dem Zersetzungsmotto „Lachen tötet“ schrieb er sein antipreußisches Paradestück „Der Hauptmann von Köpenick - Ein deutsches Märchen in drei Akten“ (1931). In völliger Verzerrung der realen Gegebenheiten baut er den Popanz einer angeblichen deutschen Devotionalie auf, nämlich den „Bunten Rock“ des Militärs. Ein Hochstapler-Vorfall, der in jedem Land in dem es Polizei- und Militäruniformen gibt, vorkommen kann und vorgekommen ist, bauschte er zu einer deutschen Tragödie auf. Der kleinkriminelle Schuhmacher Friedrich Wilhelm Voigt (1849-1922) hatte i.J. 1906, angetan mit einer erstandenen Hauptmanns-Uniform, sich der Stadtkasse von Köpenick bemächtigt. Der albernen Ausrede des Diebes, er hätte eigentlich „nur“ einen Pass stehlen wollen und nicht das Geld, folgte Zuckmayer, mit der stereotypen Absicht, das Volk als hohlköpfig, der Lächerlichkeit preisgeben zu dürfen. Diese zynische „Von oben herab Betrachtung“ ist Markenzeichen aller Ergüsse des „Über den Dingen Schwebenden“ Carl Z. Aus einem heiteren Vorzeigestück der Berliner Toleranz und der preußenkaiserlichen Menschlichkeit, verquaste Zuckmayer, nach eigener linksverdrehter Rezeptur, ein anklagendes, sozialkritisches Amüsement. Das Stück kritisiert die Obrigkeitshörigkeit, den angeblichen Militarismus und den übertriebenen Respekt vor Uniformen. Alles freie Projektionen Zuckmayer’schen Linkspropaganda. Voigt hatte in Wahrheit natürlich eine Arbeitsstelle und sein Auskommen, jedoch der nervenstarke, findige Schuhmacher gedachte auf leichtere Art und Weise an Zaster zu kommen, eben auf die krumme Tour. Er hoffte auf eine Information über abzugreifende zwei Millionen Reichsmark (ca. 13 Millionen Euro). Der Coup gelang, obwohl die Kasse so viel doch nicht hergab, konnte aber auf Dauer nicht gutgehen, er wurde verraten, eine gute Woche später schon verhaftet und „wegen unbefugten Tragens einer Uniform, Vergehens gegen die öffentliche Ordnung, Freiheitberaubung u. schwerer Urkundenfälschung“ zu nur 4 Jahren Haft verurteilt, von denen er lediglich die Hälfe absitzen musste und schon zwei Jahre nach der Tat wieder ein freier und ein weithin gefeierter Mann wurde. Kaiser Wilhelm II. persönlich, der verketzerte „Arbeiterfresser“ und „Welteroberer“ hatte sich köstlich über den einfallsreichen Schuhmacher amüsiert und dessen Freilassung bewirkt -, hatte ihn anerkennend einen „genialen Kerl“ genannt. Voigt hielt anschließend Vorträge über seine „Köpenickiade“, schrieb ein Büchlein darüber und gelangte zu Wohlstand. Er gehörte zu den ersten Besitzern eines Automobils. So sah die Wirklichkeit im Deutschen Kaiserreich aus ! Der keineswegs kleingewachsene, hagere Voigt machte in der Uniform die gute Figur eines preußischen Offiziers, was man von dem kleinen Zwockel Heinz Rühmann nicht sagen kann, der ihn im Film von 1956 vertrat. Einem Rühmann wäre kein Trupp Soldaten gefolgt, denn nicht die Uniform macht den Mann, sondern die Haltung. Aber das hat wohl weder Carl Zuckmayer noch der Regisseur Helmut Käutner verstanden. Da spielte Harald Juhnke schon einen glaubwürdigeren „Hauptmann“ (1997), obwohl der Spielleiter, der SED-Mann Frank Beyer, der Versuchung nicht widerstehen konnte, lächerlich überlang-überzeichnete Episoden des „militaristischen Hurra-Patriotismus“ in Form von Manöverspielen im Gefängnis auszuwalzen.
   
Zuckmayer arbeitete am Drehbuch des morbiden Stücks „Der blaue Engel“ mit, wo ein „Professor Unrat“ aufzeigen soll, wie auch Vorbildpersonen für die Jugend, den Trieben sinnlicher Gelüste verfallen und darin untergehen können. Zuckmayer bezog öffentlich Stellung gegen den NS-Gedanken der ethnischen Volksgemeinschaft, was durchaus nachvollziehbar ist, da seine Mutter Jüdin war. Der jüdisch-deutsche Gegensatz hatte sich seit den aufflammenden marxistischen Umtrieben und schließlich mit dem Bolschewistischen Oktober-Putsch in Russland unglücklich verschärft. Viele Beobachter sahen eine bolschewistisch-jüdische Revolutionsgefahr heraufziehen, was jüdische Menschen zwangsläufig als positiv oder abstrus bewerten mussten. Beide Seiten gossen durch ihre extremen Vorredner Öl ins Feuer der Meinungsmache. Die marxistisch-sowjetischen Pläne und Prophezeiungen von der „Proletarischen Weltrevolution“, die mit Flüssen russischer Goldrubel in Deutschlands „KP“ vorangetrieben wurde, ängstige nicht völlig zu Unrecht die Gemüter und führte schließlich auch zur erwarteten Katastrophe. 1938 wich Zuckmayer von Wien nach Zürich aus, später in die USA. Nach eigener Aussage gelang es ihm dort nicht so recht Fuß zu fassen, er versuchte sich sogar als Farmer ohne heimisch werden zu können.
 
Und dann kam es zu Carl Zuckmayers Sündenfall, der ihn in die seelischen Abgründe sinken ließ in denen sich schon Herbert Wehner i.J. 1937, während seines Moskauaufenthaltes als Emigrant aalglatt bewegte, als er dem Mordbüro des „NKWD“ bzw. dem Geheimdienst „FSB“ die Namen seiner kommunistischen Genossen angab, welche ihm nicht so linientreu-stalinistisch erschienen, um seine eigne Haut auf Kosten anderer Häute zu retten. Ein Historiker schreibt dazu:Schon lange vor seinen Aussagen in der Lubjanka hatte er [Wehner] begonnen, Parteigenossen genau zu beobachten und zu denunzieren, wenn sie seiner Karriere im Wege standen oder von der Parteilinie abwichen. Er hat sie später zu Dutzenden in das tödliche Visier der stalinistischen Verfolger gebracht.“ Zuckmayer trat in ähnlicher Weise 1943/44 für den CIA-Vorläufer „Office of Strategic Services“ (OSS) in den Dienst des US-Geheimdienstes indem er für das Amt Dossiers über deutsche Personen verfasste. An diesen Fällen erweist sich die erdrückende Gewalt eines Staates der fast jeden Menschen seines Machtbereichs zu korrumpieren vermag. Persönlichen Erfolg hatte Zuckmayer in den Staaten nicht, er, der von einer großen Karriere als gefeierter Stückeschreiber geträumt hatte, saß ohne Einfälle und Perspektiven auf einem Bauernhof in der Einöde herum und sah seine Lebenszeit sinnlos dahingleiten. Wie dankbar wird er sich gefühlt haben, endlich wieder gebraucht zu werden, gerufen zu werden, Bedeutung zu gewinnen, wenn auch als Denunziant, als Menschenverräter und Volksverräter. Sorgfältig fertigte er die Beurteilungen und damit potentielle Verurteilungen von Leuten an, die er zum Großteil gar nicht bis in den letzten Seelenwinkel ausloten konnte. Was mit den Leuten geschah, als sie in die Gewalt der Kriegsgewinner kamen, war dem Carl Zuckmayer so unwichtig wie es dem Herbert Wehner mit seinen Opfern gewesen ist. „Zuckmayers Dossiers über Schauspieler, Regisseure, Verleger und Journalisten, die während der Zeit des Dritten-Reiches in Deutschland erfolgreich waren“, wie es heißt, muten an wie die niedere Rache des ins Abseits Gestellten an denen die über zwölf Jahre im Licht standen. Allein die Affekte des Neides und der Missgunst, aus gekränkter Großmannssucht, bieten sich dem Seelenkundler als düstere Motivationen Zuckmayers an. Seine Denunzierungen von ca. 150 Menschen, denen er sämtlich das Wasser nicht reichen konnte, sind unter dem Titel „Geheimreport“ (2002) veröffentlicht worden. Darin gibt es die Schlüsselstelle die den Zuckmayer’schen Neidkomplex konkretisiert. Er zitiert Werner Krauß, der, anfangs überzeugter Nazigegner, nach einem Treffen in Berchtesgaden mit Adolf Hitler der Zuckmayer gegenüber geäußert habe: Ich kam hin, zynisch wie ein Pharisäer, und dachte: mir wirst du nichts vorspielen, mein Junge. Aber als ich ihn da im Kreis seiner nächsten Freunde sitzen sah und mit ihnen reden hörte, - da wusste ich: Jesus unter den Jüngern.“ Werner Johannes Krauß (1884-1959) galt als charismatisches, empathisches Genie und größter Schauspieler seiner Zeit. Ein „Jesus unter Jüngern“, ein Erzähler unter Zuhörern, die an seinen Lippen hingen, das wäre er selbst gern gewesen, das war Zuckmayers Lebenstraum. Aber einem anderen war das beschieden, den er deswegen aus tiefster Seele hassen musste und den er noch in den Seelen seiner Denunziationsopfer aufzuspüren und zu erstechen hoffte. Der kompetente Journalist und Theaterkritiker Günther Rühle schrieb in der „Zeit“ dazu unter der Überschrift „Charakterologie: Ein Dichter schärft das Fallbeil“, doch der skurrile, wegen seiner durchweg tendenziösen Einschätzungen nicht ganz ernst zu nehmende Kritiker Marcel Reich-Ranicki verstieg sich zu dem für Zuckmayer zum Bärendienst gewordenen Urteil: „die beste Prosa Zuckmayers“. Wenn das Zuckmayers Bestes gewesen sein soll, war der Rest nur Schund !
 
Nachdem er 1946 als ziviler „Kulturbeauftragter“ des US-Kriegsministeriums für eine Inspektionsreise nach Deutschland zurückkehrte, schrieb er einen sog. „Deutschlandbericht“ und wurde für seine Dienste mit der Gewährung der US-Staatsbürgerschaft belohnt. Im gleichen Jahr ist in Zürich sein Stück „Des Teufels General“ uraufgeführt worden. Das Schicksal des Fliegerhelden aus Weltkrieg I. und Fliegergenerals in Weltkrieg II., Ernst Udet (1896-1941), soll Zuckmayer, nach dessen Aussage, dazu animiert haben, was stimmen mag, aber keineswegs als reales Vorbild für den „Teufelsgeneral“ taugen konnte ! Ernst Udet war mit der Aufgabe der Reichverteidigung in der Luft völlig überfordert, und ein anderer wäre es ebenso gewesen, angesichts dieser erdrückenden Massenüberlegenheit der Westmächte. Wieder nutzte Zuckmayer - wie beim „Köpenick-Hauptmann“ - ein konstruiertes, verfälschtes Thema für eine Mainstream-Propaganda-Lüge, um damit beim Zeitgeist anzukommen. Mit großem Bedauern musste der Autor begreifen, dass sein Hauptthema des Stücks, die „antifaschistischen Tendenz“, vom Publikum gar nicht recht wahrgenommen wurde, dass vielmehr die schneidigen deutschen Kriegshelden den Beifall auf sich zogen. Das melodramatische Kuriosum des „Teufelsgeneral“ ist, dass Udet, der Patriot bis in den Tod, damit keineswegs in der Nachzeichnung getroffen wurde, wohl aber Zuckmayer selbst ! Er hatte seine Seele dem Teufel verkauft, er war der Blindäugige und moralisch Gefallene. Exakt zur gleichen Zeit als Zuckmayer seine knappen zehn Jahre der Bühnenerfolge erleben durfte - denn Anfang der 60er sank wieder das Interesse an seinen Darbietungen - wurden Massenverbrechen der Kriegssieger begangen, die jenen der vorher um ihre nationale Existenz ringenden Deutschen, zumindest gleichwertig an die Seite gestellt werden können. Die bedenkenlosen Bombenteppiche und Atombombenwürfe gegen Zivilistenmassierungen in den Städten, die Ausmordung und Vertreibung der Deutschen aus Osteuropa, was auf der Potsdam-Konferenz der „großen Drei“ beschlossen wurde, die Ermordung von Millionen deutscher Kriegsgefangenen und die Verödung ganzer Landstriche im Osten, war seit den Hunnen-, Türken- und Mongoleneinfällen der gigantischste Aderlass für die Deutschen. Die Sieger hängten im Fließbandverfahren deutsche Menschen an die Galgen. In den alliierten Lagern ließ man Millionen verhungern und in den Verhörzenten, wie in Bad-Nenndorf und anderswo - wurde gefoltert und erschlagen. Die Dimension des Satanischen und Widerlichen ist kaum zu beschreiben, wenn man sich vor Augen führt, dass die westlichen Kriegsgegner die Anstifter und die Kriegserklärer waren und nach dem Krieg diese deutschen Patrioten aburteilten und aufhängten, die keinen Krieg im Westen gewollt hatten, aber vom Westen gezwungen wurden, sich gegen die angedrohte Vernichtung der deutschen Nation, zu wehren. Wenn man den Vernichtungsgeist der Westalliierten als eine diabolische Metapher fasst, dann hatte sich Carl Zuckmayer dieser Metapher verschrieben, hat ihr gedient und hat von ihr profitiert, nach Art und Weise wie des „Teufels General“.
 
Mit seiner „Die Fastnachtsbeichte“ (1959) zog Zuckmayer eine simple Mordgeschichte im Mainzer Dom zu einem spannungslosen, ermüdenden Schlauch von Worten künstlicher, destruktiver Verkomplizierungen, dem Mainzer Narrenwesen und kaputten Familienverhältnissen. Urteil über das von den Medien hochgefeierte „Werk“ : Enttäuschend, langatmig und langweilig ! „Als wär’s ein Stück von mir“ (1966) ist der Titel der Autobiographie Zuckmayers. Im 2. Kapitel „Austreibung“ beschreibt er aus seiner antideutschen Sicht des Abseitsstehenden einen der glücklichsten Momente der deutschen Geschichte, die Heimkehr des von den Siegern nach Weltkrieg I. gegen den Willen der Bevölkerung abgetrennten Reichsgebietes Österreich. Millionen deutscher Menschen jubelten am 12. März 1938 über die Erlösung von der Siegerwillkür, aber Zuckmayer verzerrt das zu einem Höllentanz, den er so beschreibt: „An diesem Abend brach die Hölle los. Die Unterwelt hatte ihre Pforten aufgetan und ihre niedrigsten, scheußlichsten, unreinsten Geister losgelassen. Die Stadt verwandelte sich in ein Alptraumgemälde des Hieronymus Bosch: Lemuren und Halbdämonen schienen aus Schmutzeiern gekrochen und aus versumpften Erdlöchern gestiegen. Die Luft war von einem unablässig gellenden, wüsten, hysterischen Gekreische erfüllt, aus Männer- und Weiberkehlen, das tage- und nächtelang weiterschrillte. Und alle Menschen verloren ihr Gesicht, glichen verzerrten Fratzen; die einen in Angst, die anderen in Lüge, die anderen in wildem, haßerfülltem Triumph. [...] Was hier entfesselt wurde, hatte mit der ,Machtergreifung‘ in Deutschland, die nach außen hin scheinbar legal vor sich ging und von einem Teil der Bevölkerung mit Befremden, mit Skepsis oder mit einem ahnungslosen, nationalen Idealismus aufgenommen wurde, nichts mehr zu tun. Was hier entfesselt wurde, war der Aufstand des Neids, der Mißgunst, der Verbitterung, der blinden böswilligen Rachsucht - und alle anderen Stimmen waren zum Schweigen verurteilt. […] Hier war nichts losgelassen als die dumpfe Masse, die blinde Zerstörungswut, und ihr Haß richtete sich gegen alles durch Natur oder Geist Veredelte. Es war ein Hexensabbat des Pöbels und ein Begräbnis aller menschlichen Würde.“ Man meint als historisch Versierter, man hätte sich möglicherweise über das Datum getäuscht, nein, nein, hier wird nicht der 8. Mai 1945 beschrieben, als man in Prag und anderswo deutsche Kriegsinvalide, Mütter und Kinder wie Schlachtschweine zu Tode knüppelte und als brennende Fackeln an die Laternen hängte und ganze deutsche Dorfgemeinschaften niederkartäscht wurden..... Weil er, der Herr „Dramaturk“ Zuckmayer aus Wien fliehen musste, deshalb sah der Egozentrist - völlig überzogen - eine Welt untergehen, während das wahre Verderben einer ganzen Nation, nämlich ihre echte Auslöschung für alle Zukunft, die ihr sein Dienstherr besorgt hatte, von ihm gar nicht wahrgenommen worden ist. Des „Teufels General“ kann man auch werden, ohne jemals General gewesen zu sein !
  
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