ROSEMARIE NITRIBITT

05.01.2022
 
ROSEMARIE NITRIBITT
 
Sie war wohl mancher Ehren wert,
trotz mangelhafter Tugend-Sitt,
das schöne Kind in schwerer Zeit,
die Maria-Rosalia Nitribitt.
 
Wer über ihr den Stab zerbricht,
der weiß nichts von der Frauen Not,
im Nachkriegsdeutschland damals,
da ging doch alles aus dem Lot.
 
Millionen Existenzen einfach fort,
der Sieger Lumpen an der Macht,
man wollte Aufbau neuen Lebens,
wer hätt‘ da an Moral gedacht ?!
 
Rosemarie in Erziehungsheimen,
von dort lief sie zumeist davon,
wer könnte es dem Kind verdenken?
Die Dollars hatten James und Jon.
 
Da kamen leicht auf schiefe Bahn,
deutsche Mädels nach dem Krieg,
der blanke Hunger trieb sie oft,
für „Dschi-Eis“ zum leichten Sieg.
 
Die Rosemarie folgte eig‘nem Kopf,
sich kirchlich biegen, ließ sie nicht.
Ihr reichten auch nie eitle Gaben
des hübschen Leibes Angesicht.
 
Sie formt‘ den Geist hinauf, hinan,
sie lernte Sprachen und Niveau -,
war alles andere als ein „Gänschen“,
die Rosi drosch kein leeres Stroh.
 
Sie war eine tapfere deutsche Frau,
hat manche Ehren sich verdient.
Und was Sitte und Moral belangt,
Vorsicht, das Feld ist arg vermint !
 
„G.I.“, gesprochen: „Dschi-Ei“, ist ein Kürzel für „General Issue“, eine Bezeichnung für die einfachen Soldaten der Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika, die nach dem Krieg als Besatzungssoldaten, mit ihren künstlich aufgewerteten Dollar-Noten den deutschen Schwarzmarkt, das Nachtleben und die Mädchenverführung dominierten. 
 
Die schließlich arrivierte Rosemarie Nitribitt
 
Maria Rosalia Auguste „Rosemarie“ Nitribitt (1933-1957) kam in Düsseldorf zur Welt und wurde - unaufgeklärt - ermordet in Frankfurt/Main. Sie wuchs in ärmlichen Verhältnissen bei ihrer Mutter in Ratingen und Düsseldorf auf. Rosemarie wurde mehrmals in Kinderheime eingewiesen, deren damalige oftmals katastrophale Zustände erst viele Jahre später öffentlich bekannt geworden sind. Sie floh mehrmals aus diesen Häusern bzw. Kinderverwahranstalten. Mit elf Jahren soll sie bereits vergewaltigt worden sein. Wie ein Missbrauch ein Frauengemüt schädigen oder zerstören kann, wird bis heute von den verantwortlichen Behörden nicht recht begriffen und akzeptiert, anders sind die zumeist lächerlich geringen Strafen für Notzüchtiger unerklärlich ! Schon als Heranwachsende verdiente Rosemarie ihr erstes Geld mit „Liebesdiensten“, wozu die Besatzungssoldaten, besonders die mit ihren Dollars um sich schmeißenden „Amis“ in dem von ihnen mitgebrachten Nachtleben, leicht verführten. Die junge Nitribitt zog nach Koblenz und anschließend nach Frankfurt am Main, wo sie sich - immer noch minderjährig - als „Kellnerin und Mannequin“ über Wasser hielt. Sie wurde aufgegriffen und erneut in ein Erziehungsheim eingewiesen, aus dem sie bald wieder ausriss. Von April 1952 bis April 1953 saß Rosemarie Nitribitt in der „Rheinischen Landes-Arbeitsanstalt Brauweiler“ in der „Abtei Brauweiler“ bei Pulheim ein. Sie wurde von den moralinsauren Amtswaltern als „schwerer Fall“ vermerkt und vorzeitig (d.h. vor dem 21. Lebensjahr) für volljährig erklärt, damit man sie  loswurde, also entlassen werden konnte. R. Nitribitt wollte, so wie Millionen anderer mittelloser deutscher Menschen ebenso, aus dem Nachkiegs-Dreck „hochkommen“. Sie gab sich große Mühe, ihre bettelarme Herkunft zu verbergen. Um in den Gesellschaften nicht durch mangelnde Bildung aufzufallen, lernte sie Englisch, Französisch und belegte Kurse für „gutes Benehmen“. Mitte 1956 erwarb sie den berühmten schwarzen Mercedes-Benz 190 SL, mit auffallenden roten Ledersitzen. Am 01.11.1957 wurde die attraktive junge Frau mit einer Platzwunde am Kopf und Würgemalen am Hals, tot in ihrer Wohnung in Frankfurt am Main, Stiftstraße 36, am sog. Eschenheimer Turm, aufgefunden. Ein „guter Freund“ hat sie sehr wahrscheinlich umgebacht, denn bei ihm wurde viel unerklärbares Geld gefunden. Rosemarie Nitribitt ist auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof beigesetzt worden. Über ihren schicksalhaften Lebensweg sind reichlich Publikationen erschienen und mehrere Filme gedreht worden. Sie wird in der Regel als „Edelprostituierte“ abgestempelt, dass es eine bildschöne, bildungsbestrebte Frau war, die in einer schlimmen Zeit, mit den ihr zu Gebote stehenden Mitteln, auch ein bisschen Glück und Wohlstand ergattern wollte, kommt dabei viel zu kurz.
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