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„Taufe oder Hinrichtung“
von Werner Graul (1905 -1984)
 
SACHSEN-TAUFE

Die Nebel wallen am Aller-Fluss,
tief beugen die Weiden sich nieder,
der Henker der da sein Werk tun muss
  dehnt seine ermatteten Glieder.

Er steht inmitten von dampfendem Fleisch,
viele Hundert hat er erschlagen,
von blutigen Köpfen türmt sich ein Deich,
an dem schon die Kampfhunde nagen.

Die Mönche lauern mit starrem Gesicht,
in den grauen und schwarzen Talaren -;
ein Abt mit zürnender Stimme spricht
und zerrt ein Kind an den Haaren.

Fränkische Büttel mit blankem Schwert
bedrohen die sächsischen Haufen,
nichts ist ein heidnisches Leben wert,
hier vor den erzwungenen Taufen.

Am Ufer ballt sich das Bettelpack,
der mageren, hungrigen Menge,
wer abschwört kriegt einen Hafersack
und den Messweinschluck im Gedränge.

Und immer aufs Neue ertönt der Satz:
„Entsage dem Wodan, dem Teufel !“,
als Schlusspunkt wortreicher Seelen-Hatz
und dem salbungsvollen Geträufel.

Gar manchem werden die Augen eng,
sein Stolz wird zum trutzigen Lenker -,
da schrillt der Schrei eines Priesters, streng:
„Auch du da -, hinüber zum Henker !“

Die „Rote Beeke“ sie schillert im Blut,
zur Aller schwemmen die Wellen -;
der christliche Wahnsinn lebt seine Wut,
und die Schreie der Sterbenden gellen.


Die „Rote Beeke“ ist ein Bach an der Aller bei Verden, an dem Tausende von Sachsen im Verlauf der Sachsenunterjochung (772-804) Zwangstaufen und Massenmorde erdulden mussten. Hermann Löns beschrieb in seiner Novelle „Die rote Beeke“ im Jahre 1908 das „Verdener Blutgericht" von Frankenkönig Karl, dem „Sachsenschlächter“.
 
Das sächsische Zwangstaufgelöbnis ist in einer Handschrift des Klosters Fulda überliefert, die in der Vatikanischen Bibliothek zu Rom im „Codex Palatinus Latinus 577“ zu finden ist.
 
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SACHSENSCHLÄCHTER und SCHLACHTOPFER
 
Nach dem Sieg der Sachsen am Gebirgszug „Süntel“ - im Schatten des sächsischen Heiligtums „Hohenstein“ - im Jahre 782 gegen den von der falschen Christenkirche heiliggesprochenen Völkermörder „Karl der Große“, raste der katholische Wüterich. Er gab Befehl, sämtliche Sachsen deren er habhaft werden konnte, gefangen zu nehmen, ließ dieselben entwaffnen und binden und diejenigen, so in dem Treffen am Süntel wider ihn gefochten, bei Verden an der Aller an einem Tage des Jahres 782 niederzusäbeln: es waren Viertausend und Fünfhundert edle tapfere Vaterlandsverteidiger.
 
Das verwünschte Gelübte der Sachsen in den letzten Kriegen gegen Karl ist zufällig aufbehalten worden in dem Raths-Archiv zu Goslar, welches Hr. R. Becker zuerst bekannt machte. Als ein Denkmal der Sprache und des Charakters jener Zeiten sei es hergesetzt:
 
„Hilli Kroti Woudana, ilp osk un osken Pana Unittekin, ok Kelta oft ten aiskena Karle vi ten Slakteneta. Ik kif ti in Our on tou Scapa un tat tof, ik slecte all Fanka up tinen illiken Attisberka.”
 
(„Heiliger und großer Wodan, stehe uns bei und unserem Feldherrn Wittekind und unserem zweiten Bauherrn, vor dem hässlichen [aischen] Karl pfui den Mörderer [Schlächter]. Ich gelobe dir einen Auerochsen und zwei Schafe und den Raub. Ich schlachte dir alle meine Gefangenen auf deinem heiligen Harzberge.“)
 
Das Formular der Taufe ist uns ebenfalls da aufbehalten, von 786, in Sächsischer Sprache (welches verschieden ist von dem ältesten Denkmal, das die vatikanische Bibliothek zu Rom enthält, des bei der Taufe damals gewöhnlichen Glaubensbekenntnisses, in der alten theodosianischen Sprache). Es lautet:
 
„Hilken maktik Konnink Karelo, ick tin Fanken Oddo, Pana of thousand, forfari ten Krotten Woudana-belta up Attisberko, So ill men Godmanni ok Krisknecti Kerstene. Al min Sittona ok recta is in thin Untill ok Anda, Wi bid di of mede um Levens ok Fridoms Uniwuill Oldena bi Gotte bi Gotto almaktik ten Vater, ten Son, ten illiken Osr, so une nu letnet, ok andi us nadik Konnink.“
 
(„Heiliger und mächtiger König Karl, ich Otto dein Gefangener, Banner über mehrere tausend Fähnlein, ich entsage dem Dienste des großen Wodan-Bilde auf dem Harzberge. Alle meine Landsleute und Kriegsknechte erklären sich zu Christen. All mein Besitztum und Recht ist in deinen Händen. Wir bitten dich, uns das Leben und die Freiheit zu schenken. Und wollen es halten bei Gott dem allmächtigen Vater, dem Sohn, und dem heiligen Geist. Wie wir es nun gelernt haben, auch sieh uns gnädig an König.“)

Aus „Wegweiser durch die Gegend um Eilsen, mit einer petrographischen Karte, Durchschnittriss, Kupfern und Holzschnitt von Wilhelm Strack“ - Professor -, Lemgo in der Meyerschen Hofbuchhandlung, 1817
 
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Wittekind und Geva
 
Ebenfalls aus o.a. Buch von 1817, Seite 79 ff:
 
Der Dresdener Annalist gibt aus dem Manuskript der D. Bibliothek nach dem Beda venerabilis, die Vermählung Wittekinds mit Geva, Königs Siegfriedt von Dänemark Tochter, wichtig in Ansehung der Folgen, und interessant für jeden Kenner der Geschichtskunde. Der Annalist liefert weiter.
 
„Wittkind schwur seiner Geva Worte, die eines Helden und einer Geva würdig waren. Wir, die wir Fürsten heißen, sprach er, wir sind vorzüglich dazu bestimmt, der Welt mit Tugend und Beispiel zu leuchten, wir meine teure Geliebte, wir werden auch mit jenen ägyptischen Königen vor das furchtbare Gericht der Nachwelt kommen; sie wird mit Strenge, und ohne Nachsicht für unsere Geburt, entscheiden, ob wir zu den Mumien ruhmwürdiger Vorfahren beigesetzt, oder unter den Staub namloser Regenten vermengt und vergessen werden sollen. Unsere Zeit lobt und unser Hofstaat schmeichelt uns, wir werden von ihren Ehrhebungen betäubt, und glauben alles, was das parteiische Lob sagt, ohne Einschränkung zu verdienen. Aber den Tag nach unsrem Tode streicht die Nachwelt die Hälfte unsres Lobes aus. O meine Geva, lass uns nicht auf die Stimme des Lobes, nur auf die Stimme des Gewissens merken. Die Götter werden nicht mehr von uns fordern, als sie uns Erkenntnis gegeben haben. Und wenn sie mehr fordern, so werden sie uns auch mehr Erkenntnis geben. Unserm Gewissen zu folgen, heißt dem Ruf der Götter folgen. Ihn unbedingt zu hören, ihm in jeder Stunde des Lebens zu folgen, diese ist unsre Pflicht ! Dir treu zu bleiben, nie mein Herz mit einer andern Liebe, als die ich den Göttern, dem Volke meines Landes und Dir schuldig bin, zu teilen, das schwöre ich dem Wodan und Dir.
 
Und Geva schwur jetzt zu Hertha und Freya, ihren Gemahl mit ewiger Treue und Gehorsam zu lieben, seinem Schicksal zu folgen, wo ihn der Krieg und die Götter zuführen, ihm das Leben zu versüßen und Glück und Unfall zu teilen. Der Handschlag geschah unter offenem Himmel, und die Vermählung verband das glückliche Paar, von welchem die Nachkommen der Helden und die Geschlechter der meisten Häuser Europas abstammen sollten.“
 
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„Abbildung eines Stück Steins, so im Schaumburgischen, an dem Gebirge, der Hohenstein genannt,
unweit dem Sinngrünen-Altare oder der Druidenklippe, im XVI.ten Jahrhundert gefunden worden“
 
Seite 146 ff: „Dass der Hohenstein ein altteutscher heiliger Hain war, haben wir weiter oben gesehen; was für eine Gottheit aber hier verehrt wurde, entdeckten wir noch nicht. Das, was wir bisher in diesem Gebirge sahen, gibt uns hierüber noch keine Auskunft. Eine im 16ten Jahrhundert in diesem Gebirge gefunden, berunte und mit Figuren bezeichnete Stein-Scherbe oder irdene Platte hilft uns aber auf die Spur. Auf die Spur, sag‘ ich: denn unumstößliche und unbestreitbare Beweise sind nicht daraus zu geben; es ergibt sich blos eine große Wahrscheinlichkeit, die ich gebe, wie ich sie fand.“
 
„Mein Glaube neigt sich also, so weit ich die Schrift zu verstehend vermögend bin, zu folgenden zwei Verteutschungen hin:
 
, - (schalle) Lied des Hohensteins, hier wallt Ostar - (der Mond Gott), - (der Drude) Olof sieht seinen (Gott) Froste.‘
 
oder: ,- (schalle) Lied des Hohensteins, hier wallt Ostar -‘  ,der heilige Alte (der Gott) sieht seinen (den Oberdruden)‘“
 
„Den Namen Froste finden wir in der Nordländischen Geschichte unter den ältesten Schwedischen und Dänischen Drotten oder priesterlichen Richtern.“
 
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Heidnisches Wiegenlied
(von Jacob Grimm bearbeitet)
 
Aus Friedrich Vornbaum,  „Grafschaft Ravensberg“,
Leipzig, Verlag Albert Hoffmann, 1864, Seite 65
 
Urtext:
 
„Tocha slafes sliumo, weinen sar lazzes,
Truva werit kraftlicho, themo wolfa wurgiantemo.
Slafes unza morgane, manes trut sonilo.
Ostare stellit chinde, honak egir suozziu.
Hera prichit chinde, pluonun plobun rotiu.
Zanfana sentit morgane, feiziu scaf kleiniu.
Unta Einouga, hera hurt, horsca asea harta.”
 
(Püppchen schlaf, ja schlaf bald ein,
Lass mir nur das Weinen sein !
Treue währet kräftiglich,
Dass kein Wolf kann würden Dich !
Schlafe bis zur Morgenzeit,
Trautes Kind, des Vaters Freud !
Ostara wird bringen heim
Eier, Zucker, Honigseim !
Hera pflückt für Kindes Schoß
Blaue Blümlein, zarte Ros‘ !
Tanfana vom heiligen Hain
Schickt morgen fette Schäfelein !
Und Wuodan, der Speere viel,
Rosse, Bogen, Kinderspiel !
 
Herra hurt !)
 
Worterklärungen:
 
Tocha = Püppchen
weinen sar = Weinen gleich
sliumo = schnell
kraftlicho = kräftiglich
themo = dem
wugiantemo = würgenden
unza morgane = bis zum Morgen
trut sonilo = trautes Söhnlein
chinde = Kinde
honac, egir, suozzin = Zucker Eier, Süßigkeiten
prichit = bricht
pluonun plobun = Blumen blaue
feiziu = fette
horsca asca = Rosse, Bogen
Herra hurt = gleichbedeutend mit Eija-popeija
 
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