Die Runen-Fragen des Professors Klaus Düwel

Copyright © Gerhard Hess - 13. November 2020.
 
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Der Struktursinn der 24er Ur-Runenreihe ist das heilige Gottesjahr der Od-Religion
 
Der Runenfachmann, skandinavistischer Mediävist Prof. Dr. Klaus Düwel, gibt in seiner Schrift „Thesen zum Ursprung der Runenschrift“, 2008, folgendes zu bedenken: Die Frage nach der Entstehung der Runenschrift wurde schon im 19. Jh. gestellt und unterschiedlich beantwortet. Die seinerzeit entwickelten Thesen wirken bis in die Gegenwart hinein. Allein von 1988-98 erschien mehr als ein Dutzend Arbeiten zum Thema, ohne dass eine überzeugende Lösung erzielt wurde. Wenn nicht ganz neue Funde Klarheit bringen, dürfte es weiterhin Gefechte im Dunkeln geben, deren stereotype Eröffnungsattitüde lauten wird: Kein Problem sei so oft schon behandelt worden; bei keiner Frage würden die Meinungen so weit auseinander gehen o.ä. Bemerkenswert ist sowohl der Aufwand an Gelehrsamkeit und Buchwissen - dieses hatten der oder die Schöpfer der Runen nicht verfügbar - als auch die immer wieder zu beobachtende Tendenz, ungeklärte und unklärbare Details mit Hilfe willkürlicher bis phantastischer Vorentscheidungen zu überspielen. Einigkeit besteht in folgenden Punkten: 1. Die Runenschrift entsteht keineswegs aus dem Nichts oder aus rein germ. Voraussetzungen. 2. Als Anregung oder Vorlage hat ein mediterranes Alphabet gedient. 3. Ausgangspunkt aller Überlegungen haben Raum und Zeit der ältesten Runenüberlieferung zu sein. Zur Beurteilung vorgelegter Thesen sind zwei Grundsätze geeignet: a. Je mehr Ort und Zeitpunkt der Entstehung vom Überlieferungszentrum entfernt sind, umso unwahrscheinlicher wird eine darauf bauende Annahme. Denn sie verlangt für zu überwindende Weg- und Zeitstrecken Erklärungen, die notgedrungen angreifbare Konstruktionen bleiben, b. Die Auffassung, der oder die Schöpfer der Runenreihe habe(n) mehrere lokal oder regional benachbarte Vorlagenalphabete benutzt (eklektische Vorgehensweise), muss man kritisch sehen, da sie zu Beliebigkeit und Willkür neigt. Im einzelnen werden bei einem Vorlagenalphabet verschiedene Aspekte betont: – der kulturgeschichtliche (kultureller Status), – der formale (Übereinstimmungen mit dem Zeicheninventar),– der linguistische (Phonementsprechungen). Im übrigen werden weitere Gegebenheiten einbezogen (Schriftrichtung, Schreibung von Doppellauten, Ligaturen, Worttrennung u.ä.), die man mit den aufgeführten Punkten insgesamt als alphabetgeschichtliche Betrachtungsweise bezeichnen kann. Die unterschiedliche Gewichtung einzelner Gesichtspunkte erschwert es, die verschiedenen Lösungsversuche zu vergleichen. Es geht in allen Untersuchungen um fünf Fragen: 1. Von welchem Vorlagenalphabet aus (woher ?), 2. zu welcher Zeit (wann ?), 3. in welchem Gebiet (wo ?), 4. von welchen Personen/welcher Person bzw. Ethnie (Gruppe, »Stamm«) (wer ?), 5. zu welchem Zweck (wozu ?) wurde die Runenschrift geschaffen ? Zu 1. gibt es drei Antworten: a. Die Latein-These - Entstehung der Runenschrift aus der kaiserzeitlichen Kapitalschrift – wurde von dem dän. Runologen Wimmer (1874/1887) wissenschaftlich begründet. Seine Herleitung hat Pedersen (1923) unter Berücksichtigung der irischen Ogam-Schrift weiter ausgebaut, wie denn auch Seebold (1991 a) einen keltischsprachigen »Zwischenträger« annimmt. Agrell (1938) dagegen legte die lat. Kursivschrift zugrunde. In diese Richtung argumentieren auch Rausing (1992) und Quak (1996). Diese Möglichkeit muss nach den Funden von röm. Schreibtafeln in VINDOLANDA am Hadrianswall (England) weitergeprüft werden (vgl. Rüger 1998, S. 359f., 371). In abgewandelter Form erscheint die Latein-These bei Askeberg (1944, S. 85): die Runen seien »mit dem lateinischen Alphabet als Vorbild im Laufe des 1. nachchristlichen Jhs. unter den Goten im Weichselgebiet entstanden.« Diese Annahme – allerdings ohne die Lokalisierung bei den Weichselgoten - favorisiert Odenstedt (1984, S. 114ff.; 1990, S. 145ff.). Moltke (1951, S. 50, 52f.; 1985, S. 65) sah die Runen »als eine selbständige Alphabetschöpfung, die teilweise vom lat. Alphabet inspiriert wurde«, im heutigen Dänemark, und zwar »in Südjütland oder auf den Inseln Fünen-Seeland« (vgl. Stoklund 1991a, S. 89f.; Grønvik 2001a). Zuletzt hat Williams (1996c, 1997) erneut für die Latein-These votiert. »Für diese Latein-these spricht das älteste Verbreitungsgebiet der Runendenkmäler, der starke Kultureinfluss Roms sowie die offenbare Übereinstimmung einiger Runen mit entsprechenden lateinischen Buchstaben, vor allem die Runen für f, r, b und m« (Krause 1966, S. 7. Zu Ogam s. RGA 22; zu Vindolanda s. RGA 32). b. Die Griechisch-These – Entstehung der Runenschrift aus dem klassischen griech. Alphabet – geht auf den norw. Forscher Bugge (1899; 1905-13) zurück. Wenig später legte der schwed. Gelehrte von Friesen (1904, 1913) seine Auffassung vor, wonach die Runenschrift auf der Grundlage der griech. Kursivschrift bei den Goten im Pontus-Gebiet (Schwarzes Meer) entstanden sei. Diese Herleitung fand in seinen Lexikon-Beiträgen (1918/19; 1929 in der ›Encyclopedia Britannica‹) weite Verbreitung; sie musste jedoch nach Kenntnis skand. Runenfunde aus der Zeit um 200 n.Chr. aufgegeben werden (Wiederaufnahmeversuch mit veränderter Chronologie durch Giertz 1993). Gleichzeitig mit Bugge und von Friesen hat Hempl (1899/1902) ein archaisches griech. Alphabet des 6. Jhs. v.Chr. als Vorlage erwogen. ...“
 
Obwohl Prof. Dr. Klaus Düwel mir mit handschritlichem Brief vom 23. 01.1994 schrieb: „Ich bezweifele nicht, dass die von Ihnen vorgelegte Lösung zur Reihenfolge des älteren Futhark in sich stimmig und wohl auch richtig ist….“, wagt er verständlicherweise nicht, mein Lösungsangebot, das ich mit meinem Buch „ODING-Wizzod - Gottesgesetz und Botschaft der Runen“ (1993) vorlegte, zu erwähnen; zu groß ist die Scheu der Kathederwissenschaft, Stimmen aus dem Kreis der „Laien“ zu berücksichtigen. Zu groß erschiene - hätte ein Laie Recht - der Pestigeverlust für die amtlich zuständigen Fachkreise. So lange die Fachkundler der Mediävistik, Germanistik und Skandinavistik die ur-runische ODING-Erkenntnis nicht in ihre Wahrnehmung einbeziehen, kann es ihnen unmöglich gelingen, die Fragestellungen zu lösen.
 
Die 5 Runen-Fragen lauten:
1. Von welchem Vorlagenalphabet aus (woher ?),
2. zu welcher Zeit (wann ?),
3. in welchem Gebiet (wo ?),
4. von welchen Personen/welcher Person bzw. Ethnie (Gruppe, »Stamm«) (wer ?),
5. zu welchem Zweck (wozu ?) wurde die Runenschrift geschaffen ?
 
1. Von welchem Vorlagenalphabet aus (woher ?) vollzog sich die Runen-Schöpfung ?
 
Rune, urgermanisch „rūnō“, trägt die Grundbedeutung „Geheimnis“ bzw. „heiliges Geheimnis“. Die Schaffung einer Schrift ist primär für den profanen Gebrauch bestimmt. Der Runenschöpfer aber schuf ein sakrales Geheimnis, er konnte und wollte keinem fremdkulturellen Vorlagenalphabet folgen, denn er entwickelte in erster Linie kein Schreibmedium, sondern, mittels 24 Lautzeichen für die germanische Sprache, ein Sakralkalendarium für die 24 Mondstände (12 Schwarz- und 12 Vollmondstände) des paganen Priesterjahres, gemäß seiner wodinischen Vorstellungen. Somit ist die 24er Runenreihe als ein germanisches Missionsprojekt zu verstehen. Sekundär war aber und ist bis heute sein Buchstabensystem geeignet, jedes germanisch-deutsche Wort aufzuzeichnen. Da der Runenschöpfer die runischen Begriffszeichen nach den Vorbedingungen des mythischen Jahresfestkreises anordnete, nicht aber nach sprachlichen Kriterien, ist es unzulässig, darüber zu spekulieren, nach welchem „Voralphabet“ er sich gerichtet haben könnte. Dass er Anregungen aus dem griechischen Schriftdenken aufnahm, wäre anzunehmen, denn schon dieses ordnete seine 24 Alphabet-Buchstaben zu den 12 Jahresmonaten und kannte auch schon die Einteilung in drei Achtergruppen, die man im Altnordischen „ætt“ (Geschlecht, Familie) nennt. Wie klar und eindeutig die 24er Runenreihe ein mythisch-heiliges Geheimnis darstellen sollte, wird offenkundig, wenn man sich vor Augen hält, dass der Schöpfer Anfang und Ende der Reihe in Begriffen festgelegt hat: Der rechtsseitig-linksläufige Endbegriff lautet „Oding“ (Geist-Kind), während der linksseitig-rechtsläufige Endbegriff „fuða“ (Hintern) heißt. Damit steht auch unmissverständlich fest, dass die Reihe ursprünglich als rechtsbeginnendes, also linksläufiges Verständnissystem erdacht worden ist. Allein bei Zugrundelegung dieser Arbeitsthese stimmen die Runenbegriffe mit den ihnen zuzuordnenden antiken, mythischen Zahlenbedeutungen überein ! Ergo, der Runenschöpfer bedurfte keines Vorlagenalphabetes, vielmehr nahm er aus dem ihm bekannten Sinnzeichen-Fundus das heraus, was ihm zur Schaffung seines kultischen Mond-Sonnen-Zeitweisers passend erschien. Dazu gehörten die steinzeitlichen-bronzezeitlichen Begriffszeichen des Nordens ebenso wie einige Buchstaben der alpinen Aphabete. Die „Jüngere 16er Runenreihe“ verdient, hinsichtlich der Runenreihen-Entstehung, keinerlei Beachtung, da sie ein Schwundsystem darstellt das in Skandinavien erst frühestens zur karolingischen Zeit aufkam, in der das Altheidentum sich bereits europäisch-geistesgeschichtlich auf dem Rückzug befand.
 
2. zu welcher Zeit (wann ?):
 
Der Spartakus-Aufstand (73-70 v.0) versklavter Germanen und Kelten mag nach der siegreichen Schlacht von Mutina i.J. 72 v.0 etlichen größeren und kleineren kimbrisch-teutonischen Gruppen die Möglichkeit zur Flucht in und über die Alpen, aus dem unmittelbaren Machtbereich Roms eröffnet haben. Die Kimbern hatten im Verlauf ihrer ersten Begegnungen mit den Römern einen kurzzeitigen Friedensvertrag geschlossen, den beeideten sie auf einem ehernen Stierbildnis (Plut. M. 23); der Stier war das indogerm. und völkerübergreifende Synonym für den Himmelsgott. Dieses Ansehen ihres Hoch- und Himmelsgottes Teiwaz-Tiu hatte nach den Niederlagen eine bleibende Erschütterung erfahren -; wer mochte noch zu ihm beten, wer sollte noch auf ihn hoffen ?! Die wahre, nämlich die seelisch-geistige Befreiung dieser gedemütigten, in die nicht grundsätzlich mörderische, aber doch zumeist schauerlichen Abgründe der röm. Sklaverei hinabgedrückten Menschen, geschah erst in dieser Doppelschlacht, in der zwei konsulische Armeen in einem Tagesverlauf zerschmettert worden sind. Sie siegten recht plebeisch, alle höhere Weihen entbehrend, ohne Magier- und Matronen-Sprüche, ganz ohne den früher erbetenen höheren Beistand des „himmlischen Schlachtenlenkers“, allein im Vertrauen auf die eigene Kraft, auf die Kraft die in Blut und Geist liegt, in dem die ewige, willensstarke Sippenseele der Ahnen haust. Da musste nur einer kommen, mit Energie, etwas theologischem Wissen und Verstand, der die neue Situation in diesem Sinne auszudeuten begann. Nach meiner Arbeitshypothese war es Runenvater Erul. Wann er begann, zu lehren, Zuhörer zu finden und erste Gläubige um sich zu scharen, die sich als Vervielfältiger des jungen, energischen Ahnen-Asen-Wodan-Kultes eigneten, wissen wir nicht -, wir kennen nur die Zeugnisse ihres Glaubens und Wirkens. Aus der Verzweiflung - verursacht durch Niederlagen - erwächst das Infragestellen bisheriger Denkmuster und der Wille zur reformerischen Neuausrichtung. Das Ausschauen nach funktionstüchtigeren, religiös gesuchten Hilfsmächten, kann für die überlebenden Kimbern-Teutonen erst zaghaft einige Zeit nach dem Schrecken der verlorenen Schlachten (102 / 101 v.0), mit dem folgenden Grauen der sich anschließenden Selbstmorde und Ermordungen ihrer fast gesamten Frauenschaft, begonnen haben. Nach den Niederlagen sollen, nach röm. Angaben, ungerechnet der gefangenen Teutonen, allein 60.000 Kimbern in die Sklaverei gezwungen worden sein. Der vage Gedanke, für das eigene Nordvolk, einen Festweiser und eine seiner Sprache angepasste Schrift zu entwickeln, könnte dem scharfsinnigen Erul schon vorher, während des Alpendurchmarsches - und dem damit verbundenen Kennenlernen des Mediums Schrift - gekommen sein. Doch die psychischen Kräfte für solche Neuschöpfungen und die Fähigkeit - im Besonderen auch die Legitimation für eine erfolgreiche Verkündigung - kann einzig kommen aus dem Erlebnisrausch eines Sieges -, in Eruls erahnter Biographie, aus dem Triumph von Mutina. Im späteren Christianismus war es die Lüge von der angeblichen „Auferstehung des Gehenkten“ -, im Wodanismus war es die temporäre Wahrheit von der „Auferstehung der Verlorenen“. Der Gott Wodan-Odin ist, namentlich als „Mercurius Cimbrianus“ oder „Cimbrius“, in sieben röm. Weiheinschriften des 2./3. Jahrhunderts aus dem Gebiet der römischen Provinz „Germania superior“ (Obergermanien) belegt: Auf dem Heiligberg bei Heidelberg wurden drei Inschriften gefunden, die zu einem Kultkomplex gehören, der bis in die Spätantike genutzt wurde. Zwei Funde vom Greinberg bei Miltenberg  und zwei Inschriften aus der Mainzer Umgebung. Der Name „Cimbrianus“ leitet sich von den Kimbern ab, woraus zu schließen ist, dass sich die Rückwanderergruppe des Erul in der Gegend des „Odenwaldes“ (Forst des Od-Gottes) längere Zeit aufgehalten haben muss und dort bereits ihr neues runisch-odingisches Glaubenskonzept verbreitet hat. Nach der „Interpretatio Romana“ wurde der germ. Wodanaz-Wodin-Odin Merkur/Mercurius geheißen, gemeint war „Wodan der Kimbern“. Der Wodan-Odan-Kult verbreitete sich mit Windeseile in Germanien. Beim Fundort Miltenberg wurde auch eine Inschrift mit der Nennung der Teutonen gefunden. Die von kimbrischen und teutonischen Rückwanderern gegründeten odinischen Kultverbände existierten also bis ins 2./3. Jh. im römisch besetzten Gebiet.
 
Nach der Flucht Eruls und seiner Gefolgschaft war der nordgermanische Kontakt nach Rom und seinem griechisch-römischen Schriftdenken nicht völlig abgerissen. Die Kinder der Flüchtlinge müssen es erlebt haben. Ariowist (?- 54 v.0), ein Heerführer von sieben germanischen Stämmen, durch linksrheinische gallogermanische Volksgruppen gerufen, überschritt 61 v.0 den Oberrhein und begann sich in Gebieten einzurichten, die die Römer als Gallien bezeichneten und für sich beanspruchten. Auch noch der röm. Schriftsteller Tacitus (ca. 58-120 n.0) berichtet in seiner „Germania“ (Kap. 40), über einen nordgerm. Kultverband der Erdgöttin Nertha („Terra Mater“), welcher ebenfalls sieben Nordvölker umschloss: „Avionen, Anglier, Variner, Eudosen [Jüten], Suardonen, Sueben, Nuitonen.“ Ariowist unterlag in der Schlacht 59 v.0 dem röm. Feldherrn Caesar. Für Germanen war ebenfalls das Jahr 16 v.0 von einiger Bedeutung, Usipeter, Sugambrer und Tenkterer vernichteten in Gallien eine komplette röm. Legion unter M. Lollius Paulinus (?-2 n.0), eine Niederlage die man römischerseits als „clades Lolliana“ (Lollius-Katastrophe) bezeichnete. Doch schon im Jahr darauf, 15 v.0, begannen die Römer ihren großen Krieg gegen die keltischen Alpenvölker und unterjochten, nach eigenen Triumph-Angaben, 46 Stämme. Gleichzeitig wurden die Militärlager am Niederrhein errichtet, um auch von dort Vorstöße ins rechtsrheinisches Germanengebiet vorzubereiten. Schon 12 v.0 ließ Drusus (38-9 v.0), Stiefsohn von Kaiser Augustus, eine große Flotte von über 1.000 Schiffen erbauen und über den Rhein in die Nordsee segeln. Seine Flotte lief in der Nordsee auf Grund, nur mit Hilfe der Friesen konnte die Flotte wieder flott gemacht werden. 11 v.0 folgte ein Flottenunternehmen, das sich erneut gegen Chauken und Sugambrer richten sollte. Auf dem Rückweg kam es zu mehreren Schlachten gegen Germanen. Nur unter Verlusten gelang es Drusus mit seinen Legionen das Winterlager zu erreichen. 10 v.0 führte Drusus die Feldzüge in Germanien fort, es gelang ihm, Markomannen und Sueben zu unterwerfen. Im Jahre 1 n.0 kam es zu einem gewaltigen Aufstand in Germanien, ein „immensum bellum“ (Vell. II, CIV, 2). Tiberius Claudius Nero (42 v.-37 n.0) konnte die Aufständischen wieder in den Griff bekommen. Mindestens eine röm. Flottenexpedition im Jahr 5 n.0 nahm die jütländische Küste in Augenschein. Es kam zu diplomatischen Kontakten zwischen Römern und Kimbern (Strabon, Geogr. 7, 2,1; Augustus, Res gestae 26). Das Dokument „Res Gestae Divi Augusti“ (Die Taten des vergöttlichten Augustus) betont, dass zuvor noch kein Römer dieses ferne Land gesehen hatte. Kaiser Augustus (63 v.-19 n.0) konnte sich durch dieses Flottenunternehmen mit dem berühmten Seefahrer und Entdecker Pytheas von Massilia (380-310 v.0) messen. Dieser war schon bis zur sagenhaften Insel Thule gesegelt und wieder südlich davon, zu einer Bucht „Metuonis/Mentonomon“ („Deutsche Bucht“), von der eine Tagesfahrt entfernt die Insel „Abalon/Abalus“ läge, an deren Stränden Bernstein angespült werde; zweifellos meinte er die Insel Helgoland. Der Text über die „Taten des vergöttlichten Augustus“ war auf zwei Bronzepfeilern in Rom veröffentlicht worden und ist in Form von Kopien erhalten geblieben. Erst nach dieser Erkundungsreise wusste man in Rom von der Halbinsel Jütland, die seitdem als „kimbrische“ bezeichnet wurde. Daraufhin sandten im Jahr 5 n.0 die Chatten und die Kimbern Friedensbotschafter nach Rom. Die Kimbern sollen einen attraktiven Weihekessel als Geschenk nach Rom gebracht haben, was sie von dort mitbrachten - Erzählungen, Parolen, anregende Impulse, Eindrücke, Textrollen ? - blieb unbekannt. Ab dem Jahre 6 n.0 galt Germanien wieder als tributpflichtig unter röm. Herrschaft, so heißt es in der „Historiographie“ des Vellius. Tiberius beabsichtigte im Jahr 6 n.0 gegen die Markomannen vorzugehen, doch ihm kam der Aufstand in Pannonien dazwischen. Jetzt wurde P. Quinctillius Varus (47 v.-9 n.0) als Oberkommandierender der Rheinlegionen mit der Unterjochung Germaniens beauftragt, aber bei der Schlacht im Teutoburger Wald 9. n.0 von Armin dem jungen Cheruskerfürsten (17 v.-21 n.0) vernichtend geschlagen. Tiberius und sein Neffe Nero Claudius Germanicus (15 v.-19 n.0) unternahmen im Jahr 11 n.0 einen ersten gemeinsamen Feldzug, ins rechtsrheinische Germanenland. Den Siegerbeinamen „Germanicus“ erhielt der Feldherr nicht aufgrund eigener Taten, sondern erbte ihn von seinem Vater Drusus. Erneut begannen Vorbereitungen für einen weiteren Feldzug. In Gestalt einer gewaltigen Zangenbewegung gegen Chauken und Chatten rückten die Legionen in die rechtrheinischen Gebiete ein, doch außer einer Spur von Zerstörungen hinterließen sie nichts Dauerhaftes im verhassten Feindesland. Im Jahr 16 n.0 stieß Germanicus noch einmal ins Germanengebiet vor, wieder ohne nennenswerte Siege zu erringen. Am Angrivarierwall lieferten sich seine Legionen und das Heer des Armin ihre letzte große kriegerische Auseinandersetzung (Tacitus, Annalen II, 19-21). Germanicus gelangte zwar bis zur Weser und überquerte sie, um den Führer Armin zu stellen und zu fangen, doch erneut blieb ihm ein entscheidender Sieg verwehrt und so ließ er seinen Zorn an Marsern und Chatten aus. Im Jahr 17 n.0 zog Armin gegen den romfreundlichen Markomannen-König Marbod (um 30 v.-37 n.0) im bayerisch-böhmischen Raum und besiegte ihn. Marbod verlor seinen Thron, suchte Schutz in Italien und starb in Ravenna. Nach der Ermordung des Armin, durch einen seiner eigenen Sippenangehörigen, endet der erste Versuch einer Einigung Germaniens. Selbst Armins Vater, wie sein Onkel Inguiomer, sympathisierten mit den Römern. Segestes, der Vater von Armins Frau Thusnelda, war gegen die Heirat und brachte den Schurkenstreich zustande, die eigene, von Armin schwangere Tochter, an die Römer auszuliefern, so dass sie ihr Söhnchen, Thumelicus, schmachvoll in Ravenna zur Welt bringen musste. Ein Chattenfürst namens Adgandestrius bot sich sogar brieflich der röm. Regierung an, Armin mittels Gift beseitigen zu lassen. Waren es Glaubensdifferenzen, die diesen Riss durch die eigene Sippschaft bewirkten ? Der Gedanke wirkt recht plausibel. Denn was hielt Armins Heer zusammen, was war der Bindekitt für die aus unterschiedlichen Stämmen zusammengekommenen Männer, war es nicht schon der junge Runen-Glauben an den ekstatischen Seelengott Wodan-Odin, der die Reinkarnation verkündete und mit ausgelassenen und inspirierenden Trinkgelagen der Jungmannschaften einherging ? Wie ist der arge Hass zu erklären den Teile der Cheruskersippe gegen Armin entwickelten, so dass sie zu derartigen niederen Meintaten fähig wurden ? Der Gott mit dem überlangen Speer, der Speergott mit dem Sinnbild des Durchdingens, dem Attribut auch des späteren Odin (mit Speer „Gungnir“), gehörte schon zum Repertoire der bronzezeitlichen Hällbildritzungen Schwedens (z.B. Hällbild: Speer-Adorant bzw. Speer-Gott im Weltenschiff von Sotetorp, Bohuslän/Schweden) Schon sprachgeschichtlich nachweisbar gehört dieser Gott zum ältesten Formenbestand des indogerm. Pantheons, als arischer „Vatan-Vayu-Vai“, als Geist-Atem-Wind der Himmelsgottheit, dem kirchenchristlichen „Heiligen Geist“ Gott-Vaters entsprechend. Eine Erfindung Eruls war diese Gottesgestalt durchaus nicht, er stellte ihn in seinem oding’schen Glaubenskonzept lediglich über den traditionellen indogerm. Allgott Tiwaz-Tiu-Tyr (Diaus-Pita / Dios-Zeus / Diēspiter-Jupiter). Wodanaz-Wodin-Od-Odin galt ihm als Schöpfer des Kosmos, den er durch die Zahlenmetapher 6 versinnbildlicht. Die theosophische Addition der 6 ergibt 21, auf den 21. Platz in seinem Runen-Kosmos setzte der Runenschöpfer den „Geist des Alls“, den „Asen“ (Ahnengeist), den Od-Odin. Und das All ist zahlenmythisch auch wirklich Produkt des Odin: Die theosophische Addition der 21 ergibt wieder die Kosmos-6, in Gestalt der Zahl 231. Der Religionsforscher Herman Wirth (1885-1981), geprägt von seinem Steckenpferd des Mutterkultes, hatte schon Recht, wenn er den Wodan-Odin als Gott der „Heerführer-Krieger-Männerbünde“ bezeichnete, doch er hatte nicht Recht darin, Wodan als einen jungen Gott der Völkerwanderungsphase zu verkennen. (Nebenbei bemerkt: H. Wirths „urepigraphische Methode“ zur Runenentschlüsselung führte nicht einem einzigen gangbaren Schritt zum Ziel, sondern allein die hier demonstrierte geistesgeschichtliche Deutungsweise.) In Rom propagierte man schon die gelungene Unterwerfung Germaniens, in Wahrheit aber war Germanicus willkürlich, ziellos und massenmordend durch Germanien getobt, und Tiberius selbst gestand römischerseits „schwerwiegende und furchtbare Verluste“ ein. Über ca. 30 Jahre ist das germanische Volk in seinen Heimatgauen durch die röm. Soldateska in fürchterlicher Weise heimgesucht worden, verfolgt, mit Weib und Kind, gedemütigt, vergewaltigt, gefoltert, versklavt und umgebracht, in der Absicht, ihm das seelische Rückgrat zu brechen und es auszulöschen. Nach den Markomannen drangen ab 213 die Alamannen über die Grenzen in das römische Reich, im Jahr 257 n.0 die Franken. Doch noch im Jahre 233 stießen röm. Legionäre, auf Raub- und Sklavenjagd, bis über den Harz in den Norden hinauf, wurden dann auf ihrem Rückmarsch am Harzhorn abgefangen und von germanischen Abwehrkämpfern in schwere Gefechte verwickelt. Wie das „Germanische Wunder“ geschah, dass Germanen dem Schicksal der Gallier entgingen, dass sie letztlich Rom überwinden konnten, rechne ich dem „Rätsel der Runen“ zu. Aus der eigengesetzliche Glaubenskraft vermittelnden Runenreligion und der Runenschrift als Verständigungsmittel der Glaubenskrieger, erwuchsen der Sieg jener geschmähten „barbarischen Tölpel“ über das hochgerüstete Imperium. Der sprichwörtliche „Furor Teutonicus“ allein kann es nicht gewesen sein, vielmehr zeichnete sich bereits eine Ratio Teutonica ab. Allein an unseren germanischen Ahnen hat sich die römische Wölfin ihre Zähne ausgebissen. Der röm. Senator und Historiker Tacitus (58-120 n.0) gestand in seiner Germania (Kap. 37): „Unsere Stadt stand im 640. Jahre, als man zum ersten Male von den Waffentaten der Kimbern vernahm … In einem so langen Zeitraum gab es viele Niederlagen auf beiden Seiten. Aber weder von Samniten noch Punier, weder Spanier noch Gallier, ja nicht einmal die Parther haben sich öfters in Erinnerung gebracht: gefährlicher als das Königtum des Arsakes [parthischer König] ist die Freiheit der Germanen. Denn was könnte uns außer der Niederlage des Crassus das Morgenland entgegenhalten ? Ist es doch von einem Ventidius [röm. Feldherr] in den Staub geworfen und hat dabei noch den Pakorus [pathischer Könissohn] verloren ! Die Germanen dagegen haben Carbo und Crassus und Aurelius Scaurus, Servilius Caepio und Marcus Manlius vernichtend geschlagen oder gefangen und zu gleicher Zeit dem römischen Volk fünf konsulische Heere und dann sogar dem Kaiser den Varus mit drei Legionen entrissen, und nicht ohne Blutopfer hat sie C. Marius in Italien, der verewigte Julius in Gallien, Drusus, Nero und Germanius in ihrem eigenen Lande niedergeworfen; bald darauf die riesigen Drohungen des C. Caesar zum Gespött. Seitdem … hat man in der Folgzeit mehr Scheintriumphe über sie gefeiert als sie wirklich besiegt.“
 
Zwei Schlachten um Rom
 
Es sind viele Schlachten um das klimatisch und geographisch-strategisch so begünstigte Rom geschlagen worden, verlustreiche und sieghafte, doch zwei davon - eine verlorene und eine gewonnene - beeinflussten auf Dauer das Schicksal der Germanen. Das war die verlorene Kimbern-Schlacht bei Vercellae am 30.07.101 v.0 und die gewonnene Schlacht an der Milvischen Brücke am 28.10.312 n.0. Man muss schon genauer hinschauen, um die Bedeutung und den Zusammenhang dieser beiden Kämpfe um Rom in ihren weitreichenden, seelengesetzlichen Auswirkungen würdigen zu können. Auch in der alten Zeit werden nur die wenigsten tieferblickenden, konsequenten Geister ihre Bedeutung überschaut haben. Doch die Wenigen, die Eliten bestimmen den Fortgang der Geschichte. Wer die Führungskräfte einer Nation gewinnt, verfügt über ihre Formkräfte, die die Zukunft prägen. Mit der verlorenen Schlacht von Vercellae verloren die Germanen ihren Glauben an die eigengesetzliche himmelsgöttliche Huld. Den entstandenen Riss versuchte die verletzte Volksseele durch die Wodan-Religion zu kitten, was, wie die historischen Erfolge zeigen, auch bis zu einem gewissen Grade gelungen ist. Die heilwirksame Genugtuung, in Gestalt eines echten Sieges über das „alte böse Rom“, gelang aber erst mit dem Triumph des Konstantin I. (ca. 275-337 n.0) an der Milvischen Brücke und der sich anschließenden Einnahme der Stadt. Dieser Vorgang ist bewusst als Sieg der nordischen, gallo-germanischen Völker verstanden worden, doch - wie es im Nachhinein immer deutlicher wurde - war der Sieg für einen fremden orientalischen Gott erfochten worden -; aus dem Riss war eine schwärende, die Glieder auseinandertreibende Wunde geworden -, denn diese neue Religion predige kein Volksheil mehr und was sie über eine Erlösung von unbekannten Sünden predigte, die ein gehenkter Gott hinweggenommen hätte, war damals so wenig mit redlichem, nüchternem Verstande zu begreifen wie heute. Und doch war dies’ christlich Neue, zwar unbewusst und ungewollt, von Germanen ins Werk gesetzt worden, so musste man sich wohl damit arrangieren. Ein Problem das den großen Deutschen der Historie bis heute unlösbar geblieben ist, wie es aus den inneren Widersprüchen ihrer Äußerungen abzulesen ist. „Konstantin der Große“, den seine christlichen Nutznießer heilig sprachen, wurde durch Germanen groß. Der Militärtribun und Alemannenkönig Crocus hatte im englischen York entscheidenden Anteil  an seiner Kaisererhebung, die gegen den Willen des röm. Senats erfolgte. Germanische, britannische, gallische Truppen gaben ihm die nominative und militärische Macht über das Imperium. Die Entscheidungsschlacht an der Milvische Brücke bestimmten die germanischen „Cornuti“ (die Gehörnten), sie schlugen Kaiser Maxentius mit seiner Prätorianergarde aus dem Feld und rückten in Rom ein. Germanen wurden dem konstantinischen Staat unentbehrlich. Sie besaßen am Hof eine solche Stellung dass der Historiker Ammian (XIV 10,8) schrieb, sie hielten den Staat in ihrer Rechten. Etwa ein Drittel der Heeresmeister des 4. Jh. waren germ. Herkunft, im 5. Jh. hatten sie schon die Übermacht. Fast 30 germ. Stammesnamen erscheinen in den Truppenbezeichnungen des röm. Staatshandbuches „Notitia Dignitum“. Dementsprechend stolz eröffnet die um 1220 entstandene „Sächsische Weltchronik“ des Eike von Repgow ihre Darstellung über Konstantin mit den Worten (Kap. 77): „In deme 311. Jare van der bort unses herren … Constantinus, des keiseres Constancius unde Helenen sone, wart gekoren to keisere in Brittania van des Dudischen [deutschen] koninges helpe.“ Doch am wenigsten können diese germ. Wegbereiter der „Konstantinischen Wende“ („Mailänder Vereinbarung“ von 313) daran gedacht und auch nur vermutet haben, dass sie einer bis dahin unmaßgeblichen orientalischen Sekte zur Herrschaft verhelfen würden, denn der Mann den sie auf den Kaiserthron setzten, war Anhänger des Sonnengottes, des Sol Invictus oder Phoebus Apollon, an den sie alle glaubten, wenn auch unter den verschieden Namen ihrer Heimatgaue. Bisher war ihr Führer unter dem Segen heidnischer Götter von Sieg zu Sieg geeilt und i.J. 315 ließ er seinen Triumphbogen, den „Konstantinbogen“ in Rom einweihen, welcher rein heidnische Ornamentik zeigt. Auch erschienen des Sonnengottes Name auf Münzprägungen noch bis i.J. 325. Er führte zu Ehren des Sonnengottes den arbeitsfreien Sonntag ein. Die spätere Legende, Konstantin hätte vor der Entscheidungsschlacht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ein neues christliches Zeichen (Labarum aus griech. Χ Chi und Ρ Rho) auf die Schilde seiner Soldaten malen lassen, darf belächelt werden (Rolf Bergmeier, „Eine Widerrede zur ,Wende’ Kaiser Konstantins zum Christentum am 28. Oktober 312“, 2011). Und wenn dem wirklich so gewesen wäre, hätten seine Germanen darin die Runen g und w verstanden, mit der Bedeutung „[Gott] gebe Wonne [des Sieges]“. Unter Konstantin, dem ausgesprochenen Germanenfreund und in der Folgezeit gewannen Germanen im röm. Heer und in der Verwaltung zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig begannen christliche Fanatiker eine skrupellose Lügen- und Verdummungsinvasion, um die Massen zu gewinnen. Ihren Predigten, die Erde sei doch keine Kugel, dem Arche-Noa-Märchen und was der Albernheiten mehr waren, bis hin zu den dreistesten Anmaßungen, Verdrehungen und raffinierten Fälschungen, wie dem Bubenstück jener Urkundenfälschung der sog. „Konstantinischen Schenkung“, waren Tür und Tor geöffnet. Der hemmungslose Machtmensch Konstantin hatte die Prätorianergarde, die Schutztruppe der Kaiser, abgeschafft, er brach mit der röm. Tradition aus dem Kalkül des Machterhalts. Mittels zahlloser Morde räumte er gnadenlos alle jene Personen weg, die ihm hätten gefährlich werden können. Auf diesem egozentrischen Weg bedurfte er der starken, zuverlässigen Verbündeten und fand sie in seinen protegierten Germanen und Christen -, die einen liehen ihm den starken Arm, die anderen gaben ihm - ebenso aus Berechnung - die fehlende Legitimation für sein angestrebtes Gottesgnadentum als unumschränkter Herrscher. Doch indem Konstantin das Evangelium der intoleranten Christensekte unter Staatsschutz stellte, lieferte er sein Reich den Bischöfen aus und legte damit den giftigen Keim des kirchlichen Intrigantentums gegen jede europäische Möglichkeit einer machtvollen Konsolidierung. Konstantin nutzte die christenkirchliche Organisation als Instrument seines innenpolitischen Befriedungsprogramms, weit war er davon entfernt, selbst Christ zu werden, dafür spricht seine Toleranz gegenüber den anderen heidnischen Religionen, die er neben dem monotheistischen kaiserlichen Schutz- und Reichsgott (Helios-Apoll-Grannus) bestehen ließ und zum andern die Tatsache, dass er bis zu seinem Tod das Amt des „Ponitfex Maximus“ ausübte. Er ließ sich erst auf dem Sterbebett i.J. 337 taufen.
 
Das oding'sche Runen-System
 
Recht eindeutig handelt es sich bei dem ABC-Konzept der phönizischen Alphabete, bestehend aus 22 Konsonanten, als Grundlage späterer Alphabete der griechischen, etruskischen und lateinischen Weiterentwicklungen, um eine Lautzeichen-Aneinanderreihung, ohne dass darin ein höheres Strukturprinzip erkennbar wäre. Beispielsweise das „Atbasch“-System „diente den Juden bekanntlich zu künstlichen Deutungen und Auslegungen und zur Ermittlung allerhand Mysterien der Schrift, im Zusammenhang  mit anderen Permutationen [Vertauschungen] und kabbalistischen Erfindungen, und ist deshalb, wenn auch vielleicht die älteste Spielerei dieser Art…“. (S. 238 in „Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik“ Nr. 32 - „Die Erfindung des Alphabets“ (1841) von Dr. Ferdinand Hitzig). Allerdings die „älteste Spielerei dieser Art“ wohl kaum ! Nicht anders verhält es sich bei den kretischen, minoisch-mykenischen Silben-Schriften Linear-A und Linear-B und den zyprischen Schriftvarianten. Höhere, geheime Sinneingebungen sind, nüchtern gesehen, nicht erkennbar. Im absoluten Gegensatz dazu steht das ODING-Konzept des runischen Schrifterfinders, der ein gnostisches durchmathematiziertes Lehrmodell für seine wodinische Religion schuf. Das Streben jeglicher Gnosis, der christophilen wie der christophoben, war und ist das Streben der Menschen nach Vereinigung mit Gott, somit ist sie ihrem Wesen nach Theosophie. Die Entstehungszeit der germanisch-runischen Gnosis ist im ersten vorchristlichen Jahrhundert anzunehmen, also in späthellenistischer, spätpythagoreischer Epoche. Das mathematische Kalenderwesen stand in höchster Blüte. So stammt der Antikythera-Mechanismus, der mit Hilfe von Zahnrädern und Zifferblättern astronomisch-kalendarische Zusammenhänge aufzeigte und mit korinth-griechischen Inschriften versehen, aus dem Zeitraum von 70 bis 60 v.0 (erfolgte der Schiffsuntergang durch den das Gerät ins Meer gelangte). Wolfgang Schulz (1881-1936) schrieb in „Dokumente der Gnosis“ (1910), S. 185f sehr richtig: „Und die reichlich überwuchernde Zahlensymbolik der Worte vollends war zu jener Zeit und lange früher schon eben so wohl den Juden wie den Hellenen, ja in anderer Form auch den Babyloniern, bei denen schon früh bestimmte Ideogramme ebenfalls feste Zahlenwerte besaßen, bekannt und allem Anscheine nach an geordnete Zeichenreihen, vor allem aber die Buchstabenreihe überhaupt, gebunden. Und da diese Wandergut ist, dessen Herkunft immer noch nicht fest steht, lässt sich aus solcher Wortsymbolik auf die Herkunft gnostischer Zahlensystematik kein Schluss ziehen. … Auch die systematischen Zahlen der arischen Völkern, und ähnlich die Babylonier, sind selbstverständlich um Jahrtausende älter als die Gnosis. Wir wollten ja nur zeigen, dass und wie sie in der Gnosis nachwirkten und neue Schösslinge trieben.“ Im ganzen Altertum, besonders wo Geheimtraditionen geübt wurden, galten Zahlen als ein überaus geläufiges Ausdrucksmittel, welche sich schließlich in der Gnosis und dem Frühchristianismus in breitester Weise verwendet finden. Unverzichtbar sind die Zahlen zum Messen und Wägen, aber mit ihnen verbanden sich solche Vorstellungen, der Gottheit Charakter und Absichten könnten sich in Zahlengrößen offenbaren und in einfachen Zahlenwerten sei der Kosmos zu erfassen oder zu beschreiben. Da alles messbar Reale, allein aus einem vorbestehenden Planungskonzept zu entstehen pflegt, folgerte man, alles irdische Sein und Geschehen sei im himmlischen Sein und Geschehen vorgebildet. Kirchenlehrer Irenäus von Lyon (135-202) erhielt uns einen Auszug der mythologischen und zahlensymbolischen Konzeption des Gnostikers Marcus, in der es heißt: „Darum vernimm denn: Jene vierundzwanzig Buchstaben des [griechischen] Alphabetes, die du ja kennst, sind Ausflüsse, welche die drei Kräfte, die das All umfassen, und die Zahl der Elemente in der Höhe abbilden.“ Marcus breitet im Weiteren seine jesuisch-zentrische Zahlenhypothesen aus, welche in den Grundgedanken mit den oding-germanischen völlig übereinstimmen, woraus zu entnehmen wäre, dass eine ursprünglich pagan-pythagoreisch gefärbte Kosmologie von Marcos im frühchristlichen Sinne umgeschrieben worden ist.
 
Wodanaz - Teutates - Wodin - Odin
 
Seit Beginn ihres historischen Erscheinens sind Kelten und Germanen in vielerlei Betrachtungsbereichen nur schwer oder kaum zu unterscheiden; was ihr körperliches Bild anbelangt, so werden sie von den antiken Historikern in gleicher Weise beschrieben. Man sehe sich die Marmor-Skulptur der „Sterbende Gallier“ in den Kapitolinischen Museen Roms an und vergleiche sie mit den Germanen-Darstellungen auf der Markussäule in Rom. Die südlich wohnenden Kelten haben wegen der Nähe zu den klimaverwöhnten Mittelmeerkulturen und den reichen Erzlagerstätten der Alpen ein reicheres metallurgisches Industrie- und Kunstschaffen hervorgebracht. In den meisten Siedlungszonen, außer den Skandinavischen, geht keltisches und germanisches Volk durcheinander, so dass man legitim von Gallo-Germanen reden muss. Ebenso beim Merkur-Teutates-Wodan-Kult. Julius Cäsar („De Bello Gallico“, 6,17,1) erklärt über die Götter der Kelten: „Ihr erster Gott ist Mercurius, den man bei ihnen am häufigsten in bildlichen Darstellungen trifft. Er gilt als Erfinder aller Künste, als Geleiter auf Wegen und Straßen und als wichtigster Förderer des Geldwesens und des Handelns. Ihm zunächst folgen Apollon, Mars, Jupiter, Minerva. Über diese haben sie mit anderen Völkern eine annähernd gleiche Vorstellung: Apollon vertreibt die Krankheiten; Minerva lehrt Künste und gewerbliche Fertigkeiten; Jupiter ist der König der Götter; Mars ist Kriegsgott.“ Die Interpretatio Romana setzte, wie anhand von Inschriftfunden klar wurde, den  Mercurius dem Teutates  (kelt. touto-tati-s = „Vater des Volkes“) gleich. Da Teutates auch Züge des Kriegsgottes besaß wurde ihm mitunter der Beiname des Mars beigefügt, so wie beim Silberplattenfund von Rockywood / Barkway (Grafschaft Hertfordshire / England): „Marti Toutati“. Weihedenkmäler die dem gallischen Merkur gewidmet waren finden sich mehrere. Im sächsisch besiedelten „Gelderland“ bei Nijmegen / Nimwegen, der heute niederländisch-deutschen Grenzregion, fand sich der Inschriftstein mit dem Text: „Mercurius Rex“. Setzen wir die innige Schicksalsverwobenheit von keltischem bzw. gallischem und germanischem Volk in Rechnung, resultiert daraus automatisch die Einsicht hinsichtlich einer gegenseitigen Durchdringung auch auf religiösem Sektor. Der Kimbern-Teutonen-Zug war ein germanisch-gallisches Unternehmen, wie auch der spartacus’sche Sklavenaufstand. Im gallischen Pantheon galt „Taranis / Taranucnos“ als Himmelsgott, vergleichbar dem lat. Jupiter und germ. Donnergott Donar-Thor, einer kämpferischen Emanation des indogerm. Himmelsgottes Tiwatz / Tiu / Tyr, den die Gallier als Dis kannten, wie Cäsar angibt: „Die Gallier geben insgesamt den Dis als ihren Stammvater aus und berufen sich dabei auf das Wort der Druiden.“ (De Bello Gallico, 6,18,1) Bei Kelten werden sich nach den großen Niederlagen ähnliche Prozesse abgespielt haben wie bei Germanen, nämlich die Abwertung des Himmelsgottes zugunsten des Teutates-Merkurius, sie konnte sich nur nicht mehr entfalten wegen der cäsarischen Zerstörung gallischer Eigenständigkeit. Ohne komplizierte Verrenkungen ist die Verständnisvertiefung des Wodanaz-Wodan zum väterlichen Volks- und Allgott durch die Anlehnung an die Charakterzüge des gallischen Teutates erklärlich (Jan de Vries, „Altgermanische Religionsgeschichte“ 1957, II., S. 27 ff). Ich meine, es kann kein purer Zufall sein, dass sich im Odenwald, einem frühen Zentrum deutscher Religionskultur, der dramatische Höhepunkt des deutschen Nationalepos, mit dem mythischen Tod der deutschen Seeleninkarnation Siegfried - dem immer herbeigesehnten Siegfrieden-Bringer - abspielt. Auch Wodan ist ja, als Vorbild des späteren Erzengels Michael, von seinen gläubigen Jungmannschaften als Siegfrieden-Schenker verstanden worden. Das Nibelungenlied, in seiner C-Fassung, erzählt von der Ermordung des strahlenden Drachentöters Siegfried beim Trinken an der Quelle, durch den düsteren Albensohn Hagen. Beide Protagonisten tragen wodanische Charakterzüge. Es heißt im Lied: „Vor dem Odenwalde ein Dorf liegt, Otenheim. Dort fließet noch der Brunnen, daran kann kein Zweifel sein. Nur das im „Lorscher Kodex“ schon 772 als  „Otincheim“  erwähnte heutige Dorf Edigheim (Ludwigshafener Stadtteil) etwa 11 km von Worms entfernt, kommt als gemeinter Tatort in Frage. In Siegfried-Sigurd und Hagen-Högni erkennen wir unschwer die verfeindeten sagenhaften „Göttersöhne“ des „Allvater“ Wodans der germ. Mythologie: Baldur und Hödur. Nicht allein die spätnorröne Edda erzählt von ihrem Schicksal, sondern auch die mittelalterlichen Kleinbildwerke der „Brakteaten-Religion“ (Karl Hauck, „Goldbrakteaten aus Sievern“, 1970, S. 442 ff).
 
Die  Verehrung der Drei Mütter- bzw. der sog. Matronenkult begrenzte sich auf das südliche Niedergermanien („Germania inferior“), in­ner­halb des röm. bestimmten Sied­lungs­ge­bie­tes einer durch die röm. Verwaltung angesiedelten Mischbevölkerung aus verschiedenen Kulturkreisen, bestehend aus nach linksrheinisch deportierten Ubiern, röm. Soldaten, Händlern, Dirnen, Veteranen und entwurzelten Kelten. Das röm. Militär und seine Veteranen waren nicht nur Fremdkulturträger, sondern auch Mechanismen zu Bevölkerungsumschichtungen. „In den Militärzonen des röm. Nordwestens kam es zu einer markanten Bevölkerungsvermischung, im gewissen Sinne also zu einer anhaltenden Neuformierung der Einwohnerschaft einer Provinz. ... Kamen die Legionäre des 1. Jhs. vorwiegend aus Italien und dem früh romanisierten gallischen und spanischen Süden, so ist im 2./3. Jh. eine weitgehende Ergänzung des Mannschaftsbestandes aus regionalen Quellen, den Stationierungsprovinzen oder der Umgebung der Garnisonen selbst, zu konstatieren.“ Für die Legion „XX Valeria Victrix“ in „Germania inferior“, die zwischen 9 und 43 n.0 in Bonn und Novaesium (im Neusser Ortsteil Gnadental) belegt ist, bezeigen die auswertbaren Herkunftsangaben der rekrutierten Soldaten ihre Herkunft aus dem nördlichen ehemals keltischen Oberitalien als Rekrutierungsgebiet: Mutina, Patavium, Pollentia, Tarvisium, Ticinum, Veleia, also Städte in den Regionen Aemilia, Liguria, Venetia et Histria und Transpadana.  (Oliver Stoll, „Legionäre, Frauen, Militärfamilien. Untersuchungen zur Bevölkerungsstruktur und Bevölkerungsentwicklung in den Grenzprovinzen des Imperium Romanum“, Jahrbuch RGZM 53,1, 2006, S. 220/230 f). Hier nahmen die Ma­tro­nen­kul­te dreier Ahnen- und Fruchtbarkeitsgöttinnen, seit dem 1. Jh. bis ins 3. Jh. n.0, mittels ca. 800 lateinisch beschrifteter Weihesteine, ei­ne ex­po­nier­te Stellung ein. Dieser Drei-Mütter-Glaube ist ganz allein im röm. Besatzungsgebiet der keltischen und germanischen Länder erkennbar und nicht in einem einzigen Gebiet des freien Gemaniens, so dass man den sicheren Eindruck gewinnt, als sei er römischerseits von den militärischen Besatzungsbehörden initiiert und protegiert worden, weil er von gut integrierten röm. Bürgern ausgeübt wurde und ihm jede Art von Aggressivität abging, woran jede Besatzungsmacht interessiert sein muss. Sein Ende erfolgte durch die röm. Reichskrise und den seit 260 n.0 sich steigernden stän­di­gen ger­m. Ein­fäl­le in die links­rhei­ni­schen röm. verwalteten Ge­bie­te.
 
Ton Derks, in „Ein neuer Matronenaltar mit Opferszene aus Mechernich, Kr. Euskirchen“, 2013 („Archäologisches Korrespondenzblatt“, 43, S. 237-245) führt aus: „In der bildlichen und epigraphischen Überlieferung der germanischen und gallischen Provinzen nimmt Merkur einen herausragenden Platz ein. Im provinzübergreifenden Vergleich wird neben Iuppiter wohl keine andere Gottheit so häufig verehrt wie Merkur. Seine Bedeutung in Gallien und Germanien basierte auf einheimischen Gottesvorstellungen, die in der mittleren Kaiserzeit zumindest in Grundzügen noch präsent waren. Dass die Germanen eine Gottheit verehrten, deren Wirkungskreis aus römischer Sicht mit bestimmten Aufgaben des Merkur gleichgesetzt wurde … Nach dem Zeugnis des römischen Historikers Tacitus (Germania 9, 1) verehrten die Germanen unter den Göttern im höchsten Grade Merkur. ... Mit der römischen Okkupation der keltischen und germanischen Gebiete kamen auch die Götter Roms in das eroberte Territorium. Die indigene Bevölkerung der Nordwestprovinzen verehrte die neuen Gottheiten, wie Iuppiter, Iuno und Minerva, Merkur, Apollon oder Herkules, da sie in den jeweiligen göttlichen Wirkungskräften ihre eigenen Götter wieder erkannte. Ebenso konnte nach römischer Auffassung eine einheimische Gottheit in der Gestalt einer römischen Gottheit verehrt werden. In seiner Schrift Germania spricht Tacitus diesen Vorgang als interpretatio Romana an (Tac. Germ. 43, 13-17). Der Begriff steht für die römische Ausdeutung von keltisch-germanischen Gottheiten, von denen es ursprünglich keine Bilder (,nulla simulacra‘) gab.“ Einer grundlegenden Fehlinterpretation entspräche es, anzunehmen, der gallogermanische Teutates-Wodan-Kult hätte sich etabliert wegen einer behördlichen Sanktionierung der römischen Merkur-Verehrung. Vielmehr ist es so, dass der einheimische gallogermanische Teutates-Wodan-Kult römischerseits als Merkur-Dienst grob vereinfachend fehlgedeutet worden ist. „Mercurius Valdivahanus“ ist der Name eines gallogermanischen bzw. germanisch-keltischen Gottes, der bisher einzig durch den Fund einer Votivinschrift aus der ersten Hälfte des 2. Jh. aus Köln belegt ist, dessen erstes Begriffsglied „valdi-“ sich aus germ. walðan (Macht, Befugnis) erschließt (Alfred Schäfer, „Mercurius Valdivahanus - Die archäologische Perspektive“, Kölner Jahrb. 45, 2012, 527-544). Ton Derks: „Die Weiheinschrift für Mercurius Valdivahanus vom Kölner Waidmarkt stammt aus dieser Phase der größten Nachfrage nach Weihedenkmälern in der mittleren Kaiserzeit. Die bildlichen Darstellungen des Merkur entsprechen in Gallien und Germanien zumeist der römischen Ikonographie und unterscheiden sich nur in einigen Fällen von den italischen Zeugnissen. So wird der jugendliche, unbärtige Gott oft stehend, zuweilen auch auf einem Felsen oder Thron sitzend  wiedergegeben. Er ist nackt oder trägt einen Mantel. Zu seinen Attributen als Götterbote gehören der Flügelhut (petasus) oder kleine Flügel, die auf dem Haupt sitzen. Manchmal trägt der Gott geflügelte Schuhe. Sein Heroldstab, der caduceus, zeichnet sich durch zwei achtförmig gewundene Schlangen aus.“ Die Doppelschlangen-Chiffre ist aus geradezu zahllosen germ. Gürtelschnallen-, Riemenzungen- und Fibel-Bildern bekannt, von den alemannisch-bajuwarischen kultischen Zierstücken aus dem Gräberfeld bei Maisach, der Doppelschlangen-Metapher der heidnisch-merowingischen Grabstele des 7. Jhs. von Niederdollendorf (Stadtteil von Königswinter/Nordrhein-Westfalen), auch den geschnitzten Doppelschlangen auf den Baumsärgen aus dem alemannisch-merowingischen Gräberfeld von Oberflacht (Kreis Tuttlingen), des 6./7. Jh. und zwei Doppelschlangen-Darstellungen auf dem Deckel des angelsächsischen Runenkästchens von Auzon“ bzw. Franks Casket“, 8. Jh. aus Northumbria, und zwar über dem Kopf sowie unter den Füßen der sitzenden Gestalt im Jenseitssitz Walhalla.
 
Ein Altar war wohl dem „Mercurius Venator“ geweiht, dessen Beiname bisher nur einmal belegt ist. „Sehr wahrscheinlich ging der ,jagende Merkur‘ auf lokale Gottesvorstellungen zurück“ (Brigitte u. Hartmut Galsterer, „Die röm. Steininschriften aus Köln“, Kölner Jahrb. 2010, 157-164 Nr. 170-171, 173, 175-176). Ton Derks: „In der Provinz Germania inferior, mit der Provinzhauptstadt des römischen Köln, wurde die Wahl der Gottheiten stark durch die bodenständigen Matronenkulte bestimmt. Gleichwohl sind Merkurheiligtümer auf dem Gebiet der CCAA [Colonia Claudia Ara Agrippinensium, Name der röm. Kolonie im Rheinland], wenn auch nicht so zahlreich, anzunehmen. Bekannt durch eine Bauinschrift ist der Tempel für Mercurius Augustus, der sich innerhalb des Zentralortes befunden haben wird. Es handelt es sich um einen größeren Baukomplex, der einen Tempel, einen Umgang und Nebengebäuden einschloss. In der Zeit des Kaisers Titus [79-81 n.0] wurde das Heiligtum gebaut oder bereits erneuert, denn die Weihung für Mercurius Augustus erfolgte sehr wahrscheinlich zum Wohl dieses Kaisers.“ Ersichtlich wird, dass es ein Versuch von Beschwichtigungsstrategie der röm. Herrschaft gewesen sein muss, den als Merkurdienst gedeuteten Wodan-Kult als staatlich präsentierten Kaiserkult zu domestizieren. Das Buch „Heerkönig Ariovist“ von Karl Hans Strobel erschien 1927. Darin gibt es die Stelle wo der suebische Schmied Willo über den Regenbogen- und den Dampfkesseleffekt sinniert. Er spricht zu einem Kelten: „Es ist das Gleiche oben wie unten, der Regenbogen wie dieser Streif, aber der Wege, auf denen das Geheimnis sich offenbart, sind unendlich viele. Wir fassen nur die Bilder dessen was wirklich ist. Und Kräfte sind, denen wir noch keinen Namen wissen Warum zieht der Bernstein, wenn du ihn an der Hose reibst, kleine Schnitzel an, Späne, Strohhalme ? Wie nennt sich die Kraft, die in dem Bernstein sitzt ? Eure Druiden sind voll Weisheit, sie lehren ihre Schüler erhabene Gesänge, uralte Kunde, die aus Britannien kommt, pflanzen sie fort und sie haben Namen für ihre Götter, wie wir für die unseren. Was sind aber diese Götter die euren wie die unseren ? Sie sind Namen für die Kräfte, die ihr kennt und die wir kennen, für die Kraft des Frühlings, die mit Grün und Blüten die Erde schmückt, für die Kraft des Sommers, die Früchte heranreift, für die lodernde Kraft des Gewitters. Wie aber heißen die unbekannten Kräfte, von denen Himmel und Erde voll sind ? Ich sage dir, es sind noch eine Menge unbekannter Götter, denen wir keine Namen wissen, und alle zusammen beruhen vielleicht in einem ganz großen unbekannten Gott, fern und hoch über ihnen, so wie diese sieben Farben in dem einen Sonnenlicht beruhen. […] Wasser und Feuer scheinen sonst Feinde, aber hier sollst du sehen, wie Feinde, richtig behandelt, zu gemeinsamem Wirken zu vereinen sind. Es steckt ein Geist in dem Wasser, ein starker Geist, der durch Feuer erlöst wird. Wer sieht es dem Wasser an, wenn es über Steine springt oder in dunklen Teichen ruht ? Und dennoch schläft diese Kraft in ihm, der wir keinen Namen wissen, ein Teil des unbekannten Gottes. In unseren Runen steckt tiefe Weisheit. Von einer Dreiheit aller Dinge wissen sie, eine Dreiheit beherrscht das All, und Oben wie Unten sind darin gleich. Entstehen, Walten und Vergehen. Und immer das Dritte, ist das Unbekannte. Du hast das Sonnenlicht und das kantige Glas, das Dritte gesellt sich dazu, das vordem nicht war, der Farbstreif. Du hast Feuer und Wasser und siehe, schon pocht die unbekannte Kraft an ihr Gefängnis.“ K.H. Strobel hat es in seiner Beschreibung gut erfasst, das damalige Offensein und Suchen nach einer geheimnisvollen vom Namen her nicht unbekannten, aber jetzt neu belebten und stark in den Betrachtungsfokus geholten Geistgottheit, so dass die Verkündigung des Runenvaters Eruls und seiner germanischen wie keltischen Glaubensbrüder und Schwestern auf weit geöffnete Ohren traf, wenn sie vom großen Geistgott Wodinaz predigten, der asischen Ahnenseelenmacht, dessen 21. Zauberrune () sich zur hochgöttlichen Kernsumme 3 reduzieren lässt.
 
Oding‘sche Reformation
 
Die Verkündung der Od-Religion, wie sie sich im runen-oding‘schen Glaubenskonzept darstellt, bewirkte unzweifelhaft eine religionsgeschichtliche Reformation in germanischen Gauen. Naiv wäre es, wollte man annehmen, ein solcher Prozess könnte jemals ohne tiefgreifende soziale Verwerfungen geschehen sein. Und doch wird diese vormittelalterliche Reformation innerhalb der gemeingermanischen Völkerschaftern nicht weniger dramatisch abgelaufen sein als die folgenden Reformationen, jener zum Kirchenchristianismus, sowie der zum Protestantismus. Die römischen Berichte über Germanien schweigen sich darüber völlig aus. Ein solcher Riss, hervorgerufen durch Glaubensumbrüche, trennt fanatisierte Familienangehörige, Jung und Alt, ganze Generationen und Nachbarvölker. Möglicherweise erklärt sich daraus das fürchterliche, mörderische Gezänk der Cheruskersippen, um Armin, Flavus, Sigimer, Inguiomer, Segestes und dessen Tochter Thusnelda. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung gestaltete sich also das innergermanische Volksleben nicht gar so viel anders als wir es heute gewahr werden. Es existierte ein bindendes Gemeinschaftsbewusstsein ebenso wie es bis heute die asozialen Gemeinschaftsverneiner und Selbsthasser gibt, und es herrschten bereits die unheilschwangeren, schwerwiegenden politischen wie ideologischen Differenzen. So berichtete Tacitus in „Germania“, Kap. 39, vom Hauptheiligtum des Fesselhains der suebischen Semnonen etwa im Raum Groß-Berlin: „Als die ältesten und edelsten der Sueben bezeichnen sich die Semnonen. Die Glaubwürdigkeit dieses Alters wird durch ihre Religion bekräftigt. Zu einem festgelegten Zeitpunkt kommen alle Völker desselben Geblütes durch Gesandschaften in einem Wald zusammen, geheiligt durch der Väter Weihung wie uralte Gottesfurcht und feiern, nachdem sie öffentlich … geopfert haben, die schauerlichen Uranfänge ihres fremdartigen [„barbarischen“] Ritus. Der Hain gemahnt überdies noch zu einer anderen ehrerbietigen Scheu. Stürzt ein Gläubiger etwa hin, so ist aufgehoben zu werden oder aufstehen nicht erlaubt, über den Boden schieben sich die Betroffenen hinaus. Und all der feste Glaube geht darauf zurück, dass dort der Ursprung ihres Volkes läge, dort ihr Gott Herrscher über alles, das Übrige ihm unterthan und dienstbar sei. Hohes Ansehen gibt darüber hinaus der Semnonen Gesamtlage. In hundert Gauen wohnen sie und durch die Größe solcher Körperschaft wird bewirkt, dass sie sich als das Haupt der Sueben erachten.“ Andererseits informiert Tacitus in den „Annalen“ (XI, 16-20) über Armins Bruder Flavus, der sich als Anhänger des römischen Wesens innerlich von seinem germanischen Volk und dessen Schicksal abgewendet hatte und seine Herkunft schmähte. Er war Vater eines Sohnes, den ihm eine Chattin geboren hatte, der wuchs in Italien auf und hieß Italicus. Im Jahre 16 n.0, während des Terrorzuges des röm. Feldherrn Germanicus, führten die cheruskischen Brüder Armin und Flavus ein Streitgespräch über den Weserfluss hinweg. Laut Tacitus vertrat Arminius in diesem Gespräch das heilige Recht des Vaterlandes, die altüberkommene Freiheit und die germanischen Götter, während der romfreundliche Flavus seinem Bruder die Größe Roms, die Macht des Kaisers und die harten Strafen für Aufständische vorhielt („Annalen“ X, 9f). Im Jahr 21 wurde Armin ermordet. Das Volk der Cerusker entzweite sich in den Folgejahren derart, dass sich die gesamte Führerschaft gegenseitig aufrieb, ein erbfolgeberechtigter Anführer fehlte und Rom den Italicus als Cheruskerherrscher einsetzen konnte, nachdem eine romfreundliche Cherusker-Delegation im Jahr 47 in Rom vorstellig wurde und um einen geeigneten Fürsten nachsuchte. In Tacitus „Annalen“ XI, 16-20 heißt es dazu: „Der Kaiser versah ihn [Italicus] reichlich mit Geld, gab ihm eine Schar von Begleitern und mahnte ihn, die Würde seines Hauses in großem Sinne zu übernehmen. Er sei als Erster [seiner Familie] in Rom geboren und gehe nicht als Geisel, sondern als römischer Bürger, um einen Thron in fremdem Lande zu besteigen.“ Doch „öfters aber neigte er zu Trunk und Ausschweifungen…“ Die patriotische Partei der Cherusker war zurecht skeptisch, sie gab zu bedenken: „Zu Unrecht weise man auf seine Verwandtschaft mit Arminius hin: selbst wenn dessen Sohn, der in Feindesland aufgewachsen sei, gekommen wäre, um die Königsherrschaft bei ihnen anzutreten, hätte man Grund zur Besognis, da er durch Unterhalt, Knechtschaft, Erziehung, überhaupt durch all die fremdländischen Einflüsse verdorben sei. Doch wenn Italicus den Geist seines Vaters hätte, dann dürfe man nicht vergessen, dass niemand die Waffen gegen sein Vaterland und gegen die heimischen Götter mit größerem Hass geführt habe als sein Vater !“ Der Parteienhader nahm seinen Fortgang in Gestalt eines schlimmen Bürgerkrieges. Schließlich wurde Italicus vertrieben. Der „schwächte so durch seine Erfolge wie durch seine Niederlagen die Macht der Cherusker.“ Tacitus schrieb um 100 n.0, dass das vor kurzem noch so starke und wichtige Cheruskergeschlecht bis auf einen elenden Haufen nicht mehr existierte. Wir sehen, wie das germanische Schicksal des unseligen Bruderhasses, der Fremdentümelei, der Kollaboration mit dem Landesfeind und der ideologischen wie religiösen Zerrissenheit sich bis ins deutsche des XX. Jahrhunderts fortsetzte. 
 
Runen-Gnosis
 
Das astrologisch-kalendarische ODING-Schema, mit der Algiz-Rune ( = 10. Rune) zum Sommerbeginn (heliakischer Plejaden-Aufgang im Mai) und im Ekliptik-Rund entgegengesetzt, die Thursen-Rune (= 22. Rune) zum Winterbeginn (heliakischer Plejaden-Untergang im November) müsste sich ja ein annäherndes antikes Vorbild finden lassen, um die ODING-Runen-Schöpfung zeitlich einzukreisen. „Heliakischer Aufgang“ wird der Zeitpunkt bzw. die Richtung genannt, in der ein Gestirn erstmals in der Morgendämmerung sichtbar wird, nachdem es einige Monate lang, von der Sonne überstrahlt, unsichtbar war. Die auf griechischen Überlieferungen basierende „Arabische Astrologie (von Gladys Dickson) nennt den 20. Mai für den heliakischen Frühauf- und den 17. November für den heliakischen Frühuntergang. Natürlich gab es bereits frühe astrologisch-kalendarische Arbeiten und Texte, wie die des Aratos von Soloi (310-245 v.0). Er war ein griechischer Autor aus Kilikien (im Osten der Südküste Kleinasiens), der in Athen und am mazedonischen Hof stoische Studien betrieb. Er schuf ein astrologisches Lehrgedicht, „Phainomena“ (Himmelserscheinungen), in Form von 1154 Hexametern. Jedoch eine exakte Übereinstimmung finden wir bei Marcus Manilius, dessen wahrer Name Navigius Fronto war. In seinem lateinischen Lehrgedicht in fünf Büchern, genannt „Astronomica“ oder „Astronomicon libri V“, findet sich die antike Astronomie umfassend dargestellt. Dem Gedicht ist zu entnehmen, dass der Autor zur Zeit der Kaiser Augustus (63 v.-14 n.0) und Tiberius (42 v.-37 n.0) als Bürger von Rom lebte, also im frühen 1. Jahrhundert n.0. Das letzte in dem Gedicht erwähnte Ereignis ist die Niederlage des Varus gegen den Cheruskerfürsten Armin in der Teutoburgerwald-Schlacht, im Jahr 9 n.0. Das Werk weist ihn als sehr belesenen Astrologen aus, der sein Thema bei den besten Autoren studiert haben muss, wodurch er die seinerzeitige Sichtweise der Astronomie-Astrologie repräsentiert. Das astrologische System der von Manilius „Templa“ genannten Häuser, das menschliche Schicksale mit einem Tierkreiszeichen (Zodiak) verbindet, wurde über Jahrhunderte hinweg entwickelt, erscheint jedoch erstmals in den „Astronomica“. Das erste dieses System nutzende datierbare und überkommene Horoskop ist kaum älter, es stammt etwa aus dem Jahr 20 v.0. Fronto-Manilius (nicht zu verwechseln mit Grammatiker Marcus Cornelius Fronto) war demnach nicht der Erfinder, vielmehr aber ein Könner der das Thema in respektable gereimte Formen brachte. Fronto-Manilius erklärte mit seinem Lehrgedicht den fürchterlichen Titan und Zeus-Gegner Typhon im VIII. Haus („Haus des Todes“), also in der Skorpion Region. Dazu stellte er die Begriffe: „Trug, Aufruhr, Kampf, Tod, Grab“. Auf diesen Kalenderplatz gab der Runen-Schöpfer den Thursen, den Unhold des germanisch-mythischen Verständnisses. Absolut zwingend ist es nicht, jedoch eine gewisse Abhängigkeit von dem bereits im 1. Jh. v.0 in Rom publizierten Kalenderverständnis ist zumindest naheliegend. Das norwegische und isländische Runengedicht (aus paganer Tradition im 15. Jh. aufgezeichnet) benennen den Thursen, den Eisriesen/Utgardloki/Antigott: „Saturnus“. Er ist als ungezähmte Brachialgewalt (Titanen) aller Schwachen und vornehmlich der „Frauen Qual“. Er ist mithin der unzivilisierte „Felsen-Bewohner“, der Ehemann einer Unholdin, einer Zauberin (altnord: varðloki = Zauberer; varðlokkur = Zaubergesang). Der Thurse wird gleichgesetzt mit lat. Saturn, dem Herrn der Kälte, des Bösen und der unterirdischen Schätze. Er kann zum gefährlichen „Führer des Things“, also zum antigöttlichen Berater unkluger Menschen gedeihen. Die Astrologie kennt nur zwei Übeltäter, Saturn und Mars. Jenen nannte man im Mittelalter das große Übel, diesen das kleine“, schreibt Julius Schwabe in „Archetyp und Tierkreis“, S. 194. Der Thurse/Saturn ist als Herr vom Samstag/Saturday auch der unholde Beschließer der Planetenwoche. Typhon galt als Sohn der Erde und des Tartaros (Unterwelt), als ein grässliches Ungeheuer in Gestalt eines himmelhohen Riesen dessen Unterleib zu zwei mächtigen Schlangenleibern, anstelle der Beine, gestaltet war. Im Kampf um die Vorherrschaft über die Welt unterlag er im gewaltigen Götterkampf schließlich dem indogerm. Himmelsgott Zeus (Dyaus-Pita, Jupiter, Tiu). Die hellenistischen Griechen setzten Typhon mit dem ägyptischen Gott Seth gleich und nannten ihn demzufolge Typhon-Seth.
 
Die Überzeugung vom Gegensatz eines guten und eines bösen Weltprinzips, also von Mächten die einander im Weltgeschehen bekämpfen und auch die menschliche Seele zum Schauplatz ihres Streites machen, wo sie um Genossenschaften buhlen, gehört zu den Grundimpulsen der iranisch gespeisten Gnosis. Das war die Lehre der persischen Magier die noch zum Beginn christlicher Zeitrechnung als Wandermissionare den Vorderen Orient überschwemmten. Dass es sich dabei um ein uraltes Welt- und Gottesverständnis handelt, ist am altägyptischen Osiris/Horus-Seth-Widerstreit ebenso zu ersehen, wie am indischen und iranischen Streit der Daewas mit den Asuras, sowie dem germanischen Götterstreit zwischen Wanen (Glanzgötter) und Asen (Ahnenseelen). Auch im germ.-mytholog. Kampf von Baldur und Hödur tritt das Motiv ins Licht alter Legenden. Die gnostische Tendenz der dualistischen Welt-Deutung bezog ihre Position eindeutig aus paganen Quellen. Eine Eigenart der jüdisch-christlichen Variationen der Gnosis war es dann, ihre Polemik gegen den jüd. Stammesgott oder Götzen zu richten, den sie als das böse Weltprinzip auffassten, wie es entschieden Markion (um 85-160 n.0.) lehrte. Schon für die griech. Vorsokratiker (470-399 v.0), wie Heraklit (um 520-460 v.0) oder Empedokles (um 495-435 v.0), war die Welt ein Plan der ringenden Gegenkräfte. Heraklit lehrte „Gott ist Frieden und Krieg“, Empedokles bezeichnete die Gegenkräfte „philótēs“ (Liebe/Freundschaft) und „neíkos“ (Streit/Hass). So wie sich Empedokles „Liebe-Hass“ im Wechsel bekriegen, so schildert die germ. „Edda“, dass im oberen Weltenbaum-Geäst ein „Adler“ (gutes Lichtprinzip) säße und im Wurzelwerk der Drache „Nidhögg“ (hasserfüllt Hauender). Die Scheltreden beider trägt das Eichhorn „Ratatösk“ hin und her, damit der Zwist nie enden möge. Dieses Gegensatzpaar Adler-Nidhöggr symbolisiert den Widerstreit zwischen den aufbauenden und zerstörerischen Kräften der Welt. Im Runen-ODING erkennen wir diese uralt-religiös-mythische Demonstration: 21er gegen 22er, oder 3 (Geist) gegen 4 (Materie) bzw. Ase-Wodin gegen Thurse-Saturn.
 
Der christliche Kirchenlehrer Irenäus teilt in Adv. haer. I 14,3 mit, der Häretiker Marcus ordnete jedem menschlichen Körperteil zwei Buchstaben des griechischen Alphabetes bei und erhielt somit eine gleichsam in der Ekliptik stehende Person die aus Buchstaben bestand. Sie betrachtete er als den gnostischen Äon „Aletheia“ (Wahrheit). Nicht anders, oder so ähnlich, muss der Runenschöpfer sein Geistwesen „O-D-ING“ verstanden haben, denn die drei ersten Buchstaben, bei rechtsbeginnender Runenreihenlesung, bedeuten „Geistkind“ bzw. „Gotteskind“. Versteht man die Runenreihe als eine um 90° aufgerichtete Säule, zeigt sich ihr Kopf als „OD“ (Geist/Seele), und am unteren Ende ihres runischen Leibes, ihr Fuß als „FUÞ“ (Hinterteil bis zum Fuß). Das marconische Modell ist komplett. Od/Oð meint im germ. Sprachverständnis sowohl Geist/Seele/Gemüt wie auch Gott. Der Gott „Od“ (Frühform von Wodanaz/Wodin/Odin) galt, laut eddischer Darstellung, als Ehemann der gemeingerm. Muttergöttin Frija. Der Begriff „Geist-Gotteskind“ entsteht durch die Anhängung des Runenzeichens „ng“/„ing“ (Laut- und Begriffswert) der semantischen Bedeutung: „Kind/Nachkommen“. Gleichzeitig entspricht diese Projektion des Runenschöpfers dem gnostischen „Anthropos“ (der Gegengewendete, Aufwärtsgerichtete), dem „wahrheitswilligen Geistwesen“, mithin dem aufgerichteten, aufrecht schreitenden Menschen, zu dem der runengläubige Mensch werden soll, nämlich zum hohen Menschen, der sich gerade durch seine aufrechte innere Haltung, die er seiner dem „Ich“ entwachsenden Aufrichtekraft verdankt, am deutlichsten vom Tier und dem Untermenschen unterscheidet. Zurück zu Irenäus: Die Buchstabenmystik des Marcos wurde allein deshalb von dem „Kirchenvater“ angegriffen weil es sich um einen der verketzerten Abweichler von der frühchristlichen Mehrheitsgruppe handelte, die vorangegangenen, rein heidnisch-vorchristlichen Strömungen, fand er keiner Erwähnung wert. Zweifellos muss es, außer den hebräischen, auch heidnisch-griechische Vorläufer auch für den marcosischen Buchstaben- und Alphabet-Zauber gegeben haben.
 
Für die ersten die sich schriftlich mit der christenzeitlichen „Gnosis“ (Erkenntnis) auseinandergesetzt haben, die Kirchenväter Hegesipp, Irenäus, Hippolyt und Justin, war die Entstehung der Gnosis ein Werk des Teufels. Eine klassische Beschreibung hiervon findet sich bereits beim „Vater der Kirchengeschichtsschreibung“ Eusebius von Caeserea (264-339). An der Spitze der bezeichneten „Teufelsdiener“ stand für sie der Magier Simon aus Samaria (bzw. Simon von Gitta, ?-65 n.0, siehe Apg 8, 9-24). Saturnius/Satornil aus Antiochia und Basilides aus Alexandria, wohl Schüler eines Nachfolgers Menander aus Samaria, wurden als „doppelzüngige Schlangen“ verunglimpft. Die Nikolaiten, Anhänger des Nikolaus, tolerierten, so lauteten die Vorwürfe, angeblich Freizügigkeit im Umgang mit Götzenopfern und Unzucht. Die Vorwürfe seitens der auf dem jüdischen Bibel-Kanon fußenden „Rechtgläubigen“ verstärkten sich dahingehend, dass die gnostischen Häretiker, ihre „falschen Lehren“ aus heidnischen Quellen bezogen hätten, nämlich den griechischen Mythen sowie von Philosophen und Dichtern. Die Gnosis war ebenso nachhaltig durch die iranischen Lehren von der Dualität der „Licht- und Finsternismächte“ beeinflusst, also einem radikalen Dualismus zwischen dem Geistigen und dem Materiellen. Kurzer Einschub bezüglich der Ur-Runen-Systematik: Bezeichnend für den gnostischen Charakter des germ. ODING ist der Umstand, dass es seinen Beginn mit dem Gottesgeist nimmt und an sein Ende den Gegensatz, die „f“-Rune setzt, mit der Bedeutung „fehu“ = Vieh, der semantischen Bewertung „materieller Besitz/Geld“. Der verteufelnde kirchenväterliche Hass auf die gnostischen Häretiker wird verständlich, wenn man die Fundamentalkritik der Gnostiker in Betracht zieht, am „Alten Testament“ und dessen Gott. Der wurde als Materiedämon, welcher die Erde so schlecht gemacht habe wie sie sei. Das „Alte Testament“ sei ein Buch voll von Rache und Gewalt und sein Gott, der Gott Israels, ein rachsüchtiger Despot, der Unterdrückung und Unrecht legitimiere. Diese Meinung durchzieht die gesamte kritisierte Kirchengeschichte. Auch Marcion (85-160), der erste judäo-christliche Theologe, der einem guten Gott des „Neuen Testaments“ einem bösen Gott des „Alten Testaments“ systematisch gegenüberstellte, vollzog diese absolute Verwerfung des althebräischen Gottesbildes. Auf dem weltanschaulichen Hintergrund der Gnosis sah er in Jahwe einen grausamen Demiurgen, den Schöpfer einer materiellen und bösen Welt, die Christus, der Vertreter des Liebesgottes, überwunden habe, um die Erlösten in ihre rein geistige Heimat eines spirituellen Lebens zu führen. Demzufolge reduzierte er den biblischen Kanon auf das sog. marcionitische Evangelium (10 Paulusbriefe und ein von jüdischen Hinweisen gereinigtes Lukas-Evangelium). Die sich etablierende judäo-christliche Kirche hat Marcion zwar als Ketzer, mitsamt allen weiteren sog. Abtrünnigen“, ausgestoßen, doch es waren ja nicht allein diese, die ein sehr negatives Urteil über das Judentum, seine Sitten, Gebräuche und Bibelschriften insgesamt vertaten. So schrieb der umfassend gelehrte Plutarch (um 45-125) in seinem Werküber Isis und Osiris („De Iside et Osiride“, 30f), dass die Ägypter den Esel opferten weil er ein Symboltier des üblen Typhon war und der Antipode des Horus. Und diese hellenistische Teufelsmetapher, Typhon-Seth, sei nach der Schlacht gegen Horus (gutes, ordnendes Lichtprinzip) sieben Tage lang auf einem Esel aus Ägypten geflohen, wonach er, nach seiner Errettung, die beiden Söhne Hierosolymos und Judaios mit der Eselin gezeugt habe. Moses selbst soll im Allerheiligsten des Jerusalemer Tempels als Eselsreiter dargestellt gewesen sein. Der geglaubte angebliche Eselskult der Juden und Christen wurde in Form eines Graffitis auf dem Palatin-Hügel in Rom verewigt, wo sich eine Figur am Kreuz mit einem Eselskopf dargestellt findet. Man liest: „Für die Symboliker besitzt der Esel eine Astralprojektion, sie kennzeichnen ihn als eines der Attribute der sogenannten „zweiten Sonne“, welche nichts anderes als der Planet Saturn ist.“ Auch der Samaritaner Jeshua-Jesus, der möglicherweise missverstandene Reformator, ritt symbolträchtig auf einem Esel in Jerusalem ein und wurde währendem als „König der Juden“ umjubelt.
 
„Taw“ und „Thurse“
 
Auch die 22 hebräischen Konsonanten-Buchstaben tragen bestimmte Bedeutungen. Sie beginnen mit „a“ für „aleph/alef“ (Rind/Stier) und enden mit „t/th“ für „tau/taw“, ursprünglich ein Kreuzzeichen. Symbolisch ist „Aleph“ der Opferstier. In Altägypten, im Alten Orient, wie auch im alten Norden galt der Stier/Auerochse als eine Gottesmetapher und als Opfertier. Die einzelnen Buchstabenbedeutungen sind heute leider vom willkürlichen späthebräischen und christlichen sakralisierenden Mystizismus derart überlagert, dass darunter der echt-alte Bedeutungsgehalt kaum noch auffindbar ist. Da das Ur-System mit dem Rinderkopf beginnt, fragt man sich, ob das ehedem heilig gehaltene „Goldene Kalb“ gemeint war, das laut biblischer Überlieferung dem israelitischen Volksführer Aaron als ein Gottesbild galt, dem anderen Volksführer Moses aber als „Götzenbild“, das er zerschlagen ließ und 3.000 Israeliten dazu (Ex 32,25-28). Das herbstliche Stieropfer ist im ODING-Kalender auf die 23. Rune gestellt. Das herbstlich-winterliche Stieropfer kann auf eine lange kalendarische Tradition in Mitteleuropa zurückblicken, es ist durch archäologische Funde am stichbandkeramischen Wintersonnwendheiligtum Goseck (Gemeinde bei Naumburg/Thüringen) schon von vor ca. 7.000 Jahren belegt. Überraschend bezeichnend sind die Additionen der 24 ODING-Zahlen, des Ergebnisses 300 bzw. 3, was auf die indogerm. Trinitäts-Lehre (sanskr. Trimurti) hinzuweisen befähigt wäre, während sich der hebräische Monotheismus in den Zahlenwerten der 22 Buchstaben des hebräischen Alphabetes kundtäte: Totalwert 1495, mit Quersumme 1. Werden die Ordinalwerte aller 22 Buchstaben addiert, so ergibt sich der Totalwert 253, erneut mit Quersumme 1. Beachtenswert ist, dass der 22. hebräische Buchstabe „t/th“ (taw) im Lautwert mit der 22. ODING-Rune übereinstimmt. Taw steht für den Zahlenwert 40/400 und soll das Schließen eines Bundes symbolisieren, das Siegeln, das Zusammenfügen von zwei Dingen sowie „Eigentum und Besitz“. In einem kabbalistischen Text heißt es vom Taw: „Als der Schöpfer wünschte, die Welt zu erschaffen, traten alle Buchstaben in umgekehrter Reihenfolge vor Ihn, vom letzten (Taw) bis zum ersten (Alef). Der Buchstabe Taw trat zuerst ein und sagte: „Meister der Welt ! Es ist gut und schicklich von Dir, die Welt mit mir zu erschaffen, mit meinen Eigenschaften. Denn ich bin das Siegel an deinem Ring, genannt EmeT [Wahrheit], das mit dem Buchstaben Taw endet. Und deshalb wirst du Wahrheit genannt, und es wäre passend für einen König, das Universum mit dem Buchstaben Taw zu beginnen und die Welt durch ihn zu erschaffen, durch seine Eigenschaften. Der Schöpfer antwortete: „Du bist schön und aufrichtig, verdienst aber nicht die Welt, die ich plante, mit deinen Eigenschaften zu erschaffen, da du dazu bestimmt bist, auf der Stirn der wahrhaft Treuen zu stehen, die die gesamte Tora von Alef bis Taw erfüllen [vom ersten bis zum letzten Buchstaben] und wegen dir verschwanden.“ (Talmud Bavli, Shabbat, 55). Der 22. Buchstabe bezeichnet danach die „Treuen in Israel“, während die 22. Rune den unholden Thursen und Saturnius meint. Die oding-runische 21 meint den „Asen“ Wodan-Odin, den germanischen Geistgott, der Seelenführer, mithin die Summe germanischer Seelen. Beide mythologischen Zahlenbegriffe 21 und 22 gelten noch heute  in der Numerologie als „starke Meisterzahlen“. Aber sie repräsentieren unterschiedliche Hauptwerte: die 21 addiert sich zur drei, dem Geist und Licht-Sinnbild, die 22 addiert sich zur vier, dem Erde- und Materie-Sinnbild.
 
Vom negativen Aspekt der Zahl 22
 
Schon die linksläufige phönizische Konsonanten-Schrift (11.-5/3. Jh. v.0) bestand aus 22 Zeichen, von denen nicht ein einziges Zeichen den Runen gleicht oder ähnelt, hinsichtlich des linearen Buchstabenbildes in Verbindung mit seiner begrifflichen Bedeutung. Die Phönizier, als Handelskonkurrenten der Griechen, stellten eine Art Gegenkultur dar. Während die aus dem Norden kommenden Dorer, also die mykenischen Frühgriechen, die helladische Kultur an den Südküsten Europas in Gestalt zahlloser Pflanzstädte begründeten, kolonisierten die rivalisierenden Phönizier die Küste Palästinas, die mittelmeerischen Küsten Afrikas bis zur iberischen Halbinsel hin. Ein unüberbrückbarer Gegensatz durch Handels- und Besitzneid tat sich auf. Der griechische Hochmut empfand sich als Vertreter eines zivilisatorischen Sendungsbewusstseins, als Träger einer überlegenen Zivilisation. Den Phöniziern unterstellte er, allein auf materielle Gewinnmaximierung bedacht zu sein. Es war der gleiche Vorwurf den spätere europäische Denker gegenüber dem Judentum erhoben. Schon der griech. Universalhistoriker Diodor (ersten Hälfte 1. Jh. v.0) berichtet, dass die Phönizier mit viel Gewinn in Spanien Silber gegen „Glas und Tand“ eingetauscht und auf dem Heimweg nach Osten wieder weiterverhandelt hätten (Diod. 5. 35. 4–5). Er wiederholte hier die abfällige griech. Beurteilung der Phönizier die seit mindestens dem 7. Jh. v.0 erkennbar ist. So mokierte sich ebenso der Odyssee-Dichter im Spiegel einer „Lügen-Geschichte“ darüber, dass ein phönizischer Schiffsunternehmer beabsichtigt habe, seinen eignen Gast, wider jeden Rechts und ohne Skrupel, in die Sklaverei zu verkaufen (Od.14. 295–300). Gerne verweist man auf diese epischen Verse, um die niedere Profitgier der Phönizier zu belegen. Der Topos vom Phönizier als gewinnmaximierenden Fernhändlern war allgemein im Umlauf. (Philipp Curtin, „Cross cultural trade in world history“, 1984 / Robert Cohen, „Global Diasporas“, 2008. Beide Autoren zeigen Phönizier als ethnische und religiöse Minderheit, die allein auf gewinnbringenden Globalhandel spezialisiert war.) Der große Gegensatz fand seinen deutlichsten Ausdruck in den römisch-punischen Kriegen. Europa bzw. Rom überwand den asiatisch-afrikanischen Feind erst im Jahr 201 v.0, nach zwei Kriegen gegen Karthago, und begann danach, Schritt für Schritt, das Mittelmeer zu beherrschen. Dieser Antagonismus drückte sich auch aus im ethnischen Erscheinungsbild des kulturellen Gegensatzpaares. Griechen/Mazedonier und Römer, die die mediterranen Autochthonen überlagert hatten, waren von heller Haut und hellen Haaren und Augen; ihr Idealbild, nach den Vorbildern ihrer Götter (blonder Apoll, blauäugige Athene), war der nordische Menschenschlag. Die semitisierten Phönizier-Punier dagegen entsprachen dem akkadisch-semitischen dunklen, kleinwüchsigen Menschentypus, der aus südlichen arabischen Randwüsten Mesopotamiens und des Persischen Golfs herkam, in Form von Beduinen-Invasionen, die sumerischen Kleinstaaten überschwemmt hatte und später als Schöpfer der prächtigen Großkulturen von Akkad, Elam, Ebla, Assur und Babylon zu Tage trat. Ihnen entsprachen die Bewohner der arabischen Halbinsel und die Hamiten Altägyptens. Ursprünglich standen sich im Nord-Süd-Gefälle extrem differierende Rassetypen gegenüber, was vorhandene Aversionen noch verstärkt haben dürfte. Die Buchstabenzahl 22, mit der sich der phönizisch-semitische Gegen-Geist etablierte, wird, lange vor dem Bekanntwerden israelischer Bibeltexte, bei Griechen und Römern einen entsprechend unerfreulichen bis abschätzigen Eindruck hervorgerufen haben. Die Zahlen beschreiben also nicht nur Mengen oder Quantitäten, sondern auch Qualitäten, nämlich die Polarität. Die vier ist die Zahl des Materialismus, ihre theosophische Addition ergibt die zehn, die zehn Finger mit denen der Mensch die Welt als Besitz ergreift (z.B. „22.000 Rinder Salomos“). Die Zahl 22 muss demnach als das Synonym für den orientalisch-semitischen Antipoden gegolten haben. Nur folgerichtig ist es, wie es judäochristophile Interpreten tun, diese Zahl als Kennzeichnung für die irdische Materieschöpfung und deren Demiurg (griech. Weltbaumeister) anzusehen und sie „Sinnbild der materiellen Vollendung“ nennen. Erstaunlich ist indes, dass zahlenmythische Bibel-Interpreten heute - in völliger Übereinstimmung mit der oding‘schen Aussage - erklären, die Zahl 22 versinnbildliche das „Leiden“, die 23 „den Tod“ und die 24 die „Herrlichkeit“. Die Zahl 22, als Symbolon auch des althebräischen Geistes, hatte demnach sicher nicht erst zur römischen Kaiserzeit einen negativen Anstrich. Noch im „Neuen Testament“ kommt die Bezeichnung „Synhedrion“ („Hoher Rat“, höchste jüdische politische u. religiöse Gerichtsinstanz) in den „Evangelien“ und der „Apostelgeschichte“ 22 Mal vor. Welch ein Bubenstück, oder ernsthafter formuliert, welch eine gigantische Verschwörung, dem biblisch-mosaischen Monotheismus-Kult, wie eben damit auch den daraus abgeleiteten christenkirchlichen Fehldeutungen, in Wahrheit zugrunde liegt, hat nicht zuerst und nicht zuletzt ein SPIEGEL-Artikel (Nr. 52, 21.12.2002), unter der Schlagzeile, „Die Erfindung Gottes“, sichtbar werden lassen: „Eine Gruppe von Fälschern, ,Deuteronomisten‘ genannt, bürsteten die Realgeschichte um, sie verzerrten die Wirklichkeit, schafften unbequeme Fakten beiseite und erfanden, nach Art eines Hollywood-Drehbuchs, die Geschichte vom Gelobten Land. … die Bibel das Ergebnis eines Machtgerangels um die religiöse Federführung, ein kulturpolitischer Krimi, angeführt vom Hohepriester in Jerusalem, der historische Fakten umschrieb und seine eigenen Großmachträume in die Vergangenheit projizierte.“ Ein kleiner vorderasiatischer Wettergott „Baal“, mit Liebesgöttin-Ehefrau „Aschera“, wurde zum Jahwe hochgelobt. Der evangelische Alttestamentler und Kirchenhistoriker Prof. Bernd Jörg Diebner beschreibt die Thora „als diplomatisches Kompromisspapier“, an dem womöglich noch bis 50. n.0 gefeilt wurde. Der röm. Heerführer und Politiker Pompeius (106-48 v.0) richtete im Jahr 63 v.0 die röm. Provinz Syria ein, auch das südlich gelegene Judäa eroberte er. Der damalige Hohepriester in Jerusalem war Johannes Hyrkanos II. (?-30 v.0). Er stand im Streit mit seinem Bruder Aristobulos, der ebenfalls die Macht beanspruchte, so dass man den Pompeius bat, zu vermitteln. Dieser setzte mit Gewalt Hyrkanos II. ein, doch Aristobulos verschanzte sich mit seinen Anhängern im Tempelbezirk, der erst nach dreimonatiger Belagerung - in einem Blutbad - erobert werden konnte; über 12.000 Juden sollen in diesem erneuten innerjüdischen Zwist ihr Leben verloren haben. Judäa ist seitdem Rom tributpflichtig geworden. Man darf annehmen, dass es die machtbesessenen Hohepriester Alexander Jannäus und Sohn Johannes Hyrkanos II. waren, aus dem patriotischen Geschlecht der Hasmonäer, welche den Auftrag gaben, die Bibel in ihrem megalomanen Sinne zu bearbeiten.

Altheilige Zahl 21
 
Es heißt, im Jahre 403 v.0 veranlasste der griech. Politiker Achinos die Reform zur Einführung einer Schriftvariante mit 24 Alphabet-Buchstaben als Amts- und Schulschrift. Das lat. Alphabet stammt von altitalischen Buchstaben der Etrusker ab, die zuerst mit 23 Zeichen schrieben und um 400 v.0 ein „klassisches“ Alphabet von 20 Zeichen bildeten. Die Römer übernahmen 21 Buchstaben von ihnen, die der röm. Schreibstuben-Gründer Spurius Carvilius Ruga um 230 v.0 kultivierte, so dass der röm. Philosoph u. Konsul Cicero (106-43 v.0) von 21 urrömischen Buchstaben ausging. Doch schon das Alphabet der indogerm. Phrygier des 8. Jhs. v.0 in Anatolien soll aus 21 Buchstaben bestanden haben. Zur Zeit des klassischen Lateins und in der Spätantike bestand das Alphabet aus 23 Buchstaben, die Zahl von 26 Buchstaben wurde erst in der Renaissance erreicht. Die Anzahl der Konsonanten im deutschen ABC beträgt 21. Die altrömische Buchstabenzahl 21 befand sich also schon zur Zeit der punischen Kriege (264 bis 146 v.0) in Opposition zu den 22 Buchstaben der Karthager.
 
Schon die Zahl 7 verglichen die Pythagoreer mit dem Lenker des Weltalls, um wie viel mehr müsste die Dreimal­sieben die Zahl des Weltgeistes sein ! Sie muss als noch einmal überhöhte „vergeis­tigte Sieben“, als Kronensieben, verstanden worden sein. Jedenfalls ist sie ein Signum für die Feuergeis­tigkeit Got­tes. Auch im germ., altnord. und frühdt. Fund­material lässt sich die 21 nachweisen: Das bronzezeitl. (ca. 800 v.0) Hängegefäß von Sophienhof / Kreis Demmin (ehem. Museum von Stettin) weist 21 Sonnenstrahlen auf. Die eisenzeitl. Hakenplatte des Holsteiner Gür­tels von Thors­dorf / Kr. Grevesmühlen führt 3x7=21 Sonnenzeichen. Das altheidn. Son­nengeist-Relief im Innenraum der Tübinger Jakobuskirche eingemauert, besitzt drei zentri­sche Ringe, zehn Finger und acht Armreifen, zusammen 21 Zähleinheiten. Im alt­gläu­bigen Runen-ODING durfte diese esoterische Kronenzahl allein dem Wel­ten­geist zuge­spro­chen werden, dem „Hermes-Trismegistos“, dem Asen Wodin,dem Atem des Alls. Die Hochschätzung der Zahl hat sich auch im Tarot niedergeschlagen: Die 21. Karte ist die stärkste, bedeutungsvollste, sie heißt „die Welt“, sie sym­boli­siert das Absolute, die Erfüllung: „Die Karte zeigt die göttliche Urkraft hinter dem Kreislauf, dem Spiel der Welt“. Ältere Handschriften definieren die Bedeutung der Zahl 21 in Übereinstimmung mit unserem Befund: „Gekröntes Haupt“, „Ruhm“, „Gei­stiger Auf­stieg“. (Werner Zimmermann, „Geheimsinn der Zahlen“, 1948, S. 24) Ptole­maios, wahrscheinlich schon vor ihm Hipparch, beschrieben 21 Sternbilder nörd­lich der Ekliptik bzw. der nördlichen Halbkugel: Cassiopeia, Andromeda, Cepheus, Perseus, Adler, großer Bär / Wagen, kleiner Bär, Ochsentreiber, Schlangenträger, Schlange, Herkules, Drache, Leer, Pfeil, Schwan, Delphin, kleines Pferd, Pegasus, nördliche Krone, nördl. Triangel,  Fuhrmann. Hoch oben im Norden glaubten die alten Völker den Wel­tenberg und darüber die Götterthrone. Dort hinan zum Himmelszenit hoffte auch der Mithrasgläubige dereinst aufzufahren in den unermesslichen Strahlen­kreis. Nach bestimmten Gebeten und der Anrufung des Licht- und Feuergottes in dessen 21 griech. Bezeichnungen erhoffte er sich Einlass in die Welt der Seli­gen. Die heilige Zahl 21 kommt aus altehrwürdig-arischen Traditionen: Als Umlegehölzer der vedischen Brandopfer wurden 3 x 7 Hölzer gebraucht (z.B. Rigveda 10.90,5,15). Ein solches Brandopferzeremoniell war nichts anderes als ein Ent­stofflichungsprozess, d. h. Vergeistigung des Opferangebotes für die im Geistigen wesende Gottheit. An anderer Stelle heißt es: „Das Opferfeuer hat 7 Einschlusshölzer und 21 Brennhölzer“ (Rigveda 10.90,15). Die feurige Urkraft Agni wohnt in verborge­ner Gestalt (rupa) in diesen 21 Hölzern. Erst wenn die Flamme erwacht, ist Agni in seiner sichtbaren Offenbarung zu schauen. Agni ist also eb­en­so die 21 (2+1= 3 / 3. Rune: ing  ), wie das Himmels­feuer Surya, von dem die Veda-Wissenden sagten: „Die Sonne ist gleich 21“ (z.B. Cankhayanacrautasutra 16.3,9), oder „Mit 21 [Silben] gelangt man zur Sonne“ (Chândogya-Up. 2.10,5). Welche Vorstellung Altindien von dieser Tota­litätszahl hegte, erweisen Erklärungsschriften wie Satapatha Brahmana 4.2,2,3: „Will man die Zahl 21 haben, so ergibt sie sich aus der Addition der 12 Monate, der 5 Jah­reszeiten, der 3 Welten und der einen Sonne; oder dar­aus, dass der Mann / Mensch [purusha] 21-fältig ist: Er hat nämlich 10 Finger, 10 Zehen, dazu das Ich.“ Purusha galt indisch­en Spekulationen als das geistige Prinzip, das man in der hellenistischen Gnosis Logos und Christos nannte; im Germanischen eben Wodan. Gemäß solcher Hoch­schätzung mussten es 21 Vedaschulen sein, wel­che das würdige Wis­sen hüteten, und auch das Avesta, das heilige Buch der Zor­aster­re­li­gi­on war in 21 Teile, so­ge­nannte Nasks, gegliedert. Das Ahuvar-Gebet, wel­ches Gott Ohrmazd selbst wider den bösen Geist einst gesungen hatte, um ihm die endliche Nie­derlage anzuzeigen, bestand aus 21 Worten. Dazu kennt die iranische Religion 21 gute Geister, sogenan­nte Ja­gatas. Der jüdische Widerspruch veranlasste die Zahl 21 bzw. den 21. Buch­stabe des jüd. Alphabetes als „sin / schin“ („Zahn“) zu deuten. Der zur Aneignung und Vereinnahmung des Materiellen, Körperlichen und als „Narrheit“ gedeutet wurde. Der hebräische Buchstabe Schin bedeutet Zahn, ein Symbol der Zerstörung wie auch der Zubereitung. Aus hebräischen Legenden: Gideon zerstörte mit seinen 300 auserwählten Männern die Midianiter. Mit 300 Schakalen zerstörte Simson die Ernte der Philister. Abisai, der Bruder des Feldhauptmanns Joab erschlug 300 Männer mit seinem Speer. König Asa von Juda schlug das Heer der Kuschiter und zerstörte ihre 300 Kriegswagen. Die Juden töteten in Persiens Hauptstadt Susan 300 ihrer ärgsten Feinde. Nimrod, der große Zerstörer oder „gewaltige Jäger vor dem Herrn“ trägt den Zahlenwert 300. Von Satan, dem größten Zerstörer und Mörder des Lebens spricht der 300. Vers des Johannesevangeliums (8:44).
 
22 „schreckliche Teufelsvölker“
 
Die älteste Dichtung, die Europa zu bieten hat, ist Homers (8./7. Jh. v.0) „Ilias“, ein Begriff für Ilios alias Troja und den „Trojanischen Krieg“, der, mag er so geschehen sein oder auch nicht, einen den europäischen Geist bestimmenden Topos schuf, nämlich dem vom Ost-West-Konflikt bzw. dem ewigen Kampf zwischen dem geographisch scheinbar fein gegliederten Europa und der ungestalten Landmasse Asiens. Nach Expertenmeinung soll der Kampf um Troja ca. 1.184-82 v.0 geschehen sein. Es scheint, dass in nicht endenden Bedrohungs- und Angriffswellen Asien gegen Europa in Gestalt der Perser, Skythen, Hunnen, Sarazenen, Mongolen Awaren und Osmanen anbrandet, dass fremdartige, räuberische Ethnien gegen indogermanische Völker anrennen. Schon einige Zeit vor 1.400 v.0 gründete sich die  Assuwa-Allianz von 22 alten anatolischen Staaten, um sich dem hethitischen Hattusa-Reich unter König Tudhaliya I. zu widersetzen, der um 1.430 v.0 aus diesem Streit als Sieger hervorging. Assuwas Name wird von einigen Gelehrten als Ursprung des Ortsnamens „Asia/Asien“ angesehen. Das hethitische Imperium umfasste Mitte des 14. Jh. den größten Teil Anatoliens, der nördlichen Levante und des oberen Mesopotamien. Aus dem Westen des indogermanischen Siedlungsraumes sind wohl im 20./19. Jh. die Hethiter nach Kleinasien eingewandert, sie besaßen eine Kentumsprache, ebenso wie die Griechen, Kelten und Germanen. Die 22 gegen den ersten indogermanischen Ordnungsstaat im europäischen Vorfeld „Asia“, so könnte die aktive Wahrnehmung der Zahl 22 als Chaos-Vertreter-Chiffre entstanden sein. Ein späterer Sagenzug, verschiedener im orientalischen Umlauf befindlicher Legenden, berichtet von 22 bedrohlichen Völkern, dieAlexander der Große nördlich des Kaukasus eingesperrt hätte, die aber zum Weltende fähig würden, die kaukasische Sperre zu durchbrechen, um in den Nahen Osten und Palästina einzufallen und sieben lange Jahre ein Gemetzel unter den Menschen anzurichten. Diese apokalyptischen Völker werden in der Offenbarung des „Pseudo-Methodius“ erwähnt. Darin heißt es, dass zuerst die Ismaeliter (Araber) und danach die 22 eingeschlossenen Völker „Gog und Magog“ über das Abendland hereinbrechen würden. Die einfallenden Barbaren seien Nomaden aus der Wüste Ethribum, also aus der Region Medinas, die den Antichristen ankündigen, aber nach 49 Jahren Herrschaft vom König der Römer besiegt würden. Es hieß, es handele sich um „die verlorenen Stämme Israels“, die von den Babyloniern nach Persien verschleppt, später von Alexander, als Strafe für ihre Götzenanbetung, im Norden eingesperrt worden wären. Unter dem hochmittelalterlichen Eindruck der Mongolen-Invasionen und der christlichen Eschatologie finden sich in der 1243 veröffentlichten Zeichnung des englischen Benediktinermönches und Chronisten Matthaeus Parisiensis die angeblichen Gesichtszüge der Mongolen vom Stereotyp der krummen Judennase, die eindeutige Anspielung auf eine Abkommenschaft aus den von Alexander vermeintlich eingesperrten jüdischen Völkern. Zwar entstand die Schrift „Pseudo-Methodius“ in der 2. Hälfte des 7. Jhs. im oström. Syrien, doch sie ist auch Methodius, dem Bischof von Olympos, zugeschrieben worden, der 311/312 den Tod erlitt. Mit Sicherheit ist der Bericht von den abscheulichen 22 Teufelsvölkern älter, so dass sie der Runenschöpfer bereits vernommen haben muss. Nach der Prophezeiung des biblischen Ezekiels (8,4-10), werden sie am letzten Tag der Welt, vor deren endgültigen Untergang, ins Land Israel einfallen. Die Gog und Magog treten als zwei von den 22 unreinen Völkern auf, die alle von Noahs Sohn Japhet abstammen sollen und vom Satan am „Jüngsten Tag“ befreit werden. Die gnostisch-christlich inspirierten Prophezeiungen verkünden, dass bei Jerusalem die Heerhaufen der Agogiten und Magogiten in einem großen Blutbad umkommen würden. Die hebräische Bibel spricht nicht nur vom Angriff Gogs von Magog, sondern auch vom Angriff des „Königs des Nordens“ und vom Angriff der „Könige der Erde“ (Hes., Dan., Offb.). Aus alledem wird ersichtlich, dass die Zahl 22 aus einer gnostischen Verständnisweise den Charakter des Misanthrophischen, seelenlos-bösen Materiellen trug und, dass der Runenschöpfer sie deshalb seiner Unhold-Chiffre zulegte. Auch in der in 22 Kapitel gefassten „Offenbarung des Johannes“, ca. 70 n.0, finden sich die entsprechenden Passagen, in denen sowohl die Juden als auch die Völker Gog und Magog im Kontext des Antichristen aufgeführt werden. Den Einfluss der christlichen Eschatologie auf die Beschreibung der Mongolen findet sich besonders plakativ in der 1243 veröffentlichten Zeichnung des englischen Benediktinermönches und Chronisten Matthaeus Parisiensis wieder. Unter dem Eindruck der Kämpfe in Ost- und Südosteuropa ließ er sich bei der Zeichnung der Gesichtszüge der Mongolen vom Stereotyp der krummen Nase der Juden leiten - eine eindeutige Anspielung auf eine Abkommenschaft von den von Alexander vermeintlich eingesperrten jüdischen Völkern. Die aus europäischer Sicht historisch wahrgenommene absonderliche Exklusivität und ausdauernde politische Querulanz des Judentums und seinem 22er-Buchstaben-Geist, wäre als ein tradiertes Vorururteilsmotiv aus frühvorderasiatischer Historie, mit den 22 Unheilvölkern, zu deuten, das bis in die Zeit des griechisch-jüdischen Antagonismus fortlebte, wo es in diversen legendären Formen weiterwucherte.
 
Wie kam es zur konträren Haltung der Griechen gegenüber dem Judentum und umgekehrt ? Ein Großteil der jüd. Bevölkerung reihte sich nicht widerspruchslos in die hellenistische, griechisch dominierte Weltgemeinschaft ein, sie pochte auf ihre religiösen Sonderrechte. Wie feindselig sich das Judentum dem Griechentum gegenüber postierte, liest sich im Sota-Traktat des „Babylonischen Talmud“ beispielsweise so: „Verflucht sei der Mensch der Schweine großzieht, und verflucht sei der Mensch, der seinen Sohn die Weisheit des Griechischen lehrt.“Demzufolge formulierte der dt. Dramatiker u. Lyriker Chr. Friedrich Hebbel in „Judith“ (1840): „Herr, dieses Volk ist verstockt und misstrauisch. Wir wissen von ihnen nicht viel mehr, als sie selbst von ihrem unsichtbaren Gott wissen. Sie scheuen Berührung mit fremden Völkern. Sie essen und trinken nicht mit uns, höchstens schlagen sie sich mit uns.“ Im Rahmen der damaligen Modernität einer „Interpretatio Graeca“ wurde „JHWH“ mit Zeus gleichgesetzt, wodurch dem jüdischen Gott seine Einzigartigkeit abgesprochen wurde, was viele religiös-konservative und patriotische Juden als Provokation empfanden. Auch der seltsame jüdische Penis-Beschneidungsbrauch war in Griechenland unüblich und wurde in der klassischen Antike als abartig und anstößig angesehen. Palästina war aufgrund der innerjüdischen Konflikte ein ständiger Unruhherd. Um 167 v.0 hatte der Seulekiden-König Antiochos IV. (215-164 v.0) in Jerusalem eine starke Festung angelegt, um der dortigen Tumulte Herr zu werden, er verbot den Jahwe-Kult, dessen Tempel er zu einem Zeus-Heiligtum umwidmete. Damit forderte er die Empörung erst recht heraus. In den Makkabäer-Aufständen der Jahre 168-164 v.0 ging es um innerjüdische Machtkämpfe und natürlich, um den Versuch, die mazedonisch-griechische Fremdherrschaft endlich abzuschütteln. Aus diesen Kämpfen ging das jüd. Reich der Hasmonäer hervor, das für rund einhundert Jahre (165-63 v.0) eine Erbherrschaft über die Juden ausübte. Die Hasmonäer eroberten nun ihrerseits die umliegenden Gebiete, sie zwangen die Bewohner zum Judentum und zur Penisbeschneidung der besiegten Männer. So wurden ca. 125 v.0 auch die Vorfahren des Idumäers oder Edomiters König Herodes zu Ritus-Juden. 107 v.0 wurde Samaria belagert und völlig zerstört. Von der Stadt blieb lediglich ein Berg Bauschutt übrig und die überlebenden Bewohner wurden als Sklaven verkauft. Die Landbevölkerung mag trotz Zwangsjudaisierung einige Züge von ihrer vorherigen Kultur behalten haben. Vollständig konnte die alte Religion nicht ausgerottet werden. 104 v.0 wurde dann auch Galiläa erobert und die Bewohner sind ohne nennenswerten Widerstand zu Juden umgemodelt worden. Diese Gewaltsamkeiten scheinen als Gründe mit hineingespielt zu haben für das unterschiedliche Ansehen der Samariter und der Galiläer in der Zeit der Hasmonäer. Diese Nordteile des alten Israels sind zwangsjudaisiert worden, was ein geschichtsbewusster Teil der Bevölkerung kaum vergessen haben konnte und Ressentiments gegenüber Jerusalem mehr oder minder offen zur Schau gestellt haben wird, was dann zu der Bezeichnung Galiläas als „Heidenland“ führte. Im jüd. Südreich entwickelte sich der Jahwe-Kult, an dem die Nordbezirke keinen vollgültigen Anteil hatten. In der elitären Jerusalemer Tempelgemeinde sind die Konzepte des Kultes weiterentwickelt worden, woraus sich deren Hochmut gegenüber den Samaritanern und den Galiläern speiste. Die Jerusalemer Rückkehrer aus der „Babylonischen Gefangenschaft“ hatten unter persischer Oberhoheit die Entwicklung eines Jahwe-Monotheismus vorangetrieben. Jahwe - ein alter Wetter- und Fruchtbarkeitsgott - wurde nach dem Vorbild der persischen Religion des Ahura Mazda zum Schöpfer-Herrn über Zeit und Raum aufgebaut und hochgelobt. Wahrscheinlich entstand erst in dieser Zeit das Konzept der jüd. Vätergeschichte und des Ägyptischen Exils samt Exodus und des Bundesschlusses. Im ptolemäisch-ägyptischen Alexandrien gab es einen starken loyalen jüdischen Bevölkerungsanteil, der sich zwar für die behördliche Verwaltung innerhalb der mazedonischen Fremdherrschaft über Ägypten unentbehrlich gemacht hatte, jedoch die öffentliche Meinung gegenüber den Juden war nicht wohlwollend, sie wurden verachtet, zu groß war der Gegensatz des weltoffenen hellenistisch-griechischen Geistes und dem in sich verschlossenen, exklusiv sich gebenden, konservativen Judentum. Die Rigidität der jüd. Glaubensfanatiker war zweifellos für abtrünnige und weltliche Juden, wie für Fremdgläubige gleichermaßen angsteinflößend. Ihr eifersüchtiger Bibel-Gott, der „keine Götter neben sich duldet“, ist keiner der in Sachen Toleranz als Schutzengel herangezogen werden könnte. Und wie ihr eingebildeter Herr, so auch seine weltlichen Funktionsträger, die in Sachen Religion keine Nachsicht und kein Erbarmen kannten, wie es Esra (etwa 458 v.0), der legitime Verwalter der persischen Provinz Jehud (Keimzelle Judäas) ihnen vorgeführt hatte, mit seinem Verbot der Mischehen mit den „Nationen“ (Nichtjuden). In Esra 9:12 werden Angaben verdeutlicht, wie sich Juden in dem von ihnen eingenommenen Land, hinsichtlich ihrer Nachbarn, zu verhalten haben: „Ihr Juden sollt Eure Töchter nicht mit fremden Söhnen und Eure Söhne nicht mit fremden Töchtern verheiraten. Und sucht weder Frieden zu halten noch den Fremden Gutes zu tun in Ewigkeit, damit ihr mächtig werdet und das Gute im Lande genießen und es euren Kindern ewiglich vererben könnt.“ Die Befriedungsprobleme wurden nicht weniger als 63 v.0 die neue Weltmacht Rom die Region übernahm. Marcus Tullius Cicero (106-43 v.0), der berühmteste Redner Roms, Politiker und Philosoph, besaß im Jahre 59 v.0 die Skrupellosigkeit, als Verteidiger seines Freundes Valerius Flaccus, der zurecht wegen Amtsmissbrauch und Bereicherungen in der Provinz Asia angeklagt war, antijüdische Ressentiments vorzubringen, um vor Gericht für seinen schurkischen Schützling zu punkten. Die heiklen Sätze aus der Gerichtsrede „Pro Flacco” lauten: Sie wissen, was für eine große Gruppe sie [die Juden von Rom] sind, wie sie einstimmig zusammenhalten, wie einflussreich sie in der Politik sind. Ich werde meine Stimme senken, um gerade laut genug zu sprechen, dass die Geschworenen mich noch hören können, denn es gibt genügend Leute, die diese Juden gegen mich und gegen jeden guten Römer aufbringen werden.“ Was geht daraus hervor ? Die antijüdische Stimmung in der Hauptstadt, lange vor den religiös motivierten Antijudaisten der Gnosis. Herodes Archelaos (um 23 v. -18 n.0), Volksfürst in Judäa war ein grausamer und launischer Tyrann der seine eigenen Bürger, Samariter wie Juden, gleichermaßen schlecht behandelte und tausende umbringen ließ. In den Jahren 4-6 v.0 kam es zu einem jüd. Aufstand. Der unfähige Herrscher wurde von Rom abgesetzt und sein Land röm. Landpflegern zur direkten Verwaltung unterstellt. Welche Stimmung dem in Jerusalem herrschenden Tempeljudentum gegenüber in manchen Kreisen die öffentliche Meinung prägte, selbst von Seiten der damals neuzeitlich eingestimmten, reformerisch-jüdischen Denkern, die die folgende Schriftstelle weitergereicht haben, tritt ja in Joh. 8:44 zu Tage, wo Jesus innerhalb des Tempelbezirks seinen Kontrahenten entgegnete: „Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Begierden wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit, denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge.“ Im Jahre 66 n.0 kam es wieder zu jüdischen Bürgerkriegen und einer Revolte gegen Rom, in deren Verlauf die unterschiedlichsten Fanatiker in beispiellosem Hass übereinander herfielen, welche erst mit der Einnahme von Jerusalem und der Einäscherung seines Tempels durch den röm. Feldherrn Titus im Jahre 70 n.0 beendet wurde. Der jüd. Zeitzeuge Flavius Josephus (37-100 n.0) berichtet in „De bello Judaico“ davon. Die hassvolle Verbitterung zwischen den unterschiedlichen Ethnien und Religionsgruppen ebbte über Jahrhunderte nicht ab. Dem „Jüdischen Krieg“ (66-70) folgte der „Babylonische Aufstand“ (115-117 n.0) und schließlich der „Bar-Kochba-Aufstand“ (132-135 n.0). In allen diesen völkisch-rassischen Kriegen zwischen judäischen Gruppen und Grüppchen, ebenso wie zwischen Juden und Griechen/Römern sind jeweils auf beiden Seiten gewaltige Blutbäder angerichtet worden. So fielen Juden ab dem Jahr 115 in Ost-Libyen, Alexandrien, Theben, Zypern mordend über ihre griechischen und römischen Nachbarn her, was als „tumultus Iudaicus“ in die Annalen einging. Der röm. Konsul u. Historiker Cassius Dio (163-235 n.0), berichtet in „Röm. Geschichte“, 68,32, von Hunderttausende Toten in der Kyrenaika, in Ägypten, sowie in Zypern; ganze Landstriche wurden verödet und menschenleer gemacht. Ohne Kenntnisnahme dieser lang anhaltenden beiderseitigen Aversionstraditionen muss die ablehnende Haltung nichtjüdischer Kreise bezüglich der jüdischen Alphabetzahl 22 unverständlich bleiben. 
 
3. in welchem Gebiet (wo ?):
 
Es gibt einige Argumente dafür, die Entstehung der Runenreihe in Jütland anzunehmen. Der Gote Jordanes (?-552) veröffentlichte i.J. 551 die „Getica“ (Gotengeschichte), die im Auftrag von Ostgotenkönig Theoderich dem Großen verfasst wurde. In der „Getica“ erwähnt er die skandinavische Gruppe der „Otingi“, welche als „OT/OD-Anhänger bzw. Gläubige der OD-Religion“, zu erklären wären. Eine weitere Bezeichnung der Od-Wodin-Religion, die sich bekanntlich vom althergebrachten germ. Teiwaz-/Tiu-Glauben abhob, war der „Asen“-Glauben, abgeleitet von dem Begriff unter dem der Geistgott auf Position 21 in den ODING-Runen in Erscheinung tritt. Kultverbände bzw. herulische Volksgruppen dieser Glaubensrichtung siedelten erkennbar im nordjütländischen Raum. Sie siedelten zunächst hauptsächlich im Hinterland der Aalborgbucht zwischen Limfjord und Mariagerfjord, wo noch jetzt die mittelalterlichen Ortsnamen ihren wotanischen Asen-Glauben (Ahnen-Religion) bezeugen: Aså (Asaa), Åstrup-Østrup, Asbäkhede, Asferg, Ask, Askildrup, Aslev, Askov, Asløkke, Asp, Assedrup, Assendrup, Asmild Kloster (1179: Asmiald; Asmind), Assentoft, Assing, Åsted, Åstedbro, Astrup, Erslev, Esby, Esbøl, Eskerod, Essig, Estrup, Estrup Gårde, Estvad. Das Zentrum des herulischen „Asenlandes“ ist beim nordjütländischen Nørresundby zu lokalisieren. Hauptträger der Runen-Mission waren also offensichtlich die sehr mobilen Heruler-Verbände, die in Westeuropa ebenso agierten, wie sie allein oder gemeinsam mit den Goten bis zum Schwarzen- und Asowschen Meer Unternehmung durchführten. Auch stammt das prächtigste auf uns gekommene Runenwerk aus Südjütland. Der ErilaR bzw. Od-Parawari (Heidenpriester) namens Hlewagast erschuf in Rosengaard/Nordschleswig (Gallehus) zu Anfang 5. Jh. zwei wunderbare Goldhörner, eines mit Runeninschrift. Die Hörner sind in Folge der totalen Sonnenfinsternis am Wotanstag (Mittwoch), dem 16.05.413 von dem ca. 1.30 m kleinen Künstler als Unheilabwehrbittgebete gefertigte worden. Zumindest einen rechts-beginnenden Leseanteil der Runenzeile hat der Schöpfer ganz bewusst eingebaut, nämlich den rechtsläufig letzten: tawido (germ. „machen / wirken“). Er wollte ersichtlich auch diese Runenzeile des Goldhornes im ur-echten Sinne weihen, indem er sie so mit der heiligen „DO“-Silbe enden lässt, wie die heilige Reihe korrekt zu enden hat, eben mit dem Begriff „DO“, welcher linksläufig als „OD“ zu lesen ist. Aus dem Wort „tawido“ wird dann in der Wendung ein „odiwat“, aus dem nur zu deutlich das „Odi-Wasser“ bzw. „Odi-Trunk“ zu lesen wäre: germ. N „wata / watam“ = Wasser / Trunk. Sechs Stäbe gebraucht der meisterliche Hlewagast für das letzte Langzeilen-Wort „tawido“ und hat damit auch dem zahlenmythischen Grundkanon der 24-er Hl. Reihe Genüge getan, ist doch die Quersumme und Seelenzahl von 24 = 6. Die Kosmos-6 aber besteht inhaltlich - kosmogonisch verstanden - aus 1+2+3. Unter dem Anspruch der Korrektheit würde aber an dem „wat“-Begriff für „Wasser / Trunk“ noch ein „a“ fehlen, um es zum „wata“ zu vervollkommnen. Das bewerkstelligte der Meister durch das Anhängen eines zweiten Ärmchens linksseitig an den letzten Buchstaben des Wortes, also die „t“-Rune. Der letzte Stab ist demnach zunächst als „t“ und dann abschließend als linksläufig „a“ zu deuten-, was veranschaulicht wurde durch die Ärmchenanhängung zur Rechten, folglich nach Links zeigend. Die Addition und Quersumme von „odiwata“ = 84 = 12 = Gottes-3 -, ebenso wie die Addition aller 24 Runen 300 bzw. 3 ergibt.
 
4. von welchen Personen/welcher Person bzw. Ethnie (Gruppe, »Stamm«) (wer ?):
 
Als Runenschöpfer kommt ein Mann namens Erul in Betracht, dessen Namen im „Helm von Negau-B“ eingraviert ist. Im Jahre 1811 brachte der Depotfund von Ne­gau (südl. Steiermark) 26 Bronzehelme ans Licht, zwei davon („Negau A u. B“) schenkten die bislang früheste Feststellung germani­scher Worte, geschrieben mit alpenländischen Buchstaben. Wahrscheinlich handelt es sich um die geraubte oder geborgene Votivgaben­sammlung aus einer Kultstätte -, die Ablegung in einer Waldparzelle von Negau, im Hügelland der „Windischen Bühel“, erscheint zufälliger Art. Allerdings steht eine wissenschaftliche Grabung am Fundhügel noch aus. Die Negauer Helme werden fachlich so beschrieben: Krempe, eine steile hohe Kalotte (Kugelkappe) und eine „Kehle“ an der Kalottenbasis. An der Krempen-Unterseite konnte ein Futterblech befestigt werden, zwecks Haltung des Helmfutters. „Negau-B“ zählt zum „italisch-slowenischen Typ“, der ältesten Serie von den im Südostalpenraum hergestellten „Negauer Helmen“, welche in die erste Hälfte des 5. bis in das beginnende 4. Jh. v.0 datiert werden. Der Fachwissenschaftler Prof. Dr. Markus Egg teilte mir auf Anfrage mit, dass „Negau-B“ im Helminneren - das in antiker Zeit ein Lederfutter verdeckte - das Zahlzeichen XIIX eingeritzt ist, „d. h., dass diese Zeichen entweder schon bei der Herstellung, vor dem Einbau des Lederfutters, oder erst nach der Entfernung des Futters, als die Helme z. B. in einem Heiligtum geweiht und nicht mehr als Waffe eingesetzt wurden, angebracht werden konnten.“ Während der Helm-Typ selbst aus sehr viel früherer Zeit stammt, werden die Inschriften um 100-50 v.0 datiert. Inschriftenkundler vertreten die Auffassung, dass diese nordetruskischen Schriftformen zumeist um 90 v.0 vom lat. Alphabet verdrängt worden seien. Doch alpenländische Inschriften unterschiedlicher Alphabetformen finden sich bis zum Beginn unserer Zeitrechnung. Bei der Grabung unter den Trümmern eines Herrensitzes der eisenzeitlichen Siedlung am Pirchboden bei Fritzens / Innsbruck kam das Teilstück einer zerstörten Harfe zu Tage, mit alpenländischer bzw. rätischer Inschrift. Die Ausgräber vermuten, der Zerstörungshorizont stamme aus der Eroberung des Alpenraums durch die Römer im Jahr 15 v.0. Die Art der Negauer Helme wurde ursprünglich von den Etruskern entwickelt, sind jedoch im alpinen Raum noch lange weiter fabriziert worden und zwar in einigen keltischen Rückzugsgebieten bis ins 2. und 1. Jh. v.0. Ein auf das 2.-1. Jh. v.0 datierter alpiner Helm vom Typ Negau fand sich z.B. in Saulgrub / Lkr. Garmisch-Partenkrichen; er trägt ebenfalls eine knappe Buchstabenritzung. Herr Dr. Markus Egg war so freundlich, mir mitzuteilen (Mai 2013), das jüngste Exemplar aus Idrija bei Baca datiere in das 1. Jh. v.0 Für die Inschriften gilt das Gleiche wie für die Helme, sie wurden gebietsweise weitergetragen als sie schon längst aus der Mode waren. Die von unterschiedlichen Händen vorgenommenen Negauer Helmgravierungen könnten zu Beginn des 1. Jhs. v.0 erfolgt sein. Auf der Krempe von „Negau-B“ ist der Text einer Weihein­schrift bzw. Bittformel eingeritzt: „harigastiteiva“ (urgerm. harja-gasti-teiwa), „Gast des Heeres / Kampfes Tiwaz“, woraus sich zwanglos lesen lässt: „Gott sei/ist beim Heer/Kampf“. Teiwa ist als westgerm. Form für Gott/Himmelsgott, indogerm. deiwos, lat. divus, urgerm. Teiwaz / Tiwaz, altengl. Tīw, altnord. Tyr, in Völuspá: tivar Pluralform von Gott, griech. Zeus, ahd. Ziu / Tiu / Tiuz. Die Entstehungsursache der Inschrift wäre erklärlich:
 
Es gilt der Fachwelt gut begründet und gesichert, der erste Impuls zur Entwicklung germ. Runen müsse aus alpenländischen Schriftformen gekommen sein, vor deren Verdrängung und Untergang durch die Lateinschriften. Schon der norwegische Sprachgelehrte Carl J.S. Marstrander erwog, wegen des in Frage stehenden Zeitfensters, die Kimbern als Schöpfer und Vermittler. (Helmut Arntz, „Runenkunde“, 1935, S. 79ff) Seit 120 v.0 waren die aus Jütland aufgebrochenen, neuen Lebensraum suchenden germanischen und gallischen Stämme der Kimbern, Teutonen und Ambronen auf Wanderschaft. Die Hauptschar zog der Elbe entlang südwärts über Schlesien, Böhmen und Mähren wo die keltischen Boier wohnten, durchdrangen Österreich, gelangten in die Ostalpen zu den ebenfalls keltischen Norikern und südlich nach Illyrien zum Flussgebiet von Save, Drau und Donau. Anzunehmen ist, dass die Teutonen, unter ihrem König Teutobod, dort, am südöstlichen Punkt ihres Wanderweges, eine gewisse Zeit gelagert haben. Die Erinnerung daran könnte im Namen des röm. Kastells „Teutiburg­ium“ (germ. Volksburg) erhalten geblieben sein, er wurde erstmals im 2. Jh. n.0 vom Geographen Claudius Ptolemäus erwähnt. Die späteren Heerlager gotischen, germanischen Volks kämen für die Namensprägung nicht Betracht, aber auch eine noch ältere Volksburg bzw. ein Marschlager der Kelten könnte in Erinnerung geblieben sein. Nach der röm. Provinzeinteilung Diocletians zur späteren Kaiserzeit ist es die Region „Pannonia-Inferior“, wo „Teutiburg­ium“, südöstlich des Städtchens Mursa, unmittelbar an der Donau, heute bei der kroatischen Ortschaft Dalj zu finden ist. In Plutarchs „Marius“ (11,3-5) heißt es von Kimbern und Teutonen: „Es rückten 300.000 Kämpfer in voller Ausrüstung heran, während die Massen der Frauen und Kinder, die mit ihnen zogen, angeblich noch weit größerwaren; sie suchten Land, das eine derartige Menschenmenge ernähren sollte, …Da sie aber nicht mit anderen Völkern in Verbindung gestanden und ein weites Land durchzogen hatten, war nicht bekannt, um welche Menschen es sich handelte und woher sie kamen, als sie wie eine Wetterwolke über Gallien und Italien hereinbrachen. Wegen ihrer gewaltigen Körpergröße und der hellen Farbe ihrer Augen vermutetet man indes zumeist, dass sie zu den am nördlichen Ozean wohnenden germanischen Stämmen zählten…“. Um einen weiteren bildhaften Eindruck des Kimbern- und Teutonenzuges zu gewinnen, an dem Kelten beträchtlichen Anteil hatten, hören wir den Historiker Diodorus-Siculus, der sich in den 50-er Jahren v.0 in Rom aufhielt, wie er die Kelten beschreibt: „Ihr Anblick war furchterregend ... Sie sind hochgewachsen, mit spielenden Muskeln unter weißer Haut. Ihr Haar ist blond, aber nicht nur von Natur, sie bleichen es auch noch auf künstliche Weise, waschen es in Gipswasser und kämmen es von der Stirn zurück nach oben. So sehen sie schon deshalb Waldteufeln gleich, weil ihre spezielle Wäsche das Haar auch noch dick und schwer wie Pferdemähnen macht. Einige von ihnen rasieren sich den Bart ab, andere, vor allem die Vornehmen, lassen sich bei glattgeschabten Wangen einen Schnurrbart stehen, der den ganzen Mund bedeckt und beim Essen wie beim Trinken als ein Seiher wirkt, in welchem Nahrungsteile hängen bleiben … Gekleidet sind sie, das ist verblüffend, in grell gefärbte und bestickte Hemden. Dazu tragen sie Hosen, die sie ,bracae’ nennen und Mäntel, welche auf der Schulter von einer Brosche festgehalten werden, schwere im Winter, leichte im Sommer. Diese Umhänge sind gestreift oder kariert, wobei die einzelnen Felder dicht beieinander stehen und verschiedene Farben aufweisen.“ - „Sie tragen Bronzehelme mit großen getriebenen Figuren darauf oder auch mit Hörnern, die sie noch größer erscheinen lassen, als sie ohnehin schon sind … während andere sich in eiserne, aus Ketten zusammengefügte Brustpanzer hüllen. Aber die meisten sind mit dem zufrieden, was die Natur ihnen an Waffen mitgab: sie gehen nackt in die Schlacht.“
 
War der Runenschrift-Erfinder ein Kimber namens Erul ?
 
Wenn der Kimmerier-Kimber Erul als 15-jähriger 101 v.0 die nordische Südwanderer-Niederlage von Vercellae erlebte und als 45-jähriger 72 v.0 den Rebellen-Sieg bei Mutina (Modena), unter der Führung des Thrakers Spartakus, wird er von dort die ca. 400 km (Luftlinie) nach Noreia überwunden haben. Im disziplinierten Befreiungsheer muss er zu seinem Hauptmann-Diplom gekommen sein, so dass er ein „c / k“ vor seinen Namen setzen mochte, wie wir es im „Helm von Negau“ vorfinden. Der Gründer und Verkünder der Runenreligion muss sich ausreichend lange im Dunst­kreis gno­stisch-religiöser und philosophischer Schulen aufgehalten haben, um sie studie­ren und innerlich verwerten zu können. Wohl als betagter Mann gelangte er mit seiner Anhängerschar in die norddeutsch-dänische Heimat (Südjütland, Seeland, Fünen) zurück, um eine wodani­sche Glaubensgemeinschaft zu errichten, als deren Einweihungs­kerbstock und Glaubenslehrbuch die ODING-Runen dienten. Sie gründeten ein Glaubensvolk (Odingis) bzw. eine langlebige, straffe, kriegerische Organisation von außerordentlicher Beweglichkeit. Allein wird er schon während des Aufbruchs in die Nordheimat nicht gewesen sein, zusammen mit kimbrischen und keltischen Kameraden meisterte er das große Abenteuer der langen Wanderung, über die Ostalpen, in die Nordheimat Jütlands zurück. Auf diesem gefahrenvollen Weg, der eine Gruppe von Verschworenen zusammenschweißen kann, unter Eruls Führung, wird der Kern der kimbrisch-herulischen Wodan-Anhänger gediehen sein. Wann der Runenmeister von seiner aufwühlenden Vision ergriffen wurde, die zur runischen Schrifterfindung führte, vermögen wir nicht zweifelsfrei zu ergründen. Gesichert bleibt allein, dass dieser Mann existierte und dass er als Namenspatron anzusehen ist für die späteren Erilari, die Runenmagier, wie ebenso für die beweglichen, kampffrohen Wanderscharen der Eruli/Heruler. Die streitbaren Heruli erschienen an vielen west- und osteuropäischen Orten, seit dem 3. Jh. am Nordrand des Schwarzen Meeres; bis ins 6. Jh. in Quellen belegt. Ihre weitreichenden Unter­nehmungen führten sie von Griechenland, Ita­lien, Spanien, Nordafrika, Gallien bis Schottland und Skandinavien. Der oström. Historiker Prokop berichtet in seinen „Historien“ (um 550 erschienen), dass die Heruler sich gespalten hätten und ein Teil nach „Thule“ (Skandinavien) zurückgekehrt sei. „ErilaR“ (urnord. „Erilaz“) war die Standesbezeichnung der Runenmeister, wie Signaturen ab dem 6. Jh. erkennen lassen. Sie waren die Eingeweihten des Runen- und OD-Glaubens. Der Be­griff „eri­laR“ galt als Standesbezeichnung der Runenmei­ster und hat vermutlich das Grund­wort für den altnord. Adelstitel „Jarl“, angels. „eorl“, engl. „earl“ geliefert. Ihre Angehörigen nannten sich Heruler/Eruler/Eriler - wahrschein­lich nach ihrem Gründer und Großmeister Erul. Zur zeitlichen Einordnung der Runenentstehung ist die Beachtung einer aus der 1. Hälfte des 1. Jh. n.0 stam­menden Rollenkappenfibel von Meldorf/Dithmarschen wich­tig. Auf ihr steht das Runenwort „hiwi“. Nicht jün­ger, eher noch älter ist die Inschrift auf dem kleinen Pokal von Vehlingen/Niederrhein. Von diesen bislang älte­sten Runeninschriften aus­gehend, hat man - parallel zu anderen Schriftentwicklungen - die Entstehung der Ru­nen um etwa hundert Jahre früher anzu­setzen, also in die 1. Hälfte des 1. Jh. v.0.  Der germ. Name eines Irila (Erila) erscheint sogar im 2. Jh. n.0 unter den Inschriften der buddhistischen Krypta zu Junnar, Bezirk Puna. Mit dem neuen Welt- und Selbst­verständnis verbreitete sich die runische Schrift innerhalb der germanischen Völkerfamilie. Zweifellos ist eine umfangreiche Literatur in dieser Schreib­technik ent­standen, welche nach dem christlichen Glaubensumbruch vom Frankenkö­nig Karl einge­sam­melt und durch seinen pfaffen­hörigen Sohn, den frömmelnden Schwächling Ludwig (778-840), als „heidni­sches Teufelswerk“ verbrannt bzw. an den Vatikan ausgeliefert wurde.
 
Wenn der blonde gefangene Kimberjunge Erul einen hübschen, hellen Kopf hatte und ein anstelliges Wesen dazu, so dass ihn eine vermögende römische Dame in ihr Haus nahm, ihm eine gediegene Ausbildung in Grammatikunterricht, Rhetorik sowie Belehrungen über griechische und lateinische Literatur zuteil werden ließ, dann wird er zunächst ein loyaler Bürger Roms und ein Bewunderer dessen militärischer sowie kultureller Bedeutung geworden sein. Die römische Abneigung, nein der römische Hass, gegen den großen Widersacher Karthago, der erst 145 v.0 endgültig besiegt worden war, muss zum allgemeinen Gesprächsstoff gehört haben. In Karthago hatte es umfangreiche Bibliotheken gegeben, man schrieb dort eine spätpunische Schrift der 22 Konsonantenzeichen, ebenso wie die Israeliten. Einen prägenden Eindruck von der vermeintlichen „Bösartigkeit“ der Buchstabenzahl 22 könnte also dem Erul bereits in der Jugend - falls er sie in der Hauptstadt oder in Italien erlebte - vermittelt worden sein. Die römische Politik bestimmte in der späten Republik hervorragende Einzelpersonen, von denen Gaius Julius Caesar (100-44 v.0) vermutlich einer der bekanntesten, aber selbstverständlich nicht die einzige prominente, Gesprächsstoff liefernde Figur war. Radikal und gnadenlos liefen die Kämpfe um Ämter und Macht unter den römischen Adelsfamilien ab und nicht weniger gnadenlos die außenpolitischen Intrigen und Eroberungen. Theateraufführungen, Gladiatorenkämpfe, Tierhetzen und Auspeitschungen niederer Landsklaven gehörten zu den Alltagserscheinungen. Mit zunehmendem Alter und Weitblick wird auch Erul seine Abneigung gegen das röm. Sklavenhaltersystem entwickelt haben. Das Los der römischen Sklaven und ihrer Lebensumstände hingen von den ihnen zugeteilten Aufgaben ab. Wer als Haussklave zur Belegschaft einer römischen Stadtvilla der Noblen gehörte, konnte es gut haben und zum Vorleser, Privatlehrer, Bibliothekar, gar zum Betriebsleiter aufsteigen. Doch das Leben eines Sklaven war zumeist nichts wert. In der Provinz Sizilien, wo sich im späten 2. Jh. v.0 zwei große Sklavenkriege ereigneten, wurde als vorbeugende Reaktion, den Hirtensklaven das Tragen von Schutzwaffen verboten. Dass es den röm. Behörden mit der Anordnung ernst war, zeigt folgende Begebenheit, die unmittelbar nach dem zweiten Sklavenaufstand geschah: Dem Statthalter der Insel, Lucius Domitius Ahenobarbus, wurde ein erlegter extrem große Eber vorgezeigt. Er rief den Jäger zu sich, und als dieser, ein Hirtensklave, eintrat, fragte er den Mann, wie er das Untier überwunden habe. „Mit einem Spieß“, lautete die Antwort, worauf ihn der Statthalter sofort ans Kreuz schlagen ließ. Feldherr u. Historiker Cato der Ältere (234-149 v.0) riet in seinem Werk „De agri cultura“, man solle sich gut um die Gesundheit der Landwirtschaftssklaven kümmern, doch sie bis zum totalen körperlichen Verschleiß arbeiten lassen und sie dann im Alter, wenn sie mehr kosteten als Nutzen brachten, verkaufen oder wegschicken. In Passagen aus Briefen des röm. Philosophen der Stoa Seneca (1-65 n.0), (Briefe 8, 70, 20ff) heißt es: „Neulich in der Gladiatorenschule ging einer von den Germanen auf den Abort. Dort stieß er sich das Holz, das zum Reinigen des Afters mit einem Schwamm versehen ist, tief in die Kehle und tötete sich, indem er die Atemwege versperrte. Man urteile über die Tat des entschlossenen Mannes, wie es einem jeden richtig erscheint, solange feststeht: Vorzuziehen ist der schmutzigste Tod der saubersten Sklaverei. … Als neulich jemand unter Bewachung - zum Schaukampf am Morgen geschickt - herbeigebracht wurde, ließ er, als ob er schläfrig einnicke, den Kopf so weit sinken, bis er in die Radspeichen geriet. Und so lange hielt er sich auf seinem Sitz, bis das Genick durch die Umdrehung des Rades brach. Siehst du, wie auch die niedrigsten Sklaven, wenn ihnen der Schmerz Stachel eintreibt, sich aufbäumen und die aufmerksamen Wachen täuschen? Der ist ein großer Mann, der sich den Tod nicht nur befiehlt, sondern erfindet!“ Und der röm. Senator Symmachus (342-403 n.0) schrieb in einem Brief an seinen Bruder (2, 46): „Eine Anzahl von Sachsen aus der Gesamtzahl derer, die ich als Volksbelustigung vorgesehen hatte, ist vom Tod abgezogen worden. Wann hätte denn der Wachdienst die unfrommen Hände der verzweifelten Gruppe hindern könne, da bereits der erste Tag des Gladiatorenspiels 29 Sachsen sah, die sich ohne einen Strick die Kehle zerbrochen hatten ? Nicht mehr abgeben möchte ich mich daher mit dieser familia [von Sklaven], die nichtsnutziger ist als Spartacus, sondern will diesen Schaukampf für den Kaiser durch eine Darbietung von wilden Tieren aus Afrika ersetzen.“
 
Der Begriff „Germanien“ wurde erstmals 80 v.0 vom hellenistischen Schriftsteller Poseidonios (135-51 v.0) verwendet. Er war in Rom hoch geachtet, weil er die römische Ordnungsmacht in der damaligen Weltpolitik vorbehaltlos akzeptierte. Viele römische Aristokraten studierten bei ihm. In seinem Werk „Über den Okeanos und seine Probleme“ erklärte er die altbekannte Klimazonentheorie über die Beschaffenheit der Völker des Nordens und Südens. Die Völker des Nordens hätten einen mächtigeren Körper, eine hellere Haut, gelblich-rötliches Haar, blaue Augen und viel Blut. Sie besäßen zwar einen stumpfen Geist, zeichneten sich jedoch durch einen wegen ihrer Unbedachtheit großen Kampfesmut aus. Demgegenüber wurden die im warmen Orient lebenden Menschen als von kleinem Wuchs, mit brauner Haut, krausem Haar, dunklen Augen, mageren Beinen und wenig Blut beschrieben. Sie zeichneten sich durch einen scharfen Geist, große Findigkeit, aber auch Feigheit und Verschlagenheit aus. Griechen und Römer hingegen, die in der Mitte zwischen diesen Völkern lebten, seien so mutig wie die Germanen und so klug wie die Orientalen. In seinem verlorengegangenen 30. Buch, ca. 80 v.0 geschrieben und nur durch spätere Autoren bekannt, berichtet er sogar kurz über germanische Essgewohnheiten, wie z.B. ihr Milchtrinken. Erul wird, als gebildeter Mann in Rom, von all dem gewusst haben. Ebenso war man in Rom gut über die vorderasiatischen Geschehnisse unterrichtet, wie den jüdischen Makkabäer-Aufstand gegen das mazedonisch-hellenistische Seleukidenreich, und dem dortigen Chaos. Der letzte Seleukidenkönig war Philipp II. Philorhomaios (95-56 v.0) dessen Beinamen „Römerfreund“ bedeutet. Rom war schon im Begriff seine Hand auch auf den Nahen Osten zu legen. Als dann der Thraker Spartakus (?-71 v.0) den Sklavenaufstand im Jahre 73 v.0 begann, schloss sich ihm - meiner Arbeitsthese zufolge - auch Erul als Centurio (Kompanieführer) an. Plutarch beschreibt den Spartakus, er habe nicht allein über einen starken Körper, sondern auch über einen starken Geist verfügt, sei recht gebildet, intelligent und von adeliger Abstammung gewesen. Im Frühjahr 72 v.0 zog Spartacus mit seinen Truppen Richtung „Gallia Cisalpina“ (Gallien diesseits der Alpen), um mit seinen Leuten in die Freiheit zu gelangen. Seine Sklavenarmee schlug bei Mutina (heute Modena) ein römisches Heer von ca. 10.000 Soldaten, der Weg über die Alpen war damit aufgebrochen, was nicht wenige Gallier und Germanen als Chance genutzt haben werden, tatsächlich aus dem röm. Machtbereich zu entkommen. Die Hauptmasse, mit Spartakus an der Spitze, kehrte jedoch erneut nach Süden, ihr weiteres Schicksal ist bekannt. Der weitere Lebensweg des Erul ist nur zu vermuten. Um eine etwaige Vorstellung von seiner hypothetischen Lebensspanne zu bekommen: War er 15-jährig als er 101 v.0, nach der Niederlage der Kimbern bei Vercellae 72 v.0, in röm. Gefangenschaft geriet, dann war er ein 45-Jähriger als seine Rückwanderung in die Nordheimat begann und er könnte als 75-jähriger, um das Jahr 52 v.0, gestorben sein, also möglicherweise noch vom Sieg Cäsars über die Kelten, im Spätsommer 52 v.0., erfahren haben. Auch vorher schon dürfte er in ausreichender aktueller Unterrichtung über die Neuigkeiten aus Rom und dessen Politik gewesen sein, denn nicht wenige Germanen verdingten sich als röm. Legionäre ihren zeitweisen Lebensunterhalt bei den röm. „Auxiliartruppen“ (nichtröm. Hilfsverbände). Das waren Truppen die bereits vor der röm. Kaiserzeit, zu Zeiten der „Römischen Republik“, die im Jahr 27 v.0 endete, aufgestellt  wurden.
 
Der dritte röm. Sklavenkrieg (73-71 v.0), fand unter der Führung des Gladiators, möglicherweise Thrakers (oder Spartaners) Spartakus (?-71 v.0) satt, weitere Führer des Aufstandes waren der Gallier Crixus (kelt. der Krause), der Germane Gannicus (germ. der Hagere) und der Gallier Oenemaus (griech. der Weinfreund ?). Von den Kimbernsöhnen im Sklavenkrieg heißt es in „Sallust, Historien III“: „Die Sklavenhorden waren nahe daran sich zu entzweien, da Krixus und seine Landsleute, die Gallier und Germanen, verlangten, dem Feinde entgegenzugehen und ihrerseits den Kampf anzubieten, während Spartakus den Angriff widerriet.“ Im April 71 v.0 wurde des Spartacus Rebellenarmee schließlich geschlagen, von deren endgültigen Niederlage der nordgerm. Heerfürst Ariowist (?- 54 v.0) möglicherweise noch keine Kunde hatte, als er am Oberrhein sein Germanenheer ins linksrheinische Gebiet übersetzte, von befreundeten Galliern, den Sequaner und Arverner, zur Hilfe gerufen. Ariowist, mit einer keltischen Königstochter aus Noricum (etwa Österreich) in Zweitehe verheiratet, sprach perfekt Keltisch. Seine längerfristigen politischen Absichten kennen wir nicht, aber 61 v.0 besiegte er die mit Rom in einem Schutzverhältnis stehenden Haeduer. Der röm. Senat ernannte Ariowist i.J. 59 v.0 trotzdem zum „Freund des römische Volkes“; Caesar nennt ihn „rex Germanorum“ (Germanenkönig). Ariowist legte dem röm. Feldherrn ein Friedens- und Freundschaftsangebot vor, bei röm. Akzeptanz des Status Quo, wolle er als Gegenleistung, „jeden Krieg für dich (Caesar) führen, ohne dass du dich dem Kriegsungemach und irgendeiner Gefahr aussetzen musst …“. Doch im Jahr darauf, in einer Schlacht bei Mühlhausen, in der Nähe der Rheines, greift Caesar die überraschten Germanenscharen an und schlägt sie vernichtend, mit Hilfe germanischer Söldner. Die nach der Niederlage über den Rhein geflohenen Gefolgsleute des Ariowists suchten zunächst im Odenwald Schutz - was liegt näher ? - wo sie den Nachkommen einiger Heimkehrergruppen der Kimbern und Teutonen begegnet sein müssen. Die sich addierenden Nachrichten vom Untergang des germanischen Sklavenführer Ganni (Mitkämpfer von Spartakus) im Jahr 71 v.0 und der des Heerkönigs Ariowist im Jahr 59 v.0 muss nach volkspsychologischen Gesetzmäßigkeiten die Suche nach neuen religiösen Heilsangeboten verstärkt haben. Auch die in den Norden zurückkehrenden Krieger des Ariowist müssen offene Ohren für die jugendfrische Od- bzw. Oding-Religion gehabt haben.
 
Erul war, dem Wortbegriff entsprechend, sollte er wirklich als Runenschöpfer in Erscheinung getreten sein, ein Gnostiker, ein Gotterkenntnis-Sucher und -Verkünder, doch, indem er die spätere sog. „Gnosis“ vorwegnahm, keiner der Fundamentalkritiker am „AT“ von denen Adolf v. Harnack schrieb und sprach. Und doch müsste ihm die schroffe griech.-röm. Ablehnung der jüdischen Volksart und des Judengottes sehr wohl bekannt gewesen sein, wodurch seine Verwendung der Zahl 22 als Thursen-Metapher eine Erklärung fände. Es handelt sich nur um eine denkbare Spekulation ohne faktische Anhaltspunkte: Wir wissen es nicht, aber möglicherweise gab es individuelle Gründe für Eruls ablehnende Haltung gegenüber der umstrittenen hebräischen Geistigkeit, anzunehmen ist, dass es zur Zeit seiner Gefangennahme bereits jüd. Sklavenhändler gab, mit ihren Handelsverbindungen zu orientalischen Sklavenmärkten, insbesondere zum größten, dem von Alexandria, wo der versklavte Junge an seinen ersten Besitzer verkauft worden sein könnte, bevor er mit ihm, oder einem Nachbesitzer, nach Rom gelangte. Alexandrias Lage machte die Stadt zum Handelszentrum zwischen den Agrarräumen Ägyptens und Italiens. Die von dem Mediävisten Charles Verlinden (1907-1996) in „Sklaverei im mittelalterlichen Europa“ (1955/77, S. 38) vorgetragene These, im mittelalterlichen Sklavenhandelsgeschäft hätten sich in erster Linie Juden betätigt und jüd. Kaufleute hätten ein nahezu weltumspannendes Netzwerk des Menschenhandels unterhalten, sei dahingestellt, richtig ist, dass sogar bereits Papst Gelasius (Amtszeit: 492-469) sich per Erlass genötigt sah, auch Juden den Handel mit heidnischen Sklaven zu gestatten, was auf die Existenz einer alteingeführten jüd. Geschäftsbranche schließen lässt. Carl von Ossietzky bietet einen gerafften Überblick zum römisch-jüdischen Problem und schreibt in „Das Fremdenbild bei Flavius Josephus“, 2009, S. 16ff: „In der gesamten Diaspora, besonders aber in der Stadt Rom, in der jüdische Gemeinden schon seit 150 v. Chr. ansässig waren, kam es immer wieder zu Konflikten. Insbesondere Bekehrungsversuche seitens der Juden, die so genannte ‚Proselytenmacherei’, wurden als anstößig und politisch verdächtig aufgefasst, obwohl die jüdische Religion keine eindeutige Missionsreligion war. Dennoch trugen auch diese Bekehrungsversuche dazu bei, dass das Judenbild der Römer und der Hellenen mit vielen Vorwürfen und Anfeindungen gespickt war: Grundsätzlich wurden sie als ‚anders’ beurteilt, also als grundverschieden von allen anderen Völkern. Ohne die Privilegierungen [Beschneidungsrecht, Militärbefreiung] wäre ein Zusammenleben von Juden und Römern/ Griechen nicht möglich gewesen, […] Die Juden wurden von Römern und Griechen als Randgruppe wahrgenommen, die durch ihren monotheistischen Glauben hervorstach. Während der griechisch-römische Polytheismus zwar weitgehend tolerant gegenüber fremden Religionen war, legten die Römer doch größten Wert auf religiös und politisch fundierte Loyalitätsakte, insbesondere auf die kultische Verehrung des Kaisers. Die Ablehnung des Kaiserkultes seitens der Juden wurde, wie oben erwähnt, von den römischen Kaisern zwar teilweise geduldet, wirkte sich aber negativ auf das Judenbild der gemeinen Bevölkerung aus. Der Absolutheitsanspruch der jüdischen Religion, die keine anderen Götter duldete, gepaart mit der Tatsache, dass es sich aus Römersicht beim Judentum um ein Unterschichtenphänomen handelte, sorgte für Konfliktpotential: Für die Römer wirkte die religiöse Überzeugung der Überlegenheit, ausgehend von einer sozial verachteten Randgruppe, geradezu provozierend. Hinzu kam, dass es selbst der gebildeten römischen Oberschicht oftmals an Informationen über die monotheistische Religion fehlte, sowie an Verständnis für die jüdische Mentalität. Beispielsweise berichtete Tacitus, ein Zeitgenosse Josephus’, über die Juden, dass ihre Bräuche mit den sonst auf der Welt üblichen im Widerspruch stünden. Was den Römern heilig war, sei den Juden unheilig, was die Römer als Gräuel betrachteten sei bei den Juden gestattet. Die Ehrung des Sabbats würde aus ihrer Freude am Nichtstun hervorgehen. Quintilian [röm. Lehrer der Rhetorik, 35-100 n.0] bezeichnete die jüdische Religion gar als Aberglauben, dessen Urheber, Moses, er dafür verantwortlich machte, ein Volk versammelt zu haben, das den anderen Verderben bringe, […] Während die Juden Judäas immer wieder gegen die Fremdherrschaft rebellierten und zahlreiche Aufstände entfachten, gab es von römischer Seite Erbitterung darüber, dass trotz gewisser Privilegien keine Eingliederung stattfand. […] Generell war die Eingliederung der Juden in das Römische Reich aufgrund der religiösen Differenzen schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, da eine Integration für die Juden, die sich über den Glauben an den einen Gott definierten, einer Selbstaufgabe gleichgekommen wäre. Zu den Spannungen im Umfeld Jerusalems traten die stetigen Auseinandersetzungen zwischen Juden und den ansässigen Griechen in Alexandria: Für das Römische Reich war die Gegend um Alexandria aufgrund der reichen Getreidevorkommen von besonderer Bedeutung für die Versorgung des Heeres. Kämpfe in der ‚Kornkammer’ Roms waren dementsprechend unerwünscht. Dabei resultierten die Spannungen zwischen Juden und Griechen vermutlich nicht aus einer ökonomischen Rivalität, sondern vielmehr aus dem ständigen Zuwachs der jüdischen Bevölkerung.“ Die Unverträglichkeiten gipfelten in den schon erwähnten drei jüd.-röm. Kriegen.
 
5. zu welchem Zweck (wozu ?) wurde die Runenschrift geschaffen ?:
 
Warum die „o“-Rune den Anfang macht: Der gotländische Kylverstein, der vermutlich als Grabplatte diente, zeigt die vollkommene Ur-Runenreihe aus etwa 400 n.0. Die Buchstabenreihe ist deutlich mit „o“ beginnend verfasst worden, denn die ersten 3, 4, 5 Zeichen wurden bedenkenlos eingraviert, während sie sich in der Folge immer enger aneinanderschmiegen, um genügend Schreibraum bis zum linken Steinblockende zu gewinnen. Die Runenäste scheinen hier keine klar bestimmbare Schreibrichtung anzugeben. Warum aber begann der Runen-Ritzer sein Werk in fast Steinflächenmitte ? Anzunehmen ist, dass der Schreiber zunächst die Absicht hatte, möglicherweise nur die ersten drei Zeichen, symbolhaft für die Gesamtreihe, aufzuzeichnen, dann aber doch fortfuhr bis zum Steinflächenrand, was ihm nur knapp gelang. Der Runenreihenbeginn ist „o-d“. Beim östergötländischen Vadstena-Brakteaten verhält es sich so, dass die kreisförmig angeordnete Ur-Runenreihe, bei „f“ beginnend, bis zum „o“ gelangt, während das „d“ unter dem Ösenknopf verborgen ist, so dass sich die Endung „d-o“ ergäbe. Es könne aber auch so sein, dass, weil der Raum für beide Endrunen nicht ausreichte, der Gießmodelmacher auf die ihm weniger wichtig erscheinende „d“-Rune verzichtete, um allein die „o“, als letzte sichtbare Chiffre, ins Bild setzen zu können. Die Frage nach der Bedeutung der ersten Rune, dem Schlingenzeichen „o“, das nach falscher Deutung die letzte Rune sein soll, ist, bei Zugrundelegung des altmythischen Denkens, leicht erklärt. Zu beachten ist zunächst, die 1. Rune „o - oðala“ galt im zahlenmythologischen Denken der Alten als „Einheit“, nicht eigentlich als Zahl, denn das Zählen“ beginnt erst ab und mit der Zwei. Die Runenreihe ist eindeutig das Produkt eines schrifterfindenden Theosophen, welchem die Verkündung des Wodin-Asen-Kultes ein Hauptanliegen war, weshalb er den schamanischen Zaubermeister und Heilgott Wodanaz, nach Interpretatio Romana der Psychopompos (Seelengeleiter) Mercurius, auf der 21. Stelle, der Herbstregion seines luni-solar-kalendarischen Runenschemas, platzierte. Mit der Zahl 21 (3X7) wurde in der Zahlenmystik immer das totale kosmische Wissen ausgedrückt. In den Orakelblättern der altägyptischen Schrifterfindergottes Thot, dem „Tarot“, heißt die 21. Karte „die Welt“. Das einleuchtende Argument für den Runenreihen-Beginn „o-d“ ahnte ich bereits 1981 und in meinem Runenbuch „ODING-Wizzod“, 1993. Ich interpretierte den Begriff „od/oding“ mit „Seele/Geistding/Geistprodukt“ und das Runen-Ende mit „f/fuð“ mit „Fuß“, was nur unwesentlich in „Fotze/Hinterteil“ korrigiert werden darf. Unter „fuð-a/u“ verstand man im Altnordischen das untere/hintere Ende von Mensch und Getier vom Fuß bis zur Hüfte. Die an. fuð f., im Fundus der Runeninschriften mehrfach belegt, entsprechen mhd. vud /vut. In der obszönen Inschrift ums Jahr 1200, eines Holzstücks von Bryggen bei Bergen/Norwegen, wird einer als „fuðsllæikir“ (Vulva-Lecker) bezeichnet, auf einem flachen Holzstab steht: „felleg er fuð sin bylli fuþorglbasmfuðorglbasm“ (schön ist die Vulva, möge sein Penis sie füllen), ein Knochenstück aus den 1000er Jahren von Schleswig trägt die Teilinschrift: „fuðarsb“ (Vulva/Hintern). Siehe dazu: Carita Holm/Uppsala, „Sexuelle Runeninschriften”, 2013. Diese späten wikingerzeitlichen Belege werden ergänzt von den mittelalterlichen Inschriften, wie auf Goldbrakteat Schonen II-C: „fuði”, der Silberbügelfibel von Beuchte mit „fuðarking” (letzte Rune ist als „ng” und nicht als „j” zu lesen), dem Brakteaten Gudme II-C (IK 392) mit „fuðar”. Bereits die Inschrift des Bronzeamuletts von Högstena, aus ca. 1100, gebraucht den Begriff fuð, nicht im Sinne der Vulva, sondern in Übertragung auf einen zu schmähenden Menschen, was bei der Beuchter Bügelfibel-Inschrift, mit der Selbstbezeichnung „fuðarking” auszuschließen ist, da es abwegig wäre anzunehmen, es käme einer auf die Idee, sich selbst als „Fotzerich“ auf einem Schmuckstück zu verewigen. Die diversen runischen „fuð”-Ritzungen bedürfen also genauer Beachtung ihrer Begleitmerkmale, um sie semantisch deuten zu können. Ihnen allen aber ist eines gemeinsam, nicht unbedingt das primitiv Sexuelle, jedoch immer der Begriff des Hinteren, des Schäbigen. 
 
Es ist nichts weniger als albern, annehmen zu wollen, ein Theosoph hätte sein kosmologisches Zeichensystem mit dem „Hintern“ anfangen lassen wollen. Mit dem in der Antike so verstandenen Seelenlaut „o“ aber sehr wohl, und mit einem Schlingenzeichen noch einmal mehr, das auf den mittelalterlichen Goldbrakteaten ebenso als (Seelen-)Schlangenzeichen auftritt. Siehe dazu Brakteat „Dänemark-B“ (Karl Hauck, „Goldbrakteaten aus Sievern“, 1970, S. 193 ff). Auf dem dänischen Brakteaten „DR BR18 – SKOVBORG“, der das kultische Schießspiel mit Baldur und Loki ins Bild setzt, ist sowohl die Od-Schlange (Od-Schlinge als Schlange fortgeführt) wie der Od-Vogel (Od-Schlinge mit aufgesetztem Vogelköpfchen) zu sehen. Hinzu kommt der bedeutsame Umstand, dass es im eddisch-germanischen Pantheon den Gott „Od“ gibt, offenbar der göttliche Urgeistvater, eine frühe Form des Wodan-Odin, denn die gemeingermanische Hauptgöttin Frija-Freya ist, wie es in der Völuspá heißt, „Óðs mey“, also „Ods Braut“. oder im Skáldskaparmál (Kap. 20) „Frau von Óðr”. Das an. Substantiv bzw. Gegenstandwort óðr meint Geist, Seele, Lied, Idee, Eingebung, Inspiration (im negativen Sinn: Wahn), Besitz, Gut. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass dieser geistig-seelische Komplex sich allein für eine Metapher zu Weltwerdung eignet. Denn alle materiellen Werdungen bedürfen, menschlichen Erfahrungen entsprechend, eines vorangegangnen Planes, eines geistigen Entwurfes. Das 24-stabige Ur-Runenkonzept beginnt also mit dem „od-ing“ = Geistprodukt und endet mit dem „fuða“ = Hintern. Dass eine rechtsbeginnende Runenreihenlesung die ursprüngliche gewesen sein muss, liegt schon deshalb auf der Hand, weil nach altgläubiger Regel alles Gute mit Rechts zu beginnen hatte ! Das Linke bzw. die linke Seite galt allezeit als das Nachgeordnete, Zweitrangige, Falsche. Die entschlüsselte pauschale und erste Runenbotschaft: „Heil vom Haupt bis zum Hintern“ und „Heil vom Geist bis zum Geld“ bedeutet die unmissverständliche Aufforderung zur ausgewogenen Lebenshaltung und keineswegs zur Weltflucht, wie es der späteren kirchenchristlichen Tendenz entsprach. Zur Beachtung und zur Pflege des Geistes und der Seele fordert der Runenreihen-Beginn „od“ auf. Das heißt: „Beachte zuerst die Seele !“ Ganz gleich, ob die 1. Rune „o“ „oðala“, mit „ð“ oder „d“ geschrieben wurde, das Schlingenzeichen wurde in kursiver und eckiger Form als Seelensymbol eingesetzt. Als nachgeordnet muss die letzte Rune „f“-„fehu“ verstanden werden. Sie bedeutet „Vieh“ und meint damit „Vermögen/Geld“, weil in alter Zeit über den unterschiedlich großen Viehbestand eines Herdenbesitzers sein Wohlstand definiert wurde. Auch bei den Römern kommt der Begriff für Geld, lat. pecunia, aus „pecu“ = „Vermögen an Vieh“. Die daraus resultierende Botschaft heißt: „Geld und Gut sind wichtig, sie sind die Basis jeder menschlichen Existenz, aber trotzdem sind sie zweitrangig; wichtiger ist das Geistige !
 
Die Erklärung, warum einige Runen-Funde vorliegen, welche allein die ersten, mit „f“ beginnenden Zeichen, vorführen, kann nur die sein, dass von einem gewissen Zeitpunkt ab die als Urform angedachte Verständnisweise des geheimen „o-d“-Hauptes in Vergessenheit geriet - oder bewusst abgelehnt wurde - und der profane Schreibgebrauch das linksbeginnende „futhark“-Konzept annahm. Dazu könnte ein Fund Aufschluss vermitteln. Die Runenfibel von Beuchte, Ldkr. Goslar, Niedersachsen, stammt aus einem kleinen merowingerzeitlichen Gräberfeld, in dem eine etwa 1,60 m große Frau im Alter von 18-40 Jahren bestattet lag. Die Tote gehörte aufgrund ihrer Ausstattung vermutlich zu einer Familie thüringischer Herkunft. In dem Grab befanden sich neben der Runenfibel noch weitere reiche Beigaben. Der Entstehungszeitraum der Fibel lässt sich anhand der Tierstilverzierungen relativ sicher bestimmen, er lag im ersten Viertel des 6. Jhs., ist zwischen 501-550. Die deutliche und markant geritzte Runenfolge erweist sich als eine Schenker-Inschrift, gerichtet an die Dame eines Mannes namens „Bursio“, der sich als „fuðarking“ bezeichnet. Diese Inschrift zeigt, dass es schon im Frühmittelalter Deutungsdifferenzen, also zerstrittene Glaubensparteiungen, hinsichtlich der theosophisch verstandenen Runenreihe gab, denn anders wäre die plakative Selbstbezeichnung „Ich der Fuðark-Anhänger“, nicht erklärbar.
 
Die Ur-Runen stehen in der Tradition der Kalender-Schöpfungen
 
Die altnordische Licht- oder Sonnen-Religion hinterließ eine Menge eindrucksvoller Zeugnisse. Neben den vielen Großsteingräberbauten, Steinsetzungen, „Trojaburgen“ (Tanzfestkreise), Felsritzbildern und Felsmalereien ragen folgende bisher wichtigste Funde hervor: 1.) Die um 7.000 Jahre alten Himmelsbeobachtungsstätten (Kreisgrabenanlagen) von Goseck (Sachsen-Anhalt) und Meisternthal (Bayern) und anderen. Sie erweisen, dass die großen Jahreszeitenfeste schon damals nach Gestirns- und Sonnenständen begangen worden sind. 2.) Die ca. 4.000-jährige Himmels-Kalenderscheibe vom Mittelberg über der Unstrut bei Wangen/Nebra, im Burgenlandkreis des alten Thüringer-Reiches. 3.) Der Sonnenwagen von Trundholm, welcher aus einem Moor im dänischen Westseeland aus einer Zeit vor ca. 3.400 Jahren stammt, demonstriert mittels seiner Spiralornamentik auf dem Sonnen-Diskus das Mond-Sonnenjahr von 360 Tagen. Die frühen Astronomen konnten das Sonnenjahr nur mit 360 statt mit 365,25 Tagen annehmen. 4.) Die 24-stabige Oding-Runen-Reihung, vom Beginn unserer Zeitrechnung, erweist sich als spätpythagoreisch-gnostizistische Kodifizierung der gallogermanischen Lichtreligion in Gestalt des lunisolaren Gottesjahres. Ihre weltanschaulichen Aussagen sind zahlenmythologisch verklausuliert, also berechenbar. 5.) Die beiden Goldhörner von Rosengaard-Gallehus aus den Fundplätzen von Nordschleswig. Alle fünf religiösen Urkunden stellen in unterschiedlichen Bild- und Zahlensprachen das Gleiche dar, nämlich das Lichtjahr oder den Jahrgang Gottes durch die Zeit. Während die bronzezeitlichen Funde der Mittelberg-Scheibe und des Sonnenwagens, mit ihren lunisolar-kalendersymbolischen Darstellungen, auf die bronzezeitliche religiöse Bedeutung des Jahrganges verweisen, hat ein antiker gallogermanischer Schöpfer die einzige in sich abgeschlossene Aussage über die nordische Lichtreligion geschaffen, das ODING-Wizzod („Runen-Gesetzwerk“). Seine konkreten Glaubensvermittlungen sind: Die androgyne geistig-seelische Urkraft des Kosmos ist das OD. Als befruchtendes Prinzip (der Od) bildet es mit dem gebärenden Prinzip (gemeingerm. Göttin Frija) ein Paar. Das O-D-Ing stellt die Ur-Trinität dar: Ur-Seele, Ur-Licht, Ur-Keimkraft. Od-Ing bedeutet auch Od-Kind (germ. Suffix -ing = Nachkommen), wodurch die Ur-Runenreihe (ODING) als Emanation der Gottheit gekennzeichnet ist.
 
Julius Cäsar („De Bello Gallico”, Liber VI. Kap. XXI) schreibt: „Als Götter verehren sie [die Germanen] nur Sonne, Vulkan (d.h. Feuer) und Mond, die sie sehen und deren offenbaren Einfluss sie wahrnehmen. Die übrigen Götter kennen sie nicht einmal dem Namen nach.“ Später bei Tacitus (Germania”, Kap. 9) heißt es: „Von den Göttern verehren sie [die Germanen] am meisten den Merkur [Wodin-Odin], dem sie an bestimmten Tagen auch Menschenopfer darzubringen für Recht halten. Herkules [Donar-Thor] und Mars [Tiu-Tyr] besänftigen sie durch zulässige Tieropfer.Übrigens finden sie es der Größe der Himmlischen nicht angemessen, die Götter in Tempelwände zu bannen oder sie irgendwie menschlichen Zügen ähnlich darzustellen. Haine und Waldtriften betrachten sie als heilig und bezeichnen mit dem Namen Gottheit jenes geheimnisvolle Etwas, das sie einzig mit dem Auge der Andacht schauen.“ Also scheinen sich schon zu Tacitus Zeiten die abstrakten, mathematisch-runischen Gottesvorstellungen der Oding-Religion bei den germanischen Völkern, zu den sich abzeichnenden Formen einer symbolistisch-metaphorischen Hochreligion, weitgehend durchgesetzt zu haben.
 
Eine zur Zeit der Runen-Schöpfung bereits um 5.000-jährige nordische Kalender-Festtradition stellt die 23. bzw. „u“-Urstier-Rune dar. Der steinzeitliche Kultplatz von Goseck (9. Jh. „Gozacha“ aus goz/gos u. acha/eck = „Gottesacker / Gottesfeld), nahe Naumburg (Lkr. Weißenfels/Sachsen-Anhalt), gilt als eines der weltweit ältesten Sonnenobservatorien. Die ca. 7.000 Jahre alte Anlage gibt Einblicke in die geistige und religiöse Welt der ersten Bauern Europas. Die einst etwa zwei Meter hohe, doppelte Palisaden-Anlage, mit einem Durchmesser von 71 Metern, liegt nur rund 25 Kilometer vom Fundort der 3.600 Jahre alten „Himmelsscheibe von Wangen-Nebra“ entfernt. Trotz des zeitlichen Abstands von rund 3.000 Jahren hänge die Nebra-Scheibe mit der Goseck-Stätte zusammen: „Man hat offenbar Jahrtausende lang Phänomene beobachtet, die man dann in der Himmelsscheibe bildlich umgesetzt hat“, betonte der Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt Harald Meller. Die Anordnungen der beiden seitlichen goldenen Horizontbögen auf der Scheibe dienten, ebenso wie die Toranlagen im Goseck-Rondell, zur Erkennung der Winter- und Sommersonnenwenden. Die südlichen Tore in den Palisadenringen von Goseck markieren die genauen Aufgangs- und Untergangspunkte zur damaligen Wintersonnwende am 21. Dezember. Eine weitere Toröffnung wies zum generellen nördlichen Ausrichtungspunkt. Die urdeutschen „stichbandkeramischen“ Vorfahren begingen also das Weihnachtfest mit religiösen Gemeinschaftsfeiern bereits vor über 7.000 Jahren. Wie aus den vielen Stierkopf-Funden - und besonders vielen am südwestlichen Sonnenuntergangs-Tor - hervorgeht, verbanden sich mit den Wintersonnwendfeiern die Tauroktonien bzw. Stieropfer-Riten, um der Sonne neue Blutkraft zu spenden. Exakt an diesem Kalenderplatz steht das Stieropfer in Gestalt der Urstier-Rune () auch im runischen ODING-Verband, zur Zeit des Verschwindens der Plejaden und am Beginn der germanischen Julzeitphase (ca. Mitte Nov. bis Mitte Jan.) von den beiden „giuli“-Monden (einen vor und einen nach der WS), wie Beda-Venerabilis (672-735) in „De Temporum Ratione“ angab.
 
Der antigöttliche Gegenpol
 
Mit jeder systematischen Gotterkenntnis verbindet sich eine Gegengotterkenntnis, nennen wir sie Teufels-Projektion. Das kann seit Urzeiten nicht anders gewesen sein, denn der Mensch begegnete von Beginn an, ihm guten-hilfreichen und ebenso böse-gefährlichen und tödlichen Phänomenen. Die Christenkirche folgte im Wesentlichen den hebräischen Mythen zum Teufelsbild, welches schon im 1. Moses-Buch den Verführer und Widersacher Jahwes, unter dem Motto „Sündenfall der Menschheit“, als Schlage darstellt. Hinter der Schlangen- und Drachenmaske soll sich ein von „Gott“ selbst geschaffener, jedoch „gefallener Engel“, „von Gott abgefallener Engel“, namens „Luzifer“ (Leuchtender) verbergen. Das Wort „Teufel“ (lat. Diabolus) stammt von altgriech. „Verwirrer, Durcheinanderwerfer, Wahrheitsverdreher, Verleumder“. Im deutschen Wort Teufel klingt aber auch der Tiefel an, der Geist aus der Tiefe, als Gegenpol zum heiligen Himmelslicht. Der hebrä. „Satan/Satanas“, arab. „Schaitan“ (Gegner) drückt deutlich seine Gottesfeindschaft aus. Die griech. und germ. Vorstellungen vom Urfeind des vernünftigen göttlichen Ordnungs- und Lichtprinzips, beschrieben die andauernde Gefahr aus den wilden, ungebärdigen riesischen, titanischen, gigantischen Urkräften des urzeitlichen Chaos, welche die Erde auch hervorbrachte. Im germ.-myth. Verständnis heißen die Riesen, Dämonen, Zauberer: „Thursen“, „Hrimthursen“ (Eiswirbeler), „Joten/Jötunn“ (Fresser), „Trolle“ (Trickser). Die Semantik der Begriffe will auf die elementaren Urgewalten hinweisen. Eine böswillige Emanation des Thursen/Jötunn „Fárbauti“ (Gefährlicher Schläger) ist sein Nachkomme Loki/logaðore (böser Zauberer), dessen Kinder der Fenriswolf, die Midgardschlange und die Totengöttin Hel sind. Der Runenschöpfer entschied sich, als Gottesfeind in seinem System, den „Thursen“ auf Platz 22 in die „Skorpion“-Zeit des Novembers zu setzen, also ins astrologisch „8. Haus“. Die traditionelle Astrologie bezeichnet das 8. Haus als das Haus des Todes, des Verlustes und des Kummers. Es galt als der Eingang zur Unterwelt. Astrologich steht im gegenüberliegenden Sternzeichen der „Stier“, das uralte Symbol göttlicher Zeugekraft. Da der Skorpion jahreszeitlich dem Herbst bzw. Winteranfang zugeordnet ist, gilt er als Symbol der Zerstörung des Alten, der Zersetzung. Auch in der christl. Symbolik steht der Skorpion für heilsgefährdende Mächte des „Unteren“, Satan, Todesdrohung und Ketzerei. Der röm. Gelehrte Plinius der Ältere (23-79 n.0) berichtet in „Naturalis historia“ die Ansicht, der Skorpion entstehe aus der Fäulnis, was Bilder der alchemistischen „Nigredo evoziert“ [Schwärze hervorruft] und des mythologischen Themas der „Geburt aus dem Tode“. Der Skorpion war das unheilvolle Tier des „Angra-Mainyu“ (auch „Ahriman“/„Schwarzer Diw“ = Schwarzer Gott“), jener Teufels-Metapher der Mazdaznan-Religion Altpersien, die im Avesta-Buch festgehalten wurde, welches letztlich auf den Religionsreformator Zarathustra/Zoroaster (6. Jh. v.0) zurückgeht. Der Raum Palästina-Judäa war auch schon vor dem Perser Kyros der Große (ca. 590-530 v.0) und dem Mazedonen Alexander der Große (356-323 v.0), die beide die nahöstlichen Völker zusammenwürfelten, ein Schmelztiegel der Ethnien und Ideen. Ägypter, Hethiter, Hurriter, Mykener („Seevölker“/ Frühgriechen), Babylonier, Assyrer, Perser wirkten hier ein. Im letzten Jahrhundert vor Beginn unserer heutigen Zeitrechnung betrieben die persisch-zoroastrischen Missionspriester, die „Magier“ (Hilfsmächtige), Wandermönchen gleich, eine eifrige Predigtoffensive auch im Bereich der altpersischen Provinz „Jehud“ (Judäa). Sie verkündeten den ewigen Dualismus des Streites zwischen den „Söhnen des Lichtes“ und denen „der Finsternis“. Die jüdisch-essenischen Täufer-Sekten ließen sich davon ebenso inspirieren, wie von altägyptischen Mythen des Streites zwischen „Horus“ und „Seth“ und von griechisch-pythagoreischen Impulsen. Im „Zostrianos“ ist ein gnostischer Text der Apokrypten aus der koptischen „Nag-Hammadi-Bibliothek“ erhalten geblieben. Sie schon, die Essener, über die Flavius Josephus ausgiebig Auskunft gab, waren bereits Religionsrebellen gegen den offiziellen hohepriesterlichen Tempelkult in Jerusalem. Einen Herd der Opposition gegen die Priesterschaft Jerusalems bildeten immer das nordjudäische Samarien und der „Heidengau“ Galiläa. Aus Galiläa kam der rebellische Reformator Jeshua-Jesus (4/7 v.-30/31 n.0), aus Samarien kam der wirkmächtige Gnostiker Simon Magus (?-65 n.0), dieser beeinflusste den Samaritaner Menander, zu dessen Schülern zählten Saturnius und Basileides (85-145 n.0), die in Alexandria lehrten. Letzteren nannten die „Rechtgläubigen“ den „Herrscher der Irrlehrer“; er schrieb Bibelkommentare und ein „Evangelium“. Er predigte, „um die Menschen von der Tyrannei des Judengottes und Weltschöpfers zu befreien“, habe der „oberste Gott“ seinen „Christus-Nūs“ (Ch.-Verstand) „auf die Erde gesandt“. Die Opposition gegen den Judengott, den angeblichen Erschaffer der unguten Materie, ist einer der Leitfäden durch das jüdisch-hellenistische Sektengewirr um den Beginn heutiger Zeitrechnung, aber die Vorankündigungen dazu finden sich als ideengebende Bausteine im gesamten 1. Jahrhundert vor Null. Die hysterische Zuspitzung, in Form der „Gnosis“ (mit bedingter Ablehnung des Tanach) und des „Christentums“ (mit bedingter Akzeptanz des Tanach), ergaben sich aus dem dramatischen und leidvollen Untergang Jerusalems und seines Jahwe-Tempels. Während die nationalkonservativen Juden ihren Jahwe weiter als den „Höchsten“ glaubten, daran zu zweifeln, als einen strafbaren Tabubruch bewerteten, waren Griechen längst und auch jüdische Freidenker zunehmend überzeugt, es müsse noch einen Gott darüber geben, einen gütigen, weniger eifersüchtigen, rachsüchtigen und hassvollen gegen die „Nationen“. Es waren halb oder vollends hellenisierte Juden, die sich von ihren Thora-Traditionen abzukehren begannen und den gnostischen Skeptizismus gegenüber dem Bibel-Diktat laut werden ließen. So wie Marcion meinte auch Basileides und weitere Gnostiker, wie der spätere Valentius (?-nach 160 n.0), dieser allerhöchste-unbekannte Gott sei der eigentliche Kosmokrator, der wahre „Herr des Alls“ und „Herr der Zeit“. Schon griechische „Zauberpapyri“, auch Basileides, prägten für dieses Wesen das Kunstwort „Abrasax/Abraxas“, dessen sieben Buchstaben (Anzahl der Planteten) - gematrisch als Zahlengrößen verstanden - die Anzahl der Tage im Sonnenjahr ergeben. Die gnostische Idee vom Gottesjahr und vom Jahrgott besaß schon der Runenschöpfer und setzte sie konkret um, sein Od-Gott ist das Jahr bzw. die Zeit seine Emanation in ihrendrei Chronoi von Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, denn so wie der Ase (21. Rune) die Od-göttliche Drei repräsentiert, so addiert sich das gesamte Od-ing zur 300 und die Runenrundzahl 6, aus 24 Stäben (2+4=6) ist Produkt von 1+2+3.
 
Während die nationalkonservativen Juden ihren Jahwe als den „Höchsten“ glaubten, daran zu zweifeln, als einen strafbaren Tabubruch bewerteten, waren Griechen und jüdische Freidenker überzeugt, es müsse noch einen Gott darüber geben, einen gütigen, weniger eifersüchtigen, rachsüchtigen und hassvollen gegen die „Nationen“. Es waren halb oder vollends hellenisierte Juden, die sich von ihren Thora-Traditionen abkehrten und den gnostischen Skeptizismus gegenüber dem Bibel-Diktat laut werden ließen. So wie Marcion meinte auch Basileides und weitere Gnostiker, wie der spätere Valentius (?-nach 160 n.0), dieser allerhöchste-unbekannte Gott sei der eigentliche Kosmokrator, der wahre „Herr des Alls“ und „Herr der Zeit“. Schon griechische „Zauberpapyri“, auch Basileides, prägten für dieses Wesen das Kunstwort„Abrasax/Abraxas“, dessen sieben Buchstaben (Anzahl der Planteten) - gematrisch als Zahlengrößen verstanden - die Anzahl der Tage im Sonnenjahr ergeben. Die gnostische Idee vom Gottesjahr und vom Jahrgott besaß schon der Runenschöpfer und setzte sie konkret um, sein Od-Gott ist das Jahr bzw. die Zeit seine Emanation in ihren drei Chronoi von Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, denn so wie der Ase (21. Rune) die Od-göttliche Drei repräsentiert, so addiert sich das gesamte Od-ing zur 300 und die Runenrundzahl 6, aus 24 Stäben (2+4=6) ist Produkt von 1+2+3.
 
Ihren strengen Monotheismus übernahmen die Hebräer bekanntlich aus den Lehren des Pharao Echnaton (?-1335 v.0), mit seinem Aton-Glauben einerseits, sowie aus den Lehren des persischen Herrschers Kyros II. „der Große“ (um 590-530 v.0), mit seinem zoroastrischen Ahura-Mazda-Glauben, andererseits. Er beendete die durch Babylon erfolgte weitgehende Ausschaltung des politischen Judentums von 579 bis 539 v.0 (sog. „Babylonische Gefangenschaft“), indem er den Juden eine persische Provinz „Jehud“ einrichtete und sie seinem Landesverweser Esra zur eingeschränkten Selbstverwaltung überließ. Nach den Vorbildern der Gottheiten „Aton“ (Sonne) und „Ahura Mazda“ (Herr der Weisheit) formten die Jerusalemer Jahweisten ihren jüdischen Volksgott. Zu beiden Vorbild-Religionen gehörten die Gottes-Widersacher. Den offiziellen Lehren gemäß und dem Volksglauben, widersetzte sich dem ägyptischen Sonnengott die mythische Schlange „Apophis“, die Verkörperung von Auflösung, Finsternis und Chaos. Dem persischen Schöpfergott der geistigen und materiellen Welt widersetzte sich der mythische, böse Dämon „Angra-Mainyu/Ahriman“. Gott Ahura-Mazda, unterstützt vom Guten-Geist (Spenta-Mainyu), streitet mit Angra-Mainyu (für den der Runenschöpfer ein runisches Synonym, den Thursen, einsetzte) um die Weltherrschaft.
 
Die menschliche Grunderkenntnis, dass kein Gott als Schicksalsmacht „nur gut“ sein kann, führte zu den gespaltenen Gottesvorstellungen der konträren Aspekte. Dem persischen Ahura-Mazda entspricht der indische Varuna. Und so wie Ahura-Mazda zwei Söhne hat, den „guten“ und den „bösen“ Geist, so west Varunas Atem, der „Vayu“ (Wind, Prana), in Form zweier Seelen-Hauche, er kann sich im belebenden Odem äußern, in Fruchtbarkeit bringenden Regenstürmen, aber auch im gewittrigen Wirbelsturm. Man definierte also einen guten und einen bösen ind. Vayu, ebenso gespalten galt der iran. Vai. Aus der germ. Edda klingt die gleiche Anschauung hervor. Der Geistgott Odin galt als Blutsbruder des arglistig-bösen Loki (siehe „Lokasenna“). Ebenso widersprüchlich konnte der Titan Kronos-Saturn bewertet werden und auch Seth, der „Wüstengott“, der überwiegend als schädlicher Dämon des Chaos und des Verderbens gesehen wurde, ist nicht nur von einigen Pharaonen als Schutzgott begriffen worden (Sethos, Sethnacht), dessen magischen Kräften man vertraute. Die bekanntesten Mythengeschichten über Seth stellen die Ermordung seines Bruders Osiris und sein gewalttätiger Kampf gegen den solaren Horus dar, um den Thron bzw. um die Weltherrschaft. Dem Seth, dem Gott der Fremdländer, haben die hellenistischen Ägypter den Hebräern zugeordnet. „So führt Plutarch in De Iside et Osiride (31) eine Tradition an, nach der Seth bzw. Typhon als Stammvater der Juden galt: ,Typhon sei aus der Schlacht [mit Horus, M.B.] sieben Tage lang auf einem Esel geflohen und habe gerettet, die Söhne Hierosolymus und Judaios gezeugt‘. Doch nicht nur Seth wurde mit dem Esel identifiziert - nach Plutarch (30f) wegen seiner ,Dummheit und Geilheit‘ - sondern auch ,Jao‘, der gräkoägyptische Name für Jahwe.“ (Michael Brinkschröder, „Sodom als Symptom: Gleichgeschlechtliche Sexualität im christlichen ...“, 2009. S. 182) Die beiden Söhne des antiken Teufels Seth-Typhon wurden als „Hierosolymus und Judaios“ bezeichnet d.h. der „Jerusalemer“ und der „Jude“; Jerusalem, wurde lateinisch wiedergegeben mit „Hierosolyma“. Zu welcher genauen Zeit die Bewertung des Seth-Typhon seitens des Runenschöpfers gedanklich erfolgte und schließlich konzeptionell vorgenommen worden ist, bleibt offen; ich muss, meiner Erul-Recherche zufolge, vom Zeitrahmen ca. 70-50 v.0 ausgehen, also dem Geschehen der Rückwanderung, mit germanischen und keltischen Kameraden, sowie der Ankunft der Gruppe in Jütland.
 
Abschlussbetrachtung:
 
Das Runen-ODING ist in seinem vorgeführten Dualismus (z.B. 21er>> <<22er) von einer ausgesprochen gnostizistischen Matrix geprägt. Woher kommen solche Vorbilder ? Die Frühgnosis muss man um den Beginn unserer christlichen Zeitrechnung ansetzen. Simon Magus (auch: „Simon der Magier“, „Simon von Samarien“, „ Simon von Gitta“) starb im Jahr 65 zu Rom (Apg 8,9-25). Er legte die altjüdischen Schriften bereits im unkonventionell-gnostischen Sinne aus. Sämtliche Samaritaner - „Kleine und Große“ - hingen ihm an. Er soll auf dem Forum Roms Zauberei vor dem römischen Kaiser Claudius (41-54) vorgeführt haben und von seinen Anhängern als Christus verehrt worden sein.   Mit Simon lassen die Kircheninterpreten die Gnosis beginnen, aber vom vorchristlichen Ursprung der Gnosis berichten sie nichts. Bei genauer Geschichtsbetrachtung darf schon die gesamte Epoche des „Hellenismus“, beginnend mit Alexander dem Großen (356-323 v.0), exakter, seit der von ihm angeordneten „Massenhochzeit in Susa“, von makedonischen Soldaten mit Perserinnen, im Jahre 324 v.0 und Alexanders Tod im folgenden Jahr, bis zum Beginn der sog. „christlichen Gnosis“, als Zeitspanne der weiträumigen Vermischungen religiöser Erkenntnismodelle und somit als „große hellenistisch-synkretistische Gnosis“ bezeichnet werden. Der griech. Astronom Hipparch von Nicäa (um 190-120 v.0) entdeckte die langsame Präsession; seine Berechnung des tropischen Jahres weicht nur 6,5 Minuten von modernen Messungen ab. Er stellte fest, dass der Frühlingspunkt in etwa 26.000 Jahren (exakter: 25.800) einen Umlauf von 360° ausführt, eine astronomische Erscheinung die man „Großes Jahr“, „Platonisches Jahr“ oder „Weltjahr“ nennt. Das ist die Motivation dafür, dass der höchste Himmelsgott als 26er bezeichnet wurde. Den Judengott Jahwe bzw. JHWH definiert die Kabbala aus seiner Buchstaben-Zahlenfolge so: J-10+H-5+W-6+H-5, also 10-5-6-5) hat den gleichen Zahlen- und Ordinalwert 26. Die Quersumme von 26 ist 8, denn er west im 8. Überhimmel, über den 7 Planetensphären. Nicht anders erklärt das germ. ODING den dualen Urgott (sanskr. Dyaus-Pita = Tagvater), mit seinem Doppelhammer-Dagaz-Zeichen (2. Rune), der als Himmelsraumgröße zur Kubikzahl 8 (8. Rune = Tiu) werden muss und im Weiterzählen, über den 24er Runen-Kalenderkreis hinaus, zum 26er. Das System der 360-Gradeinteilung der Ekliptik erscheint erstmalig in dem astrologischen Lehrbuch des Nechepso und des Petrosiris aus dem 2. Jh. v.0. (Niclas Förster, „Marcus Magus“, 1999, S. 42 ff). Nechepso und Petrosiris waren zwei legendäre Personen, deren Namen mit einer sehr einflussreichen Reihe antiker, astrologischer Texte verbunden wurden. Zusammen sind sie die am häufigsten zitierten und einflussreichsten Autoren während der hellenistischen Tradition der Astrologie, die vom 1. Jh. v.0 bis zum 7. Jh. n.0 dauerte. Sicher saßen sie im ptolemäischen Alexandrien, denn sie wurden manchmal als „die Ägypter“ oder „die Alten“ bezeichnet. Der früheste zuverlässige Hinweis eines Astrologen auf Nechepso und Petrosiris stammt vom kaiserlichen Astrologie-Berater Thrasyllos, der im Jahr 36 n.0 starb. Es ist nur eine Zusammenfassung des astrologischen Textes von Thrasyllus erhalten, die um das frühe 1. Jh. n.0 geschrieben wurde. Demzufolge sind die Nechepso-Petrosiris-Texte spätestens im 1. Jh. v.0 verfasst worden, obwohl einige Wissenschaftler spekulierten, dass sie bereits im späten 2. Jh. v.0 verfasst worden sein könnten. Alles, was wir über ihre Werke haben, ist eine Sammlung von Fragmenten, Zitaten und Zitaten späterer Autoren, die sich auf ihre Texte stützten und manchmal darin enthaltene Lehren erwähnten. Nechepso wird häufig als „der König“ bezeichnet, insbesondere von dem griech. Astronom Vettius Valens (120-184 n.0), der ihn manchmal auch „den Compiler“ (Zusammenträger von Wissen) nennt. In Valens Werk „Anthologiae“ finden sich die ältesten direkten Belege für die Einführung der Sieben-Tage-Woche auf Grundlage der Planetennamen. Valens erwähnt eine Arbeit von Petrosiris, die er „Horoi“ nennt, was entweder „Grenzen“ oder „Definitionen“ bedeuten könnte. Als höchst verständlich müssten wir es ansehen, dass einer der Begründer der hellenistischen Astrologie ein Werk schrieb, das grundlegende Begriffe und Konzepte definierte.
 
Der kompetente, tiefschauende Theologe und Religionsforscher Adolf von Harnack (1851-1930), legte seine Hand in die offene, nie vernarbte Wunde des Kirchenchristianismus, indem er den eklatanten Widerspruch aufgriff, dass „Jesu Barmherzigkeit die Racheregel Auge um Auge, Zahn um Zahn ersetzt“ habe. Denn im Neuen Testament würde der grausame Judengott, „der kriegerische und unberechenbare Jehova zu einem heiligen Wesen“ hochstilisiert. Für jeden sachlichen Beurteiler ist klar: Die Christenkirche versuchte den Spagat, die beiden Richtungen (Judentum und an­ti­jüdische iranische oder jesuische Gnosis) miteinander zu verklammern, deshalb fin­den sich in ihrer Tradi­tion die Relikte beider Flügel. A. v. Harnack  betrachtete es als „Folge einer religiösen und kirchlichen Lähmung“, das Alte Testament „als kanonische Urkunde im Protestantismus noch zu konservieren.“ Er wiederholte damit nur eine Tatsache die schon den ersten Schöpfer eines „christlichen Evangeliums“ umgetrieben hatte, nämlich den Marcion/Markion (um 85-160) aus Sinope am Pontus. Seine Theologie lehnte den „schlechten Weltenschöpfer“ des „Alten Testaments“ ab und verkündete die Lehre vom „unbekannten, guten Gott“. Im Jahr 144 kam es in Rom zur Spaltung der dortigen „Gemeinde“ wegen Marcions unüberwindbarer Gegenüberstellung von „Altem Testament“ und „Neuem Evangelium“. Er war als erfolgreicher jüdischer Schiffseigner und Kaufmann vermögend, baute eine Kirche auf und hatte Anhänger bis nach Kreta, Persien, Ägypten. Nach A. v. Harnack war die judäo-christliche Gnosis die erste Fundamentalkritik am hebräischen Bibel-Glauben und am damit verknüpften Jahwe-Mosaismus. Wie es zu den konträren Einschätzungen hinsichtlich des „AT“ bzw. der Hebräischen Bibel, seit 100 v.0 „Tanach“ geheißen, kam, ist leicht verständlich: Marcion, die Gnostiker und v. Harnack betrachteten und bewerteten den realen Wortlaut der Bibel-Schrift, während der Hauptstrang der Christenkirche, mit ihren sog. Kirchenvätern, der verharmlosenden, beschönigenden, allegorisierenden Version durch den Mentor der jüdischen Gemeinde Philon von Alexandria (13 v.- 40 n.0) folgten, der die freie griechische Philosophie, der platonischen und pythagoreischen Gedankenwelt, mit der strengen jüdischen Jahwe-Theologie in Einklang zu bringen versuchte.
 
Mit dem Runen-ODING steht das phänomenale und vieldeutige Werk eines Schrifterfinders aus dem 1. Jh. v.0 vor uns, der ebenso aus der Schule des Pythagoras (570-510 v.0) bzw. der Pythagoreer kam, wie der südjütländische Gematrie-Meister Hlewagast, der Schöpfer des goldenen Runen-Horns von Rosengaard/Gallehus aus Beginn des 5. Jahrhunderts. Der Runen-Erfinder stellte die Zahl Sechs in den Mittelpunkt seiner Schöpfung, jene Zahl die den Pythagoreern die Beseelung der Lebewesen in der Natur versinnbildlichte. Im ersten Jahrhundert v.0 lebten die pythagoreischen, zahlenmythischen Lehren, vertieft durch platonische, stoische und orientalische Vorstellungen im „Neupythagoreismus“ wieder auf, nachdem die aktive Bruderschaft der Pythagoreer in der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts v.0. vertrieben worden war. Nach dem Kernsatz der pythagoreischen Lehre, „Alles ist Zahl“, baute der Runenschöpfer sein Werk konsequent auf. Die Frage, woher er sein Wissen nahm, welche Kontakte zu Lehrern und Schulen es ihm vermittelt haben könnten, ist nur mit dem Hinweis zu beantworten, dass es Zeiten gibt, in denen die Quellen neuer Erkenntnisse zusammensprudeln und dadurch Geister erweckt werden, aus denen Jahrhundert-Konzepte erblühen. So verhielt es sich mit dem jüdisch-hellenistische Denker Philo von Alexandria, der mit seinem Werk die alttestamentarische und pythagoreische Esoterik und griechisch Philosophie, zu einer höheren Allegorie, zu verschmelzen und zu veredeln versuchte und so die Grundlage für eine von der Zahlenmystik geprägte Bibel-Auslegung geschaffen hat, aus der die jüd. Kabbala ganz wesentlich ihre Substanz bezog. Nicht anders verhält es sich mit sämtlichen der bekannten Religionsstifter. Sie wagen es, neue Leitbilder aus unterschiedlichen älteren bekannten und jungen Ideenmustern zusammenzuschauen und zu verkünden. So tat es Zarathustra, Orpheus, Pythagoras, Buddha Siddhartha Gautama, Johannes der Täufer, Jeshua-Jesus, Paulus aus Tarsus, Markion, Mani, Marcus, alle die weiteren vielen Gnostiker und auch der Runenvater, mag es Erul der Kimber, oder wer auch immer, gewesen sein.
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