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„Walhalla“ von Hermann Hendrich, 1906
 
 
PARADIES ODER WALHALLA ?
 
Wer ist, wer will so närrisch sein
und strebt ins Paradies hinein ?
Da gibt’s kein Spaß, da gibt kei‘ Freud‘,
wer drinnen ist, den es gereut.
 
Im Nachthemd steht er Tag für Tag,
mit nackten Fußen, blass und zag,
beim „Hosianna“-Singkreis-Chor,
nicht weit vom goldnen Himmelstor.
 
Nur die Fassade ist von Gold,
dahinter wird kein Glück gewollt,
selbst Heiligenscheine sind nicht echt,
alles nur Talmi, herzlich schlecht.
 
Viel schöner lädt Walhalla ein,
zum wahren Glück und Seligsein.
Da wird getafelt, wird gezecht,
die Sinnenlust behält ihr Recht.
 
Wunschmaiden stehen gern bereit,
in üppiger, blonder Lieblichkeit
das Herz der Krieger zu erfreu’n -,
wen wollte da das Sterben reu’n ?!
 
Nur ein Problem ist uns verhängt,
Walhalla kriegt man nie geschenkt.
Ins Paradies kommt jeder rein,
er muss allein ein Schafskopf sein.
 
Walhalla nimmt nur Männer auf
nach einem werten Lebenslauf
und ebenso nur tapfere Frau‘n,
dürfen des Jenseits Freuden schau’n.
 
Nur wer im Diesseits nicht verzagt,
um Ehr‘ und Freiheit sich geplagt
und stark und stolz im Leben stritt,
den Ehren-Saal dereinst betritt !

 

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