Schon der christliche Eiferer Jón Ögmundsson (1052-1121), der einen Bischofssitz im Norden Islands gründete, hetzte gegen alles was ihm fremd und deshalb heidnisch erschien. Er wetterte gegen das Singen von alten Volksliedern und Liebesliedern und gegen jene Wechselgesänge, wie sie noch heutigen Tages in Norwegen üblich sind. Jón machte es sich zur Lebensaufgabe, die Reste der altnordischen heidnischen Religion zu vertilgen. Dies beinhaltete auch eine Änderung der Namen der Wochentage. So wurde aus „óðinsdagr“, dem Tag des Odin, der Name „miðvikudagr“, Tag der Wochenmitte; die Tage des Tyr und des Thor wurden zu „dritter Tag“ und „fünfter Tag“ umbenannt. Die unduldsamen Kirchenmänner wühlten verbissen weiter gegen alle traditionellen Volkssitten. Ein Richter namens Magnus Björnsson stammte aus Kopenhagen, wo er 1487 über Hexenverfolgungen las und solche Traktate mit nach Island brachte. Im Jahr 1625 hörte er ein Gerücht, dass Geister einen Jungen krank gemacht und mehrere Pferde getötet hätten. Der kranke Junge beschuldigte Jon Rögnvaldsson. Während der Durchsuchung von dessen Haus fand man einen Bogen Papier auf dem isländische Runen geschrieben waren. Jon gab zu, sie geschrieben zu haben. Jon Bruder, der Dichter Thorvald Rögnvaldsson, sagte zur Verteidigung aus, dass, obwohl Jon versucht haben könnte Runenmagie zu nutzen - so genannten Galdrar - er aber weder die Kraft noch die Intelligenz hätte, damit erfolgreich zu sein. Aber Magnus Björnsson verurteilte Jon zum Tode, schuldig der Zauberei. Er war einer der ersten Menschen, die wegen Zauberei auf Island umgebracht wurden. In Island hielten sich die alten heidnischen Bräuche zäh am Leben, das dortige Christentum hatte wenig Rückhalt in der Bevölkerung. Man lehnte die evangelische Kirche und die Behörden in Kopenhagen ab. Im Jahre 1564 wurde ein neues Gesetz über „Sitte und Anstand“ von Kopenhagen der Insel diktiert. Die Priester Island wurden aufgefordert, alles zu verfolgen was unchristlich erschien. Der beliebte Gelehrte Jon Laerdi Gudmundsson war von den Behörden mehrmals der Hexerei angeklagt, aber mit viel Glück jedes Mal freigesprochen worden. Zwischen 1625 und 1686 erlebte die kleine Island 120 Hexenprozesse. Die Mehrheit der Menschen die man vor Gerichte zog, waren männlich, zehn Frauen hat man ertränkt, eine, die Witwe Thuridur Olafsdottir im Jahre 1678, lebendig verbrannt. Sie soll die Frau eines Priesters durch Magie krank gemacht haben. Der berühmteste isländische Hexenprozess fand im Jahr 1654, als ein Mann und sein Sohn auf dem Scheiter für Zauberei nach einem Konflikt mit einem Priester verbrannt wurden. Auf das Verbot des heidnischen Glaubens und Treibens, dann auf die Umbildung der heidnischen Götter und Wichte in teuflische Dämonen beschränkte sich der Einfluss der Kirche nicht, vielmehr brachte diese unselige Institution ihren eigenen albernen Wunderglauben, ihre Engel und Teufel, sowie ihre Legenden mit und den ganzen Wust ihres antiken orientalischen und mediterranen Aberglaubens. Die über tausendjähre Hetze christlicher und politischer Inquisitoren gegen die Runen - unter diversen vorgeschobenen Legalisierungsmotiven - geht bis heute fast unvermindert weiter.