Um 120-115 v.0 gelangten nordische Germanen und Kelten im Zuge ihrer Ackerbodensuche auch nach Noricum (etwa wie Österreich), dem ostalpenländischen Keltenreich -; und zogen wieder ab. Um hundert Jahre später wurde Noricum, in den Jahren 15 v.0 bis 54 n.0 unter den Kaisern Augustus und Claudius, gewaltsam zur römischen Provinz gezwungen. Die keltischen Helvetier des schweizerischen Mittellands hatte Cäsar schon 60 v.0 unterjocht. Sie sollen vorher ganz Süddeutschland besiedelt haben, aber vor dem germ. Druck aus dem Norden nach Südwesten ausgewichen sein. Die rätisch-keltischen Mittelalpenregionen wurden von Rom, beginnend im Jahr 15 v.0, mit einem Feldzug über die Alpen bis zur Donau besetzt. „Von Italien aus das Tal der Etsch hinauf drang Drusus in die rätischen Berge ein und erfocht hier einen ersten Sieg; für das weitere Vordringen reichte ihm der Bruder, damals Statthalter Galliens, vom helvetischen Gebiet aus die Hand; auf dem Bodensee selbst schlugen die römischen Trieren die Boote der Vindeliker; an dem Kaisertag, dem 1. August 15, wurde in der Umgegend der Donauquellen die letzte Schlacht geschlagen, durch die Rätien und das Vindelikerland, das heißt Tirol, die Ostschweiz und Bayern, fortan Bestandteile des Römischen Reiches wurden.“ (Röm.-Gesch., Theodor Mommsen)
Die röm. Männerdeportationen in fernliegende Länder begannen, um die Volkskraft der Besiegten dauerhaft zu schwächen. Nicht anders erging es den wichtigen Straßenregionen zum Genfer See, in den Westalpen. Der Fluss Dora Baltea durchfließt ostwärts das gesamte Aostatal zum Po hin. Hatte die Republik sich darauf beschränkt, den Eingang jenes Tals durch die Anlegung von Eporedia (Ivrea) in ihre Gewalt zu bringen, so nahm Kaiser Augustus dasselbe ganz in Besitz in der Weise, dass er dessen Bewohner, die immer noch unruhigen und schon während des dalmatinischen Krieges von ihm bekämpften keltischen Salasser, nicht bloß unterwarf, sondern im Jahre 25 v.0 so gut wie austilgte - ihrer 36.000, darunter 8.000 streitbare Männer, wurden auf dem Markt von Eporedia unter dem Hammer in die Sklaverei verkauft und den Käufern auferlegt, binnen zwanzig Jahre keinem derselben in die Freiheit zu entlassen. Auf dem röm. Siegesmonument vom Jahre 7/6 v.0, dem „Tropaeum Alpium“ (oberhalb von Monaco), sind die besiegten 46 Alpenvölker aufgezählt: „Die Trumpliner, die Kamunner, die Venosten, die Vennoneten, die Isarker, die Breuner, die Caenaunen, die Fokunaten, die vier Vindelikerstämme, die Kosuaneten, die Runikaten, die Likaten, die Kattenaten, die Ambisonten, die Rigusker, die Suaneten, die Kalukonen, die Brixen(e)ten, die Lepontier, die Uberer, die Nantuaten, die Seduner, die Veragrer, die Salasser … usw.“
Man kann ohne Übertreibung sagen, dass sich der dauerhafte Bestand des röm. Imperiums auf sich immer wiederholenden Massenmord bzw. auf der Ausrottung unliebsamer Bevölkerungen begründet hat. Die übriggebliebenen Räter/Kelten entwickelten die ladinischen und rätoromanischen Dialekte, deren Reste noch heute da und dort zu hören sind. Der Berg Piz-Ot kann seine Namensgebung als gallo-germ. Thingberg in der von mir beschriebenen Weise schon vor der röm. Okkupation erhalten haben, aber auch erst durch die mittelalterlichen germ. Herren der Eruler des Odoakers, der folgenden Ostgoten oder Langobarden.
„Ot“ meint auf Rätoromanisch „hoch“, was sich vom Germanischen und Altnordischen kaum unterscheidet, wo der Begriff „Gut, Erbgut, Seele, Heil“ bedeutet, aber auch Spitze, was kaum von einander zu trennen ist, wenn auch nach späterer grammatikalischer Ordnung in Norwegen und Island die „Spitze“ mit doppeltem „d“ geschrieben wird. Zur Runenzeit gab es noch keine Doppelbuchstaben für Lautungsangaben -, nur bei Sinnzeichenfolgen. Ein Engadiner dreisprachiges Straßenschild (Abb. 3) bezeichnet die „Kehre“ als „ota“, denn sie ist die Straßenspitze, nach ihr geht es wieder rückwärts. Im Vergleich dazu: altnord./isl. „odd/oddur” = Spitze, altnord. „ota” = vorwärts an die Spitze drängen, oder hastig davon drängen, zum Spitzen-Ort des Zieles. Der „oddviti” ist der Anfüher, der an der Spitze Stehende. Im Deutschen wurde daraus: ahd. „ort” = Spitze im Sinne „am Ende einer Strecke” bzw. „äußerstes Ende”. Der Mensch z.B. steht „am Ort”, also am Ende, an der Spitze seines bisherigen Ganges.

Abb. 3 - Engadiner dreisprachiges Straßenschild. Die „ota = Kehre“ ist die Straßenspitze,
wie im Altnordischen „ota“ = „zur Spitze drängen“ meint.
Dass dieser rätorom. Begriff „Ot“ ein Lehnwort aus dem frühen Germanischen ist, möglicherweise allerdings auch aus dem Gotischen, zeigt die in alten Urkunden vorhandene Form „Punt auta“ für die spätere „Punt Ot“, einer Brücke und Grenzsiedlung, dem obersten Engadiner Vorposten der bayerischen Herrschaft Tirol. Die überlieferte Begriffsform „Punt auta“ entspricht dem gemeingerm. und gotischen „aut“ für „ot“. Mit aller gebotenen Vorsicht wage ich anzudeuten, dass die Siedlung Samedan beim großen Piz-Ot, sowie die Siedlung Samnaun beim kleinen Piz Ot, als Gründungen der flüchtenden Germanen angedacht werden könnte, heißt doch altnord-angelsächs. „sæmest“, neuschwed. „sämre“ = „schlimmer, schlechter“. Samedan wird schon seit der Mitte des 12. Jhs. erwähnt (1137 als „Zuze et in Samadene“; 1156 als „coloniam de Samadn“ -; die Herkunft des Namens gilt offiziell als unbekannt. Samedan liegt auf 1.730 m ü.M. und bildet genau das Zentrum der 42 km langen Oberengadiner Landschaft. Bemerkenswert ist, dass zu Samaden, also am Fuße des Piz-Ot traditionell das Gericht tagte, der Landamme führte mit 16 Rechtsprechern den Kriminalstab. Das Engadin (von „En- / Inn-Tal“) gehört zu den höchstgelegenen bewohnten Tälern in ganz Europa. Eingefasst wird es von einem herrlichen Alpenpanorama. Das hat großen Einfluss auf das Klima: Durchschnittlich kommt das Tal auf 260 Frosttage im Jahr. Eigentlich also eine unwirtliche Umgebung, in der sich Samedan befindet. Das hiesige Hochgebirgsklima musste, im Vergleich mit dem sonnenverwöhnten Italien, welchem die anzunehmenden Reisenden den Rücken gekehrt hatten, sicherlich „schlimm und schlecht“ erscheinen. Jedoch die gewonnene Freiheit wog alle Beeinträchtigungen auf und in den Hochsommerzeiten war und ist das Engadin ein irdisches Paradies.

Abb. 4 - Bronzezeitliche Bernsteinkette
von Schweiningen im Graubündner-Land
Bei Schweiningen/ Savognin (1154 wird der Ort als Swainingen erwähnt, 1156 als Suanneng, 1379 Schweining) gab es schon zur Bronzezeit eine bedeutende Siedlung (Fundstätten Padnal u. Rudnal). Die geborgenen Fundstücke belegen Dorfanlagen aus den Epochen von 1.800 und 1.000 v.0. Altschweiningen am Julierpass muss eine Etappe der Bernsteinstraße von der Nordsee bis ans Mittelmeer gewesen sein. Es fanden sich Säulenfragmente eines röm. Passheiligtum auf dem Julier auf der Passhöhe. Das Dorf Bivio (früher Stalla) liegt am Fuße und der Wegscheide von Septimer- und Julier-Pass. Wenn der Schnee schmilzt und der Bergfrühling die Wiesen und Matten wieder grün erscheinen lässt, begann einstmals und beginnt noch heute die Wandersaison in den sommerlichen Wanderparadiesen Graubündens und des Engadin. Schneebedeckte Alpenhöhen mussten die früheren Handelskarawanen überwinden, der Weg der Händler führte auch über das Graubündner Dorf Savognin-Schweiningen, andere über den Brenner-Pass im östlich sich dehnenden Tirol. Überall in den unwegsamen Bergregionen fanden Forscher das „Gold des Norden“ (von Eidermündung und Ostpreußen). In der ZDF-Reihe „Terra X“ gingen die Autorin Gisela Graichen und der Filmemacher Peter Prestel in dem Beitrag „Die Bernsteinstraße“ dem Bernstein-Fernhandel nach. Gisela Graichen: „Eine ganze Reihe von Ausgrabungen zeigt uns: Zinn und Kupfer, Bronze und eben Bernstein waren so etwas wie eine gemeinsame Währung im Handel vom heutigen Mecklenburg-Vorpommern bis nach England und über die Alpen bis nach Südeuropa.“
Im Beitrag heißt es: „Gefährliche Handelswege führten nach Norditalien und von dort über die Alpenpässe nach Norden. Wege, die von bronzezeitlichen Alpenfestungen gesichert wurden - wie der auf dem Padnal beim schweizerischen Savognin [Schweiningen]. Auch dort wurde ein Bernstein-Geschmeide geborgen (Abb. 4). Genau wie in Ingolstadt, wo 1996 ein fürstliches Collier aus fast 3.000 Bernstein-Perlen ans Tageslicht kam - verblüffend ähnlich dem gemalten Collier auf der Nofretete-Büste, bis hin zum Verschluss“. Die Schweininger Fundstätten der bronzezeitlichen Siedlung, welche den Warenverkehr kontzrollierte und zu sichern hatte, liegen Luftlinie nur um 50 km vom Piz-Ot entfernt. Wir dürfen also davon ausgehen, dass die in den Norden rückflutenden Wandergruppen der Galliern Kimbern und Teutonen sehr wohl wussten, wohin sie sich im alpinen Gebiet zu wenden hatten und dass sie ebenso als erhoffte Bernstein-Fernhändler von morgen umworben wurden. Ganz so fremd, so exotisch, wie es für den Laien zunächst erscheinen mag, waren die durchreisenden Küstenbewohner mit Sicherheit nicht. Auch Verständigungsprobleme können keine wesentliche Rolle gespielt haben, denn die seit der Bronzezeit währenden Handelsverbindungen müssen es mit sich gebracht haben, dass es auch einen Austausch von Personen gab, Nordseeanrainer müssen sich in den Zentralalpen niedergelassen haben, es gab sie, die Alpengermanen.
Der gesamte Alpenraum ist viel intensiver begangen und an geeigneten Orten besiedelt worden als man spontan anzunehmen geneigt ist. Imnmer suchten Wagemutige nach den mineralischen Schätzen der Berge und zogen sich Schutzsuchende in die Bergeinsamkeit zurück. Das wohl interessanteste Beispiel eines Brandopferplatzes im Graubündner Unterengadin befindet sich auf dem Hangplateau von Scuol-Russonch, rund 200 Höhenmeter nördlich oberhalb der bronze- und eisenzeitlichen Siedlung von Scuol-Munt inmitten der wunderschönen Bergwelt gelegen. Dort fand man u.a. die entzückende bronzene Pferdchenfibel und den Rippenknochen mit Löchern und Ritzzeichen. Andreas Putzer schrieb in seinem Bericht „Von Bernstein und Hirtinnen - prähistorische Weidewirtschaft im Schnalstal in Südtirol“, 2009: Im Finailtal, einem Seitental des Schnalstals (Sudtirol), konnte auf ca. 2.460 m u. NN ein Heiligtum aus der Bronzezeit ergraben werden. Die Kult- bzw. Brand- und Opferstätte bestand aus einem „Altar“ aus faustgroßen Steinen und „Opfergruben“, die bei der Zubereitung der Speiseopfer verwendet wurden. Eingegrenzt wird das Heiligtum von Monolithen, die senkrecht in der Erde eingelassen waren. Die Funde datieren in die Spätbronzezeit und zeugen teilweise von der Nutzung des Opferplatzes im Zuge einer im Tal betriebenen Weidewirtschaft. Außergewöhnlich sind die Reste einer Bronzespirale, 7 Glasperlen- und 34 Bernsteinperlenfunde die sich im Grubenbereich und der Steinrollierung konzentrierten. Sie weisen auf den hohen sozialen Rang der Benutzer des Heiligtums hin. Die geborgenen Gefäßränder entsprechen den in der Spätbronzezeit (1.350-1.200 v.0) üblichen. A. Putzer gibt an, dass vom Übergang der Früh- zur Mittelbronzezeit die Anzahl der Bernsteinfunde in Europa stark ansteigt. Das bekundet zweifelsfrei eine solide Verbindung zu den nordeuropäischen Küstenbewohnern.
Frühzeitliche Kultplatz-Crest’Alta-Nordpeilung zum Piz-Ot
Abb. 5 - Hügelkuppe des Crest’Alta (weißer Punkt) mit Nordpeilung zum Piz-Ot - von Franz Gnaedinger
Den Hügel Crest’Alta (1.903 m ü. M.) an nördlicher Verengung des Silvaplanersees bei Silvaplana und Surlej („Jenseits des Sees“), wo eine frühzeitliche Siedlung zu vermuten ist, entdeckte Frau Prof. Dr. Katharina von Salis für die Archäologie. Crest'Alta bedeutet („hoher Grat“) und benennt den vorderen bewaldeten Grat des Waldgebietes. Ein menhirartiger großer Block befindet sich an der westlichen Flanke des schön geformten und recht großen Hügels. Herr Franz Gnaedinger, dem ich für seine Forschungen herzlich danken möchte, fand eine erstaunliche Fülle astronomischer Bezüge dieser Erhebung zu den umstehenden Bergen. Ich beschränke mich hier auf den Piz-Ot. Von seiner Kuppe aus, Richtung Norden, ist der gut 8,5 km entfernte Piz-Ot anzupeilen. „Der genaue Norden läge ein Drittel Grad östlich vom Gipfel des Ot, weniger als die scheinbaren Durchmesser von Sonne und Mond, die je ungefähr 1 halbes Grad ausmachen.“ In Zusammenarbeit mit Frau Prof. Dr. von Salis entwickelte F. Gnaedinger eine interessante Arbeitsthese: „Eine gut organisierte Gruppe von sagen wir 150 bis 200 Bergeller Bauern mochte die Sommer im Oberengadin verbracht haben. Sie jagten Wild an der Klippe von Splüga, und fischten in einer flachen Bucht am Fuß des Hügels Crest’Alta, während die Hügelkuppe für astronomische und rituelle Zwecke dienen mochte. Ferner als Fluchtburg: in Zernez befindet sich eine Festung aus der Bronze- und Eisenzeit, also müssen hin und wieder bewaffnete Gruppen hier durchgezogen sein, sonst hätte es keiner Festung bedurft.“ Während Forscher F. Gnaedinger an frühzeitliche „Bergeller Bauern“ denkt, fokussiere ich meine Betrachtungen auf die Station machenden keltisch-kimbrischen Rückwanderer in ihre Nordheimaten. Gnaedinger meint: „die welche die Sommer hier oben verbrachten, haben den Fisch sicher sehr geschätzt, und wohl als Wintervorrat an Sonne und Wind getrocknet. Für das Fischen hätte sich eine flache Bucht an der westlichen Flanke der Crest’Alta geeignet, wobei man den Eingang zu einer solchen seichten Bucht mit Steinen versperren und dann die Fische bequem mit Netzen an einer Rutenschlinge abschöpfen konnte.“ Auf der Kuppe des Felsens befindet sich eine dreieckige von Menschenhand eingetiefte längliche Schale. Ihre Spitze zeigt auf den Maloja-Pass hin, der das Bergell mit dem Oberengadin verbindet, also welchen Weg die hier Anwesenden genommen hatten. An diesen fischreichen Seen und Heilquellen bei St. Moritz mögen nordischen Fluchtwanderer eine längere Weile verbracht haben, aber Ihr letztendliches Wanderzielziel war die heilige Richtung des Nordsterns unter der Himmelskuppel. Und diese Peilrichtung wies ihnen auch die markante Spitze des Piz-Ot.
Odoaker, Eruler und Odingis
Wie es nur folgerichtig ist, waren die Erilari, die skandinavischen Runen-Meister der alten Zeit, Anhänger des Runen-Verkünders Erul, dessen Namen sie trugen, der, welcher seinen Namen auf dem berühmten „Helm von Negau“ verewigt hat. Erul muss einer der Kimbern und Teutonen gewesen sein die nach der erfolgreichen Schlacht von Mutina in ihre Nordheimat zurückfanden. Er muss zeitweise der Besitzer dieses Helmes gewesen sein. Seiner Mission unter den Nordgermanen ist es zu verdanken, dass sich eine jütländische Glaubenskongregation zusammenfand die wir als historisches Volk der Eruler/Heruler kennen. Diese erlebten ein wechselhaftes Schicksal mit Höhen und Tiefen. Doch festzuhalten bleibt, dass ihnen der Ruhm zuteil wurde, dem Römerreich - das in Germanien, in Rätien und an vielen anderen Schandstätten, so grausam gewütet hatte - den Todesstoß versetzt zu haben. Ihr König - Odoaker - wurde der erste Germane auf dem römischen Kaiserthron. Odoaker (auch Odowakar, Odovakar, in althdt. Glossen Otacher, im Hildebrandslied in der Form Otachre, lat. Flavius Odovacer, Odovacar oder Odovacrius (um 433-493) war ein germanischer Skire („die Reinen“) König der Eruler (Boethius: „Rex Erulorum“) und weström. Militär und Staatsmann, nach der Absetzung des Romulus Augustus im Jahre 476 König von Italien („Rex Italiae“). Väterlicherseits soll Odoaker von den Thüringern abstammen und mütterlicherseits von den Skiren. Er war damit von der vornehmsten Abkunft die man sich im alten Germanien denken konnte. Die Skiren zogen mit den Bastarnen („die Gemischten“) um 200 v.0 in die Region am Schwarzen Meer. Odoakers Vater war der Skiren-Fürst Edekon (?-469), der sich nach dem Tode Attilas mit Gepiden-Fürst Ardarich gegen die Anmaßungen der Attila-Söhne verbündete und sie in der Schlacht am Nedao im Jahre 455 schlug, so dass die Hunnen wieder ostwärts über die Karpaten in die südrussischen Ebenen zurückflohen. Odoaker zog nach dem Tod seines Vaters mit Skiren, Erulern und Rugiern nach Westen, um später, unterstützt durch die „Turkilinger“ (gemeint: Toringi / Thüringer), in Italien König zu werden. Ihre Hauptstadt wurde Ravenna, aus der sie erst Theoderich der Große mit List und Wortbruch vertrieb.
In Folge der katastrophalen erulischen Niederlage im Jahre 508, unter König Rodulf (Od-Wolf ?), gegen die Langobarden, wanderte eine adelige Kernschar - wohl die runisch-religiösen Wissensträger - zurück, über Norddeutschland zu den ihnen wohl vertrauten Wanen und Danen und über die dänischen Inseln hinaus, bis nach „Thule“, also Skandinavien, und ließ sich dort bei den gastlichen „Gauten“ (Goten), also im Schwedischen nieder. Andere Eruler versuchten weiterhin ihr Glück im klimatisch verwöhnten Süden. Mitte 6. Jh. soll der Heruler-König Ochon nach Byzanz gegangen sein, um sich christlich taufen zu lassen. Doch wurde er „plötzlich“ von seinen Leuten erschlagen „weil es ihnen einfiel, künftig ohne König leben zu wollen“. Dass das aber nicht die Ursache gewesen sein kann, sondern viel eher sein schmählicher Kniefall aus realpolitischen Motiven, ersieht man daraus, dass sie sich entschlossen, einen Edlen „aus königlichem Geschlecht von der Insel Thule holen zu lassen“ (Prokop, „Gotenkrieg“ II.). Der ersehnte König namens Toda(sius) kam mit seinem Bruder im Geleit von 200 Jünglingen.
Der Gote Jordanis schrieb seine Geschichte der Goten „De origine actibusque Getarum“, kurz „Getica“ genannt. Sie ist in lateinischer Sprache verfasst, abgeschlossen wohl bis zum 31. März 551 und veröffentlicht. In Kap. III beschreibt er die verschiedenen Volksgruppierungen der „Insel Skandza“, Skandinavien, darunter eine Gruppe des Namens „Otingis“, die nach dargelegten Sprachgesetzen also als Nachkommen oder Anhänger eines „Ot“ zu verstehen sind. Es wird sich bei den „Otingis“, deren Ruf zu Jordanis in den Süden gedrungen war, um die Kultgruppe der in die Nordheimat zurückgewandeten Eruler gehandelt haben. Sie sind als Anhänger des in der Edda erwähnten Gottes „Odr / Od“ zu begreifen. Dieser muss als eine bedeutende Gottesvorstellung geglaubt worden sein, galt er doch als Gemahl der gemeingermanischen Gottesmutter Freya (Gylfaginning, Kap. 23). Und das gemeingermanische runische Sinnzeichen-System „O.d.ing-F.u.ð.a.r.k“ wäre dann naheliegend als die Heilige Schrift der „Odingi“, also der Od-Gott-Kinder, zu begreifen -, dessen ursprüngliche Ideenzündung möglicherweise am Fuße oder auf dem Gipfel des Oberengadiner Kultbergs, dem Piz-Ot, geschah.
