05.11.2025

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 „Der Stein von Othmarschen“

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 „Der Alte Schwede“ bei Övelgönne-Ottensen

Ottensen ist ein westlicher Stadtteil Hamburgs im Bezirk Altona. Er grenzt an den Stadtteil von Othmarschen. Ottensen wurde erstmals 1310 als holsteinisches Kirchdorf Ottenhusen urkundlich erwähnt. Ab 1390 war Ottensen Sitz des Landvogtes der schauenburgischen Grafschaft Pinneberg, der auch für die umliegenden Gemeinden Bahrenfeld, Othmarschen, Eidelstedt, Stellingen zuständig war. Othmarschen ist 1317 als „villa Othmerschen“ erstmals urkundlich erwähnt worden. Bis ins Mittelalter blieb Othmarschen ein kleines Bauerndorf. Diese Siedlungsplätze gehören offenbar zu den über ganz Germanien/Deutschland verstreuten altheiligen Od-Stätten (siehe dazu GOD-Artikel: „Woden- / Oden- / Gottes-Orte“). Merschen/Marschen meint „Sumpfländereien“, aber das vorangestellte „Oth/Od/Ott“ (die dänische Stadt Odense nannten man deutsch Ottensen) der Gemeinden weist auf einen altheiligen Ort hin, der auch zum Ausdruck kommt durch das Vorhandensein der beiden größten Findlinge des gesamten Hamburger Raumes:

1.) Der „Stein von Othmarschen“ ist ein Findling, der 1998 bei Vorarbeiten für den Ausbau des Elbtunnels in Hamburg-Othmarschen gefunden wurde. Er wurde zur Saale-Eiszeit im Gletscher aus der Gegend um Målilla (im südlichen Schweden) nach Hamburg transportiert, d.h. vor geschätzten 300.000 bis 130.000 Jahren. Er ist 22 Kubikmeter groß und wiegt etwa 60 t (Abmessungen: 4,9 × 3,5 × 2,2 m³). Der Findling befindet sich heute im südlichen Bereich des „Grothparks“ über dem Elbtunnel, nahe der Bernadottestraße.

2.) Der „Alte Schwede“ bei Övelgönne ist der älteste Großfindling Deutschlands. Er wiegt 217 t, ist etwa 4,5 m hoch und hat einen Umfang von fast 20 m. Bereits in der Elster-Eiszeit, d.h. vor 400.000 bis 320.000 Jahren, gelangte er in den norddeutschen Raum. Er ist unmittelbar am Elbufer zu besichtigen. Beide Steingiganten können vor hunderten von Jahren, durch Flussverlagerungen der Elbe, noch so frei und sichtbar zu sehen gewesen sein, so dass die Ortlichkeit des Elbufers ihre kultische Od-Bedeutung erlangte.

Die zuständige Pfarrkirche für Ottensen, Altona, Bahrenfeld und Othmarschen war St. Petri in Hamburg. 1474 machte Graf Erich von Schauenburg den Hamburger Franziskanern des Maria-Magdalenen-Klosters am heutigen Adolphsplatz zu seinem Regierungsantritt einen Hof in Ottensen zum Geschenk, dessen Kapelle im Lauf der Zeit außer Klosterbrüdern auch der Bevölkerung als Andachtsstätte zur Verfügung gestanden haben könnte. Als die ursprüngliche Bedeutung der altheiligen Plätze noch in der Erinnerung des Volkes lagen, machten die Obrigkeiten solche altheiligen Örter den kirchlichen bzw. mönchischen Eigentümern, seit Karolinger-Zeiten, gern zum Geschenk. 

Solche Steinriesen im Küstenbereich, in Anbetracht, dass weit und breit keine Berge und Felsformationen vorhanden sind, mussten automatisch zu spontanen religiösen Spekulationen Anlass geben. Große Steine, Quellen und andere Naturformationen wurden als heilige Orte angesehen, die eine besondere Bedeutung für die Menschen hatten. Steine wurden oft als Wohnsitz von Gottheiten geglaubt, nicht der Stein selbst war das Ziel der Verehrung, sondern die in ihm wohnende Gottheit. Die Verehrung von Steinen und Quellen war tief in der Verbindung der Menschen zur Natur und ihren Elementen verwurzelt. Das Verehren von Steinen und Quellen ist ein weit verbreiteter Brauch in vielen heidnischen Traditionen, umgeben von Ritualen und Opfergaben. Das Altsächsische Heidentum wird uns im Text des „Indiculus Superstitionum et Paganiarum“, einer kirchlichen Handschrift des 8. Jahrhunderts, kund getan. Es handelt sich um eine Auflistung von 30 kurzen Punkten, die sich auf heidnische Bräuche der Altsachsen beziehen. Punkt 7: „De hiis quae faciunt super petras“ - „Über die Dinge, die sie über den Felsen tun.“ Eine Form von Heiligtümern sind Steine und Felsen. Das Wort „super“ sagt uns, dass Weihehandlungen nicht nur an sondern über den Felsen stattfanden. Man muss es sich also so vorstellen, dass unsere Ahnen, wie beispielsweise die Altsachsen, hierbei auf den Felsen standen. Zu denken ist an Trankopfer, Weihelieder, Reinigungsfeuer oder ähnliches.