03.11.2025

Alte_Eiche.JPG

DIE WUNSCHEICHE

Hoch über Bechtheim, im Ohrener Wald,
da schläft eine Eiche, die ist uralt.
Als unsere Freundschaft vor Jahren begann,
war ich noch ein jüngerer Wandersmann.

Wir wurden gemeinsam älter und kälter,
die Sorge fragte zuweilen: „Wann fällt er?“
Noch stehen wir beide, sind nicht gefallen,
noch währt unser leiblich-irdisches Wallen.

Mein Baumfreund ist zur Mumie geworden,
die Zeit, die Zeit will auch Eichen morden.
Schwebt seine Seele noch um den Stamm,
in den Wurzeln oder dem Wipfel-Kamm ?

Ich kann es nicht wissen, ich rufe sie an,
ich stelle mich ganz in des Baumes Bann.
Ich umarme den knorrigen Rinden-Leib,
so als drängte ich an mein geliebtes Weib:

„Du Baumseele höre, wenn es Dich gibt,
Du hast zeitlebens den Frieden geliebt,
Du standest ohne Arg und Ärger im Hag,
wie es jeder einzelne Mensch auch mag.

Gut kennst Du der Gestirne ewigen Lauf,
trag‘ Du meine Wünsche zu Göttern hinauf.
Ich wünsch‘ nur bessere Zeiten dem Land,
mehr Redlichkeit und mehr Sachverstand !“

Dass ich was wünschte, taten andere auch,
so ist am Bechtheimer Eichbaum der Brauch.
Eine Blechdose stellte einst einer darein,
die sammelt der Kinder Wunschzettel fein.

Zahllose Wünsche sind niedergschrieben
und was man schrieb, ist immer geblieben.
Ein jeder Mensch liebt Wundergeschichten
und weiß er keine, muss er sie erdichten.

 Gehen Eichen-Wünsche in die Erfüllung,
geschieht es in mystischer Nebel-Hüllung.
Schön ist‘s auf Baumes Mächte zu hoffen,
denn für die Politik sind nur Trottel offen !

Ein Wunschbaum, auch Votivbaum, ist ein einzelner Baum, der häufig an einem heiligen Ort steht und über übernatürliche Kräfte zu verfügen scheint. Wer einem Stoffstreifen oder mit etwas ähnliches aus eigenem Besitz an den Baum hängt, hofft, dass dadurch ein Wunsch in Erfüllung geht. Das Mitbringsel kann auch eine Votivgabe zum Dank für ein bereits erfolgtes Wunder sein. Je nach dem jeweiligen Volksglauben, der prinzipiell in allen Religionen vorkommen kann, handelt es sich bei den wunscherfüllenden Kräften um Geister, Feen, Elfen, Heilige oder Gottheiten.

Wunschbäume sind seit dem Glaubensumbruch der Christianisierung unter anderem mit Heiligen aus dem europäisch-christlichen Mittelalter verbunden worden. In Irland gehören sie zu manchen Clootie Well genannten heiligen Quellen. Im Volks-Islam kommen Wunschbäume von Marokko, über die Türkei und Pakistan bis nach Indonesien vor. Oft stehen Wunschbäume an einem besonderen Ort, wie einer heiligen Quelle, einer Kirche oder Kapelle oder einem Heiligtum.

Die indische Mythologie kennt den Wunschbaum Kalpavr̩ksạ. Auch die Mongolen kennen diesen Wunschbaum als Kalpavrikscha. Auf die heiligen Steinhaufen Obo werden Wacholder, Schilf, Tamariske und Weide als Symbol für diesen Wunschbaum gesetzt. Es gibt auch künstliche Kanlapaphrüksa, sie wurden zum Beispiel für Feierlichkeiten errichtet und manchmal mit Geld behängt. In einem Hindu-Tempel in Florida werden die Namen von Leuten, die mehr als 1000 $ an den Tempel gespendet haben, auf die Blätter eines künstlichen Wunschbaumes geschrieben.