16.01.2026
Magda Goebbels (1901-1945) war die Tochter der Auguste Behrend und dem Wasserforschungsingenieur Hubert Oskar Ritschel, der u.a. in Brüssel zu tun hatte. Bei Beginn des WK I. zogen Mutter und Tochter nach Berlin; dank der Unterstützung ihres Vaters konnte Magda weiterhin ein Mädcheninternat besuchen, in Brüssel besuchte sie die katholischen Klosterschulen in Vilvoorde. Während zahlreicher Besuche bei ihrem Vater Ritschel, der in Duisburg lebte, wurde ihr der Buddhismus vermittelt. Auf einer Bahnfahrt im Februar 1920 lernte Magda den Industriellen Günther Quandt kennen, der doppelt so alt wie sie und verwitwet war. Sie fanden Gefallen aneinander, verlobten sich und heirateten am 04.01.1921. Magda wechselte, auf Quandts Wunsch, zur protestantischen Kirche. Magda war seitdem für die Erziehung der beiden Kinder aus Quandts erster Ehe zuständig. Am 01.11.1921 kam ihr gemeinsamer Sohn Harald zur Welt. Doch die Harmonie währte nicht lange, beide Eheleute leisteten sich einen Seitensprung. Im Sommer 1929 wurde die Ehe geschieden, sie erhielt das Sorgerecht für Harald und u.a. eine Abfindung von bedeutender Summe.
Ihre erste Berührung mit der NS-Ideologie erfuhr Magda in einem politischen Club namens „Nordischer Ring“. In diesem Debattierzirkel verkehrten Adlige wie Viktoria von Dirksen und Marie Adelheid Prinzessin Reuß-zur Lippe. Hier empfahl ihr im Spätsommer 1930 Prinz „Auwi“ aus dem Haus Hohenzollern, ein Sohn des abgedankten Kaisers Wilhelm II., sich als Mittel gegen Langeweile und Depressionen, bei einer Ortsgruppe der NSDAP zu ehrenamtlicher Parteiarbeit einzubringen.
Zunächst besuchte sie am 30.08.1930 eine Veranstaltung der NSDAP im Berliner Sportpalast, auf der Dr. Joseph Goebbels sprach. Zum folgenden Tag, dem 01.09.1930, trat die begeisterungsfähige Magda der NSDAP-Ortsgruppe Westend bei (Mitgliedsnummer 297.442), wurde kurz darauf Leiterin der örtlichen NS-Frauenschaft und begann mit der Lektüre von Alfred Rosenbergs „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“. Sie war von der männlichen Tapferkeit des Intellektuellen Dr. Goebbels beeindruckt, meldete sich in der Zentrale der Berliner NSDAP und bot dort ihre Mitarbeit an. Der agile Doktor machte sie zur Betreuerin seines Privatarchivs. Sie sammelte und ordnete z. B. Zeitungsartikel über Goebbels aus der in- und ausländischen Presse, wobei ihre ausgezeicheten Sprachkenntnisse zustatten kamen. Im Herbst 1931 lernte Magda Adolf Hitler persönlich kennen, beim Tee im „Hotel Kaiserhof, Berlin. Hitler sagte noch am selben Abend zu seinem Wirtschaftsberater und SA-Stabschef Otto Wagener: „Diese Frau könnte in meinem Leben eine große Rolle spielen, auch ohne dass ich mit ihr verheiratet wäre. Sie könnte bei meiner Arbeit den weiblichen Gegenpol gegen meine einseitig männlichen Instinkte spielen... Schade, dass sie nicht verheiratet ist.“
Magda verliebte sich von Stund an in Hitler, was sie der Leni Riefenstahl gestand und, dass sie Goebbels nur geheiratet habe, um in Hitlers Nähe sein zu können (Riefenstahl Memoiren, S. 201). Am 19.12.1931 fand ihre Hochzeit mit J. Goebbels statt. Adolf Hitler war Trauzeuge. Familie Goebbels war häufig auf den Obersalzberg in Hitlers Privatresidenz eingeladen. Immer wieder verbrachten Magda und Hitler gemeinsame Zeit auch ohne J. Goebbels, mitunter tagelang. Von der NS-Selbstdarstellung zur „Übermutter“ stilisiert, wurde Magda Goebbels ein Vorbild für die „deutsche Frau“, sie wurde Vorzeigemutter und repräsentierte das „Dritte Reich“ bei Empfängen, Bällen und Staatsbesuchen. Magda gebar Goebbels sechs blonde Kinder: Helga, Hildegard, Helmut, Hedwig, Holdine und Heidrun. 1938 ließ Magda das Leben ihrer Kinder verfilmen: Sie wurden als „rein arische“ Kinder gelobt.
Als der 2. Weltkrieg begann, machte Magda eine Ausbildung zur Rotkreuzschwester und pflegte zweimal in der Woche verwundete Soldaten. Mit der zunehmend aussichtslos werdenden Kriegslage, durch die alliierten Terror-Bomber, erkrankte Magda des Öfteren und wurde Anfang 1944 für mehrere Tage in ein Sanatorium eingeliefert. Als Magda am 20.07.1944 vom Attentat auf Hitler erfuhr, erlitt sie einen Nervenzusammenbruch. Am Telefon schwor sie ihm ihre „ewige Treue“ und erklärte sich bereit, für ihn zu sterben, „wenn in Berlin die Russen stehen“. Dafür sei sie nun zum „Äußersten“ entschlossen. Magda zog am Nachmittag des 22.04.1945 mit ihren Kindern in den Führerbunker. Am 28.04.1945 schrieb Magda einen Abschiedsbrief an ihren Sohn Harald Quandt, damals 23 Jahre alt, der sich in einem alliierten Kriegsgefangenenlager befand:
„Mein geliebter Sohn! Nun sind wir schon 6 Tage hier im Führerbunker, Pappa, deine sechs kleinen Geschwister und ich, um unseren nationalsozialistischen Leben den einzigmöglichen ehrenvollen Abschluss zu geben … Ob Du diesen Brief erhältst weiss ich nicht, vielleicht gibt es doch eine menschliche Seele, die es mir ermöglicht, letzte Grüße zu senden. Du solltest wissen, dass ich gegen den Willen Pappa’s bei ihm geblieben bin, dass noch vorigen Sonntag der Führer mir helfen wollte hier herauszukommen. Du kennst deine Mutter, wir haben dasselbe Blut, es gab für mich keine Überlegung. Unsere herrliche Idee geht zu Grunde, und mit ihr alles was ich Schönes, Bewundernswertes, Edles und Gutes in meinem Leben gekannt habe. Die Welt, die nach dem Führer und dem Nationalsozialismus kommt ist nicht mehr wert darin zu leben und deshalb habe ich auch die Kinder hierher mitgenommen. Sie sind zu schade für das nach uns kommende Leben und ein Gnädiger Gott wird mich verstehen, wenn ich selbst ihnen die Erlösung geben werde. Du wirst weiterleben, und ich habe die einzige Bitte an Dich: Vergiß nie, daß Du ein Deutscher bist, tue nie etwas, was gegen die Ehre ist und sorge dafür, daß durch Dein Leben unser Tod nicht umsonst gewesen ist. Die Kinder sind wunderbar …, niemals ein Wort der Klage oder ein Weinen. Die Einschläge erschüttern den Bunker. Die Größeren beschützen die noch Kleineren, und ihre Anwesenheit ist schon dadurch ein Segen, dass sie dem Führer ab und an ein Lächeln abgewinnen. Gott gebe, dass mir die Kraft bleibt, um das Letzte und Schwerste zu schaffen. Wir haben nur noch ein Ziel: Treue bis in den Tod dem Führer. Harald, lieber Junge – ich gebe dir noch das mit, was mich das Leben gelehrt hat: Sei treu! Treu dir selbst, treu den Menschen und treu deinem Land gegenüber … Sei stolz auf uns, und versuche uns in freudiger Erinnerung zu behalten …“
Vielfache Aufforderungen, wenn schon nicht sich selbst, dann wenigstens die Kinder aus dem Bunker zu retten, beantwortete sie ablehnend. Laut Zeugenaussagen soll Magda Goebbels beim Anblick ihrer Kinder immer wieder in Tränen ausgebrochen sein. Am 01.05.1945 wurden die sechs Kinder des Ehepaars Goebbels mit Gift getötet. Laut Rochus Misch verabreichte Magda Goebbels ihren vier- bis zwölf-jährigen Kindern Kakao, in dem sie vorher ein Schlafmittel aufgelöst hatte. Danach habe sie ihren Kindern die Haare gekämmt und sie anschließend in weiße Nachthemden gekleidet. Während sie dies tat, habe sie ihren Kindern noch Hoffnungen gemacht, dass sie in ein paar Tagen wieder daheim in Schwanenwerder seien. Dann sei sie zusammen mit den Kindern und einem der Ärzte, Ludwig Stumpfegger, ins Kinderzimmer gegangen. Gegen 21 Uhr tötete sich Magda Goebbels mit Blausäure. Joseph Goebbels tötete sich am nächsten Morgen nach ihrem Suizid. Ihre Leichen wurden noch in derselben Nacht von Angehörigen der Bunkerbesatzung verbrannt.