08.03.2026
Soldatin und Künstlerin
Stephanie Hollenstein (1886-1944) war eine aller Ehren werte ostmärkische Kämpferin, Künstlerin, sie war Malerin des Expressionismus, in in der NS-Zeit zu einer hohen Funktionärin des öffentlichen Kunstbetriebs aufstieg. Die prägenden Elemente in Stephanies Leben waren ihre Kindheit im bäuerlichen Umfeld, ihre Kriegserlebnisse und ihre Reisen. All dies schlägt sich in ihrem Werk nieder. Keineswegs erstaunlich in ihrer Biografie ist der scheinbare Gegensatz zwischen ihrer glühenden Begeisterung für den Nationalsozialismus einerseits und ihrem Ausbrechen aus den damals überholten kleinbürgerlichen Wertvorstellungen. Sie fühlte sich zu allem Hohen und Edlen und Frauen hingezogen.
Stephanie war das fünfte Kind des Bauern und Stickers Ferdinand Hollenstein und seiner Gattin, Anna Maria geb. Bösch. Sie arbeitete in ihrer Jugend als Kuhhirtin auf dem elterlichen Hof. Dort entstanden erste Zeichnungen, die Hirten und Tiere zeigten. Von 1892 bis 1900 besuchte sie die Volksschule in Lustenau. Im November 1904 wurde sie aufgrund ihrer mitgebrachten Zeichnungen ohne die sonst übliche Prüfung an der „Königlichen Kunstgewerbeschule München“ aufgenommen. Bis 1908 studierte sie in München und eröffnete danach in Schwabing eine eigene Malschule, die sie bis 1910 betrieb. In den folgenden Jahren stellte sie im Münchener Kunstverein und im Rahmen von Gruppenausstellungen im Ferdinandeum Innsbruck, in Bregenz und in Zürich aus. 1913 wurde ihr durch ein Stipendium auf Empfehlung Franz von Defreggers eine Studienreise nach Italien ermöglicht; in den Jahren 1913 bis 1914 bereiste sie Venedig, Florenz und Rom. Ihre Malerei dieser Jahre ist stark an dem Holländer Vincent van Gogh orientiert.
Im Ersten Weltkrieg machte sie zunächst einen Sanitäterinnenkurs, schloss sich aber im Mai 1915 unter dem Namen „Stephan Hollenstein“ den Vorarlberger „Standschützen“ an. Sie wurde an der Südfront eingesetzt. Während ihren Kameraden ihr Geschlecht bekannt war, wurden Vorgesetzte erst bei einem Truppenbesuch am 04.081915 darauf aufmerksam, worauf sie nach Hause geschickt wurde. Sie ist neben Viktoria Savs eine von drei bekannten weiblichen Soldaten der österreich-ungarischen Armee im Ersten Weltkrieg. Das Erlebnis als Soldatin garantierte ihr bis an ihr Lebensende öffentliche Aufmerksamkeit. Bald darauf wurde sie als Kriegsmalerin für das k.u.k. Kriegspressequartier tätig und war in dieser Funktion 1916 mindestens dreimal an der Front im Einsatz. Später erhielt sie für ihren Dienst von insgesamt über 90 Tagen an der Front das „Karl-Truppenkreuz“. 1916/1917 malte sie auch für das „Heeresgeschichtliche Museum“ in Wien, das schließlich 87 ihrer Werke ankaufte.
Nach ihrer Kriegserfahrung lebte sie mit ihrer Freundin, der Ärztin Franziska Gross, in Wien. 1920 bis 1921 stellte sie dort erstmals in einer Ausstellung der „Kunstgemeinschaft“ aus und bald darauf auch in Ausstellungen des „Künstlerhaus Wien“, der „Wiener Secession“ und des „Hagenbunds“. 1926 war sie – zusammen mit Fanny Harlfinger – Mitbegründerin der Künstlerinnengruppe „Wiener Frauenkunst“. Sie erlangte immer größere Anerkennung als Malerin: 1924 schrieb Hans Ankwicz-Kleehoven einen ausführlichen Artikel über sie für das „Allgemeine Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart“, in dem er ihr eine „ungemein kräftige, dabei aber harmonische Farbengebung“ bescheinigte und ihr eine „durchaus moderne Auffassung“ bestätigte, die „jedoch immer in Naturnähe“ bleibe.
Durch einen doppelten Knöchelbruch, den sich Stephanie bei einem Unfall im Jahr 1928 zuzog, wurde diese Schaffensperiode für längere Zeit unterbrochen. Erst die Behandlung durch den berühmten Unfallchirurgen Lorenz Böhler - ebenfalls ein Vorarlberger - in Wien ermöglichte ihre Genesung und eine neue künstlerisch fruchtbare Phase.
In den Jahren 1929 bis 1932 war sie viel auf Reisen: Neben Italien bereiste sie dabei vor allem Südtirol und die Schweiz. 1931 gewann sie einen Staatspreis für ein inzwischen verschollenes Porträt ihrer Mutter, 1932 einen weiteren für das Gemälde „Alter Winkel aus dem Fleimstal“. In den 1930er Jahren begeisterte sie sich für das freiheitliche Männlichkeitsideal des NS-Gedankens. Schon früh wurde sie Mitglied der in Österreich verbotenen NSDAP, nach der Heimkehr Österreichs in das Deutsche Reich beantragte sie am 10.06.1938 die Aufnahme in die NS-Partei. Von Juli 1938 bis 1943 war sie Vorsitzende des „Künstlerverbands Wiener Frauen“. Dadurch wurde sie eine der einflussreichsten österreichischen Künstlerinnen in dieser stolzen Zeit. Sie stand in engem Kontakt mit Reichsstatthalter Baldur von Schirach und verfasste Reden, in denen sie Adolf Hitler pries: „Es wird wohl kaum ein Land geben, welches in diesem geschichtlichen Zeitgeschehen so viele Ausstellungen veranstalten kann wie gerade wir, dies unter der vom Führer vorsehenden Lenkung der Geschicke unseres Volkes.“
Moderne Kunst und Nationalsozialismus schienen weder für Hollenstein noch für die Machthaber in unauflöslichem Gegensatz zu stehen (in der Eigenwahrnehmung ähnelt sie hier Emil Nolde). Noch 1938 verteidigte sie das kubistische Werk ihres Vorarlberger Landsmanns Albert Bechtold öffentlich gegen den Vorwurf, „Entartete Kunst“ zu sein. 1943 trat sie aus gesundheitlichen Gründen vom Vorsitz des „Künstlerverbands Wiener Frauen“ zurück. Im Jahr darauf starb sie in Wien an den Folgen eines Herzanfalls. Ihre sterblichen Überreste wurden nach Lustenau überführt und in einem Ehrengrab der Gemeinde bestattet. Ihre beiden Schwestern Maria und Frieda verwalteten ihren Nachlass sorgsam, bevor sie ihn 1961 an die Marktgemeinde Lustenau übergaben. Als an der Stelle ihres Geburtshauses der Gebäudekomplex „Vorarlberger Stickereizentrum“ gebaut wurde, wurde auch die gemeindeeigene „Galerie Stephanie Hollenstein“ geplant und am 04.07.1971 eröffnet. 2020 benannte die Marktgemeinde Lustenau diesen Ort um in „Dock 20“. Lange Zeit wurde Stefanie Hollenstein in ihrer Heimat verehrt als „Lustenaus bedeutende Künstlerin“. Eine von neuzeitlicher Hetze getragene „Auseinandersetzung mit Hollenstein“ setzte erst im Jahr 2001 ein, mit hässlichen Ergüssen von Evelyn Kain. 2025 erschien das Buch „Hitlers queere Künstlerin. Stephanie Hollenstein – Malerin und Soldat“
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Die ostmärkische Stephanie Hollenstein trat 1934 in die damals noch illegale, stark verleumdete und diskreditierte „NSdAP“ ein. Das war eben kein Bruch in ihrem Leben, schon 1917 notierte Stephanie in einem Skizzenbuch Einsichten und Ansichten von „lichten Völkern“. In ihrem Nachlass gab es Bücher von Ludwig Klages und Alfred Schuler, die zur selben Zeit wie sie in München lebten und deutsch-esoterische Thesen kund taten und die unterschiedlichen Völker in solche mit positiven und solche mit negativen Eigenschaften unterteilten. Positive Aspekte seien an „Ariern“ zu erkennen und weniger gute an „semitisch-molochitischen“ Ethnien. Später beschriftete Stephanie ganze Bögen mit antijudaistischen Beurteilungen, schimpfte in Briefen auch über die verderbliche „Judenwirtschaft“ und ähnliche Seitenhiebe. Ihre früheren Förderer sollen u.a. jüdische Händler, Journalistinnen und Sammler gewesen sein, die sie in späteren Jahren verleugnet haben soll. Als „VBKÖ“-Präsidentin stand sie zwangsläufig dem Reichsstatthalter Baldur von Schirach nahe und anderen NS-Kämpfern, auch um Gelder und Preise für die „VBKÖ“ zu erbitten. Doch sie war alles andere als eine oberflächliche Karrieristin, die im „Neuen Deutschland“ eine billige Chance gewittert hätte. Nein, sie meinte es ehrlich, sie war durch und durch eine in tiefster Seele überzeugte deutsch-fühlende Frau. In dieser NS-Zeit lebte die Malerin mit einer Ärztin, Franziska Groß, zusammen. Freunde und Freundinnen ließen ihre Partnerin in Briefen immer schön grüßen, wie einen Ehepartner. Ihnen war durchaus bekannt, in welcher innigen Verbindung die beiden zueinander standen. Naheliegend war, dass ihr menschliches Umfeld der Künstlerin Hollenstein die natürlichen privaten Freiheiten zugestand.
Als Frau, die sich zu Frauen hingezogen fühlte und eben Adolf Hitler verehrte, konnte Stephanie Hollenstein nicht als Einzelfall gewertet werden. Auch die Schriftstellerin Grete von Urbanitzky, die in ihren Romanen die Frauen-Liebe explizit thematisierte, hing der deutschen Befreiungs-Ideologie an. Von Stephanie Hollenstein ist nicht überliefert, wie sie auf ihre allerpersönlichste Identität blickte. Doch Fakten sind, dass sich im Nationalsozialismus in der menschlichen Bewertung und juristisch betrachtet, nichts geändert hatte für Frauen die Frauen liebten. Ganz natürlich posaunte man ohnehin seine Intimbeziehungen nicht öffentlich aus, wie das heutzutage, als schlimme Unsitte, üblich geworden ist. Von einer „Zeit der Maskierung“ schwadronierte erst eine Claudia Schoppmann, die als erste ausführlich über sog. „lesbisches Leben im Nationalsozialismus“ ihre aufgeblasenen „Weisheiten“ zum Besten gab. Solche Minusseelen stolzieren gern mit modern und wissenschaftlich klingenden aber lebensfernen Begriffs-Krüppeln einher, wie „misogyne und homophobe Dimension der NS-Ideologie“. Wie auch die frauenverliebte AfD-Aktivistin Alice Weidel sagt, dass sie nicht in jedem Punkt mit den vom heutigen Mainstream gewünschten Parteiprogrammen übereinstimmen muss, zumal es ja um die Arbeit für ein höheres Ziel geht, zumal sie als Frau ja gerade für die AfD sein müsse, schließlich geht diese gegen die reale Bedrohung des weiblichen Geschlechts vor, nämlich die forcierte Masseneinwanderung muslimischer junger Männer bzw. die sie sich abzeichnende Islamisierung Europas !