13.12.2025

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Goldring von Zohor, aus Wende vom 1. zum 2. Jahrhundert n.0.

Vorwort von János Gábor Ódor, Direktor des Wosinsky Mór-Museums, Szekszárd (deutsch Seksard, Sechsard oder Sechshard) ist eine ungarische Stadt im gleichnamigen Kreis im Komitat Tolna:

Das Wosinsky Mór-Museum, der regionale Veranstalter des 23. Kolloquiums der „Grundprobleme der frühgeschichtlichen Entwicklung im mittleren Donauraum“ vom 16. bis zum 19. November 2011 in Tengelic, erfüllt seit 1895 seine Aufgaben in der Stadt Szekszárd und im Komitat Tolna. Die Archäologie besaß in unserem Haus durch die Bodendenkmalplege und das Ausstellungswesen von Beginn an einen hohen Stellenwert. Mehrere Direktoren … setzten sich intensiv für die archäologische Erforschung der Region ein. ... Das Kolloquium „Macht des Goldes - Gold der Macht. Herrschats- und Jenseitspräsentation zwischen Antike und Frühmittelalter im mittleren Donauraum” erlaubte uns einen internationalen Kollegenkreis aus den Ländern Mittel- und Ostmitteleuropas willkommen zu heißen. ... Wir möchten daher für die Kooperation danken, die uns das Geisteswissenschatliche Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig ermöglichte, ebenso allen weiteren Institutionen aus Österreich, Polen, Tschechien und der Slowakei, die sich an der Tagung organisatorisch und finanziell beteiligten. ... Unser Komitat liegt auf dem Gebiet der einstigen römischen Provinz Pannonien, an der Donau, die zu diesem Zeitpunkt als Limes die nordöstliche Außengrenze des Römischen Reiches bildete. Das Gebiet erfuhr während der anschließenden Völkerwanderungszeit eine wechselvolle Geschichte, die durch die Aufeinanderfolge verschiedener, nach Westen und Süden vorstoßender Gruppen geprägt war. Einzelne Gräber dieser Zeitphase, wohl die der ehemaligen Führungsschichten, waren reich an Gold und Edelsteinen, wie u. a. das Beispiel des Grabes von Regöly zeigt. Diese Bestattung einer Frau aus dem 5. Jahrhundert wurde 1967 entdeckt und seither in mehreren internationalen Ausstellungen gezeigt. Die Schmuckstücke des Grabes dürten an der Wende vom 4. zum 5. Jahrhundert in einer Werkstatt im Pontus-Gebiet hergestellt worden sein und verdeutlichen die weitreichenden Verbindungen, die diese frühen Eliten an der mittleren Donau unterhielten. ... Das Fundmaterial deutet zudem auf eine Vielfalt an kulturellen Beziehungen der hier ansässigen völkerwanderungszeitlichen gentes, Alanen, Hunnen, Ostgoten und Langobarden hin. … Ich möchte allen Kolleginnen und Kollegen für die kompetenten Vorträge und für die intensive Diskussion danken.“

Ján Rajtár, „Das Gold bei den Quaden“

Einleitung: „Die Quaden gehörten zu den bedeutendsten germanischen Stämmen, die in der Kaiserzeit im Mitteldonaugebiet in enger Nachbarschat zum Römischen Imperium siedelten. Sie waren ständig dem starken machtpolitischen wie auch kulturellen Einluss Roms ausgesetzt. Das wirkte sich nicht nur auf die inneren Verhältnisse und die sozialen Strukturen, sondern teilweise auch auf die wirtschatliche Entwicklung der Quaden aus. Ihre Geschichte, besonders unter dem Aspekt ihrer Beziehungen zum Römischen Reich, sowie die Ausdehnung ihrer Siedlungsgebiete vom 1. bis 4. Jahrhundert sollen im Folgenden kurz zusammengefasst werden. Nach den antiken Schriftquellen kann man mit der Ansiedlung von Quaden nördlich der mittleren Donau kurz nach dem Anfang des 1. Jahrhunderts n.0 rechnen. Als Beleg dafür gilt die Erwähnung bei Tacitus, dass die Barbaren, welche die beiden gestürzten Markomannenanführer Marbod und Catualda begleiteten, jenseits der Donau zwischen den Flüssen Marus und Cusus angesiedelt wurden. Als König wurde ihnen Vannius aus dem Stamme der Quaden der Hermunduren mit ihrem König Vibilius, der Lugier und anderer Stämme. Nach seinem Sturz teilten sich Vangio und Sido, die den Römern dann besonders treu waren, das Reich.

Die Loyalität und Bündnistreue der Nachfolger des Vannius gegenüber den Römern betont Tacitus auch an anderen Stellen im Zusammenhang mit den Wirren um den Kaiserthron nach dem Tod Neros. Als Verbündete kämpten Sido und Italicus mit ihren Kriegergefolgschaften an der Seite des Vespasian im Jahre 69 in der Schlacht bei Cremona. Aus den antiken Überlieferungen geht also hervor, dass bei den Quaden bereits zur Zeit ihrer Ankunt an der mittleren Donau eine eigene Dynastie herrschte. Ihre Könige waren zwar von Rom abhängig und verdankten ihre Macht sogar römischem Einluss, doch wurden sie im Gegenzug von den Römern, wenngleich selten militärisch, so doch des Öfteren mit Geld unterstützt. Diese loyale Abhängigkeit brachtden quadischen Anführern also auch Vorteile in Form von Geschenken, Sold und Bestechungsgeldern, die ihre Position und ihr Prestige innerhalb des Gefolgschatssystems stärkten. Nach den archäologischen Quellen, vor allem aufgrund der reichen Grabfunde, kann man als das Kerngebiet des Vannius-Reiches – und nach der Mitte des 1. Jahrhunderts n.0 auch als das Stammesgebiet der Quaden – den Raum an der unteren March und östlich der Kleinen Karpaten identiizieren. Im Verlauf des 1. nachchristlichen Jahrhunderts, besonders jedoch im 2. und 3. Jahrhundert, dehnte sich das quadische Siedlungsgebiet schrittweise auf weitere Bereiche der Südwestslowakei aus, auf die Donauebene, das mittlere Waag-, Neutra-, Grantal, das untere Eipeltal und von dort weiter entlang der Donau bis in das Gebiet südlich des Cserhát-Gebirges in Ungarn. Im Westen, an der March, kann man nach archäologischen Quellen das Stammesgebiet der Quaden von dem der benachbarten Markomannen nicht genauer trennen, weil die materielle Kultur der beiden verwandten Stämme identisch ist. Es wird jedoch angenommen, dass die Markomannen westlich der March im heutigen Niederösterreich und in Südmähren siedelten.

In den bis dahin friedlichen Beziehungen zwischen den Quaden und Römern kam es zu einer ersten Störung unter Domitian. Ähnlich wie die Markomannen verweigerten sie ihm nämlich die Unterstützung im Krieg gegen die Daker. Wie es scheint, endeten die mehrjährigen Feindseligkeiten erst unter Nerva mit einem Sieg der Römer, und die Abhängigkeit der Quaden wurde wiederhergestellt. Die Unterordnung der quadischen Könige als Vasallen unter Antoninus Pius ist durch die Münzen mit der Inschrit REX QUADIS DATUS belegt, doch wurde sie später zur Zeit Mark Aurels durch die Markomannenkriege unterbrochen. Am Beginn des Konflikts fielen die Quaden zusammen mit den Markomannen via Pannonien nach Oberitalien ein, wo sie Aquileia belagerten und Opitergium zerstörten. Während der daraufolgenden offensiven Kriegsoperationen drangen die römischen Heeresabteilungen mehrmals tief in das quadische Gebiet vor. An einem dieser Feldzüge beteiligte sich der Kaiser Mark Aurel persönlich, worauf die Schlussbemerkung „im Quadenland am Gran“ am Ende des ersten Buches seiner Selbstbetrachtungen hinweist. Zum Abschluss der langjährigen Kriege ließ Mark Aurel die Gebiete der Quaden und Markomannen mit starken Truppen (je 20 000 Mann im Gebiet beider Stämme) besetzen, doch nach seinem Tod schloss Commodus mit den Quaden und Markomannen Frieden, und die römischen Truppen zogen sich an die Donaugrenze zurück.

Nach den Markomannenkriegen ordneten sich die Quaden wieder der römischen Macht unter. Im 3. Jahrhundert änderte sich jedoch mit der immer tiefer werdenden Krise des Imperiums auch die machtpolitische Situation im Mitteldonauraum. Um die Mitte des 3. Jahrhunderts wurde die Vasallenabhängigkeit der Quaden gebrochen, und die Römer mussten immer öfter ihren Einfällen und Raubzügen widerstehen. In der ersten Hälte des 4. Jahrhunderts konsolidierten sich die römisch-quadischen Verhältnisse dann wieder, und die ursprüngliche quadische Abhängigkeit wandelte sich zu einem nicht klar umreissbaren Föderaten-Verhältnis zu Rom. Doch nach der Mitte des 4. Jahrhunderts mussten die Römer wiederum den quadischen Angrifen standhalten und konnten nur vereinzelt mit einer efektiven Gegenofensive reagieren, wie etwa unter Constantius II. und zuletzt unter Valentinian I. Gegen Ende der römischen Kaiserzeit lässt sich ein Rückgang in der langzeitigen quadischen Siedlungsaktivität beobachten. Vor allem am Beginn der Völkerwanderungszeit kam es auch hier zu so bedeutenden ethnisch-kulturellen Veränderungen, dass man die Funde aus diesem Zeitabschnitt nicht mehr mit Sicherheit den Quaden zuordnen kann.

Der Hauptteil der Quaden gab schließlich am Anfang des 5. Jahrhunderts die Wohngebiete an der mittleren Donau auf, schloss sich den Vandalen und anderen gentes an und wanderte durch die westlichen Provinzen bis nach Hispanien. Die Goldfunde im quadischen Siedlungsgebiet Im Folgenden werden die gesamten erreichbaren Funde von Goldgegenständen und ergänzend auch einige vergoldete Objekte behandelt, die bis heute im quadischen Siedlungsgebiet zutage gekommen sind. Es wird dabei versucht, die einzelnen Objekte, je nach Fundumständen, Parallelen und möglicher Herkunt, zeitlich einzuordnen und im historischen Kontext zu interpretieren sowie die Rolle zu bewerten, die sie im quadischen Milieu gespielt haben könnten. Auf dem Gebiet der Slowakei gibt es in mehreren Regionen reiche Vorkommen von Naturgold. Neben den schwer erreichbaren primären Vorkommen in den Gebirgen der mittleren Slowakei, wo Gold in größerem Ausmaß erst seit dem Mittelalter gewonnen wurde, nutzte man vor allem die goldführenden Ablagerungen von Bä- chen und Flüssen. Solche Sedimente sind zwar auch im quadischen Siedlungsgebiet mehrmals nachgewiesen, vor allem in den Kleinen Karpaten und am Oberlauf der Flüsse Žitava und Neutra, für ihre Nutzung zur Goldgewinnung durch die Quaden gibt es jedoch keinerlei Hinweise. Es ist deshalb ofensichtlich, dass das Gold, ähnlich wie Silber und sonstige Buntmetalle, auf verschiedene Weise vor allem aus dem Römischen Reich zu den Quaden gelangte. Darauf deuten die Erwähnungen in den antiken Schritquellen hin, und auch die archäologischen Funde belegen dies. Römische Goldmünzen Eine der Formen, in denen das Gold aus dem Römischen Reich die Quaden erreichen konnte, waren Goldmünzen. Die frühkaiserzeitlichen Aurei wurden ebenso wie die späteren Goldprägungen in den römischen Provinzen nicht im gewöhnlichen Geldumlauf verwendet, sie wurden vielmehr vor allem für den Sold des Militärs, besonders der hohen Oiziere, und zur Finanzierung größerer Ausgaben geprägt. Da sie in den Provinzen kaum als Zahlungsmittel benutzt wurden, konnten sie auch bei den Handelskontakten mit den Germanen keine Rolle spielen. Unter diesem Aspekt muss man auch die Funde römischer Goldmünzen im mitteldonauländischen Barbarikum betrachten und bewerten. Zu den ältesten Goldprägungen, die bisher im quadischen Siedlungsgebiet gefunden wurden, gehören die Aurei von Kaiser Nero. Ein ältereFund stammt aus Kamenín im unteren Grantal (Abb. 1,10), zwei weitere wurden noch vor 1911 in Trenčín im mittleren Waagtal gefunden (Abb. 1,17). Drei Goldmünzen des Nero und ein Aureus, geprägt von Vespasian für Domitian im Jahre 73 n. Chr., stammen aus dem Bereich des römischen Kastells in Iža (Abb. 1,9), aber sie hängen ofenbar mit dem dauerhaten Aufenthalt einer römischen Militärtruppe in späterer Zeit zusammen. Neuerdings wurde bei der Grabung des villenartigen Baukomplexes in Stupava im Bereich des Hauptgebäudes ein Aureus des Vespasians aus dem Jahre 69 n.0 entdeckt (Abb. 1,16).

Wenn die Zusammenstellung dieser Goldprägungen um die Funde aus den benachbarten Gebieten ergänzt wird, dann zeigt sich eine bemerkenswert große Zahl Aurei des Nero in Mähren (neun Stück, davon acht lokalisierte Funde) sowie seiner Nachfolger Vitellius, Vespasian und Titus in Niederösterreich (sieben Stück aus fünf Fundstellen). Auf diese Tatsache hat bereits Jiří Sejbal hingewiesen, der die Funde aus Mähren und der Südwestslowakei in Verbindung mit den ausgewählten quadischen Abteilungen brachte, die sich unter den Anführern Sido und Italicus an der Seite Vespasians an den Kämpfen gegen Vitellius beteiligt hatten.

Obwohl es sich bei diesen Goldmünzen in der Mehrzahl um ältere Einzelfunde handelt, die auch eine breite geographische Streuung zeigen, und obwohl einige davon offenbar erst in späterer Zeit hierher gelangten (so die Funde aus Iža und Mušov, wohl auch aus Stupava und evtl. aus Trenčín), ist ihr Vorkommen doch aufällig hoch. Es ist deshalb sehr wahrscheinlich, dass zumindest einige von ihnen doch einen Anteil an der Beute oder die Entlohnung für militärische Leistungen darstellen oder als Geschenke bei diplomatischenKontakten und Bündnisverträgen von seiten Roms an germanische Anführer übergeben wurden, so dass sie also kurz nach den Ereignissen des Jahres 69 n.0 in das Gebiet nördlich der Donau mitgebracht wurden. Eine Geldfunktion dieser Aurei kann man ausschließen, sie konnten aber als wertvolle Edelmetallstücke an Gefolgschatsmitglieder oder Verbündete weiterverschenkt und auch längere Zeit aubewahrt bzw. thesauriert werden.

Mit den erwähnten Ereignissen und dem daraus folgenden Verhältnis der Quaden zu Rom kann man ebenso das ganz außergewöhnliche Vorkommen der oberitalischen grünglasierten Keramik wie auch den Zustrom anderer römischer Luxusgüter in Zusammenhang bringen, die in den quadischen Nekropolen wie Abrahám, Kostolná pri Dunaji, Sládkovičovo und besonders in den ältesten Fürstengräbern von Zohor und Vysoká pri Morave zahlreich vertreten sind. Im quadischen Siedlungsgebiet fehlen dann zeitlich direkt anschließende wie auch jüngere Goldprägungen. Eine Ausnahme ist nur der Einzelfund eines Aureus des Trajan aus dem Jahre 111 n.0, der zufällig auf einem Feld in Nesvady am Unterlauf der Neutra gefunden wurde (Abb. 1,12). Nach einer Information aus den Jahren 1904 oder 1905 wurde beim Plügen auf einem Acker in Drženice östlich des unteren Grantales (Abb. 1,6) ein Hortfund mit 236 nicht näher bestimmten Gold- und Silbermünzen aus der Regierungszeit Mark Aurels entdeckt. Dieser und zwei weitere quadische Denarhortfunde von Podhájska und Vyškovce nad Ipľom, die ebenfalls in etwa mit Prägungen Mark Aurels schließen, lassen sich sehr wahrscheinlich mit Ereignissen in der Zeit der Markomannenkriege in Verbindung bringen, in deren Verlauf sie wohl vergraben wurden. Man kann jedoch nicht ganz ausschließen, dass sie erst etwas später in der Regierungszeit des Commodus zu den Quaden gelangten und einen Teil seiner Friedenszahlungen darstellten, über die Herodianos berichtet, worauf sie dann aus unbekannten Gründen versteckt wurden. Goldprägungen aus dem 3. Jahrhundert n.0 fehlen im quadischen Gebiet wie auch in benachbarten Regionen gänzlich. Aus dem 4. Jahrhundert ist lediglich eine nicht näher bestimmbare Goldmünze des Constantinus I. aus Ostratice am Oberlauf der Neutra (Abb. 1,14) und eine weitere des Constantius II. von einer unbekannten Fundstelle belegt. Sie konnten vielleicht an die romfreundlichen Anführer bei diplomatischen Verhandlungen in der Zeit des friedlichen Zusammenlebens verschenkt worden sein oder ganz im Gegenteil mit den quadischen Einfällen in die römischen Provinzen nach der Mitte des 4. Jahrhunderts in Verbindung stehen. Man kann ebenso nicht ganz ausschließen, dass sie erst später mit den Goldmünzen, die nach 375 geprägt wurden, hierher gelangten und daher mit der daraufolgenden Entwicklung zusammenhängen. Die Anzahl römischer Goldmünzen aus dem quadischen Siedlungsgebiet ist insgesamt gering. Es wird dennoch evident, dass es sich dabei nur um einen Bruchteil der Gesamtmenge handelt, die während der römischen Kaiserzeit in diesen Raum gelangte. Goldmünzen wurden eingeschmolzen und bei der Herstellung von Schmuck und als Dekor an den verschiedensten Objekten verwendet. Gleichermaßen ist es naheliegend, dass sie an die Häuptlinge befreundeter und verbündeter Stämme verschenkt werden und auf diese Weise in andere Regionen geraten konnten. Andererseits ist auch der Forschungstand zu berücksichtigen, vor allem aber ist mit der Ver- heimlichung von Informationen über Goldfunde zu rechnen, worauf mehrere Beispiele aus der Vergangenheit wie auch aus jüngster Zeit hinweisen. Aus diesen Überlegungen geht hervor, dass rö- mische Goldmünzen wohl eher als Geschenke bei diplomatischen Verhandlungen und Bündnisverträgen oder als Entlohnung für verschiedene Dienstleistungen zu den Quaden gelangten, nicht so sehr als Teil der Beute von Raubzügen und Einfällen. Aus solchen Feindseligkeiten könnten allerdings die Goldprägungen des Mark Aurel und die des 4. Jahrhunderts stammen. In diesen späten Zeitabschnitten kann man das Aukommen von Goldmünzen bei den Quaden durchaus mit Subsidien und friedenssichernden Tributen oder als Lösegeld für Gefangene erklären


Der goldene Armring von Zohor (Abb. oben)

 

Zu den ältesten und zugleich auch bedeutendsten Goldgegenständen aus dem quadischen Gebiet gehört ein massiver Goldarmring, der aus Grab 5 von Zohor stammt. Auf einer sanften Anhöhe in Zohor, am linken Ufer der March und nur etwa 15 km nördlich der Donau gelegen (Abb. 1,18), wurden in den Jahren 1949, 1956 und 1957 beim Kiesabbau insgesamt fünf germanische Körperbestattungen entdeckt. Sie wurden von drei verschiedenen Autoren veröfentlicht: Grab 1 publizierte Vojtech Ondrouch, Grab 4 Titus Kolník 41 und die Gräber 2, 3 und 5 Ľudmila Kraskovská. Die drei am reichsten ausgestatteten Gräber 3, 4 und 5 könnte man auch als Fürstengräber aus zwei Generationen einer „Dynastie“ bezeichnen. Das Grab 5 wurde im Jahr 1957 zufällig entdeckt und von den Arbeitern unsachgemäß ausgegraben. Im Slowakischen Nationalmuseum Bratislava haben sie danach folgende Gegenstände abgegeben: einen Goldarmring, zwei silbernen Trompetenibeln, zwei Silberbecher, sechs Bronzegefäße und eine Bronzeschere.

Die Skelettreste wurden nicht geborgen und sind daher verloren, von einer Holzkonstruktion oder einem Sarg haben sich nur einige Splitter Eichenholz erhalten. Das Grab war angeblich westöstlich orientiert und erreichte eine Tiefe von etwa 200 cm. Den Goldarmring hat Ľudmila Kraskovská zwar ausführlich beschrieben und auch zwei Fotos darüber veröfentlicht, doch bei näherer Überprüfung kann man noch weitere interessante Details beobachten, die auf Verzierungs- und Herstellungsverfahren hinweisen. Der Körper des Armrings ist aus einem eineinhalbfach spiralig gewundenen glatten Rundstab gefertigt. Dessen mit doppelten Querrillen abgegrenzte Endpartien sind in eine annähernd vierkantige Form gehämmert. Die beiden oberen (äußeren) Kanten sind durch zwei Reihen von dicht nebeneinander gepunzten Grübchen verziert, die einen Filigrandraht nachahmen sollen. Die drei Schauflächen dieser Endpartien selbst sind mit je einer Reihe von Doppelkreispunzen verziert. Ihre Zahl ist nicht auf allen Seiten gleich, oben sind es je 14, auf den Außenseiten je 15, auf einer Innenseite 16, auf der anderen 17. Nur auf den oberen Seiten sind diese gepunzten Reihen an beiden Enden noch um dreieckig zusammengestellte kurze, teilweise keilförmige Kerben und eine einfache Kreispunze bzw. Kreisaugenpunze ergänzt (Abb. 3,a-b, f-g). Die Innenseite ist glatt. An den Enden der Spirale sind separat gefertigte, plastisch modellierte stilisierte Tierköpfe angelötet. Ihre Unterseiten sind jeweils nicht ganz lach, sondern in der Mittelpartie etwas herausragend, an den wenig vorstehenden Rändern wieder absinkend; an den unteren Enden sind noch deutlich bogenförmige lache Rillen zu beobachten (Abb. 3,d-e). Das deutet darauf hin, dass sie gegossen wurden. Die Verbindungsstellen sind durch ebenfalls separat gefertigte, herumgebogene und angelötete proilierte Querstege verdeckt und die Endglieder somit markant vom stabförmigen Körper abgesetzt. Die Enden des Körpers sind stulpenartig ausgehämmert und an die Verbindungsstellen angepasst. Die Querstege sind oben zusätzlich mit aufgelegtem und angelötetem Perldraht verziert (Abb. 3,a-b). Auf den vasenförmigen Oberteilen der Tierköpfe markieren zwei Doppelkreispunzen die Augen, umrahmt durch eingravierte bogenförmige Doppelrillen. In der Mitte auf der Stirn ist noch je ein gleicher Doppelkreis gepunzt. An den maulförmigen, durch eine tiefe Rille abgesetzten und gewölbten Endgliedern sind die Nüstern mit Kreisaugenpunzen angedeutet. Unten beindet sich je eine Punze gleicher Art. Oben in der Mitte der beiden Endglieder sind jeweils die ziemlich abgewetzten Spuren einer einfachen Kreispunze erkennbar. Die halbkugelig gewölbten Teile sind mit stark und dicht gerippten Spuldrähten bogenförmig umrahmt, ihre Außenränder sind noch durch abgerundete Bortenleisten mit schrägen Kerben verstärkt (Abb. 3,a-c). Es ist noch anzumerken, dass an einigen Stellen fehlerhat eingeschlagene Punzen oder ungenau eingeritzte Rillen zu beobachten sind (Abb. 3,a-b, i) sowie auch eine Punzprobe und Kerbstiche auf der sonst glatten Innenseite, was interessante Hinweise auf das Verfahren des Goldschmiedes liefert (Abb. 3,h).

Ľudmila Kraskovská bewertete den Goldarmring von Zohor aufgrund der damals bekannten Parallelen und hat ihn vor allem mit den Stücken aus Villerup und Vittskövle in Dänemark verglichen, die sie aus der Veröfentlichung der Funde von Dollerup kannte. Sie sah zwischen ihnen nur geringe Abweichungen und betrachtete die drei goldenen Armringe als eine Schmuckgruppe. Beim Vergleich mit den Schlangenkopfarmringen, die aus Deutschland und Polen bekannt sind, fand sie gewisse Übereinstimmungen, besonders mit dem älteren Typ I nach der Gliederung von Erich Blume. Bei den sonstigen Typen bemerkte sie größere Unterschiede bereits in der Gesamtform. Im Einklang mit der Ansicht von Olfert Voss, der die Vorbilder für solche stilisierte Tierköpfe an den Gürtelbeschlägen aus Noricum sah, suchte Ľudmila Kraskovská die Herkunt des Armrings von Zohor ebenso in dieser Provinz. Den Goldarmring aus Wulzeshofen in Niederösterreich, der aus einem Fundkomplex des 2. Jahrhunderts n.0 stammte, betrachtete sie als jünger. Den Armring von Zohor datierte sie in die Stufe B2, also an die Wende vom 1. zum 2. Jahrhundert n.0. Nach ihrer Ansicht stellte er eines der ältesten Exemplare dar, das als Grundlage für die Entwicklung weiterer Formen diente. Eine sehr interessante Interpretation des Goldarmrings von Zohor hat Joachim Werner in seiner Studie über den goldenen Armring des Frankenkönigs Childerich vorgelegt. Nach der ausführlichen Behandlung und Bewertung aller relevanten Funde in ihrem Kontext sowie einem Vergleich der historischen Zusammenhänge kam er zu dem Schluss, dass der Goldarmring aus Zohor eine römische Auszeichnung und Eh- rengabe an einen quadischen princeps für seine Dienstleistungen darstellen könnte. Das Grab 5 von Zohor hielt er für ein Männergrab. Das Gewicht des Armrings entspricht mit 304,7 g ziemlich genau 40 Aurei zu je 7,6 g. Er ging davon aus, dass der Ring auf römischem Boden im norisch-pannonischen Bereich als militärische Auszeichnungsstufe „armilla“ der römischen dona militaria hergestellt wurde, wie sie auf Soldatengrabsteinen dargestellt sind. Im Zusammenhang mit dem Ursprung der stilisierten Tierkopfenden wies Joachim Werner auf die ähnlich gestalteten und verzierten Abschlüsse an den sogenannten Entenbügeln der Gürtelgarnituren in der norisch-pannonischen Frauentracht hin, die von Joachim Garbsch bearbeitet wurden, sowie auf die massiv gegossenen Armringpaare mit Tierkopfenden der frühkaiserzeitlichen Körpergräber im bayerischen Alpenvorland. Sie könnten ebenfalls unter diesem Einluss entstanden sein und eine speziische Regionalgruppe bilden. Die verwandten skandinavischen Goldarmringe aus Villerup und Vittskövle in Dänemark und Väne-Åsaka 58 (bei Werner noch unter Storegården geführt) im schwedischen Västergötland, die ein Gewicht von 200 g erheblich übertreffen, wurden nach Werner ohne Zweifel von Männern getragen und konnten ihre Funktion als Auszeichnung in einem kriegerischen Milieu behalten, wurden aber von den principes, den politischen und militärischen Führern, an die Krieger ihrer eigenen Gemeinschat übergeben. Als sich Jarosław Strobin mit bestimmten Metallobjekten in der Wiełbark-Kultur befasste, widmete er sich auch der Herstellungstechnik der Schlangenkopfarmringe. Nach seinen Beobachtungen, Analysen und Erfahrungen wurden alle diese Schlangenkopfarmringe, einschließlich der plastisch modellierten Kopfenden, mithilfe eines Ambossgesenkes geschmiedet. […]

Zusammenfassung:

Die Zahl der Goldfunde aus dem quadischen Siedlungsgebiet ist nicht besonders groß. Es ist jedoch offensichtlich, dass es sich dabei nur um einen kleinen Teil der gesamten Menge an Gold handeln kann, die in dieser Gegend während der römischen Kaiserzeit im Umlauf war. Das mag einerseits durch den Forschungsstand, andererseits durch die Verheimlichung von Goldfunden bedingt sein. Ebenfalls erkennbar ist, dass das Gold vor allem aus dem römischen Reich in verschiedener Form zu den Quaden gelangte. Wahrscheinlich handelte sich dabei eher um diverse Geschenke im Zusammenhang mit diplomatischen Verhandlungen und beim Abschluss von Bündnisverträgen oder um Entlohnungen für militärische Dienste als um Handelsgewinn oder Beute. Auf solche Verhältnisse im 1. Jahrhundert n.0 weisen besonders die Funde von Aurei des Kaisers Nero und seiner direkten Nachfolger hin. Zu den ganz seltenen Goldgegenständen aus diesem Zeitabschnitt gehört der Armring von Zohor. Er wurde wahrscheinlich für den romfreundlichen Anführer einer quadischen Führungsdynastie als wertvolles Schmuckstück und zugleich als Symbol seines hohen Ranges verfertigt, wahrscheinlich aus wie auch immer erworbenen römischen Goldmünzen, und wohl erst seinem Nachfolger als Erbstück ins Grab gelegt. Ein weiteres Goldobjekt, der Halsring von Hurbanovo, wurde einer Frau anscheinend sarmatischer Abstammung ins Grab beigegeben. Diese bisher ganz vereinzelte Frauenbestattung hohen Ranges im quadischen Gebiet kann als Indiz für die engen Kontakte mit dem traditionell verbündeten Nachbarstamm gelten. Die goldenen und vergoldeten Schmuck- und Trachtbestandteile aus dem letzten Drittel des. 2. Jahrhunderts hängen mit dem Eindringen von Völkergruppen aus den nördlichen Gebieten der Przeworsk-Kultur in der Zeit der Markomannenkriege zusammen. In Verbindung mit diesen Ereignis- sen ist wahrscheinlich auch der Hortfund von Gold- und Silbermünzen aus Drženice wie auch der Goldüberzug einer römischen Phalera aus Bíňa zu sehen. Die goldenen römischen Siegelringe aus dem 3. Jahrhundert von Zohor und Cífer-Pác wurden wohl von ihren Besitzern als Statussymbol getragen und deuten ein gehobenes Akkulturationsniveau einiger Mitglieder der quadischen Elitean. Die Herausbildung einer hochrangigen Adelsdynastie bei den Quaden im mittleren Waagtal im 3. Jahrhundert beweisen die ganz außergewöhnlichen Gräber von Stráže. Als Kennzeichen des Reichtums und des besonderen sozialen Status dienten dieser Oberschicht neben zahlreichen Luxusgütern auch prunkvolle goldene und vergoldete Schmuckstücke, wie etwa die Fibeln aus den Fürstengräbern von Stráže und der Goldarmring aus Beckov. Die Quaden waren während der ganzen römischen Kaiserzeit einem ständigen starken machtpolitischen und kulturellen Einluss von Seiten des Römischen Reiches ausgesetzt. Den daraus resultierenden Akkulturationsprozess relektiert bei ihnen neben anderen Phänomenen auch der symbolhate Gebrauch von Goldobjekten. (Im gesamten Text sind keine Änderungen vorgenommen worden, außer dem Austausch von „v./n. Chr.“ in „v./n. 0“)