06.12.2025
Vergoldete Lanzenblätter, 900 v.0
EISENHERSTELLUNG IN NORDGERMANIEN
Neben die Produktion und Verarbeitung von Bronze trat gegen Ende des 9. Jahrhunderts v.0 der neue Werkstoff Eisen, der namengebend für das folgende urgeschichtliche „Zeitalter der Eisenzeit“ wurde. Diese Epoche wird in zwei Abschnitte unterteilt: Die ältere Eisenzeit dauerte von ca. 800 bis 400 v.0 und wird nach dem bedeutendsten mitteleuropäischen Fundort aus dieser Zeit als keltische „Hallstattkultur“ bezeichnet. Die jüngere Eisenzeit dauerte von ca. 400 v.0 bis zum chrstlichen Jahre Null, also dem Beginn der abendländischen Zeitrechnung. Letztere wird als „keltische Eisenzeit“ oder – ebenfalls nach einem Hauptfundort – als „Latènezeit“ bezeichnet. Das Gebiet des heutigen Mittelburgenlandes – damals Teil des keltischen Königreiches Noricum – wurde in dieser Epoche zu einem bedeutenden Zentrum der Eisengewinnung und -verarbeitung (norisches Eisen). Für den Handel mit Roheisen und Eisenprodukten hatte die uralte Straßenverbindung, die später von den Römern zur „Bernsteinstraße“ (in die deutsche Nordseebucht, mit Helgoland) ausgebaut wurde, eine zentrale Bedeutung.
Jetzt hat ein Forschungsteam aus Dänemark bei Ausgrabungen vergoldete eiserne Lanzen freigelegt, die ca. 2800 Jahre alt sind, also der frühesten Eisenzet Europas angehören. Waffen aus dieser Epoche gelten in Nordeuropa als einzigartig. Wie das Museum Vestsjælland berichtet, wurden bei Ausgrabungen im Sommer 2025 in der Nähe des dänischen Dorfes Boeslunde zwei eiserne Lanzen mit Goldverzierungen sowie ein weiteres Eisenobjekt entdeckt. Bei dem archäologischen Fund handelt es sich um seltene Artefakte, die aus der Zeit um 900 bis 830 v.0 datiert werden. Das ergab eine AMS-Radiokohlenstoffdatierung (kurz für Accelerator Mass Spectrometry) des Birkenpechs. Dieses harzartige Naturprodukt wurde vermutlich entweder als Klebstoff oder als Siegelreste einer Scheide an der Spitze einer der Speere genutzt.
Die Lanzen sind, wie erwähnt, nicht nur im dänischen Kontext bemerkenswert. Tatsächlich sind sie in ganz Nordeuropa einzigartig, sagte die dänische Fachfrau Lone Claudi-Hansen: „Wir finden einfach keine Parallelen. Selbst in Griechenland oder Ländern Mitteleuropas finden wir keine eiserne Lanzen gleicher Größe und aus derselben Zeit. Diese sind auch nicht vergoldet, weshalb der Fund auch insofern einzigartig ist“. In den letzten Jahrzehnten wurden auf demselben Feld zehn sogenannte goldene Schwurringe und fast 2.200 goldene Spiralen gefunden. Doch es gab keine Erklärung dafür, warum sich dort so viele Goldornamente befanden. Lone Claudi-Hansen und ihre Kollegen haben jedoch eine Antwort gefunden: „Für mich ist es ebenso wichtig, dass wir die Überreste einer heiligen Quelle aus der Bronzezeit entdeckt haben. Das bedeutet, dass wir die Goldfunde mit religiösen Opfergaben in Verbindung bringen und somit erklären können, warum sie immer wieder in diesem Gebiet auftauchen. Und dieser Teil des Fundes kann uns einen völlig einzigartigen Einblick in das Leben im alten Dänemark geben.“
Aufgrund dieser Erkenntnisse gehören die Waffen zu den ältesten Eisengegenständen Dänemarks, die noch aus der Bronzezeit stammen. „Sehr frühe Eisenfunde, die wir noch nie zuvor gesehen hatten.“ Durch Röntgenaufnahmen an einer der Lanzen wurden zudem mehrere kreisförmige Goldeinlagen entlang der Klinge nachgewiesen. Die erhaltene Länge beträgt 47 Zentimeter, Forschende schätzen jedoch, dass die Gesamtlänge ursprünglich etwa 60 cm betrug. Museumskuratorin und Archäologin Lone Claudi-Hansen vom Museum Vestsjælland bezeichnete die Entdeckung als „eine riesige Überraschung“ und erklärte, es handle sich „um sehr frühe Eisenfunde, die wir noch nie zuvor gesehen hatten“.
Bemerkenswert ist außerdem, dass die Objekte an diesem mysteriösen Ort einer heiligen Quelle entdeckt wurden, an dem bereits zuvor mehrere Goldfunde gemacht worden waren. Bei früheren Ausgrabungen in Boeslunde kamen dadurch unter anderem sechs goldene Schalen sowie zahlreiche Schmuckstücke und weitere Waffen aus dem gleichen Zeitraum ans Licht. Aufgrund dieser Nachweise gehen die Archäologen davon aus, dass es sich bei der antiken Stätte um ein religiöses oder wirtschaftliches Zentrum der späten Bronzezeit handelt.
Die wertvollen Artefakte wurden offenbar als Opfergaben im Rahmen von Ritualen mit Quellwasser deponiert. Wichtige Hinweise darauf liefert auch die Entdeckung eines Kochgrubenfeldes bei der Quelle, das möglicherweise als zentraler Versammlungsort genutzt wurde. Die Eisenlanzen sind zudem besonders selten, da vergleichbare Waffen mit Goldverzierungen aus dieser Zeit in Nordeuropa eher wenig verbreitet waren. Der archäologische Fund liefert, wie manche Wissenschafter meinen, neue Einblicke in die frühe Verbreitung von Eisentechnologien und lässt die Forschenden darauf schließen, wie wertvolle Metalle über weite Handelsnetzwerke weitergegeben wurden.
Oder sind es original dänische Erzeugnisse aus der Produktion Nordgermaniens ? Es ist seit vielen Jahren üblich geworden, fast jeden erstaunlichen und Aufsehen erregenden Fund in der weiten Germania als einen Import aus den südlichen und östlichen Mittelmeeranrainern anzunehmen. So war es auch nach dem Auffinden der Himmelsscheibe vom Mittelberg bei Wangen/Nebra an der Unstrut. Dieser törichte Reflex stammt aus dem Herkommen der Panbabylonisten bzw. christlich-abendländischen Enthusiasten, mit ihrem Standartgrundsatz: „Ex Oriente Lux !“ Wir müssen uns aber daran gewöhnen, dass es im Norden Europas schon in frühesten Zeiten Menschen gab, die Vordenker in vielen Wissenschaften waren und Meilensteine des Fortschrittes und der Wissenschaft setzten, mag das dem Christenkirchen-Klüngel passen oder nicht !