01.08.2026
Franz von Werra >> https://www.youtube.com/shorts/OLnsA8SxaTI

Ein Mann aus Stahl und Samt und Seide. - Franz v. Werra mit seinen Löwen-Maskottchen namens Simba.
Franz Xaver Baron von Werra (1914-1941) war ein deutscher Luftwaffenoffizier und Jagdflieger im WK II.. Bekanntheit erlangte er vor allem durch seine Flucht aus britischer Kriegsgefangenschaft, die nach dem Krieg in dem britischen Spielfilm Einer kam durch mit Hardy Krüger in der Hauptrolle geschildert wurde.
Franz v. Werra wurde als siebtes von acht Kindern einer verarmten Deutsch-Schweizer Adelsfamilie im Kanton Wallis geboren. Sein Vater war der Notar Leo Baron von Werra und seine Mutter war Henriette, geborene von Wolff. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten wurden Franz (im Alter von 15 Monaten) und seine Schwester Emma-Charlotte zur Adoption freigegeben. Sie kamen in die kinderlose Familie des preußischen Majors Oswald Carl und dessen zum Katholizismus konvertierten jüd. Ehefrau Louisa Baronin von Haber nach Deutschland. Dort erlebte er seine Kindheit zunächst in der Villa Donaueck (heute Haus Maria Trost) in Beuron. Im Jahre 1925 siedelte die Familie nach Köln über. 1932 war auch diese Familie finanziell ruiniert; die Adoptiveltern trennten sich. Franz v. Werra versuchte, als blinder Passagier auf dem Frachtschiff Niederwald über Hamburg nach Amerika zu gelangen, wurde aber entdeckt. Als er erfuhr, dass er als Kleinkind adoptiert worden war, nahm er als 18-Jähriger seinen Geburtsnamen wieder an. Er verließ das Gymnasium und besuchte, nach verschiedenen Gelegenheitsarbeiten, im Sommer 1933 die Sportschule der SA in Hamm. 1934 wurde er zum SA-Führer ernannt und benötigte den Ariernachweis. Durch seine Recherchen (der Pfarrer von Sankt Stephan in Leuk stellte ihm schriftliche Ahnen-Nachweise aus) erfuhr Franz v. Werra erst Einzelheiten seiner rein deutschen Familie.
Mit Beginn des Aufbaus der Wehrmacht meldete er sich als Offizieranwärter zur Luftwaffe und wurde in der Fliegerschule bei Berlin ausgebildet. 1936 wurde er zum Leutnant befördert. Bei Kriegsbeginn war er bereits mit einer Staffel (I. Gruppe/JG 1) Messerschmitt Bf 109-Jäger in Polen im Einsatz. Im darauf folgenden Frankreichfeldzug in der II. Staffel des Jagdgeschwader 3 gelangen ihm seine ersten Luftsiege, indem er mit seiner Bf 109 zwei französische Bomber abschoss. Dafür erhielt er wenige Tage später das Eiserne Kreuz II. Klasse und im selben Jahr auch das der I. Klasse. Am 14.12.1940 wurde er mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Die Kriegsberichterstattung wurde auf ihn aufmerksam. Nach dem Frankreichfeldzug wurde er in den Stab der II. Gruppe/JG 53 berufen, am 01.08.1940 zum Oberleutnant befördert und Adjutant der II. Gruppe des Jagdgeschwaders 53. Am 05.09.1940 wurde Franz v. Werra während eines Einsatzes in der Luftschlacht um England nahe Winchet Hill südlich von London abgeschossen und kam nach der Notlandung in britische Kriegsgefangenschaft. Zu dieser Zeit hatte er bereits 13 bestätigte Luftsiege errungen.
Als Kriegsgefangener wurde Franz v. Werra nach London gebracht, dort zunächst verhört und wenige Wochen später in das Kriegsgefangenenlager Grizedale Hall im Lake District überführt. Dort unternahm er am 07.10.1940 einen ersten Fluchtversuch. Zu Fuß konnte er sich sieben Tage lang vor seinen Verfolgern verstecken, bis er gefasst wurde. Anschließend wurde er in das Lager Swanwick in Derbyshire verlegt, von wo er am 20.12.1940 einen zweiten Fluchtversuch unternahm. Verkleidet als niederländischer Pilot schaffte er es bis in die Kanzel eines bereitstehenden Kampfflugzeugs auf einem nahe gelegenen Flugplatz der Royal Air Force in Hucknall, wurde jedoch erneut gefasst.
Am 10.01.1941 verlegten die Briten einen Großteil ihrer Gefangenen mit der Duchess of York nach Kanada. Während eines Bahntransports in Kanada unternahm von Werra in der Nähe der Stadt Smiths Falls seinen dritten, diesmal erfolgreichen Fluchtversuch. Er konnte sich über den gefrorenen St.-Lorenz-Strom in die damals noch einigermaßen neutralen USA retten und gelangte auf einen abenteuerlichen Weg, über Südamerika, Afrika, Spanien und Italien, zurück nach Deutschland, das er im April 1941 erreichte. Anlässlich des Medienrummels um seine Person in Amerika ließ er sich - warum auch nicht ? - „Baron Franz von Werra“ nennen.

Ab Juni flog er wieder als Jagdflieger, diesmal zunächst im Russlandfeldzug. Nach der Hochzeit mit seiner Freundin Elfi Traut am 22.08.1941 wurde er zum Hauptmann befördert. Im Herbst 1941 wurde er Kommandeur der I. Gruppe des Jagdgeschwaders 53 (JG 53 „Pik As“) beim Küstenschutz in den Niederlanden, um britische Bomber zu bekämpfen. Am 25.10. versagte bei einem Aufklärungsflug bei Katwijk über der Nordsee der Motor seines Flugzeugs. Seine Maschine stürzte ins Wasser und versank sofort. Seine leibliche Familie, insbesondere seinen damals noch lebenden Vater Leo Baron von Werra, lernte er im Gegensatz zu seiner Schwester Emma nicht mehr kennen.