03.08.2026
Legendärer Luftheld >> https://www.youtube.com/shorts/ohJV4LvilRw

Der Ostpreuße, geboren in Königsberg, Gerhard Barkhor (1919-1983), war während des Zweiten Weltkrieges deutscher Offizier und Jagdflieger der Luftwaffe. Mit 301 bestätigten Abschüssen bei 1104 Feindflügen ist er der zweiterfolgreichste Jagdflieger der Militärluftfahrt. Bei der Luftwaffe der Bundeswehr erreichte er den Dienstgrad Generalmajor.
Gerhard Barkhorn wurde als Sohn des Königsberger Stadtbauinspektors für Tiefbautechnik, Wilhelm Barkhorn, geboren. Er hatte drei Geschwister, die Brüder Helmut und Dieter sowie Schwester Meta. Von 1925 bis 1929 besuchte er die Königberger Volksschule und wechselte im Anschluss an das humanistische Wilhelm-Gymnasium, wo er 1937 das Abitur ablegte. Vom 1. April bis 30. September 1937 leistete Barkhorn seinen Reichsarbeitsdienst in Mehlkehmen ab.
Barkhorn meldete sich freiwillig zur Luftwaffe und trat am 01.11.1937 als Fahnenjunker in die Luftkriegsschule 1 in Dresden-Klotzsche ein. Anschließend begann am 01.09.1939 die Ausbildung zum Jagdflieger an der Jagdfliegerschule Schleißheim und bis Anfang 1940 bei der Jagdergänzungsgruppe Merseburg. Zu seinen Lehrmeistern gehörten die Piloten Heinz Schmidt (1920-1943) und Waldemar Smelka (1920-1942) sowie Franz Stigler, der Barkhorns Fähigkeiten als Pilot als miserabel einschätzte. Nach seiner Ausbildung wurde er am 10.01.1940 zum Jagdgeschwader 2 abkommandiert. Dort nahm er als Jagdflieger im WK II. zunächst an Einsätzen gegen Großbritannien teil. In dieser Zeit hatte er keinen einzigen Abschuss, wurde aber zweimal von britischen Piloten getroffen.
Barkhorn wurde einmal über dem Ärmelkanal abgeschossen, konnte sich aber mit dem Fallschirm retten. Im März 1940 wurde er kurz in die Heimat zurückbeordert, da sein Bruder Helmut kurz zuvor als Soldat am Westwall getötet worden war. Er war mit seinem Fahrzeug auf eine Mine gefahren.

Von links: Heinrich Sturm, Gerhard Barkhorn, Wilhelm Bartz, Otto Fönnekold.
Als Oberleutnant wurde Gerhard im August 1940 zum Jagdgeschwader 52 versetzt, wo ihm dann am 02.07.1941 bei seinem 120. Feindflug der erste Abschuss gelang. 1942 wurde er Staffelkapitän. Am 23.08.1942 wurde Barkhorn nach dem 59. Abschuss das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Am 11.01.1943 bekam er für seinen 120. Abschuss zum Ritterkreuz das Eichenlaub verliehen. Im selben Jahr wurde er auch Gruppenkommandeur. Am 04.08.1943 fiel auch sein letzter verbliebender Bruder Dieter, der ebenfalls Jagdflieger war, als Angehöriger des Jagdgeschwaders 2 bei einem Einsatz an der Westfront. Als Hauptmann erzielte Gerhard am 13.02.1944 den 250. Abschuss. Daraufhin verlieh ihm der Führer Hitler am 02.03.1944 die Schwerter zum Ritterkreuz. Im Sommer 1944 wurde er bei einem Angriff auf einen Verband russischer Bomber von einer sowjetischen Maschine abgeschossen und lag schwer verwundet vier Monate im Lazarett.
Im Januar 1945 übernahm er kurz die Führung über das Jagdgeschwader 6 „Horst Wessel“, bevor er zu dem von Adolf Galland geführten Jagdverband 44 stieß. Dort flog er bis Kriegsende die Messerschmitt Me 262. Am 21.04. fiel bei einem Einsatz eines der Triebwerke aus und er musste zum Stützpunkt zurückkehren. Beim Landeanflug wurde er von mehreren amerikanischen Jägern attackiert, konnte zwar landen, aber nur unter MG-Beschuss seine Kanzel verlassen. Leicht verwundet entkam er der feindlichen Mordattacke. Gerhard Barkhorn erzielte von 1940 bis 1945 auf 1104 Feindflügen insgesamt 301 Abschüsse. Damit ist er nach Erich Hartmann der Pilot mit den meisten Luftsiegen. Er selbst wurde während des Krieges achtmal abgeschossen. Barkhorns Vater wurde 1944 im Zuge der Schlacht um Königsberg zum Volkssturm einberufen und gilt seit dem Frühjahr 1945 als vermisst.
Im Mai 1945 geriet Gerhard Barkhorn in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er im September 1945 entlassen wurde. Im Anschluss an die Gefangenschaft arbeitete er zunächst bis 1949 als Hilfsarbeiter und ab Dezember 1949 bei einem Autohaus in Trier.
Gerhard Barkhorn trat zum 01.01.1956 als Major in die Bundeswehr ein. Dort wurde er neben anderen Veteranen des Zweiten Weltkriegs wie Johannes Steinhoff, Günther Rall oder Erich Hartmann auf den neuen strahlgetriebenen Flugzeugen ausgebildet. Die Ausbildung fand in Großbritannien und in den USA, ab Januar 1957 auch in Deutschland statt. Barkhorn war vom 23.10.1956 bis zum 30.11.1957 Staffelkapitän der 1. Staffel des Jagdbombergeschwader 31 „Boelcke“ und gleichzeitig Geschwaderkommandeur, wo er unter anderem die F-84F Thunderstreak flog. Dieses Kommando hatte er bis 1962 inne.
1964 wurde er zum Oberst befördert und Stabsoffizier beim Luftwaffen-Erprobungskommando. In dieser Zeit wurde er auch als Testpilot bei der Tripartite Evaluation Squadron in England eingesetzt. Dabei testete er Senkrechtstarter-Prototypen und machte mit einer Kestrel FGA.1 eine Bruchlandung, was er mit „302 !“ kommentiert haben soll, in Anspielung auf seine 301 zerstörten alliierten Flugzeuge während des WK II..
1969 wurde er zum Brigadegeneral und vier Jahre darauf zum Generalmajor befördert. Schließlich wurde Barkhorn Chef des Stabes der 4. taktischen Luftflotte innerhalb der NATO-Streitkräfte Mitteleuropas und im Anschluss Chef des Stabes der 2. Alliierten Taktischen Luftflotte. Er ging 1975 in Pension, nachdem er sich eine Ernennung zum Inspekteur der Luftwaffe erhofft hatte, eine Position, für die jedoch 1971 Günther Rall und anschließend 1974 Gerhard Limberg ausgewählt worden waren.
Der dreifache Vater und seine Ehefrau waren am 06.01.983 am Autobahnkreuz Frechen bei Köln in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt. Während Christine „Christl“ Barkhorn dabei sofort getötet wurde, überlebte ihr Mann noch mehrere Tage und starb am 11.01.1983. Das Ehepaar wurde auf einem Friedhof am Tegernsee begraben.
Auszeichnungen:
Eisernes Kreuz (1939)
II. Klasse am 23. Oktober 1940
I. Klasse am 3. Dezember 1940
Ehrenpokal für besondere Leistung im Luftkrieg
Verwundetenabzeichen (1939) in Schwarz
Deutsches Kreuz in Gold am 21. August 1942
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern
Ritterkreuz am 23. August 1942
Eichenlaub am 11. Januar 1943 (175. Verleihung)
Schwerter am 2. März 1944 (52. Verleihung)
Frontflugspange für Jagdverbände in Gold mit Anhänger Einsatzzahl 1100
Ärmelband Afrika