19.10.2025
Steinzeit erleben >> https://www.youtube.com/watch?v=M3wP4c7-Fqk
(Unter Verwendung öffentlicher Texte) Der Steinzeitpark in Dithmarschen bietet eine lehrreiche Reise in die deutsche Ur- und Frühgeschichte an: Lehmhütten, Einbäume, Hügelgräber. Im Steinzeitpark Dithmarschen bei Albersdorf können Besucher in den Alltag unserer Urahnen eintauchen. Im Steinzeithaus ist eine multimediale Ausstellung zu sehen.
Bis vor etwa 6.000 Jahren lebten die Menschen im Norden Europas noch als Jäger und Sammler, vor rund 5.000 Jahren ließen sich in der Region die ersten Ackerbauern und Viehzüchter nieder. Im Steinzeitpark können sich die Besucher auf die Spuren dieser Menschen begeben und sowohl ein Lager der steinzeitlichen Jäger als auch eine prähistorische Bauernsiedlung erkunden. Acht gut erhaltene Großsteingräber auf dem Gelände des Parks zeugen heute von den jungsteinzeitlichen Bewohnern Dithmarschens und ihren erstaunlichen handwerklichen Fähigkeiten. Bronze und Eisen waren den frühen Siedlern noch unbekannt, ihre Werkzeuge waren aus Stein und Holz. Mit ihnen schufen sie geräumige Hütten mit Lehmwänden, Einbäume, geheimnisvolle Kultstätten und vor allem riesige Grabanlagen. Der rekonstruierte Grabhügel ist im Inneren begehbar. Das Oberlicht sorgt für natürliche Beleuchtung. Wie diese Grabhügel von innen aussahen, zeigt der Park mit einem begehbaren Grabhügel gleich am Beginn des Rundgangs über das Gelände. Im Inneren können Besucher den Aufbau einer steinzeitlichen Grabanlage kennenlernen. Das rekonstruierte Grab mit Baumsarg in der Mitte und seitlichen Erweiterungsgräbern für sogenannte Sekundärbestattungen ist typisch für diese Form der Gräber.
Speziell für die kleinen Besucher gibt es eine Kinderhöhle mit eigener Ausgrabung. Auch auf dem Rundgang können Besucher vieles entdecken: Er führt in ein rekonstruiertes Dorf aus der Jungsteinzeit mit mehreren Hütten, einem Getreidespeicher, einem steinzeitlichen Kräutergarten, einer hölzernen Kultstätte und Feldern mit wildem Getreide. Ein nachgebaute Langhaus zeigt, zu welchen baulichen Leistungen die Menschen der Jungsteinzeit fähig waren. Ein schöner Ausblick über das Gelände bietet sich von einem noch erhaltenen originalen Grabhügel, der mit Bäumen überwachsen ist. Wer den großen Rundweg über das gesamte, rund 40 Hektar große Gelände wählt, kommt an weiteren archäologischen Denkmälern sowie an Wiesen vorbei, auf denen alte Rinder- und Schafrassen weiden. Schilder informieren über den Alltag in der Jungsteinzeit und die archäologischen Funde. Von außen soll das Steinzeithaus in Form und Farbe an einen bearbeiteten Feuerstein erinnern. Es zeigt zahlreiche Originalfundstücke, darunter Tongefäße, Pfeilspitzen und Harpunen zum Fischen. Die ältesten Exponate sind rund 100.000 Jahre alt und aus der Zeit der Neandertaler. Animationen machen erlebbar, wie unsere Vorfahren vor etwa 5.000 Jahren ihre Einbäume nutzten. Wie bereits im Außengelände können die Besucher auch im Museum an verschiedenen Mitmachstationen den Alltag der Steinzeitmenschen hautnah nacherleben und die Werkzeuge ausprobieren, mit denen sie arbeiteten.
Der Steinzeitpark bietet regelmäßig Führungen durch die Dauerausstellung mit dem Schwerpunkt Archäologie an. Wer selbst aktiv werden möchte, kann sich an Mitmachaktionen beteiligen und etwa ausprobieren, wie die Menschen früher Ackerbau betrieben, ihre Werkzeuge herstellten, Feuer machten oder jagten. (Süderstr. 47, 25767 Albersdorf, Tel. (04835) 97 10 97, Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Termine sind zu ersehen.)
-o-o-o-o-
Die „Sieben Steinhäuser“ bei Fallingbostel.
(Unter Verwendung öffentlicher Texte) In zahlreichen Wäldern Norddeutschlands stößt man auf Ansammlungen tonnenschwerer Findlinge, die aus der Jungsteinzeit stammen. Unbestritten sind die Hünengräber Ausdruck eines Totenkultes. Manchmal sind sie kreisrund, manchmal haben sie eine längliche Form, nicht immer sind sie mit einem Deckstein versehen. Mal sind die riesigen Steine von einem Erdwall umgeben - mal unter Sand, Moos und Blättern halb verschüttet. Diese Findlingsgruppen in norddeutschen Wäldern haben Jahrtausende überdauert und zeugen von einer jungsteinzeitlichen Kultur im Norden - rund 3.000 Jahre vor Beginn unsere Zeitrechnung.
Die Forschung spricht in der Regel von Großsteinanlagen. Was hat es mit diesen Steinsetzungen auf sich? Der volkstümliche Name „Hünengrab“ oder niederdeutsch „Hunebedden“ („Riesenbetten“) verweist auf Objekte eines urzeitlichen Totenkults: Zwischen den gigantischen Steinen haben die Verstorbenen eine letzte Heimstatt gefunden. Doch haben Forscher selten Knochenreste in den Anlagen gefunden - und wenn überhaupt, dann niemals ein ganzes Skelett, was in Anbetracht von Jahrtausenden nicht verwunderlich zu sein hat. Deshalb sprechen Wissenschaftler heute lieber neutral von Dolmen (das ist bretonisch für „Steintisch“ und wird international als Fachbegriff verwendet) oder Megalithanlagen (aus griechisch „mega“: groß, „lithos“: Stein).
Offensichtlich empfanden die Menschen im 4. Jahrtausend vor der Zeitrechnung das Bedürfnis, ihre Macht und ihre Befähigungen für solche beeindruckenden Bauten unter Beweis zu stellen. „Vielleicht war es die Notwendigkeit, durch solche Großsteinanlagen, die ja die Landschaft bestimmten, Territorien zu kennzeichnen und sich gegen andere Clans abzugrenzen“, mutmaßt Claus von Carnap-Bornheim vor einigen Jahren im Gespräch mit dem NDR. Bis 2022 ist er Leitender Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf gewesen. „Möglicherweise fühlten sie sich aber auch den Göttern gegenüber dazu verpflichtet.“ In jedem Fall war das Aufstellen der tonnenschweren Riesensteine eine enorme Gemeinschaftsleistung. Die Großsteinanlagen entstanden in der Hochphase der sogenannten Trichterbecherkultur: Gerade war der Steinzeitmensch sesshaft geworden, hatte mit Ackerbau und Viehzucht begonnen, gerade war auch das Rad erfunden worden. Ohne die Ausnutzung simpler Gesetze der Physik wäre das Bewegen der gigantischen Steine undenkbar gewesen. Mit Seilen zogen unsere Vorfahren die Findlinge, wuchteten sie auf Baumstämme, die als Schienen und Rollen dienten. Zum Aufrichten nutzten sie eine Kombination von Muskelkraft und Hebelwirkung. Die Decksteine ließen sich über eine angeschüttete Rampe hochbefördern.
Großdolmen, Polygonaldolmen, Urdolmen, Ganggräber: Wissenschaftler haben die Anlagen nach wiederkehrenden Baumustern typisiert. Begriffsverwirrung herrscht jedoch manchmal selbst in amtlichen Karten - nicht selten werden die Hünengräber mit den in ganz Mitteleuropa vorkommenden Hügelgräbern verwechselt, die aus der Bronze- oder Eisenzeit datieren. Hügelgräber jedoch bestehen ausschließlich aus, den Sarkkern umhüllenden Kleinstein- und Erdmaterial. Laut Claus von Carnap-Bornheim wurde um 3500 v.0 allein in Schleswig-Holstein ungefähr jeden Monat eine Megalithanlage errichtet. Die Mehrzahl der in Südskandinavien und der norddeutschen Tiefebene - von der Weichsel bis in die östlichen Niederlande - errichteten Anlagen entstand in der mittleren Jungsteinzeit zwischen 3500 und 2800 v.0. Knapp 900 Megalithanlagen sind noch in Deutschland zu finden, ein Bruchteil des einstigen Bestands. Manche der Steine bilden heute Kirchenmauern, zahlreiche Findlinge verschwanden mit der einsetzenden Industrialisierung beim Hafen- und Straßenbau. Auch wo sie beim Bestellen der Felder störten, mussten die Steinsetzungen weichen. Eine komplette Megalithanlage bei Quitzerow (Kreis Demmin) wurde 1924/25 abgetragen, um aus den Steinen ein Kriegerdenkmal zu errichten. Schätzungen zufolge ist nur noch ein Sechstel der jungsteinzeitlichen Bauwerke mehr oder minder erhalten.
Dennoch gibt es überall im Norden Zeichen unserer Vorfahren zu entdecken. Die „Straße der Megalithkultur", die sich 330 Kilometer lang durch das westliche Niedersachsen windet, verbindet zwischen Osnabrück und Oldenburg allein 70 solcher Großsteingräber. Die „Sieben Steinhäuser“ bei Fallingbostel, in der Lüneburger Heide, sind eine eindrucksvolle Steinformation. Menschen, die im norddeutschen Flachland die bäuerliche Wirtschaftsform einführten, errichteten diese fünf Großsteingräber um 3000 v.0 Sie gehören zu den meistbesuchten archäologischen Denkmälern Norddeutschlands. Andere bekannte Steingräber im Landkreis Lüneburg sind im Schieringer Forst bei Barskamp, auf dem Strietberg oder in der Totenstatt bei Oldendorf/Luhe zu finden. Das „Archäologische Museum“, in Oldendorf/Luhe, informiert über die sechs Grabstätten, die an einem Rundwanderweg liegen.