04.12.2025

Seit Jahrzehnten lehre ich ein völlig neues wissenschaftlich gesichertes Verständnis unserer germanischen Ur-Runenreihe, mit der Bezeichnung „ODING“, die uns revolutionäre Erkenntnisse zur germ. Religion und ihrem Kalenderwesen schenkt. Im Jahre 1993 erschien dazu mein erhellendes Buch „ODING-Wizzod - Gottesgesetz und Botschaft der Runen“, im Knaur-Verlag. Ich legte seit Beginn der 80er Jahre dar, dass der echte Name des Runensystems nicht „Fuðark“ sondern „Oding“ heißt, wodurch - nach vielen hundert Jahren des Vergessens und des Unwissens - die 24er Runen-Reihe ihre sinnvolle Bezeichnung zurückerhielt, wie sie vom Runenschöpfer, vor ca. zweitausend Jahren angedacht worden ist. „ODING“ bedeutet „Geist-Kind“, während „Fuðark“ die Bedeutung von „Hintern“ trägt, aus der unmissverständlich hervorgeht, dass mit ihr die Lesung der Runenreihe nicht beginnen kann.

Der Begriff „Fud“ war auch im Deutschen das übliche Wort zur Bezeichnung des weiblichen Geschlechtsteils. In einer gefundenen Pergament-Handschrift, des Gedichtes in mittelhochdeutscher Sprache, aus der Stiftsbibliothek von Melk (Niederösterreich), geschrieben in der Zeit um 1300, dem sog. „Rosendorn“, geht es um den freizügigen Dialog zwischen einer Jungfrau („junkfrouwe“) und ihrer Vagina („fud“), in dem sie über Sexualität und Jungfräulichkeit streiten. Die Jungfrau entzweit sich mit ihrer sprechenden Vulva, wer von ihnen bei Männern den Vorzug genieße, die weibliche Schönheit oder die Fud. Die Jungfrau beklagt sich über die Unannehmlichkeiten des „Rosendorns“ (eine Umschreibung für die Vagina, aber auch für den Schmerz), während das Geschlechtsteil auf seine Funktion und die damit verbundenen Freuden hinweist. Die Frau behauptet, dass Männer sie und ihre Schönheit suchen, während die Fud dies abtut und behauptet, dass sie allein alles ist, was Männer wirklich wollen. Die beiden gehen in verschiedene Richtungen, um die Wahrheit herauszufinden; keiner ist erfolgreich, und beide werden von den Männern, denen sie begegnen, ungut behandelt. Zum Abschluss der gereimten Geschichte wird das Mädchen mit Hilfe eines vorbeikommenden jungen Mannes physisch mit ihrer „Fud“ wiedervereinigt.

Eine Arbeit des Runologen Wolfgang Beck ist geeignet, einen Erkenntnisbeitrag zum Thema dieses Begriffs zu liefern. Deshalb stelle ich seinen Text - in den wesentlichen Kapiteln 3 und 4 ungekürzt, im folgenden vor. Wir sehen von einem universitären Runenfachmann meine Darlegungen zur Runen-Namenslesung bestätigt: Die Form des gebräuchlichen rechtsläufig gelesenen Runen-Titels, bei Lesung der ersten 6 Buchstaben „FUÞARK“, meint „Fud/Fotze/Arsch“. Die Analyse mehrerer Runeninschriften ergibt aber eine weitere Erkenntnis, nämlich, dass dieses obzöne Wort auch im übertragenen Sinne gebraucht werden konnte, um eine Person damit abzuwerten und sogar zu verdammen. Der Begriff konnte also mit unterschiedlicher Semantik eingesetzt werden, entweder ohne Abwertung als Hintern/Endstück oder als Verächtlichungsmachung im Sinne von Schmutzstück und Dreckskerl.

Die Frage erhebt sich, wer mit solch einem Schimpfwort auf den Goldamuletten der Brakteaten belegt worden sein könnte? Wodan, der ins Bild gesetzte Heilgott, der seinem Rösslein (jeder germ. Soldat galt als sein gefallenes Rösslein) die Wiedergeburt ins Ohr haucht, konnte unmöglich gemeint sein. Wir müssen uns das fuði/fuðu/fuða als die mitgelieferte Verfluchungsformel gegen den potentiellen Feind verstehen, welcher den Fall des Rössleins bzw. des Germanen-Kriegers verursachen könnte. Noch unser heutiges Wortverständnis ist nicht weit entfernt vom altgermanischen, wenn wir sagen, der oder jener sei „im Arsch“, implizieren wir, dass er kaputt sei.

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 Abb. 1: Goldbrakteat Schonen II-C (nach Hauck 1985 1,3, Tafel 197, Abb. 153b), mit linksläufigem Runenbegriff: fuði oder fuðu.

- Abb. 2: Goldbrakteat Gudme II-C (nach Hauck 1989 3,2, Tafel 134, Abb 392b), mit rechtsläufigem Runenbegriff: fuða oder fuðar

Wolfgang Beck - Neues zur Runeninschrift auf dem Goldbrakteaten Schonen II-C. In: Amsterdamer Beiträge zur älteren Germanistik 65 (2009), S. 11-25.

3. Zur Etymologie Eine direkte Kontinuante von germanischem bzw. runischem fuþiz findet sich nun innerhalb der germanischen Einzelsprachen im Mittelhochdeutschen mit vud/vut und im Mittelniederdeutschen mit vut. Es handelt sich, wie die Genitivform mhd. vüde zeigt, um einen femini- nen i-Stamm; das Schwanken im Auslaut des mhd. Wortes läßt sich durch Expressivität erklären. Eine lautgesetzliche Fortsetzung von germanischem bzw. runischem fuþiz im Altnordischen, die † fyðr lauten würde, ist nicht belegt. Hingegen existiert altnordisch fuð. Weil nun die femininen i-Stämme im Altnordischen im Singular in die Klasse der femininen ō-Stämme übergegangen sind, ist das altnor- disch belegte fuð als regelrechte Fortsetzung von fuþiz unter dem Wechsel der Stammklasse zu erachten. Der Übertritt in die andere Stammklasse erfolgte mit dem Schwund der alten Nominativendung im Singular (vgl. etwa gotisch dēþs ~ altnordisch dáð) und konnte auch ohne (bzw. vor) Eintritt des i-Umlautes geschehen (vgl. altnordisch hurð ~ gotisch haurds, germanisch *hurð-i-z). fuþiz ist als Nom. Sing. zu bestimmen; wollte man der alten Lesung fuþi ihr Recht lassen und sie im Lichte dieser Etymologie analysieren, so wäre die Form als Dat. Sing. zu bestimmen – das ergäbe aber als Inschrift keinen Sinn. Ebenfalls abzulehnen ist die formal gegebene Möglichkeit einer Bestimmung als Akk. Sing., da ein isolierter Akkusativ ohne regierendes Verb syntaktisch nicht möglich (und auch nicht belegt) ist.

4. Wortbedeutung und Beleglage Die Wortbedeutung ist in allen Einzelsprachen nun einhellig dem obszönen Wortschatz mit ‚vulva, cunnus’ mithin ‚Fotze’ zuzuordnen. Das Wort ist im Corpus der Runeninschriften aus späterer Zeit öfters belegt; von denen hier im folgenden einige exemplarisch genannt werden sollen. Die Inschrift auf einem Holzstück von Bergen entpuppt sich als eine Inschrift mit obszönem Inhalt: ion silki fuþ amek en guþormr fuþsllæikir ræistmik en : ion fuþ kula ræþr mek (In Übersetzung: ‚Jón Seiden-fuð besitzt mich, Guthormr fuð-Lecker ritzte mich und Jón Beulen-fuð deutet mich [d. h. die Inschrift]’). Die Inschrift aus Bergen ist insofern bemerkenswert, als alle drei genannten Personen historisch nachweisbar sind; sie haben um 1200 gelebt, folglich wird sich auch die Inschrift auf diesen Zeitraum datieren lassen. Die Inschrift auf einem weiteren Holzstück von Bergen felleg er fuþ sin bylli / fuþorglbasm wird unterschiedlich und durchaus obszön interpretiert, wobei auffällig ist, dass es sich mit der ersten Runenzeile um einen ungeraden Dróttkvættvers mit Alliteration und skothending handelt. Eine weitere Inschrift mit obszönem Inhalt ist mit fuþarsb fuikþ (die ersten sechs Runen können mit ‚Fotze, Arsch’ übersetzt werden) auf einem Knochenstück von Schleswig überliefert. Eine Umakzentuierung der obszönen Bedeutung des Wortes fuþ ist in der magischen Inschrift auf dem Bronzeamulett von Högstena (um 1100) zu finden:

das_Obszöse.JPG

In Übersetzung: ‚(Zauber) gegen den Zaubernden, gegen den Gehenden, gegen den Reitenden, gegen der Rennenden, gegen den Sitzenden, gegen den Segelnden/Sinkenden/Segnenden, gegen den Fahrenden/Reisenden, gegen den Fliegenden/Fliehenden: Der/die alte fuð soll erledigt werden und deswegen sterben.’

Es liegt mit dieser Inschrift ein alliterierender Zauberspruch gegen einen Widergänger vor, der mit einem obszönen Schimpfwort bedacht wird und unschädlich gemacht werden soll. Es soll in diesem Zusammenhang nicht verschwiegen werden, dass gerade gegen die Lesung der Runen 95-97, die hier als fuþ gelesen werden, auch Bedenken erhoben worden sind. Gegen Jungners Lesung liest Svärdström furana und verknüpft dieses Wort mit dem altisländischen Mediopassiv fyrnask ‚alt werden, vergessen werden’. Sie erreicht damit eine andere Deutung des Inschriftenabschlusses: Alles soll seine Lebenskraft verlieren und ganz sterben. Diese Deutung ist jedoch in inhaltlicher Sicht wenig überzeugend, da man in der Schlußformel des Zauberspruches die Anrede des zu Bannenden erwartet. Zudem erweckt auch die Neulesung der Runenzeichen selbst paläographische Bedenken, da klar zu erkennen ist, dass die r-Runen der Inschrift eckig geritzt sind, wogegen die þ-Runen, deren Bälge über die ganze Zeilenhöhe gehen, rund ausgeführt sind – ein runder Ansatz ist bei der strittigen Rune anhand der Photographie deutlich zu erkennen. Damit wird man der alten Lesung fuþ ihr Recht lassen müssen. (Beendigung des Textes von Wolfgang Beck.)