19.08.2026

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Es begann das Erwachen.....

mit einem Bestseller-Roman („Kleist-Preis“) der in Millionenauflage von der deutschen Jugend geradezu verschlungen wurde („Kultbuch der völkischen Jugendbewegung“) vor dem ersten Weltkrieg. Es war das Werk des alemannischen Mundartdichters und Malers Hermann Burte, eigentlich Hermann Strübe (1879-1960), „Wiltfeber – der ewige Deutsche“, 1912. Die gesamte hellwache Vorkriegsjugend hat es gelesen. Auf Seite 126f heißt es:


„Sie schwiegen plötzlich und griffen nach den Gesangbüchern; das Läuten wurde schwächer: der Geistliche betrat gewichtig und gehwuchtig die Kirche; hinter ihm kam seine Frau dahergetrumpft; sie brach eindrucksvoll ab und setzte sich geschwollen zur Schau. Und der Lehrer stieg auf den Orgelbock, man sang das Lied: ,Dir, dir, Jehova, will ich singen !’ Und da traf es Wiltfeber, welcher nicht mitsang, sondern voller Bedacht mitlas, da traf es ihn wie ein Hieb ins Gesicht, das Wort: Jehova ! Denn hier im Gotteshause, im Blankentale, wenige Stunden vom Rheine, saßen deutsche Leute und sangen zu Ehren ihres Gottes ! Die blauen Schwarzwaldberge schauten durch die Fenster, Kirschbäume und Linden sahen herein; um die Köpfe der blonden Kinder liefen flammende Strahlenkränze aus besonnten Haaren; auf fast allen Thronen Europas sitzen Söhne des deutschen Volkes als Fürsten: und hier, hier, diese Menschen, Kinder, Frauen und Männer, sangen den Stammesgötzen einer Wüstensippe an als ihren Gott !“


Und auf Seite 89 steht: „Und Wildfeber stand auf der staubigen Straße und zeichnete mit seinem Stocke ein Johanniterkreuz in den Staub, leicht und locker. Und dann zeichnete er das halbe Kreuz kräftiger aus und da stand mit Lichtern und Schatten, im Sande das uralte Hakenkreuz. – Der Reiter spie Blut von den Lippen und sagte: ,Glaubst du daran ? Ha, wenn das wieder lebendig würde ! ... Da sprach Wildfeber rasch und leise, aber unerschütterlich und zuversichtlich: ,Du kennst meinen Wahlspruch, Heinrich, in der Mundart unseres Landes: Nüt isch all ! Das heißt: Nichts ist immer ! Und bedeutet: Wage etwas, unternimm eine Sache, zum Nichtstun ist immer Zeit !’“


Aus dem Wiltfeber, dem Ewigen Deutschen, hat sich der Mann aus Braunau am Inn wohl inspirieren lassen, er ließ das uralte Heilszeichen auf seinen Standarten prangen und auch die leidige Sache mit dem „Gott der Wüstensippe“ hat er sicherlich nicht aus den Augen verloren. Aber wie sollte man, ohne den guten Willen des gemeinen Volkes zu verletzten, davon loskommen ? Viele rege deutsche Geister bemühten sich mit dieser Herkulesarbeit. Was sie unter „Christentum“ fürderhin verstanden, was sie erarbeiteten, das war das arisierte „Deutsche Christentum“. Das kam jedoch vom Geruch der Krampfhaftigkeit, der Manieriertheit nie ganz weg.

Manche junge Männer studierten Theologie, lernten die bibel-christliche Kirche von innen kennen und schrieben und predigten dann von ihrem deutschen Gott, wie Gustav Frenssen und auch Jürgen Spanuth. Als dann die Zeit zu brennen begann, standen diese oftmals blutjungen Idealisten in den Panzerwagen die nach Osten rollten, dem roten Ansturm entgegen. Und nicht wenige fielen in ihren Panzern, wie der Theologiestudent Kurt Eggers. Sie taten ihre Soldatenpflicht für ihre Idee und ihren selbstgewählten Führer, nicht anders wie heutige US-Soldaten, die auf den Angriffsbefehl ihres verlogenen Chefs G.W. Bush hin, auf schuldlose aber verketzerte „Gegner“ einschlugen.

Doch damals ging es um mehr als um Öl und Prestige, es ging in den Hirnen dieser Nachdenklichen, um die Zerreißung einer geistigen Fesselung, es ging - nach Sichtweise dieser Jugend (!) - um die Befreiung der Welt von dreierlei Wahn, es ging gegen Kommunismus, Kapitalismus und Katholizismus, es ging um ihre geistige Befreiung von fremdartigen Dogmen.


Und noch einmal: was man in einigen Führungskreisen des Dritten Reiches unter Christentum verstand bzw. verstehen wollte, das war wohl ein entjudaisierter arischer Mythos (z.B. „Irminen-Glauben“ in der SS-Führung) von der verhängnisvollen Art des J. Lanz von Liebenfels. Wie unhaltbar das auch immer sein mochte, war es doch eine Möglichkeit sich aus deutsch-moralischer Sicht damit zu arrangieren. Wer das nachvollziehen möchte, lese z.B. Liebenfels „Bibliomystikon, die Geheimbibel der Eingeweihten – Ariosophische Bibeldokumente und Bibelkommentare zu allen Büchern der heiligen Schrift, aufgrund der anthropologischen und archäologischen Forschungen und der arischen, klassischen und orientalischen Bibelversionen zusammengestellt“, 1931 bis 1934, 5 Bd. Oder er lese von Artur Dinter „Das Evangelium unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus“, 1923; in seinem Vorwort schreibt er: „Dem deutschen Volke widme ich dieses Buch in der Gewissheit, dass nur die reine unverfälschte Lehre des Heilandes uns wahrhaft völkisch erneuern und uns die Einigkeit und Kraft geben kann, die deutsche Ehre, Macht und Größe wiederherzustellen. Ich habe die Berichte der Evangelien aus den griechischen Urkunden im Geiste der Wahrheit neu übersetzt, von allen Zutaten und Fälschungen befreit und in geordneten Zusammenhang gebracht.“


Doch hüten wir uns, leichtfertig über das zu reden was man gemeinhin Christentum nennt. Das ist ein Sammelbegriff wie „Wolken“, es gibt zahllose Wolkenarten. Bescheidenheit und Vorsicht ist im Umgang mit unserer Geistesgeschichte angezeigt. Es gab in der Vergangenheit germanische und deutsche Christen, die waren der Weltwahrheit nicht unbedingt ferner als manche heutigen Runenheiden. Ich wage das Thema nicht abschließend zu beurteilen, das würde ein sehr umfängliches Studium voraussetzen. Und als welche Art Christ oder Katholik sich Adolf Hitler fühlte, das sei dahingestellt, ein bibelgetreuer, judäochristlicher Gläubiger kann er kaum gewesen sein. Man muss in der Rückschau erschüttert konstatieren, dass das durchaus legitime Erwachen einer deutschfühlenden geistigen Eilte im gigantischen Blutbad des Weltkrieg II. und einer eskalierenden Schuldverstrickung der Kontrahenten verendet ist. Doch die Geschichte geht weiter und ungelöste Fragen lösen sich nie von alleine.

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Hermann Burte / Herrmann Strübe

Hermann Burte (15. 02.1879 in Maulburg als Hermann Strübe - 21.03.1960) war ein deutscher Dichter, Schriftsteller und Maler. Zu seinen bekanntesten literarischen Werken zählen der 1912 veröffentlichte Roman Wiltfeber, der ewige Deutsche und die 1914 veröffentlichte Tragödie Katte. Burte ist vor allem als alemannischer Mundartdichter bekannt. Burte war spätestens seit 1912 ein Verfechter der vaterländischen Weltanschauung und ebenso ein Anhänger der späteren NS-Ideen.

Hermann Strübes Vater Friedrich Strübe war Kanzleigehilfe, die Mutter Elisabeth, geborene Kuhny, führte zeitweise einen kleinen Laden. Ihr Sohn Hermann besuchte die Volksschule in Maulburg und die höhere Bürgerschule in Schopfheim. 1896 zog die Familie nach Lörrach, 1897 legte Strübe sein Abitur an der Oberrealschule in Freiburg im Breisgau ab. Danach besuchte er zunächst die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe, wo er mehrere Preise errang. Anschließend studierte er an der Karlsruher Kunstakademie bei Ludwig Schmid-Reutte. Für seine Leistungen erhielt er ein Stipendium für einen Studienaufenthalt in England.

Durch den engen Kontakt mit der englischen Literatur, besonders mit William Shakespeare, John Milton und William Wordsworth, wurde Strübe immer mehr zur Dichtung hingezogen, ohne jedoch die Malerei ganz aufzugeben. Bei einem anschließenden Aufenthalt in Paris nahm er 1905 an einem deutschen Preisausschreiben für einen „Volksroman“ mit dem Fragment „Der blonde Teufel“ teil und gewann einen Trostpreis. Strübe entschied sich daraufhin, Schriftsteller zu werden und wählte den Namen seines ersten Protagonisten als Pseudonym.

Jeremias Gotthelf, Friedrich Nietzsche und Carl Spitteler waren die literarischen Vorbilder von Hermann Burte. Der ideologische Einfluss Nietzsches und der „völkischen Bewegung“ ist – wie die allgemeine Grundstimmung in der deutsch-völkischen Kulturszene der ausgehenden wilhelminischen Epoche – schon im Roman Wiltfeber der ewige Deutsche. Die Geschichte eines Heimatsuchers (1912) unverkennbar. Darin schrieb Burte unter anderem: „Du bist ein Mann aus deutschem Blute, aber deutsch heißt völkisch, und arisch heißt herrisch …“. Dieses Buch war ein durchschlagender Erfolg und wurde nach Ernst Klee zum „Kultbuch der völkischen Jugendbewegung“. 1941 bemerkte der Dichter zu seinem Wiltfeber in Lebende Dichter um den Oberrhein S. 356: „Diese erste Ahnung von dem Hakenkreuze als dem Heilszeichen der Macht ist heute strahlende Wahrheit geworden in Deutschland und vor der Welt.“ 1913 wurde Wiltfeber rückwirkend mit dem Kleist-Preis für 1912 ausgezeichnet.

 

Burte wurde so schnell zum Verfechter völkischer Ideologie und schließlich auch Unterstützer des NS-Gedankens, von dem er nach 1933 immer bestimmender durchdrungen war. Das Hakenkreuz erscheint als „germanisches“ Heilssymbol bereits 1912, lange vor Hitler und ohne Bezug zu einer politischen Partei, im Wiltfeber. 1925 ließ er sich einen Schreibtisch mit Hakenkreuzmotiven nach eigenem Entwurf anfertigen. 1931 schrieb er noch als Deutschnationaler unter dem Titel „Der Führer“ Weiheverse auf einen politischen Führer, den er später selbst als Adolf Hitler verstanden wissen wollte und die er später in Bühners Anthologie Dem Führer erneut abdrucken ließ.

Von 1924 bis 1932 trug Burte als Mitherausgeber und maßgeblicher Mitarbeiter der in Lörrach vierzehntäglich erscheinenden deutschnational-völkischen Zeitschrift „Der Markgräfler“ zur Schwächung der Weimarer Republik und ihrer Institutionen bei. So lautete z. B. die Devise vom 15.01.1925: „Der Markgräfler bekämpft rücksichtslos und ohne Menschenfurcht den demokrätzigen Parlamentarismus […].“

Burte hatte als kirchlich geprägter Deutschnationaler zunächst eine ambivalente Haltung zum Nationalsozialismus und äußerte Vorbehalte. So schrieb der Kirchgänger Strübe-Burte sarkastisch am 12.06.1933 an seinen Parteifreund Herman Nohl: „Unter den jüdischen Büchern, die man am kommenden Sonntag in Karlsruhe fast amtlich verbrennt, fehlt – die Bibel!“.

Burte war Mitglied der DNVP von 1919 bis zur Selbstauflösung der Partei im Juni 1933. Im Januar 1936, gerade rechtzeitig vor der Verleihung des ersten Johann-Peter-Hebel-Preises an ihn am 10. Mai, beantragte Burte die Aufnahme in die NSDAP und wurde aufgenommen. In seinem Werk Sieben Reden (1943) würdigte Burte Schiller, Grabbe und Hebel sowie den Dichter Adolf Bartels, einen bekennenden Antisemiten. Aber auch Hitler wurde von Burte mit Hymnen bedacht. Der „Führer“ belobigte ihn zum 65. Geburtstag mit 15.000 Reichsmark. In der Endphase des WK II. nahm ihn Hitler im August 1944 in die Gottbegnadeten-Liste der wichtigsten Schriftsteller auf.

Nach Ende des WK II. und neunmonatiger Gefangenschaft im Lörracher Gefängnis verlor er sein Wohnrecht im „Flachsländer Hof“ und kam bei Freunden in Efringen-Kirchen unter, wo er bis 1958 verblieb. Im Zuge der Entnazifizierung wurde Hermann Strübe 1949 von der Freiburger Spruchkammer für politische Säuberung als „Minderbelasteter“ eingestuft. Ihm wurde eine zweijährige Bewährungsfrist auferlegt, außerdem wurden ihm politische Aktivitäten verboten. In dieser Zeit war er zunächst vorwiegend als Übersetzer französischer Gedichte tätig. Anschließend war er Ehrenmitglied beim patriotischen „Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes“. Sein letzter Gedichtband, „Stirn unter Sternen“, enthielt erhebende Gedichte, wie etwa „Deutscher Wille“, das von Vaterlandsverächtern kritisiert wurde. Während seiner letzten Lebensjahre lebte er in seinem Geburtsort Maulburg. Mit 81 Jahren starb Burte in Lörrach an einem Leberleiden; seine Beisetzung erfolgte in Maulburg.

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Als Maler wie als Dichter hatte Burte dasselbe Ziel vor Augen: Gestaltung der Landschaft und des Menschen, seine Prägung durch die Heimat, aus der er wächst. Seinen Gedichten in alemannischer Mundart stehen die Gemälde gegenüber, zu denen ihn in erster Linie die Landschaft des Markgräflerlandes inspirierte, mit denen er aber auch die Veränderung und Zerstörung dieser Landschaft durch die industrielle Entwicklung dokumentierte.

Bleibend sind Burtes alemannische Gedichte, mit denen er einen Ruf als wirkungsstärkster Lyriker alemannischer Sprache nach Johann Peter Hebel erlangte, während seine Bekenntnisschrift Wiltfeber mit ihrer „völkisch-rassischen Argumentation mit magisch-religiösen Implikationen“ ebenso wie seine Bühnenstücke nahezu vergessen gemacht werden konnten. Beachtung finden bis heute seine Gemälde, wobei Burte selbst sein dichterisches Werk wohl höher einschätzte als seine Malerei.

In der sowjetischen Besatzungszone (SBZ / DDR) wurde ab 1946 eine Liste der auszusondernden Literatur samt Ergänzungen bis 1953 herausgegeben, um die „Anordnungen der russischen Militärregierung“ umzusetzen, „nach denen alle Schriften der Benutzung zu entziehen sind, die faschistischen oder militaristischen Inhalt haben, politische Expansionsgedanken enthalten, die nationalsozialistische Rassenlehre vertreten oder sich gegen die Alliierten wenden.“ Burte war auf diesen Listen sechsfach vertreten: „Volk und Kunst im Markgräflerland“ von 1934, die Auswahl „Volk und Kunst“, „Vom Hofe, welcher unterging“ von 1935, „Sieben Reden“ von 1943, „Hermann Burte gegen John Masefield“ von 1944. 

Die Verwendung des Schulnamens „Hermann-Burte-Schule“ untersagte 1979 das Oberschulamt Freiburg im Benehmen mit dem Regierungspräsidium Freiburg als oberer Rechtsaufsichtsbehörde der heutigen „Grund-, Haupt- und Realschule Efringen-Kirchen“. In einer Presseerklärung zu dieser Entscheidung wurde festgestellt, dass „im Werk Hermann Burtes starke nationalistische, brutal sozialdarwinistische und nicht zuletzt auch antisemitische Passagen, also wesentlich der nationalsozialistischen Ideologie verhaftete Elemente, enthalten sind. […] Denn nicht etwa beiläufige und einmalige, sondern symptomatische und durchlaufende Teile im Werk Hermann Burtes stehen im diametralen Gegensatz zum Erziehungsauftrag der [BRD-]Schule, wie er im Grundgesetz, in der Landesverfassung und im Schulgesetz niedergelegt ist.“ Die Bevölkerung wehrte sich gegen diese gewaltsamen Eingriffe ins Offentliche Leben. Der Entscheidung waren öffentliche Diskussionen vorausgegangen, in Efringen-Kirchen wurde stattdessen die Turnhalle, welche sich in unmittelbarer Nähe der Schule befindet, nach Burte benannt. In Müllheim gab es ab 1989 einen ähnlichen Streit um eine nach Burte benannte Straße. Weiterhin sind in Burtes Geburtsort Maulburg sowie in Efringen-Kirchen und Laufenburg-Luttingen Straßen nach ihm benannt.

Auszeichnungen und Ehrungen:

1912: Kleist-Preis zusammen mit Reinhard Sorge
1924: Ehrendoktortitel der Philosophie an der Universität Freiburg, zusammen mit Emil Strauß
1927: Schillerpreis (gemeinsam mit Fritz von Unruh und Franz Werfel)
1929: Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Maulburg
1936: Johann-Peter-Hebel-Preis
1937: Lyrikpreis der Zeitschrift Dame
1938: Großdeutscher Mundartenpreis Goldener Spatz von Wuppertal
1939: Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft
1939: Ehrenbürgerschaft der Stadt Lörrach
1942: Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse
1944: Oberrheinischer Dichterring durch den Scheffelbund (Scheffelring)
1944: Hans-Thoma-Medaille (als Maler)
1953: Ehrenring der deutschen Lyrik
1957: Jean-Paul-Medaille
1957: Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Efringen-Kirchen