05.06.2026

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Geschaffen vom Schwanheimer Portraitmaler August Rumm: Martin Heidegger im Jahre 1931.

 

MARTIN HEIDEGGER

 

Martin Heidegger war ein Geist-Titan,

schaut seine Philosophie nur gründlich an !

Er begriff die Forderung seiner Zeit,

der Katholizismus war ihm gründlich leid.

 

Als Theologe ersah er des Paulus Schmus,

wo ist der Weg für den sicheren Fuß ?

Die NS-Idee hatte Millionen erfasst,

Marxismus-Bolschewismus galten als Last.

 

Sie predigten Klassenhass-Klassenkampf,

Weltrevolutions-Krieg und Pulverdampf.

Es galten NS-Burgfrieden und -Bürgersinn

und Volksgemeinschaft als Zukunftsgewinn.

 

Heidegger verschrieb sich der Nazi-Idee,

aus Weisheit, Vorsicht und Zukunfts-Weh.

Wie recht er hatte seh’n wir erst heut’,

an drei Generationen nach seiner Zeit.

 

Das Sieger-Konzept, ein Anti-Nazi-Modell,

bewirkte den Volkstod sicher und schnell.

Des Deutschtums Geist und Kultur stirbt,

ein Weltschmarotzertum ums Erbe wirbt.

 

Wie schnöde wurde Heidegger geschmäht,

als hätt' er Drachenzähne eigens gesät.

Man unterstellte ihm Verlust vom Verstand,

weil er die Werte des Seins erkannt'.

Martin Heidegger (26.09.1889-26.05.1976), aus Freiburg im Breisgau, war ein Philosoph der Existenzdeutung für ein neues Weltverständnis. Seine Eltern waren die Eheleute Friedrich und Johanna Heidegger. Der Vater war Küfermeister und versah an der örtlichen katholischen Kirche das Amt des Mesners. Die Familie lebte in einfachen, aber wohlgeordneten Verhältnissen. Die katholischen Eltern bemühten sich trotz knapper Geldmittel um eine möglichst gute Ausbildung ihrer Kinder. Höhere Bildung jenseits der Gemeindeschule schien zunächst unerreichbar, bis der Ortspfarrer auf die Begabung Martins aufmerksam wurde und ihm ein Stipendium für das „Konradihaus“, ein erzbischöfliches Studienheim zur Heranbildung zukünftiger Geistlicher, und den Besuch des humanistischen Gymnasiums, beide in Konstanz, ermöglichte. Nach seinem Abitur trat er im September 1909 in Feldkirch (Voralberg) als Novize in den Jesuitenorden ein, verließ das Kloster aber nach wenigen Wochen. Er begann das Studium der Theologie und Philosophie an der Universität Freiburg. Heidegger veröffentlichte erste Artikel und Kommentare. Auf guten Rat, gab er 1911 das Theologiestudium ganz auf und ergänzte die Philosophie mit Mathematik, Geschichte und Naturwissenschaften.

1917 heiratete Heidegger die Protestantin Elfride Petri nach katholischem Ritus, und vier Tage später in Wiesbaden evangelisch. Der beste Kenner der Schriften und Gedankengänge Martin Heideggers war sein fünf Jahre jüngerer Bruder Fritz. Dieser erhielt alle zu Lebzeiten seines Bruders veröffentlichten Texte. Zwei Arbeiten prägten Heidegger in dieser Zeit: Franz Brentanos Schrift „Von der mannigfachen Bedeutung des Seienden“ nach Aristoteles und „Vom Sein“. Abriss der Ontologie des Freiburger Dogmatikers Carl Braig, dessen Vorlesungen er besuchte. Daraus entstand ein fruchtbares Spannungsverhältnis zur herkömmlichen scholastischen Tradition. Heidegger urteilte später, dass er ohne seine theologische Herkunft nicht auf den Weg des kritischen Denkens gebracht worden wäre.

1913 wurde Heidegger mit der Arbeit „Die Lehre vom Urteil im Psychologismmus“ zum Doktor der Philosophie bei Artur Schneider promoviert. Im Freiburger Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine war er bis zu seiner Einberufung zum Wehrdienst sehr aktiv und beteiligte sich regelmäßig an den wöchentlichen Treffen. 1915 hielt er dort einen Vortrag über den „Wahrheitsbegriff in der modernen Philosophie“. 1915 folgte seine Habilitation bei Heinrich Finke und Heinrich Rickert als Zweitgutachter mit der Schrift „Die Kathegorien- und Bedeutungslehre des Duns Scotus“ und dem Vortrag „Der Zeitbegriff in der Geschichtswissenschaft“. Es zeigte sich ein frühes Interesse an dem Verhältnis von Sein und Sprache. Heidegger versucht hier, die mittelalterliche Philosophie mit den begrifflichen und methodischen Mitteln des modernen Denkens, vor allem der Phänomenologie, für die Gegenwart fruchtbar zu machen. Weltkrieg I. unterbrach seine akademische Laufbahn. Heidegger wurde 1915 einberufen und den Diensten für Post und Wetterbeobachtung zugewiesen.

Mit Edmund Husserl kam 1916 der führende Phänomenologie an die Universität Freiburg. Heidegger wurde ab 1919 als Assistent und Privatdozent zu seinem engsten Vertrauten. Husserl gewährte ihm Einblicke in seine Forschung, und Heidegger hob rückblickend den großen Gewinn hervor, den dieses enge Verhältnis für ihn hatte. Ab 1920 begann der freundschaftliche Briefwechsel mit dem Philosophen Karl Jaspers. Heidegger bezeichnete seine Philosophie, die hier gerade im Entstehen war, als ausdrücklich atheistisch, erklärte jedoch zugleich in einer Fußnote: Eine Philosophie, die sich als faktische Lebensauslegung verstehe, müsse auch wissen, dass dies eine „Handaufhebung gegen Gott“ bedeute. 1926/ 27 entstand sein erstes Hauptwerk „Sein und Zeit“, das die philosophische Richtung der Fundamentalontologie begründete. Ab Mitte 1930 begann Heidegger mit einer Gesamtinterpretation der abendländischen Philosophiegeschichte. Dazu untersuchte er die Werke bedeutender Philosophen unter phänomenologischen, hermeneutischen und ontologischen Gesichtspunkten und versuchte so, deren „unbedachte“ Voraussetzungen und Vorurteile freizulegen. Alle bisherigen philosophischen Entwürfe vertraten laut Heidegger eine einseitige Auffassung der Welt - eine Einseitigkeit, die er als Merkmal jeder Metaphysik ansah.

Diese metaphysische Weltauffassung gipfelte aus Heideggers Sicht in der modernen Technik. Mit diesem Begriff verband er nicht allein, wie sonst üblich, ein neutrales Mittel zum Erreichen von Zwecken. Vielmehr versuchte er zu zeigen, dass mit der Technik auch eine veränderte Auffassung der Welt einhergehe. So wird nach Heidegger durch die Technik die Erde vornehmlich unter dem Gesichtspunkt der Nutzbarmachung in den Blick gebracht. Wegen ihrer globalen Verbreitung und der damit verbundenen schonungslosen „Vernutzung“ natürlicher Ressourcen sah Heidegger in der Technik eine unabweisbare Gefahr; eine Sicht, die heute fast Gemeingut geworden ist.

Heidegger war durch die tiefe Verwurzelung im süddeutschen Landleben geprägt. Von Freiburg aus entdeckte er für sich den Südschwarzwald. In der Landschaft zwischen Feldberg und Belchen sah er eine intakte Natur, gesundes Klima und idyllische Dörfer. In Todtnauberg kaufte Elfride Heidegger ein Grundstück und ließ nach eigenen Plänen eine Hütte erbauen, die im August 1922 bezogen werden konnte und erst 1931 einen Stromanschluss erhielt. Dort, in harmonischer Umgebung, schrieb Heidegger zahlreiche seiner Werke. Mit den hektischen Großstädten konnte er sich sein ganzes Leben lang nicht anfreunden.

Der Technik stellte er die Kunst gegenüber und erarbeitete ab Ende der 1930er Jahre unter anderem anhand von Friedrich Hölderlins Dichtungen Alternativen zu einem rein technischen Weltbezug. In der Zeit der Weimarer Republik brach Heidegger mit dem „System des Katholizismus“ und widmete sich ausschließlich der Philosophie. Heidegger versuchte, den Menschen nicht mehr als Zentrum der Welt zu denken, sondern im Gesamtzusammenhang einer Welt, die er später „Geviert“ nannte. Anstatt über die Erde zu herrschen, soll der Mensch in ihr als sterblicher Gast wohnen und sie schonen !

Vornehmlich Heidegger NS-Engagement gibt bis heute einen Gegenstand von Debatten ab. Er war von 1933 bis 1945 Mitglied der NSDAP und 1934 eines der Gründungsmitglieder des von Hans Frank geleiteten „Ausschusses für Rechtsphilosophie“ der NS-„Akademie für Deutsches Recht“. Durch die Publikation der „Schwarzen Hefte“, als Teil seines Gesamtwerks, wurden unter anderem auch „antisemitische“ Äußerungen öffentlich, was seit 1945 als besonders verwerflich zu gelten hat.

Unter den Studenten galt Heidegger bereits als herausragender Lehrer. Eine Schülerin erinnerte sich später: „Heideggers Ruhm ist älter als die Veröffentlichung von Sein und Zeit […] Kollegnachschriften [gingen] von Hand zu Hand [… und] der Name reiste durch ganz Deutschland wie das Gerücht vom heimlichen König. […] Das Gerücht, das [die Studenten] nach Freiburg zu dem Privatdozenten und etwas später nach Marburg lockte, besagte, dass es einen gibt, der die Sache, die Husserl proklamiert hatte, wirklich erreicht.“ 1927 erschien sein Aufsehen erregendes Hauptwerk „Sein und Zeit“. Das Buch wurde als eigenständiger Band in der von Edmund Husserl herausgegebenen Reihe „Jahrbuch für Philosophie und phänomenologische Forschung“ veröffentlicht.

1928 wurde er in Freiburg Nachfolger auf Husserls Lehrstuhl. Seine Antrittsvorlesung hielt er über das Thema: „Was ist Metaphysik ?“ Daneben sorgten seine Vorlesungen sowie die „Davoser Disputation“ mit Ernst Cassirer über Immanuel Kant anlässlich der „II. Internationalen Hochschulkurse“, 1929, für die Bekanntheit Heideggers.

Nach der NS-Machtergreifung 1933 beteiligte sich Heidegger mit Begeisterung an dem, was auch er, mit Millionen seiner Volksgenossen, als NS-Revolution begriff. Am 21.04.1933 wurde er Rektor der Freiburger Universität. Heidegger, der bereits 1932 die NSDAP gewählt hatte, trat ihr zum 1. Mai 1933 bei und blieb bis Kriegsende ihr Mitglied.

In seiner Rektoratsrede vom 27.05.1933, mit dem Titel „Die Selbstbehauptung der deutschen Universität“ fand sich der Satz von der „Größe und Herrlichkeit dieses Aufbruchs“. Heidegger forderte darin eine grundlegende Erneuerung der Universität. Sie solle, mit der Philosophie als Zentrum, ihre Ganzheit wiedergewinnen, ähnlich wie in der Antike. Das Verhältnis von Professoren und Studenten solle dem von „Führern“ und „Gefolgschaft“ entsprechen. Ferner betonte er die Notwendigkeit der Bindung an die sogenannte „Volksgemeinschaft“ und die wichtige Rolle der Universität bei der Ausbildung von kulturellen Führern des Volkes.

Während seines Rektorats beteiligte sich Heidegger an NS-Propaganda und sog. „Gleichschaltungspolitik“ der „Bewegung“ und hielt eine Rede zur „Bücherverbrennung“, die er in Wirklichkeit abzuhalten in Freiburg untersagte. Während Heideggers Rektorat wurden, genau so wie es nach 1945 mit prodeutschen Gesinnungsträgern geschah, jüdischen Gesinnungsträgern an der Universität Freiburg entlassen. Er untersagte allerdings an der Universität die Aufhängung des „Judenplakats“. Doch unternahm er, im Sinne der Volksgemeinschaft, nichts, um den antisemitischen Tendenzen entgegenzuwirken. Er soll angeblich zwei Personen denunziert haben, als wenig überzeugte Nationalsozialisten. Heidegger veranstaltete 1933 in Todtnauberg ein Wissenschaftslager für Dozenten und Assistenten, denen die „nationalsozialistische Umwälzung des Hochschulwesens“ näher gebracht werden sollte. Am 11.11.1933 unterzeichnete er in Leipzig das „Bekenntnis der deutschen Professoren zu Adolf Hitler“ und hielt auf der Veranstaltung eine Hauptrede. Den Wahlaufruf „Deutsche Wissenschaftler hinter Adolf Hitler“ vom 19.08.1934 unterzeichnete er ebenfalls.

Am 27. 04.1934 trat Heidegger vom Amt des Rektors zurück, da seine Hochschulpolitik weder an der Universität noch bei der Partei genügend Unterstützung fand. Heidegger plante eine zentrale Dozentenakademie in Berlin. Alle zukünftigen deutschen Hochschullehrer sollten in dieser Akademie philosophisch geschult werden. Heideggers ehrgeizige Pläne scheiterten, und er zog sich aus der nationalsozialistischen Hochschulpolitik zurück. Eine Vorlesung, welche unter dem Titel „Der Staat und die Wissenschaft“ geplant war und zu der führende Parteimitglieder mit einer gewissen Erwartungshaltung angereist waren, wurde kurzerhand abgesagt. Heidegger zum Auditorium: „Ich lese Logik.“

Von 1935 bis 1942 war Heidegger Mitglied im „Wissenschaftlichen Ausschuss“ des Nietzsche-Archivs. Er trat 1942 ohne nähere Angabe von Gründen aus. Seine Kritik an der „Historisch-Kritischen Ausgabe“, die er dort hätte betreuen sollen, hat er später in seinem zweibändigen Nietzsche-Buch deutlich dargestellt.

Im November 1944 wurde er im Rahmen des Volkssturms zur Schanzarbeit eingezogen, doch durch die Intervention der Universität schon im Dezember wieder entlassen. Nach Bombenangriffen auf Meßkirch brachte Heidegger seine Manuskripte nach Bietingen. Die Philosophische Fakultät der Freiburger Universität wurde vorübergehend nach Burg Wildenstein ausgelagert, wo Heidegger das Ende des Krieges erlebte und erlitt.

Im Rahmen des Entnazifizierungsverfahrens hatte die philosophische Fakultät der Universität Freiburg im September 1945 ein Gutachten gefertigt, das sich füreine Emeritierung Heideggers mit beschränkter Lehrbefugnis aussprach. Dagegen protestierte das Mitglied der Bereinigungs-kommission Adolf Lampe und auch Walter Euken und Franz Böhm erhoben Einwände, weshalb der Fall am 01.12.1945 erneut aufgenommen wurde. Heidegger ließ daraufhin ein Gutachten von dem mit einer Jüdin liierte Karl Jaspers anfragen, das dieser am 22.12.1945 in Briefform verfasste. Jaspers hielt Heidegger durch dessen Verstrickung in den Nationalsozialismus als Teil des Lehrkörpers für untragbar und schlug „die Suspension vom Lehramt für einige Jahre“ vor. Am 19.01.1946 beschloss der Senat auf dieser Grundlage und auf der des neuen Kommissionsgutachtens, des Vorsitzenden Constantin von Dietze, den Entzug der Lehrbefugnis. Am 05.10.1946 legte die französische Sieger-Militärregierung fest, dass Heidegger weder lehren noch an irgendwelchen Veranstaltungen der Universität teilnehmen dürfe. Man verfuhr also, wie schon dargelegt, nicht anders als es der NS-Staat mit gegnerisch Gesinnten getan hatte.

Erst im Jahr 1951 erhielt Heidegger, mit der Emeritierung, seine Rechte als Professor zurück. Sogleich kündigte er eine Vorlesung an und las im Wintersemester erstmals wieder in der Freiburger Universität. Seine Vorlesungen hatten großen Zulauf und lösten, wie auch seine Schriften, ein breites Echo aus. Auch hielt er Vorträge im kleineren Rahmen, so zum Beispiel 1950 in der über „Das Ding“. 1955 lernte Rene Char den deutschen Philosophen in Paris kennen. Char lud Heidegger mehrfach zu Reisen in die Provence ein. So kam es zu den Seminaren in Le Thor 1966, 1968, 1969 und in Zähringen 1973, einem Austausch der Dichter und Denker. Zu seinem 70. Geburtstag am 26.09.1959 wurde Heidegger Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Meßkirch. Am 10.05.1960 erhielt er in Hausen im Wiesental den „Johann Peter-Hebel-Preis“. Seit 1958 war er ordentliches Mitglied der „Heidelberger Akademie der Wissenschaften“.

Heideggers Denken entfaltete eine weltweite Wirkung. Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang die zahlreichen Übersetzungen von „Sein und Zeit“, unter anderem ins Japanische. Auch bei den fernöstlichen Philosophen hinterließ Heidegger eine dauerhafte Wirkung. Heidegger hatte die Veröffentlichung seiner Gesamtausgabe selbst vorbereitet, deren erster Band 1975 erschien. Am 26.05.1976 starb Martin Heidegger im Alter von 86 Jahren in Freiburg. Seinem Wunsch entsprechend wurde er am 28.05.1976 in seinem Geburtsort Meßkirch beigesetzt. Zu seiner Beerdigung las sein Sohn Hermann Heidegger Gedichte Hölderlins, die sein Vater ausgesucht hatte. Die Grabrede hielt einer seiner philosophischen Nachkommen, Bernhard Welte. Heidegger war davon überzeugt, dass die „verstehende Aneignung“ eines denkerischen Werks sich an dessen Inhalten zu vollziehen hat.

1969 bezog seine Schülerin und zeitweise Geliebte, Hannah Arendt, mit dem Text „Martin Heidegger ist achtzig Jahre alt“, zugunsten von Heideggers Philosophie, Stellung. Politisch habe er wie Platon zu den Philosophen gehört, die Tyrannen oder Führern vertrauten. Sie resümierte sein Lebenswerk: „Denn es ist nicht Heideggers Philosophie - von der man mit Recht fragen kann, ob es sie überhaupt gibt - sondern Heideggers Denken, das so entscheidend die geistige Physiognomie des Jahrhunderts mitbestimmt hat. Dies Denken hat eine nur ihm eigene, bohrende Qualität, die, wollte man sie sprachlich fassen und nachweisen, in dem transitiven Gebrauch des Verbums ‚denken‘ liegt. Heidegger denkt nie ‚über‘ etwas; er denkt etwas.“

„Heideggers Sprache ist - vor allem in Sein und Zeit“ - geprägt von Neuwortschöpfungen, er erfand Verben wie nichten, lichten, wesen. Gerdezu blödsinnigen Anstoß erregten Kreationen wie „das Nichts nichtet“ (in: „Was ist Mertaphysik ?“), die Heideggers Versuchen geschuldet sind, die Sachen als sie selbst zu denken: Es ist das Nichts selbst, das nichtet. Zur Erklärung soll kein metaphysisches Konzept herangezogen werden. Durch solche semantischen Dopplungen wollte Heidegger den theoretisch distanzierten Blick der Philosophie überwinden und auf den Boden springen, auf dem wir - auch wenn wir es nicht sehen - in unserem konkreten Leben immer schon stehen. Es wird immer Leute geben, die sich an allem Deutschen stoßen und folglich auch an einer entwickelten deutsch-philosophischen Hochsprache.

Wegen seines Umgangs mit der Sprache wurde Heidegger scharf angegriffen: Am auffallendsten wurde dabei des Juden Theodor W. Adornos polemische Schrift „Jargon der Eigentlichkeit“. Heidegger verwandte diesen Jargon jedoch nicht um seiner selbst willen, sondern er wollte sich damit von der philosophischen Tradition lösen, Sprache und Inhalt stünden in untrennbarem Zusammenhang. Dass für Heidegger Denken und Philosophieren eine Bewegung vollzogen und dabei ein Weg zurückgelegt wird, zeigt sich an Werktiteln wie „Wegmarken, Holzwege und Unterwegs zur Sprache“. Denken wird so zum Weg und zur Bewegung, weshalb Otto Pöggeler auch vom „Denkweg Heideggers“ spricht. Heideggers Denken ist nicht so sehr als Kanon von Meinungen aufzufassen, sondern bietet verschiedene Ansätze zu den „wesentlichen Fragen“. In hinterlassenen Aufzeichnungen für ein nicht mehr fertig gewordenes Vorwort der Gesamtausgabe seiner Schriften notierte Heidegger daher: „Die Gesamtausgabe soll auf verschiedene Weise zeigen: ein Unterwegs im Wegfeld des sich wandelnden Fragens der mehrdeutigen Seinsfrage. Die Gesamtausgabe soll dadurch anleiten, die Frage aufzunehmen, mitzufragen und vor allem dann fragender zu fragen.“

Heideggers Werk ist die „Frage nach dem Sinn von Sein“. Diese Frage hatte schon Platon beschäftigt. Heidegger zitierte ihn zu Beginn der Untersuchung: „Denn offenbar seid ihr doch schon lange mit dem vertraut, was ihr eigentlich meint, wenn ihr den Ausdruck ‚seiend‘ gebraucht, wir jedoch glaubten es einst zwar zu verstehen, jetzt aber sind wir in Verlegenheit gekommen.“ Auch nach zweitausend Jahren ist, so Heidegger, diese Frage noch unbeantwortet: „Haben wir heute eine Antwort auf die Frage nach dem, was wir mit dem Wort »seiend« eigentlich meinen? Keineswegs. Und so gilt es denn, die Frage nach dem Sinn von Sein erneut zu stellen.“

Heidegger fragte nach dem „Sein“. Wenn er zugleich nach dessen Sinn forschte, dann setzt er voraus, dass die Welt keine formlose Masse ist, sondern es in ihr sinnhafte Bezüge gibt. Das Sein ist also strukturiert und besitzt in seiner Mannigfaltigkeit eine gewisse Einheitlichkeit. So gibt es beispielsweise einen sinnhaften Bezug zwischen Hammer und Nagel – wie aber lässt sich dieser verstehen? „Von wo aus, das heißt: aus welchem vorgegebenen Horizont her verstehen wir dergleichen wie Sein?“ Heideggers Antwort hierauf war: „Der Horizont aus dem dergleichen wie Sein überhaupt verständlich wird, ist die Zeit.“ Die Bedeutung der Zeit für das Sein wurde Heidegger zufolge in aller bisherigen Philosophie nicht beachtet.

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Augstein und Heidegger 

Im September 1966 reiste der Nutznießer der deutschen Weltkriegsniederloge, der Redakteur Rudolf Augstein, der vom englischen Geheimdienst, mit raffiniertem Kalkül in seine deutschkritische bis -feindliche Medien-Position gebracht worden ist, zu dem großen Geist Heidegger nach Todtnauberg im Schwarzwald zum Haus des Philosophen, um eine Art Generalabrechnung mit dem Geächteten zu halten. Augstein, der sich intellektuell immer überschätzt hatte, traute sich das zu und wollte daraus in seinem „Spiegel“ Medien-Kapital schlagen, doch sein Gespräch geriet zu keinem Ruhmesblatt der links-deutschen Nachkriegsgeschichte. Heidegger hatte sich die Veröffentlichung bis zu seinem Tod verbeten, so dass der gehässige „Spiegel“ bis zu Heideggers Tod, im Mai 1976, das Nachsehen hatte. Ein Lutz Hachmeister schrieb ein Buch darüber: „Heideggers Testament. Der Philosoph, der „Spiegel“ und die SS“ (2024). Augstein wusste mehr als er gefragt hat, zum Beispiel von einem Schüler Heideggers, Hermann Mörchen, dass Heidegger schon 1931 – gemeinsam mit seiner Frau – gesagt hat, man möge doch „Mein Kampf“ lesen, das sei ein wichtiges Buch. Die NS-Bewegung habe einen wahren und inneren Kern. Augstein musste zunächst auf die eigenen sog. Rechercheergebnisse in Interviewfragen verzichten.

Abgerundet wurde das Dilemma, dass Rudolf Augstein es gemeinsam mit seinem Redaktionskollegen Georg Wolff geführt hat, einem vormaligen SD-Kader und SS-Führer. Denn der „Spiegel“-Herausgeber hatte zur Beschäftigung alter Nazis in seiner Redaktion eine ähnlich zynische Einstellung wie der von ihm heftig bekämpfte Kanzler Adenauer: Bei Augstein hieß das: „Wer nicht gerade einen Juden erschossen hat“, der darf nochmal ran. Insofern waren SD-Kader nicht zufällig beim „Spiegel“. Wolff mit seiner SS-Biografie konnte bestimmte Fragen gar nicht stellen, denn er hätte sie sich dann selber stellen müssen. Es wurde nicht einmal die NSDAP-Mitgliedschaft Heideggers thematisiert. Und das kann man nur so begründen, dass Wolff sehr viel mit sich selbst zu tun hatte und seiner eigenen NS-Biografie und deshalb sehr befangen war, bestimmte Fragen überhaupt zu thematisieren.

Heidegger betonte: „Ich erwartete vom Nationalsozialismus eine geistige Erneuerung des ganzen Lebens, eine Aussöhnung sozialer Gegensätze und eine Rettung des abendländischen Denkens vor den Gefahren des Kommunismus. Einige Sätze sehe ich heute als Entgleisung an. Das ist alles.“ Dagegen ließ sich nichts einwenden.

Des Philosophen Glaube an die „innere Wahrheit und Größe des Nationalsozialismus“ teilte er mit Millionen hoffnungsvoller Menschen im In und Ausland. Wolff und Augstein bestätigten den schwer Diffamierten mehrfach mit dem erleichterten Ausruf: „Das ist schlagend, Herr Professor !“ Wie Lutz Hachmeister eindrucksvoll in seiner Studie deutlich machen kann. Der „Spiegel“-Macher habe hernach mit seinen Unterlassungssünden gehadert und Heidegger nach Jahren als „deutschtümelnden Priesterpropheten“ angegangen. Mit dieser kindischen Keiferei können Heidegger-Verehrer gut klarkommen. Hachmeister nennt solches späte Nachtreten unfair, aber auch durchaus typisch für die seiner Ansicht nach ewige doppelte Moral des „Spiegel“. Er schrieb: „Diese doppelten Standards nach dem Motto: Wir weigern uns eigentlich doch permanent, uns mit unserer eigenen Frühgeschichte zu beschäftigen und dem Personal, was wir da akquiriert haben und auch den Erfolgen, die damit erzielt wurden, aber der sehr akribischen Durchleuchtung der Biografien von anderen Objekten, das ist mir aufgefallen und das war schon eine meiner Intentionen, das offen zu legen.“

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Martin Heideggers Hauptaussage ist die Überwindung der sogenannten „Seinsvergessenheit“ der westlichen Philosophie. Er forderte dazu auf, nicht nur einzelne Dinge oder Wesen zu untersuchen, sondern wieder die grundsätzliche Frage nach dem Sinn des Seins als Ganzem zu stellen. Sein Denken lässt sich anhand der folgenden Kernpunkte zusammenfassen:

Die „Seinsfrage“: Heidegger kritisiert, dass traditionelle Philosophien meist nur nach dem Seienden fragen (also nach den Dingen, der Natur oder dem Menschen). Er plädiert für eine „Fundamentalontologie“, die ergründet, was es überhaupt heißt, „zu sein“.

Das „Dasein“: Im Zentrum steht der Mensch, den Heidegger als „Dasein“ bezeichnet. Das Dasein zeichnet sich dadurch aus, dass es sich um sein eigenes Sein sorgt und sich seiner Existenz bewusst ist.

In-der-Welt-sein: Der Mensch steht der Welt nicht als unbeteiligter Beobachter gegenüber. Wir sind immer schon in einer Welt verwurzelt, nutzen Werkzeuge, gehen Beziehungen ein und sind von Gefühlen wie der Angst vor dem eigenen Tod geprägt.

Kritik an Technik und Wissenschaft: In seiner späteren Philosophie warnt Heidegger vor einem rein instrumentellen, berechnenden Denken. Er bemerkt, dass die modernen Wissenschaften zwar viel messen und erklären, aber das eigentliche Wesen des Seins und die Natur oftmals aus dem Blick verlieren.