02.11.2025
Kalendertempel bzw. „Kreisgrabenanlage“ von Künzing-Unternberg; Rekonstruktion im Museum „Quintana“.
Die von starken Palisaden-Mauern geschützen Areale der Jungsteinzeitlichen (Neolithikum) ca. 7000 Jahre alten mitteleuropäischer Urzeit-Bauten waren kultische Schutzräume und zuweilen, klar ersichtlich, von kalendarischer Funktion, also Kalenderbauten. Die Orientierung einer der beiden Torachsen beispielsweise bei der Ramsdorf-Wallerfing-Anlage erfüllt, mit einem Azimut von 116 Grad, genau die Kalendertheorie des Engländers Alexander Thom. Der bekannte Hobbyarchäologe, der umfangreiche Untersuchungen und Hypothesen zu Stonehenge entwickelt hatte, postulierte einen allgemeinen Megalithischen Kalender. Dieser war nach dem Sonnenlauf und den vier wichtigen Kalenderdaten, der Tag-und-Nacht-Gleiche und der Sonnenwenden ausgerichtet. Der daraus abgeleitete Sonnenkalender stützt sich auf die entsprechenden Festtagsdaten, welche bei Germanen und Kelten gleichermaßen Gültigkeit besaßen. Wie zum Beispiel: Thursen-Mond / Samhain (Allerheiligen am 1. Nov.) und Disenfeier-Frauenfest / Imbolc (Mariä Lichtmess 2. Februar).
Die Orientierung der Jahrkreis-Kalenderachsen folgte also weder den Äquinoktien noch den Solstitien, sondern den alten Anfangs- und Endterminen der Jahreszeiten, wie sie noch im ODING-Runenkalender hervortreten. Im luni-solaren Ur-Kalender, mondstandsbezogen, gibt es nach jeweils 19 Jahren ein Idealjahr, wie es der Meton-Zyklus vorsieht. Das Idealjahr ist gegeben, wenn eine Neumondnacht exakt auf den Sonnenjahresbeginn des 21.12. fällt. Zwischenzeitlich muss jedes 2./3. Jahr ein 13. Monat eingeschoben werden, damit die Mond-Termine der Jahresfeste nicht aus dem Ruder laufen, also im geplanten Sonnenjahrestandort etwa stehen bleiben, damit Frühlingsfeste im Frühling und Herbstfeste im Herbst bleiben.
Sommerbeginn 1. Mai (idealkalendarisch = 5. Jahres-Vollmond)
Winterbeginn 1. November (idealkalendarisch = 11. Jahres-Vollmond)
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Wintersonnenwende 21. Dezember (1. Neumond des Jahres)
Sommersonnenwende 21. Juni (7. Neumond des Jahres)
Das Südwesttor in derAnlage von Gosek bei Naumburg, fällt dabei auf den Sonnenuntergang der Wintersonnenwende am 21. Dezember. Sollte dieser frühe steinzeitliche Kalender Allgemeingültigkeit besessen haben, so wäre er hiermit bereits für das 5. Jahrtausend v. Ztr. nachgewiesen.
Die 7.000-jährige Steinzeitfrau von Niederpöring/Bayern und die Rekonstruktion einer Kreisgrabenanlage für die Niederösterreichische Landesausstellung 2005 in Heldenberg.
24.05.2019 – „Der Standart“ - Deggendorf - Der Schädel der „Toten von Niederpöring“ war 2015 entdeckt worden. Gesicht einer vor 7.000 Jahren gestorbenen Frau rekonstruiert. Wie hat eine Frau in der Jungsteinzeit ausgesehen? Diese Frage beantwortet das Museum Quintana im bayerischen Künzing mit der Rekonstruktion des Gesichts einer vor 7.000 Jahren gestorbenen Frau. Deren Schädel und Knochen waren 2015 bei Ausgrabungen im nahe gelegenen Niederpöring gefunden worden, wie Museumsleiter Roman Weindl sagte.
Mit moderner Technik, wie sie auch in der Kriminologie eingesetzt werde, habe ein Forscherteam der „Toten von Niederpöring“ ein Gesicht gegeben, sagte Weindl. Dafür sei im Klinikum Passau eine Computertomographie des Schädels gemacht und anhand der Daten ein 3D-Druck angefertigt worden. Danach modellierte das Team Haut, Muskeln und Gewebe. Gen- und Isotopenuntersuchungen hätten ergeben, dass die Vorfahren der Frau aus Anatolien über den Balkan eingewandert seien, sie selbst aber schon bei Niederpöring aufgewachsen sei. Auch Augenfarbe und Teint wurden demnach rekonstruiert, für die Frisur gebe es jedoch keine Belege. Allerdings fänden sich in Gräbern aus dieser Zeit immer wieder auch Reste von Kämmen. Die Haare – es wurden Echthaare transplantiert – seien deshalb mit einem Kamm hochgesteckt worden. Weindl: „Dafür haben wir eine lokale Friseurin hinzugezogen.“ Das Besondere an dem jungsteinzeitlichen Fund sei der teilweise erhaltene Kopfschmuck, den die Frau im Grab trug. Er besteht aus einem mit Schneckenhäuschen besetzten Lederband. 207 der einstmals rund 400 Gehäuse der heute seltenen Donaukahnschnecke waren am Kopf noch zu sehen, das Leder war nicht mehr vorhanden. Der Schmuck deute darauf hin, dass die Frau eine gehobene soziale Stellung gehabt habe. Insgesamt wurden 2015 in Niederpöring sieben Gräber auf einem Gräberfeld aus der Zeit zwischen 5.500 und 5.000 v. u. Z. entdeckt. (APA, red, 23.5.2019)
Plastische, wissenschaftliche Rekonstruktion einer jungsteinzeitlichen Frau von W. Schnaubelt & N. Kieser – Atelier WILD LIFE ART, Germany. Foto: APA/dpa/Armin Weigel
ACHTUNG: Dass die Vorfahren der Steinzeitfrau aus Anatolien eingewandert sein sollen, halte ich für eine bekannte und unbelegte Fixation mancher europäischer Wissenschaftseliten aus der Tradition der „Panbabylonisten“, mit ihrer uralten, kirchlichen Vorgabe der „Ex oriente lux“-Theorie („Aus dem Osten kommt das Licht“). Viel eher handelte es sich um Einwanderer aus dem älteren und europäischen Kulturraum des westlichen Schwarzmeer-Rand-Gebietes. Das Schwarze Meer füllte sich vor etwa 7.500 bis 7.600 Jahren durch einen massiven Zustrom von Mittelmeerwasser, der die Verbindung zum Meer herstellte, nachdem es zuvor ein isolierter Süßwassersee war. Aus diesem südosteuropäischen Kulturraum drangen die Bandkeramiker nach Norden vor, während gleichzeitig die Ertebölle-Küstenjäger von den nordischen Seeküsten nach Süden vorstießen. Aus der Vermischung beider Menschengruppen entwickelte sich der mitteleuropäische Menschentypus. Die Bandkeramiker stellen die älteste bäuerliche mitteleuropäische Kultur der Jungsteinzeit („Neolithikum“) dar, mit permanenten Siedlungen. Siehe dazu: Carl-Heinz Boettcher (1928-2015), seine Werke: „Alteuropa“ und „Nordische Bronzezeit“.