29.11.2025

Wader_1.JPG

HANNES WADER

Ein wahrer Sänger, Hannes Wader,
der Held lag mit sich selbst im Hader.
Das war die Tragik dieses Mannes,
er wollt' mehr sein als nur ein „Hannes“.

Um sich an Mädels ranzuschwingen
begann der Hannes mit dem Singen.
Er war verwundert, es ging recht gut,
da erst fand er zum Leben Mut.

Wer sich nicht liebt, nicht akzeptiert,
als Schuh-Dekorateur, mehr vegetiert,
der triftet ab in den Welten-Hass,
wird Kommunist und politisch krass.

Der Wader war ein Voll-Versager,
fand Achtung nur im linken Lager.
Und, dass ihn auch die andern mögen,
sang er auch bürgerliche Bögen.

Seine Volkslieder waren nur Masche,
er war und blieb eine knallrote Flasche.
Auf Waldeck im Hunsrück hörte ich ihn,
dort Pfingsten 66 er gefeiert erschien.

Zusammen mit etlichen linken Vögeln,
die begannen links-extrem zu blödeln.
Sie lobten drüben die „DDR“ und „SED“.
Wir sagten ihnen: „Haut ab und ade !“

Sie behaupteten, die „DDR“ sei besser,
damals zückte nicht einer sein Messer.
Wir waren „Bündische Jugend“ vor Ort,
kein „Nerother“ dachte links-verbohrt.

Erst 1977 trat Wader offiziell zur „DKP“,
auch der„Friedensbewegung“ guten Idee.
Was hat „DKP“ mit dem Frieden zu tun ?
da lacht ja lauthals das dümmste Huhn.

Hannes Wader, der linke, närrische Tor,
wachte zögernd auf als die „DDR“ verlor
und der rettende M. Gorbatschow erschien,
doch kam er nie weg vom linken Spleen.

Hans Eckard „Hannes“ Wader (1942-?) war mehr als ein „Roter Rattenfänger“. Er wurde im Raum Bielefeld geboren. Seine Eltern waren ein Landarbeiter, der sich für die SPD engagierte, und eine Putzfrau. Die proletarische Gesinnung empfing Hannes schon im Elternhaus. Nach der Volksschule lernte er den Beruf des Dekorateurs in einem Schuhgeschäft. An Mädchen ranzukommen bereitete ihm die größten Probleme, denn es fehlte ihm das nötige Selbstvertrauen. In einer Talkshow erzählte er später, dass ihm sein Aussehen Probleme machte. Er hatte so garnichts worauf er stolz sein konnte, da beschloss er, es mit musikalischen Auftritten zu versuchen, sah er doch, wie die Mädels in aller Regel den Bühnenmännern nachlaufen. Er lernte also das Spielen auf Mandoline und Gitarre. Sein musikalischer Vater war Mitbegründer des regionalen Mandolinenorchesters. An sich selbst fand er keine Freude und an seinem Beruf auch nicht. 1962 entließ ihn sein Chef schließlich wegen „Unfähigkeit, Streitsucht und Musizierens während der Arbeitszeit“. Wader hatte ihm im Streit, nach eigener Aussage, „ein paar Schuhe vor den Wanst“ geworfen.

Er war exakt das, was Friedrich Nietzsche einen „Schlechtweggekommenen“ nannte. Er trat in der Folgezeit in verschiedenen Jazzkapellen als Klarinettist und Saxophonist in Lokalen auf. Begann auch ein Grafikstudium an der Werkkunstschule in Bielefeld. Nach wenigen Monaten bekam er Ärger mit den Dozenten und verließ die Stadt. Nach dem abgebrochenen Grafikstudium wurde er vom Herausgeber des linkslastigen Satiremagazins „Pardon“, für ein Dreivierteljahr als Layouter engagiert. Er begann, selbst zu singen, dazu Gitarre zu spielen und eigene Lieder zu schreiben. „Das Loch unterm Dach“ war bezeichnenderweise sein erstes Stück.

Er wurde Liedermacher. Im Jahr 1966 rief man zur großen Veranstaltung der Jugend auf die Burg Waldeck im Hunsrück. Auch Hannes Wader hörte vom „Festival Chanson Folklore International“ auf Burg Waldeck. Dort hatte er Pfingsten 1966 seinen ersten großen Auftritt, der ihn bekannter machte. Ich gehörte den „Nerother Wandervögeln“ an, vom Orden „Rabenklaue“, zu Wiesbaden. Wir hatten den Eindruck, obwohl wir die tatsächlichen Besitzverhältnisse nicht genau kannten, das sei „unsere Burg“. Wir zogen los, mit unseren Kothen, in denen man wärmende Feuer unterhalten konnte. Auf unseren Wimpeln prangte der silberne Wildschwan auf blauem Tuch. Auf unseren Köpfen trugen wir das Nerother Samtbarett. Es war ein Traditionswandervogel-Verein, welcher durch den NS-Staat, zugunsten von HJ und SA. aufgelöst worden war. Dagegen entstand 1934 die „Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck“, die aber schon 1935 unter staatlichem Druck ihre Bemühungen beenden musste. Meine Kamerden vom Orden „Rabenklaue“ halfen nicht allein im November 1966 bei den Bauarbeiten an unserer Jungenbleibe, der „Trutz-Burg“ Waldeck.

Das Jugendtreffen auf Burg Waldeck im Hunsrück wurde ein grandioser Erfolg. Wir hörten die Gesangsdarbietungen der verschiedenen Barden, auch den Hannes Wader, und waren von ihm und der ganzen Atmosphäre begeistert, geradezu hingerissen. Allerding waren mit ihm ein ganzer Pulk linker Vögel angereist, die in Gespächen an den Lagerfeuern die DDR zu loben begannen, dass „dort drüben“ alles besser und gerechter zuginge als in unserer antiquierten BRD. Da und dort saßen auch schon ganz biedere Arbeiter-Jungens und Studenten an den Feuern, die dem permanenten nach links zielenden Propaganda-Sermon von „SPD“, „DGB“ und dem höcht aktiven „Rotbuch-Verlag“ auf den Leim gegangen waren und die Thesen von den „Erungenschaften der „DDR“ nachäfften. Ich hielt oftmals dagegen und meinte: „Dann geht doch rüber in den Osten, wenn es Euch dort besser gefällt, es hält Euch doch hier keiner auf !“ Die missionsfanatische Antwort lautete stereotyp, „nein“, man wolle den herrlichen Sozialismus auch hier in der Bundesrepublik etablieren.

Seit Ende der 1970er Jahre engagierte sich der Kommunist Wader verstärkt als DKP-Mitglied und trat auf zahlreichen politischen Veranstaltungen auf. Arbeiterlieder und sozialistische Hymnen machten damals einen wichtigen Teil seines Repertoires aus. Wader erlebte aber, dass er nur die Zustimmung seiner Linksfanatiker erfuhr, er lechzte jedoch nach allumfänglicheren Erfolgen und wandte sich verstärkt dem vertauten deutschen Volksliedgut zu. Seit den 1990er Jahren interpretierte Wader verstärkt Werke von Dichtern früherer Epochen wie Joseph von Eichendorff und dem schwedischen Dichter und Komponisten Carl Michael Bellman. Natürlich verstand sich Wader als links-politischer Liedermacher und im Zuge der 68er-Bewegung wandte er sich entschieden links-politischen Themen zu. Die Frage, die die Journalisten damals in den Sechzigern als Erste stellten, war immer dieselbe: „Glauben Sie, dass Sie mit Ihren Liedern die Welt verändern können?“ Da war seine Antwort zwar immer „Nein“, aber die Hoffnung stand doch im Raum. In den 1970er Jahren wurde Hannes Wader dann durch seine provokanten Texte einer der Stars der links-alternativen Szene.

Wader kam Anfang der 1970er Jahre nach Hamburg. Im Oktober 1971 überließ er seine Wohnung im Stadtteil Poppenbüttel für einige Monate einer Hella Utesch, einer vermeintlichen NDR-Reporterin. Nach einer Rückkehr von einer Reise fand er seine Wohnung völlig verwüstet vor. „Hella Utesch“ war der Deckname von Gudrun Ensslin, Mitglied der „RAF“ (Rote Armee Fraktion), die sich Waders Behausung als Hauptquartier eingerichtet und dort Experimente mit Sprengstoff durchgeführt hatte. Bei einem Konzert in Essen wurde Wader verhaftet. Die Staatsanwaltschaft strengte gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen Unterstützung einer kriminellen Vereinigung an. Dass der bekennende KP-ler Wader nicht genau gewusst haben will, dass er die mörderische Terror-Gruppe „RAF“ unterstütze bzw. ihr beistand, ist ihm nicht abzunehmen, derart naiv, als weltfremd-trällernder Liedermacher, war er nie.

Er und seine Freunde wurden in der Folgezeit observiert und abgehört. Die Medien reagierten mit verständlicher Schmähung und weitgehendem Boykott. Erst nach mehreren Jahren wurde das Verfahren eingestellt. Wader zog 1973 nach Struckum im Kreis Nordfriesland und kaufte die von ihm sanierte Windmühle „Fortuna“, wo auch einige der späteren Alben entstanden und aufgenommen wurden. 1974 heiratete er die Schauspielerin Susanne Tremper aus West-Berlin. Kurz darauf nahm sie ein Engagement am Basler Stadttheater an. Das Paar sah sich kaum noch, und die Ehe wurde sechs Jahre später geschieden. 1977 trat er in die „DKP“ ein, er wurde zum Kommunisten mit der Windmühle. In den Medien wurden seine Lieder aufgrund seiner Parteizugehörigkeit relativ selten gespielt. Wader trat, wie es kurioserweise bei Kommunisten üblich wurde, in die „Friedensbewegung“ ein und entwickelte dort seine Aktiviäten. Bei politischen Veranstaltungen stand er seinen Mann bei bestreikten Betrieben. 

Im Jahr 2017 kündigte Wader auf seiner Website an, sich nach 50 Jahren vom Tourneeleben verabschieden zu wollen, da er, „deutlicher als zuvor“ das Älterwerden spüre. Im Oktober 2020 erhielt Wader einen Gedenkstein im Bielefelder Stadtteil Hoberge-Uerentrup. Im September 2021 kehrte er mit einem 90-minütigen Konzert nach vier Jahren wieder auf die Bühne zurück. 2022 erschien zu seinem 80. Geburtstag ein neues Studioalbum mit dem Titel „Noch hier – Was ich noch singen wollte“. Wie für die vaterlandslosen linken Vögel typisch, setzte sich der Linksrebell Wader in seinem Lied „Vaters Land“ sehr kritisch, bis bösartig, mit seinem Verhältnis zu seinem geschmähten Heimatland Deutschland auseinander.

Wader_1a.JPG

Original-Schallplattenhülle (Hammer + Sichel und „rote“ wurden von mir zugefügt)

Hannes Waders links-irrer Lied-Text:

 Fast jeder weiß was in Hameln geschah, vor tausend und einem Jahr
Wie die Ratten dort hausten, die alles fraßen was nicht aus Eisen war
Zu dieser Zeit kam ich nach langer Fahrt als Spielmann in diese Stadt
Und ich hörte als erstes den Herold schrei'n, als ich den Markt betrat
Wer mit Gottes Hilfe oder allein die Stadt von den Ratten befreit
Für den lägen ab nun beim Magistrat hundert Taler in Gold bereit
Ich packte mein Bündel, die Flöte und Leier und klopfte ans Rathaustor
Kaum sah man mich schlug man die
Tür wieder zu und legte den Riegel vor

Und ich hörte wie man den Herren sagte, es stünde ein Mann vor dem Tor
Zerrissen und stinkend in bunten Lumpen, mit einem Ring im Ohr
Dieser Mann nun ließe den Herren sagen, er käme von weit, weit her
Und er böte der Stadt seine Hilfe, weil er ein Rattenfänger wär'
Ich wartete lange, dann rief eine Stimme durch die geschlossene Tür:
"Vernichte die Ratten und du bekommst die versprochenen Taler dafür!"
Und ich ging und blies in der Nacht
die Flöte, immer nur einen einzigen Ton

Der so hoch war, dass nur die Ratten ihn hörten, und keine kam davon
Bis hinein in die Weser folgte mir bald die ganze quiekende Brut
Und an Morgen trieben dann hunderttausend Kadaver in der Flut
Als die Hamelner Bürger hörten, was alles geschehen war in der Nacht
Tanzten sie auf den Straßen, nur an mich hat keiner gedacht
Und als ich dann wieder vorm Rathaus stand und forderte meinen Lohn
Schlug man auch diesmal die Tür vor
mir zu und erklärte mir voller Hohn

Nur der Teufel könne bei meiner Arbeit im Spiel gewesen sein
Deshalb sei es gerecht ich triebe bei ihm meine hundert Taler ein
Doch ich blieb und wartete Stunde
um Stunde bis zum Abend vor jenem Haus

Aber die Ratsherren die drinnen saßen, trauten sich nicht heraus
Als es Nacht war kamen bewaffnete Kerle, ein dutzend oder mehr
Die schlugen mir ihre Spieße ins Kreuz und stießen mich vor sich her
Vor der Stadt hetzten sie ihre Hunde auf
mich und die Bestien schonten mich nicht
Sie rissen mich um und pissten mir noch ins blutende Gesicht
Als der Mond schien flickte ich
meine Lumpen, wusch meine Wunden im Fluss
Und weinte dabei vor Schwäche und
Wut, bis der Schlaf mir die Augen schloss
Doch noch einmal ging ich zurück in
die Stadt und hatte dabei einen Plan

Denn es war Sonntag, die Bürger traten eben zum Kirchgang an
Nur die Kinder und die Alten blieben an diesem Morgen allein
Und ich hoffte, die Kinder würden gerechter, als ihre Väter sein
Ich hatte vorher mein zerfleischtes Gesicht mir bunten Farben bedeckt
Und mein Wams,
damit man die Löcher nicht sah, mit Hahnenfedern besteckt
Und ich spielte und sang, bald kamen die Kinder zu mir von überall her
Hörten was ich sang mit Empörung und vergaßen es nie mehr

Und die Kinder beschlossen mir zu helfen und nicht mehr zuzuseh'n
Wo Unrecht geschieht, sondern immer gemeinsam dagegen anzugeh'n
Und die Hamelner Kinder hielten ihr Wort und bildeten ein Gericht
Zerrten die Bosheit und die Lügen ihrer Väter ans Licht
Und sie weckten damit in ihren Eltern Betroffenheit und Scham
Und weil er sich schämte,
schlug manch ein Vater sein Kind fast krumm und lahm
Doch mit jeder Misshandlung wuchs der Mut der Kinder dieser Stadt

Und die hilflosen Bürger brachten die Sache vor den hohen Rat
Es geschah was heute noch immer geschieht, wo Ruhe mehr gilt als Recht
Denn wo die Herrschenden Ruhe wollen, geht's den Beherrschten schlecht
So beschloss man die Vertreibung einer ganzen Generation
In der Nacht desselben Tages begann die schmutzige Aktion
Gefesselt und geknebelt, von den eigenen Vätern bewacht
Hat man die Kinder von Hameln ganz heimlich aus der Stadt gebracht
Nun war wieder Ruhe in der Stadt Hameln, fast wie in einem Grab
Doch die Niedertracht blühte,
die Ratsherren fassten eilig ein Schreiben ab

Das wurde der Stadtchronik beigefügt, mit dem Stempel des Landesherrn
Und besagt, dass die Kinder vom Rattenfänger ermordet worden wär'n
Doch die Hamelner Kinder sind nicht tot, zerstreut in alle Welt
Haben auch sie wieder Kinder gezeugt, ihnen diese Geschichte erzählt
Denn auch heute noch setzen sich
Menschen für die Rechte Schwächerer ein

Diese Menschen könnten wohl die Erben der Hamelner Kinder sein
Doch noch immer herrscht die Lüge über die Wahrheit in der Welt
Und solange die Gewalt und Angst die Macht in Händen hält
Solange kann ich nicht sterben, nicht ausruh'n und nicht flieh'n
Sondern muss als Spielmann und Rattenfänger immer weiter zieh'n
Denn noch nehmen Menschen Unrecht als Naturgewalt in Kauf
Und ich hetze noch heute die Kinder dagegen immer wieder auf
Und ich hetze noch heute die Kinder dagegen immer wieder auf