10.01.2017 / 29.09.2025
 
Fotokunst von Susanne Esser in Darstellung der Künstlerin Christine May
 
DIE FEE
 
Die Wollgraswiesen tupft ihr Fuß,
Libellen spiegeln sich im See,
sie schwebt ins Erlenblättergrün,
die stein-alt, jugend-schöne Fee.
 
Sie ist der Huldren Königin,
in ihrem Zauberschloss am Hain,
rundum dehnt sich ihr Elfenreich,
verborgen hinterm Nebel-Rain.
 
Die Fee ist ihrem Völkchen gut,
ein Gnom spinnt ihr das Märchen-Garn;
sie dreh’n sich mit, tanzt sie vorbei,
die Wichte unterm Adler-Farn.
 
Am Schopf der Fürstin prangt die Zier,
ihn krönt das heil’ge Widderhorn,
auch als Insignie ihrer Macht,
des weißen Hirsches Sprossen-Dorn.
 
So fährt die Fee durch ihr Revier,
in jener und in dieser Zeit -,
küsst heute wer ein schönes Weib,
ist Sie’s vielleicht an seiner Seit‘.
 
Denn Feen-Zauber stirbt nie aus,
der Märchenwald wächst überall,
in Dir und mir und vor der Tür,
tönt lieblich leis' sein Zimbelschall.
 
Macht nur das Dritte-Auge weit,
kein Zugang bleibt Euch dann verstellt,
Ihr seht durch trüben Umwelt-Dunst
den Liebreiz unserer Hinter-Welt.
 

Feen sind übernatürliche Wesen aus Erzähltraditionen, die heute meist als schöne, magisch begabte Frauen verstanden werden, die Menschen gegenüber wohlwollend oder auch bösartig agieren können. Die Figur stammt ursprünglich aus den keltischen Sagen, die sich bis in deutsche und französische Literaturen erhalten konnten. Die moderne Darstellung von Feen, oft mit Flügeln und in der Natur verortet, ist eine Weiterentwicklung, die stark von der Romantik und späteren Fantasy-Werken geprägt ist.

Ursprung und Entwicklung kommen aus indoeuropäische Wurzeln. Der Begriff leitet sich vom lateinischen fatum (Schicksal) ab, da Feen oft ins Schicksal von Menschen eingriffen. Das modere Konzept wurde aus der französischen Fée-Literatur ins Deutsche und viele andere Sprachen übernommen. Die germanische Mythologie kennt die die Geistwesen der Alfen, aus deren Begriff sich die Elfen (Licht- und Dunkel-Alfen) ebenso ableiten können. Die Feenfiguren basieren hauptsächlich auf keltischen Vorstellungen von Wesen der Anderswelt.

Heute werden sie oft als junge, schöne Frauen mit magischen Kräften und manchmal auch als kleine, geflügelte Wesen dargestellt. Ihre Natur kann zwiespältig sein – sie können wohlwollend und hilfreich sein oder aber auch gefahrvoll und bösartig. Sie sind magisch begabt und können zaubern, wobei ihre Kräfte je nach Erzählung variieren. Letztlich sind es erdachte Inkarnationen des weiblichen Geistes.