26.08.2013

MEIN OD-KIND
Seit tausend Wintern wissen es die Weisen,
dass mit den Menschen Seelengeister reisen,
in der Gestalt von mädchenhaften Wesen,
oft lieblich, elfenschön, wie auserlesen.
Ihr Antlitz zeigen sie in manchen Träumen,
dann treten sie aus ihren Zwischenräumen,
sie warnen uns vor kommenden Gefahren,
durch Sinnbild-Zeichen die sie offenbaren.
dass mit den Menschen Seelengeister reisen,
in der Gestalt von mädchenhaften Wesen,
oft lieblich, elfenschön, wie auserlesen.
Ihr Antlitz zeigen sie in manchen Träumen,
dann treten sie aus ihren Zwischenräumen,
sie warnen uns vor kommenden Gefahren,
durch Sinnbild-Zeichen die sie offenbaren.
Die Freundschaft mit der Seele ist zu pflegen,
wer dies vermag erlebt den reichsten Segen.
Wir sollten danach suchen, danach streben,
dann wird uns Hilfe für ein starkes Leben.
Wem es gelingt mit seinem Geist zu reden,
wird mit Erfolg den Unglücksgeist befehden;
den guten Ratschlag wird er nie vermissen,
er wird den rechten Weg wohl immer wissen.
Und wär’ er einmal trotzdem unbedacht,
so greift der Glücksgeist ein, gibt selber acht.
Wer solchen wundersamen Schutz gewinnt,
den nennt der weise Volksmund Sonntagskind.
Denn Sonnenheil ist allerwegs vonnöten,
die lichte Kraft allein kann Lippen röten;
die Sonnenfunken fahren in die Herzen,
im Schimmer schmelzen unsere Schmerzen.
Urferne Ahnen schon erkannten jene Kräfte,
gewachsen aus des Sippenblutes Säfte -;
mit lichten Himmelsgöttern dicht verwandt,
herab aus Nordens klarer Höhe hergesandt.
Hamingja nannten unsre Ahnen diese Geister,
so lehrten’s schon der Runen hehre Meister;
auch Fylgja, Folgegeist galt als Benennung,
doch wäre Od-Kind klar die beste Kennung.
Od meint die Seele, meint Gemüt und Geist,
Od ist das Gut und jenes das zur Spitze weist;
Od ist das Ur-Es, das zu allem Anfang war,
Od ist die Kraft die sich die Welt gebar.
Mein Od-Kind wandelt treu an meiner Seite,
bei Tag und Nacht, im Frieden wie im Streite -;
und kehr' ich einst zur ewigen Himmelsruh’,
dann trägt es mich den hohen Sternen zu.
wer dies vermag erlebt den reichsten Segen.
Wir sollten danach suchen, danach streben,
dann wird uns Hilfe für ein starkes Leben.
Wem es gelingt mit seinem Geist zu reden,
wird mit Erfolg den Unglücksgeist befehden;
den guten Ratschlag wird er nie vermissen,
er wird den rechten Weg wohl immer wissen.
Und wär’ er einmal trotzdem unbedacht,
so greift der Glücksgeist ein, gibt selber acht.
Wer solchen wundersamen Schutz gewinnt,
den nennt der weise Volksmund Sonntagskind.
Denn Sonnenheil ist allerwegs vonnöten,
die lichte Kraft allein kann Lippen röten;
die Sonnenfunken fahren in die Herzen,
im Schimmer schmelzen unsere Schmerzen.
Urferne Ahnen schon erkannten jene Kräfte,
gewachsen aus des Sippenblutes Säfte -;
mit lichten Himmelsgöttern dicht verwandt,
herab aus Nordens klarer Höhe hergesandt.
Hamingja nannten unsre Ahnen diese Geister,
so lehrten’s schon der Runen hehre Meister;
auch Fylgja, Folgegeist galt als Benennung,
doch wäre Od-Kind klar die beste Kennung.
Od meint die Seele, meint Gemüt und Geist,
Od ist das Gut und jenes das zur Spitze weist;
Od ist das Ur-Es, das zu allem Anfang war,
Od ist die Kraft die sich die Welt gebar.
Mein Od-Kind wandelt treu an meiner Seite,
bei Tag und Nacht, im Frieden wie im Streite -;
und kehr' ich einst zur ewigen Himmelsruh’,
dann trägt es mich den hohen Sternen zu.
Die „Hamingja“ war in der nordischen Mythologie eine Art weiblicher Schutzgeist bzw. Schutzengel. Man glaubte, sie begleite einen Menschen und entscheide über sein Glück. Daher wurde der Name auch verwendet, um Glück auszudrücken, und genau das bedeutet er im modernen Isländischen. Nach dem Tod eines Menschen ging die Hamingja an ein geliebtes Familienmitglied über und begleitete so die Familie über mehrere Generationen hinweg und beeinflusste ihr Schicksal. Es war sogar möglich, die eigene Hamingja an einen Freund zu verleihen, wie es geschah, als Hjalti Skeggiason kurz vor einer gefährlichen Reise Olaf II. von Norwegen bat, ihm seine Hamingja zu leihen. Normalerweise erscheint sie im Schlaf in Tiergestalt. Sie kann aber auch der Geist einer schlafenden Person sein, der in Tiergestalt erscheint, wie Bödvar Bjarki in der Saga von Hrólfr Kraki. In der nordischen Mythologie bezeichnet hamingja (altnordisch „Glück“ und zwar a: die Personifizierung des Glücks oder des Glücks einer Einzelperson oder Familie und (b:) das veränderte Aussehen von Gestaltwandlern. Sowohl Fachwissenschaftler, wie der Engländer Andy Orchard als auch Rudolf Simek bemerkten Parallelen zwischen dem Konzept der Hamingja und der „Fylgja“. Glück kann auf einen Nachkommen des Besitzers oder ein Stammesmitglied für eine gefährliche Reise übertragen werden; es verleiht Reichtum, Erfolg und Macht und wächst im Laufe des Lebens. Manchmal wird Hamingja auch zur Bezeichnung von Ehre verwendet.
Das deutsche Wort „Seele“ stammt über mittelhochdeutsch sële und althochdeutsch së(u)la, gotisch saiwala von einer urgermanischen Form saiwalō oder saiwlō ab, im Sinne von „die vom See stammende“ von dem ebenfalls urgermanischen saiwaz (See) abgeleitet. Der Zusammenhang soll darin bestehen, dass nach einem altgermanischen Glauben die Menschen-Seelen vor der Geburt und nach dem Tod in bestimmten Seen der Erdmutter leben (von wo der sagenhafte Klapperstorch die Babys holt). Einen Hinweis dazu gibt der „Frau-Holle-Teich“ (Hollenteich), der ein kleines, sagenumwobenes Stillgewässer auf dem im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis gelegenen „Hohen Meißner“ ist. Im Umkreis von etwa 50 km ist er das am höchsten gelegene stehende Gewässer. Die Brüder Grimm besuchten den Frau-Holle-Teich im frühen 19. Jahrhundert und erwähnten ihn in ihren „Deutschen Sagen“. Sicher ist, dass dieser Teich weitaus älter ist, denn am Frau-Holle-Teich wurden Golddukaten aus der Zeit des röm. Kaisers Domitian (81-96 n. 0) gefunden. Ebenso wurden auch Feuersteingeräte aus der Steinzeit am Teich entdeckt.
Unklar ist allerdings, wie verbreitet dieser Glaube war, zumal eine Verbindung zwischen dem Totenreich und saiwaz (bzw. davon abgeleiteten Formen) in germ. Quellen nicht schriftlich bezeugt ist. Auch ein Zusammenhang mit samisch saivo wird angenommen, einem urnordischen Lehnwort, das ein Totenreich bezeichnet. Schon im Althochdeutschen und Mittelhochdeutschen waren formelhafte Wendungen wie „mit (oder an) Leib und Seele“ häufig, die sich im Sinne von „völlig, ganz und gar“ nachdrücklich auf den gesamten Menschen beziehen. Der seit dem Spätmittelalter beliebte Ausdruck „schöne Seele“ hat antike (nobilitas cordis), altfranzösische (gentil cuer) und spirituelle (edeliu sêle) Wurzeln und tritt in der Variante der „edelen herzen“ bei Gottfried von Straßburg (
um 1215) programmatisch auf. Im 14. Jahrhundert wird „schöne Seele“ in der spirituellen Literatur üblich. In religiösem Sinne wird der Begriff noch im Pietismus verwendet, so etwa von Susanna Katharina von Klettenberg, einer Freundin von Goethes Mutter. Seit dem 17./18. Jahrhundert bezeichnet „Seele“ häufig den ganzen Menschen („er ist eine gute Seele“; „keine Seele“ für „niemand“).
Die Strömung der Empfindsamkeit im Zeitalter der Aufklärung gebrauchte „schöne Seele“ auch in einem weiteren, nicht mehr nur religiösen Sinne zur Kennzeichnung eines empfindsamen und tugendhaften Gemüts oder Menschen. Friedrich Schiller bezeichnet mit der „schönen Seele“ den Einklang von Sinnlichkeit und Sittlichkeit. Sarkastisch formuliert Friedrich Nietzsche: „zu fordern, dass Alles ‚guter Mensch‘, Heerdenthier, blauäugig, wohlwollend, ‚schöne Seele‘ – oder, wie Herr Herbert Spencer es wünscht, altruistisch werden solle, hieße dem Dasein seinen großen Charakter nehmen, hieße die Menschheit kastrieren und auf eine armselige Chineserei herunterbringen. Im 20. Jahrhundert hat sich durch den Sprachgebrauch der Psychologie das Fremdwort „Psyche“ eingebürgert. Es steht für eine nüchternere, eher wissenschaftlich orientierte Betrachtung des menschlichen Innenlebens ohne den gefühlsbetonten Beiklang von „Seele“. Der Unterschied zwischen Psyche und Seele wird beispielsweise bei Goethe deutlich, der seine Figur der Iphigenie auf Tauris ausrufen lässt: „Und an dem Ufer steh ich lange Tage, das Land der Griechen mit der Seele suchend“. Hier wäre auch nach dem Sprachgefühl heutiger Leser „das Land der Griechen mit der Psyche suchend“ unpassend.
In vielen religiösen Ur-Kulturen, deren Traditionen die allgemeine und vergleichende Geistesgeschichte untersucht, bestehen eine Fülle von Vorstellungen und Begriffen, die sich ungefähr auf das beziehen, was Europäer traditionell unter Seele (im metaphysisch-religiösen Sinn) verstehen, oder zumindest auf etwas in bestimmter Hinsicht damit Vergleichbares. Aus religionswissenschaftlicher Sicht umfasst „Seele“ alles das, was sich „dem religiösen Menschen (an ihm selber und an anderen) als Mächtigkeit physischen und hyperphysischen (paraphysischen, parapsychischen, psychisch-geistigen und postmortalen) Lebens offenbart“. In den indigenen Traditionen wird gewöhnlich davon ausgegangen, dass der Vielfalt mentaler und körperlicher Funktionen eine Vielfalt von Verursachern entspricht. Daraus ergibt sich die Annahme einer Vielzahl eigenständiger seelischer Mächte und Kräfte oder sogar eigenständiger „Seelen“, die sich in einem Individuum betätigen und dessen mannigfaltige Lebensäußerungen bewirken. Für jede dieser Instanzen gibt es einen eigenen Begriff, doch die Zuordnung der einzelnen Funktionen zu den seelischen Mächten ist oft unscharf. Zum Teil ist unklar, inwieweit bei den Vorstellungen von diesen Mächten individuelle oder eher überpersönliche Aspekte im Vordergrund stehen. Häufig fehlt überhaupt das Bedürfnis nach einer Unterscheidung zwischen subjektiver und objektiver Realität. Ebenso wird auch kein prinzipieller Unterschied zwischen Materiellem und Geistigem gemacht; nichts ist ausschließlich materiell und nichts rein geistig. Die Seele ist gewöhnlich mehr oder weniger stofflich oder feinstofflich gedacht und kommt nur in Zusammenhang mit ihren physischen Trägern oder ihren wahrnehmbaren Manifestationen ins Blickfeld.