Der Tod, der Tod, der rasende Schnitter,
umkreist unsre Herde, sucht seinen Fraß.
Dagegen stehen die Mütter, die Mütter,
die Mütter halten das Leben im Maß.
Der Frauen Leiber entzünden die Liebe,
sie schüren der Sehnsucht heilsame Glut,
den Quellen der Liebe im Weltengetriebe,
entspringen die Ströme lebendiger Flut.
Der Kampf, der Kampf ist Mannes Wähnen,
ihn treiben Stachel zum tödlichen Zorn,
er ringt mit Sinnen, Klauen und Zähnen,
auf Lebensbühnen nach oben, nach vorn.
Die Mütter stehen immer im Schatten,
sie leisten im Stillen die dienende Pflicht -,
empfangen von ihren Kindern und Gatten
zu oft den Dank und die Ehrung nicht !
So lasst uns in Liebe der Mütter gedenken,
zu selten steh’n sie im eigenen Glanz,
zum Muttertag wollen wir sie beschenken,
wir winden ihnen den schönsten Kranz !
„Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“,
so lautet der Titel eines Ratgebers für Frauen in der Zeit des NS-Gedankens über Schwangerschaft und Entbindung, das Wochenbett sowie die Säuglingspflege im ersten Lebensjahr des Kindes. Es wurde von der Lungenfachärztin Johanna Haarer (1900-1988) verfasst und ein Jahr nach der NS-Machtgewinnung 1934 in erster Auflage veröffentlicht. Zusammen mit ihren Publikationen „Unsere kleinen Kinder“ (1936), „Mutterschaft und Familienpflege im neuen Reich“, 1937, verfasste Haarer die bekanntesten Erziehungsbücher im Dritten Reich und prägte damit auch die Erziehung im neuen NS-Volksstaat.
Seit Ende WK II. sind deutsche Kinder seitens der Sieger und ihrer Kollaborteure unerwünscht, folglich wurden Haarers Bücher zunächst von den Alliierten verboten. Unter dem Titel „Die Mutter und ihr erstes Kind“ wurde ihr erfolgreichstes Buch in überarbeiteter Fassung und ohne Hinweis auf die Erstausgabe später erneut herausgegeben, 1987 in letzter Auflage. Mit der Frage, wie diese Ratgeber noch heute Einfluss auf die Kriegskinder und deren Kinder nehmen, haben sich zahlreiche Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen befasst. Unter ihren Veröffentlichungen hat das Buch von Sigrid Chamberlain mit dem Titel „Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ besondere offizielle Beachtung gefunden. Darin liest man solchen krampfhaften Anti-NS-Unsinn, wie z.B.: „Massenweise wurden unter verschiedensten Vorwänden Kinder und junge Menschen in Bewegung gesetzt und hin- und hergeschoben: In Kinderlandverschickungslager, ins Land- oder Pflichtjahr, als Angehörige des Arbeitsdienstes, im Krieg als Ost- und Westwallbauer“ (S. 170). Die Kinderlandverschickung, die ich als Kind selbst erlebte, geschah wegen den alliierten Bombardierungen der Städte, mit der massenweisen Auslöschung von Zivilisten, d.h. von Müttern und Kindern.
Nachdem Johanna Haarer im Alter von 23 Jahren ihr Staatsexamen als Ärztin abgelegt hatte, war sie in den folgenden zehn Jahren in ihrem Beruf tätig. Ihre erste Ehe wurde beendet. In zweiter Ehe gebar sie 1933 Zwillinge und bekam später drei weitere Kinder. Mit der Geburt der Zwillinge gab sie ihre ärztliche Tätigkeit auf und begann zu schreiben - Kolumnen und Bücher zur Säuglingspflege und Kindererziehung. Eine pädagogische Ausbildung besaß sie nicht, ist dazu auch völlig unwichtig. Unter anderem veröffentlichte sie im Völkischen Beobachter. Erst im Jahr 1937 trat sie der NSDAP bei. 1945 wurde sie inhaftiert und verbrachte ein Jahr in drei verschiedenen amerikanischen Internierungslagern. 1946 nahm sich ihr Mann, der Oberarzt, welcher an der neuen Zeit verzweifelte, das Leben.
Der gesteuerte Diskreditierungskampf gegen Johanna Haarer begann. Alle ihre fünf Kinder seien angeblich später „auf irgendeine Weise psychisch krank“, hieß es bzw. gab Sigrid Chamberlain an. Sie schrieb schäbig über Haarer, „dass einige ihrer Kinder sich als Erwachsene von ihr distanziert hatten und sie bis zu ihrem Tode als „Nazi“ bezeichneten. Mindestens eine Tochter verteidigten sie. Das kann und muss man nicht mehr klären.“
Nach dem Krieg erhielt Haarer keine Erlaubnis, sich als Ärztin in eigener Praxis niederzulassen. Bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 1965 war sie in verschiedenen Gesundheitsämtern in Bayern tätig. Sie starb 88-jährig. Anna Hutzel, eine ihrer Töchter, teilte in einem Telefonat mit Susanne Blumesberger von der Universität Wien im November 2000 mit, ein Gespräch über das Dritte Reich sei mit ihrer Mutter „nie möglich“ gewesen. Ihre nationalsozialistische Einstellung habe die Mutter bis zu ihrem Tod nicht aufgegeben. Innerfamiliäre Konflikte seien „mit Gewalt gelöst“ worden. Bei fünf Kindern, ohne männliche Unterstützung, liegen schon mal die Nerven blank, da setzt es schon mal 'ne Ohrfeige. Die Kinder hätten unter „der Gefühlskälte“ ihrer Mutter gelitten, wird eine Äußerung breitgetreten. Annas Schwester Gertrud veröffentlichte 2012 und damit knapp 25 Jahre nach dem Tod der Mutter sowohl deren Autobiografie als auch ihre eigene, in der sie die Angaben der Schwester bestätigte. Auch Frauen machen mit Anpassung und Zeitgeist-Plapperei gern Geschäfte.
Die Dokumentarfilmerin Gabriele Dinsenbacher - Jahrgang 1952 und Tochter eines Lehrerehepaares - besuchte Gertrud Haarer in Italien und ließ die 1942 geborene Tochter aus ihrem Leben erzählen. Im September 2019 veröffentlichte der Bayerische Rundfunk die Dokumentation auf seinem YouTube-Kanal. Sie war zuvor in der Reihe Lebenslinien unter dem Titel „Meine deutsche Mutter“ gesendet worden. Sie war der Johanna Haarer schwierigstes, ja renitentes Kind, das schon mit 14 Jahren in München-Schwabing nachts in Künsterkneipen ihr Unwesen trieb. Alle anderen vier Kinder hatten sich prächtig entwickelt, legten gute Abituren ab und meisterten ihr Leben. Gertrud verkaufte das Haus ihrer Mutter, flüchtete von München nach Italien und schrieb ein Buch „Die deutsche Mutter und ihr letztes Kind“, kein anderer Titel könnte das deutsche seelische Verhängnis und den deutschen Niedergang besser versinnbildlichen !
Ihre Mutter, die Johanna Haarer, setzte Impulse für das vitale Leben, Tochter Gertrud für ihr eigenes
kinderloses Versagen und die Nachkriegs-Resignation.