20.05.2019
Die uralte Bechtheimer Eiche wächst auf dem Felsen, wo Schornbach und Beuerbach zusammenfließen. Die Hälfte ihrer Wachstumskraft hat ihr Lebenswillen in den Ausbau der Wurzel gelegt, um über die Felsen hinweg ans Wasser der Tiefe zu gelangen. Der alte Namen von Bechtheim lautete „Bechtehem“ (also Heim der germ. Göttin Bechte).
DIE BECHTHEIMER EICHE
Der Bechtheimer Eiche am Felsenhang
war es als Kind ums Leben so bang.
Eine Eichel geriet in den Felsenpalt,
das Bäumlein dachte: „Wie werd‘ ich alt ?
Der Schornbach rinnt so weit im Tal,
werd‘ ich verdursten zu Sommersqual;
in trockenen Zeiten ist kein Verlass,
wo finde ich dann das nährende Nass ?
Wüchsen mir Beine, ich stiege hinab,
gerät mir die Höhe zum frühen Grab ?“
Die Eiche wuchs, lang war sie schlank,
aus den Felsenfugen sie Feuchte trank.
Doch ihre Sehnsucht blieb immer frisch:
„Hinab, hinab nur zum Wiesen-Tisch -,
nimmer verschmachten zum dürren Stroh,
dort würde ich rinnenden Wassers froh.“
Und was einem Wesen in Sinnen wächst,
hat wahrlich sein Wille herbeigehext,
wenn er unbeirrbar, unbeugsam bleibt,
den Leib in Richtung des Willens treibt.
Alles ist nur Kraft, ob Körper, ob Geist,
ob sie als Gedanke und Lichtstrahl reist,
ob sie zum fühlenden Leibe gerinnt,
sie wird was Lichtquant und Zelle sinnt !
Bechtheims Eiche durchbrandete Brunst,
die liebende Gier zur gütigen Gunst,
welche tausende Jahre mit gleichem Gruß
dort lockte und lockte vom Felsenfuß.
Aus dem Felsenbesen wurde ein Baum,
er griff mit Armen zum Himmelsraum,
und er wälzte ein mächtiges Wurzelbein
hinweg über schroffes Felsengestein.
Längst trinkt sich Bechtheims Eiche satt,
noch immer ist sie nicht sterbensmatt.
Sie sollte uns allen ein Vorbild sein:
Gebt niemals auf, trotz Angst und Pein !
Bertha/Bechta (die Helle / Reine) ist der Name einer germanischen Göttin, auch einer Heiligen, sowie historischen Personen. Es gibt zwei Ortsnamen Bechtheim (Untertaunus und Wonnegau), Bechterdissen (Ravensberger Hügelland) und den Bechtelsberg (Nordhessen), welche mit dieser altdeutschen Göttin in Verbindung gebracht werden dürfen.
Bertha galt ursprünglich als Erdgöttin, Mutter Erde, die Göttliche Mutter, die Urmutter. Ähnliche Bezeichnungen der Göttlichen Mutter sind Erda, Erde, Berta, Percht, Perchta. Bertha ist als germanische Bezeichnung der Erdgöttin auch gleichzusetzen mit Frigg, Holla, Holler, Jörd, Fyörgyn, Nerth, Nertha und Nerthus. Perchta lautet ihre Benennung im Alpenraum, die mit den Raunächten (Zwölften Nächte) in Verbindung steht. Ihr Name leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort „bercht“ ab, was glänzend oder leuchtend bedeutet.
Sie galt als Herrin des Winters, des Spinnens und der Wilden Jagd. Auch als Totengöttin und Fruchtbarkeitsgöttin wurde sie angesehen, die für den Ackerbau zuständig war. Sie ist mit anderen germ. göttlichen Frauenfiguren wie Holda (Frau Holle) verwandt, Perchta/Peratha wird als deren süddeutsche Entsprechung angesehen. Mit ihr ist die gleiche göttliche Energie gemeint wie die ägyptische Isis, die hinduistische Shakti, Devi, Bhumi Devi, die römische Demeter und Ceres.
Die Heilige Berta von Bingen lebte im 7./8. Jahrhundert ist die Mutter des Heiligen Rupert von Bingen. Ihr Leben wird beschrieben von der sogenannten Heiligen Hildegard von Bingen, die im 12. Jahrhundert lebte. Bertrada die Jüngere, auch Bertha, Berta oder Berhta, in anderen Sprachen auch Berthruda genannt (um 725-783) war die Tochter des Grafen Heribert von Laon und Enkelin von Bertrada der Älteren. Bekannt wurde die ab 744 eigenständig handelnde Gattin Königs Pippin des Jüngeren. Sie wurde um 748 die Mutter Karls des Großen. Auch eine seiner Töchter, aus der Ehe mit Hildegard aus Schwaben, trug diesen ehrwürdigen Göttinnen-Namen, nämlich Bertha, Berta, Berhta oder Berchta (775-828).